Polizisten nehmen am 14.12.2017 in Berlin an einer Razzia gegen Islamisten teil. In Berlin läuft seit dem Morgen eine größere Razzia gegen die Islamistenszene. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: Abendschau | 14.12.2017 | Rainer Unruh | Bild: dpa/Paul Zinken

Razzia gegen Islamisten - Amri-Kontaktmänner stehen im Visier der Ermittler

In Berlin und in Sachsen-Anhalt hat die Polizei Wohnungen mutmaßlicher Islamisten durchsucht. Einer davon ist nach rbb-Informationen der 19-jährige Walid S. Er soll den Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri noch kurz vor der Tat getroffen haben.

Spezialeinheiten des Landeskriminalamts haben am Donnerstag insgesamt neun Objekte in Berlin und in Sachsen-Anhalt durchsucht. Nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft richtete sich die Razzia gegen vier Männer im Alter zwischen 18 und 21 Jahren wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

Als Beweismittel wurden insbesondere Datenträger sichergestellt. An den Durchsuchungen waren den Angaben zufolge rund 130 Polizeikräfte beteiligt. Festnahmen gab es entgegen früherer Berichte nicht.

Drei der beschuldigten Männer sollen im November 2016 in Gebiete des sogenannten "Islamischen Staates" (IS) nach Syrien ausgereist sein - einer soll sich dort einer militärischen Ausbildung an Waffen und Sprengstoff unterzogen haben. Die mutmaßlichen Dschihadisten werden nach wie vor in Syrien oder im Irak vermutet. "Der vierte hat sozusagen als Chauffeur fungiert und die anderen zum Flughafen gefahren", sagte Martin Steltner, der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft.

Walid S. traf Amri am Tag des Anschlags

Auch wenn es offenbar keinen direkten Zusammenhang zum Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt gibt, soll einer der Männer, deren Wohnungen durchsucht wurden, nach rbb-Informationen eine direkte Kontaktperson des Attentäters Anis Amri gewesen sein. Er wurde aber offenbar nur als Zeuge, nicht als Beschuldigter vernommen.

rbb-Investigativreporter Jo Goll sagte im Inforadio: "Walid S. wurde im Zusammenhang mit dem Anschlag vom Breitscheidplatz schon mehrmals als Zeuge vernommen, nämlich im Januar 2017." Dabei habe er eingeräumt, Amri zu kennen. Mehr noch: Am Tattag habe er Amri getroffen, habe noch mit ihm in einem Döner-Imbiss im Wedding zu Mittag gegessen und sei danach mit der S-Bahn Richtung Kreuzberg gefahren, wo sich ihre Wege getrennt hätten. Danach sei Amri offenbar in die Fussilet-Moschee gefahren, um sich auf den Anschlag vorzubereiten.

Razzia gegen mutmaßliche Islamisten in Berlin (Quelle: rbb/Matthias Bartsch)Nach rbb-Informationen wurde in diesem Hochhaus in der Gropiusstadt eine Wohnung durchsucht.

Ein Zeichen Richtung islamistische Szene

Mit der Razzia am Donnerstag sollte offenbar kurz vor dem Jahrestag des Anschlags "ein Zeichen gesetzt werden Richtung islamistische Szene", vermutet Goll.

Insgesamt sei der Ertrag der Razzia aber eher gering zu bewerten - für einen Haftbefehl gegen den 19-jährigen Chauffeur wegen dessen Fahrdiensten zum Flughafen habe es nicht gereicht.

 

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19 Kommentare

  1. 19.

    Im Islam gibt es keinen Islamismus, diese Wortschöpfung ist dort unbekannt.
    Wo diese Bezeichnung genau herkommt habe ich mal gelesen, bin mir aber nicht sicher ob D, EU oder vom "Westen".
    All diese Anschläge werden 'im Namen des Islams' verübt und kaum jemand widerspricht oder distanziert sich.
    Bis auf den neu gegründeten 'liberalen Moscheeverein' von Frau Atesh habe ich diesbezüglich nichts glaubwürdiges vernommen. Der Kölner Islamische Friedensmarsch hatte mehr Besucher von Kirche, Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften als Teilnehmer, die alle in einen Van paßten. Bei anderen Aufmärschen kommen tausend Busse voll besetzt.

    Den Angehörigen und den Veletzten dürfte es egal sein, ob der Anschlag jetzt islamisch oder islamistisch bezeichnet wird. Tot ist tot und verletzt ist verletzt.

    Schöne Weihnachten @all und an den rbb

  2. 18.

    Geschmacklos ist vielmehr, im Zusammenhang mit all den von Ihnen genannten Anschlägen den Unterschied zwischen "islamisch" und "islamistisch" zu ignorieren.

  3. 17.

    Es gibt keine islamischen Anschläge?

    In Polen, Tschechien oder Ungarn mag diese Behauptung ja zutreffen.
    Aber sonst?
    Soll sich jetzt herausstellen, daß es all diese Anschläge in Nizza, Barcelona, London, Madrid, Paris, Berlin, NY etc. pp. gar nicht gegeben habe?

