Regale mit Stasi-Akten (Quelle: dpa/Bernd Wüstneck)
Bild: dpa/Bernd Wüstneck

Unterlagen-Behörde - Enkelgeneration fordert vermehrt Stasi-Akten an

Seit 1992 können Betroffene ihre persönliche Stasi-Unterlagen einsehen. Mehr als 3,2 Millionen Anträge sind seither gestellt worden. 25 Jahre später geht die Zahl insgesamt zurück - doch eine neue Generation beginnt nun mit der Aufarbeitung.

Bei der Stasi-Unterlagenbehörde sind seit ihrem Bestehen mehr als 3,2 Millionen Anträge zur persönlichen Einsicht in Akten der DDR-Staatssicherheit gestellt worden. In diesem Jahr seien es bis Ende November etwa 46.300 Anträge (2016: 48.600) gewesen, sagte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, der Deutschen Presse-Agentur, wie diese am Mittwoch berichtete. Nach Angaben der Behörde werden im Dezember erfahrungsgemäß nicht mehr sehr viele Anträge gestellt. Die Zahlen für das gesamte Jahr 2017 dürften sich deshalb nicht wesentlich erhöhen.  

Obwohl die Zahlen langfristig zurückgingen, sei das Interesse immer noch höher als anfangs erwartet. Manche Menschen wagten erst jetzt als Rentner den Blick in die Vergangenheit und beantragten Akteneinsicht, sagte Jahn. Es gebe noch die Angst zu entdecken, von Nachbarn oder Freunden bespitzelt worden zu sein, so der frühere DDR-Oppositionelle.

Neu seien auch mehr Nachfragen der "Enkelgeneration", die mehr über das Leben gestorbener Familienangehöriger wissen wollten. Diese Anträge machten mittlerweile 15 Prozent der Erstanträge aus.

Wartezeiten bei einem Drittel der Anträge "zu lang"

"Die Akten klären Schicksale auf, sie sind Dokumente von Menschenrechtsverletzungen und nach wie vor ein wichtiges Instrument der Aufarbeitung", so der 64-Jährige. Seit 1992 gibt es die Möglichkeit zur persönlichen Einsicht in Unterlagen, die die Stasi über Menschen ohne deren Wissen geführt hat. Als erste konnten DDR-Bürgerrechtler wie Bärbel Bohley in der neu gegründeten Stasi-Unterlagen-Behörde in Papieren lesen, die die Geheimpolizei über ihr Leben angelegt hatte. 1992 wurden laut Behörde in Ostdeutschland fast 522.000 Anträge auf Akteneinsicht gestellt.

Derzeit können laut Jahn zwei Drittel der Anträge in wenigen Wochen beantwortet werden. Bei dem Rest müsse noch sehr viel aufwendiger im riesigen Stasi-Archiv recherchiert werden - auch um Verwechslungen auszuschließen. Das könne Monate dauern. "Bei einem Drittel der Anträge sind die Wartezeiten auf eine Antwort noch immer zu lang. Aber das spricht auch für die hohe Qualität der Auskünfte", so Jahn. Rund eine Million Bürger stellte bereits mehrmals Anträge.

Berlin ist das Bundesland mit den meisten Anträgen

Die meisten Anträge wurden in diesem Jahr in Berlin gestellt - laut Bundesbehörde rund 13.200 (bis Ende November).  Das waren fast genauso viele wie im gesamten Jahr 2016. Seit 1992 kamen hier rund 782.400 Anträge zusammen.

Im Nachbarland Brandenburg gingen in der Außenstelle Frankfurt (Oder) seit Januar rund 2.000 Anträge auf persönliche Einsicht in die Akten ein (bis Ende November), etwa 500 weniger als im ganzen Jahr 2016. In Brandenburg waren es seit Bestehen der Bundesbehörde mit ihren Außenstellen rund 305.400 Anträge.

In Thüringen wurden bislang insgesamt 525.400 Anträge gestellt. Dieses Jahr waren es bis Ende November 7.400 Anträge (2016: 7.900). In Mecklenburg-Vorpommern gingen dieses Jahr bis Ende November rund 5.300 Anträge ein (2016: 8.400). Seit 1992 wurden dort rund 351.230 Anträge gestellt.

Jahn zeigte sich überzeugt, dass es die persönliche Einsicht in die Stasi-Papiere dauerhaft geben wird. Derzeit würden zusammen mit dem Bundesarchiv Vorschläge zur Zukunft des Stasi-Unterlagen-Archivs erarbeitet.

Vor mehr als einem Jahr hatte eine Expertenkommission empfohlen, die Stasi-Akten bis 2021 ins Bundesarchiv zu überführen, eine Stiftung einzurichten und die frühere Stasi-Zentrale als Lernort weiterzuentwickeln. Doch Opferverbände befürchteten eine Abwicklung der Behörde. Die Vorschläge wurden auf Eis gelegt. Nun soll über den Umbau der Behörde in dieser Legislaturperiode entschieden werden. Alle konkreten Fragen sind aber offen.

Ex-Stasi-Zentrale

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 3.

    Bezüglich Stasi Aufarbeitung gilt: Die grössten Kritiker der Elche waren früher selber welche.

  2. 1.

    Politiker beschäftigen sich ihr ganzes Leben mit Aufarbeitung, das macht das Geschwätz leichter und die wirklichen Probleme kann man totschweigen, klar die Enkelgeneration wurde so nach westlicher Machart erzogen. Bedenkt man Mal das Verhältnis der Anträge zur Bevölkerungszahl der DDR, ist diese Aussage gerade zu lâcherlich. Wahrscheinlich sind dabei noch die Hälfte von Wessis gestellt, aber ich will niemandem zu nahe treten.

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