    Das ist ja einmal eine positve Nachricht, die der RBB hier verbreitetet und gewiß eine enorme Hilfe für alle Überlebenden und Angehörigen/Hinterbliebenen.

    Verzeihung - aber dieser Kommentar ist geschmacklos!

  4. 16.

    Ne, es gibt durchaus einen Unterschied zwischem Islamisch und islamistisch....Allerdings wollen Leute wie sie das ja auch gar nicht unterscheiden.....

  5. 12.

    Ich finde die Argumentationslinie interessant, daß bei anderen Tätigkeiten viel mehr Menschen verletzt oder getötet wurden, ist mir in der letzten Zeit öfter begegnet. Ich hab in den letzten zwei Jahren auch gelernt, Statistiken zu lesen.
    Vielleicht wäre es dann an der Zeit, Hausfrauen zu bespitzeln und einzukerkern, wenn sie planen, ihre Fenster zu putzen.

  6. 10.

    Das Thema wurde und wird in der Politik möglichst augeklammert - weil es keine Antwort gibt, wenigstens keine, die halbwegs politisch korrekt ist. Es steht auch neben den IS-Rückkehrern (es scheint insgesamt dort reger Tourismus zu herrschen, bei den Guten und den Bösen) noch die Liga der Rückkehrerrinnen in den Startlöchern http://www.tagesschau.de/ausland/irak-dschihadistin-103.html . Dieses Land wird auf jeden Fall bunter werden und religiöser. Hinzu kommt, daß Grausamkeiten, im nahen u. mittleren Osten verübt, hier praktisch nicht geahndet werden (können).

  7. 9.

    @ Martina
    >Diese Leute sind viel gefährlicher. Die halten sich tatsächlich für die gemässigte Mitte und für Anständig.<

    .
    Durch islamische Anschläge sind in Deutschland letztes Jahr 13 Menschen getötet und mehr als 85 Menschen verletzt worden.

    Sie schreiben das >diese Leute viel gefährlicher< sind.
    Wie viele sind denn letztes Jahr durch >diese Leute< verletzt und getötet worden und entspricht die Anzahl der Opfer auch der Relation der jeweiligen Populationsgrößen?

  8. 8.

    Ich möchte das Sie weggesperrt werden. Man fühlt sich ja nicht mehr sicher in dieser Stadt. Überall Leute die Massenverhaftungen das Wort reden. Von anderen Transportlisten und Deportationszahlen fordern. Jetzt sogar mit einer Partei im Parlament die derartige Staatsfeindlichkeit für Opposition verkauft. Das ist ja wie im Jugoslawien der 90er Jahre hier. Diese Leute sind viel gefährlicher. Die halten sich tatsächlich für die gemässigte Mitte und für Anständig.

  9. 7.

    Noch ist die Informationslage unklar aber der rechte Mob schäumt mal wieder... *augenroll*

  10. 6.

    Meine Anerkennung und Sympathie für die Berliner Polizisten, die die Verfehlungen der Politiker ausbaden müssen. Danke an Euch!

  11. 5.

    Die Razzia gegen mutmaßliche Islamisten ist doch reiner Aktionismus,viel wichtiger wäre eine Langzeitstrategie um solche Vorgänge wie mit Anis Amri zu verhindern,gute Rahmenbedingungen zum Umgang mit den Flüchtlingen,vor allem erstmal festlegen,was echte Asylanten sind?Als zweites aus welchen Staaten überhaupt eine Aufnahme nötig ist?Drittens kann der Zuzug von Vornherein verhindert werden?Im Fall von Syrien wär das möglich gewesen,wenn unsere Politik sich gegen die militärische Unterstützung der Terroristen in Syrien durch die NATO insbesondere der Natostaaten USA und Türkei gewand hätte!

  12. 4.

    warum lässt man diese Terroristen wieder einreisen ?? kann mir keiner erzählen, das unsere schlauen Behörden das erst seit gestern wissen, das das Terroristen sind ...

  13. 3.

    Wegsperren und nie wieder rauslassen, bitte. Das gilt für alle IS-Rückkehrer. Ob Mann oder Frau. Man fühlt sich ja nicht mehr sicher in dieser Stadt.

  14. 2.

    Was hat Merkel und unsere Regierung nur gedacht, als sie die Grenzen für Muslime sperrangelweit aufmachten. Damit haben wir auch diese islamistische Klientel ins Land geholt.
    Und jetzt wollen viele auch noch den Familiennachzug, nein danke!

  15. 1.

    Warum verbietet man diesen islamistischen Knallköpfen die Ausreise? Lasst sie gehen und sterben, um sich später als Märtyrer zu fragen, wo denn die 72 Jungfrauen seien. Tja, auch im Paradies gibt es Fake-New, grins! Und Dummheit muss bestraft werden.

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