Symbolbild: Möbliertes Zimmer in Kreuzberg. (Quelle: imago/Liz Eve)
Audio: Inforadio | 29.05.2018 | Sabine Dahl im Gespräch mit Eckhard Sagitza | Bild: imago stock&people

Kampf gegen illegale Ferienwohnungen - Wohnungsdetektive machen Jagd auf Zweckentfremder

30 Euro pro Nacht oder mehr - für die Anbieter privater Ferienwohnungen ist Berlin ein gutes Pflaster. Doch in den meisten Fällen verstoßen sie mit der Untervermietung gegen das Zweckentfremdungsverbot. "Wohnungsdetektive" sollen ihnen auf die Schliche kommen.

Montagabend, kurz nach 20 Uhr: Auf Airbnb, der weltweit führenden Plattform für die Vermittlung privater Ferienunterkünfte, finden sich bei der Suche nach "Berlin" 306 Inserenten, die Touristen aus aller Welt anbieten, privat in ihrer Wohnung zu übernachten - meistens tageweise, manchmal auch länger.

Drei Personen, ein Bett, 249 Euro pro Nacht

Angeboten werden einzelne Zimmer oder gleich die ganze Wohnung. Die Fotos machen einen einladenden Eindruck, wirken zum Teil wie aus dem Designer-Hotel. "Super gemütliches Zimmer im Kiez", schreibt einer, der sich "Superhost" nennen darf - so heißen auf Airbnb die Anbieter, die besonders viele positive Gäste-Bewertungen gesammelt haben. Auch ein "helles Zimmer im Prenzlauer Berg" ist im Angebot - für 26 Euro die Nacht. Aber es geht auch teurer: Einer der Airbnb-Gastgeber will seine Mietwohnung - "by the River Spree" - gleich drei Gästen auf einmal anbieten. Die Wohnung hat zwar nur ein Bett - dennoch soll sie pro Nacht 249 Euro kosten.

Eigentümer sind oft ahnungslos

Geteilt durch drei mag das für manche Touristen noch immer günstig sein. Doch kaum einer der weitgereisten Berlin-Besucher weiß, dass die Gastgeber in den meisten Fällen gegen das seit 2014 geltende Zweckentfremdungsverbot verstoßen, mit dem der Missbrauch von Wohnraum unterbunden werden soll. Das ist bisher auch in rund 8.000 Fällen geglückt, so dass Katrin Lompscher (Linke), die Berliner Stadtentwicklungssenatorin, das Gesetz jetzt weiter verbessern will. Doch wie viele illegale Ferienwohnungen noch immer angeboten werden, weiß niemand so recht.  

Auch die Eigentümer der bei Airbnb angebotenen Wohnungen sind zumeist ahnungslos: "In vielen Fällen sind es Mieter, die ihre angemietete Wohnung auf diese Art und Weise meist gewinnbringend vermarkten", sagte Eckhard Sagitza, Leiter des Wohnungsamtes Friedrichshain-Kreuzberg, am Montag dem rbb. Um dieses Treiben zu unterbinden, sind im Szenebezirk beiderseits der Spree inzwischen fünf Mitarbeiter damit beschäftigt, den geschäftstüchtigen Airbnb-Anbietern auf die Schliche zu kommen.

Wohnungsamt trägt Beweise zusammen

Hinweise auf illegale Ferienwohnung kommen aus der Bevölkerung, von der Polizei, vom Ordnungsamt oder vom Mieterverein. Nach jedem Hinweis recherchieren Sagitzas Mitarbeiter erst im Internet und nehmen die Objekte dann persönlich in Augenschein. "Wenn wir dann den entsprechenden Beweis zusammengetragen haben, gibt es eine Anhörung und eine Wiederzuführung", sagt der Behördenchef - und meint damit, dass die betreffenden Wohnungen wieder dem regulären Wohnungsmarkt zur Verfügung gestellt werden.

Ein Mieter, mehrere Untermieter

Schlimmer als die Untervermietung an Berlin-Touristen findet Sagitza allerdings eine andere Vorgehensweise, mit der sich die Erlöse aus einer Wohnung noch einmal vervielfachen lassen. Dazu mietet jemand eine Wohnung an und vermietet diese mit normalen Untermietverträgen an mehrere Personen weiter, die sich den Raum dann teilen, aber trotzdem die volle Miete zahlen müssen. Als Beispiel nennt Sagitza eine 35-Quadratmeter-Wohnung, die "zehn-quadratmeterweise" an vier Leute untervermietet wurde. So hätten sich 2.000 Euro Monatsmiete ergeben.

Noch schlimmer sei es, wenn das Schicksal von Flüchtlingen für solche Praktiken ausgenutzt werde. Bei diesem "Geschäftsmodell" werde zu Tagessätzen vermietet und dann mit den Behörden abgerechnet. Da es keine Koordination zwischen den einzelnen Ämtern gebe, seien schon Fälle vorgekommen, in denen "32 Leute in zwei 2-Zimmerwohnungen untergebracht" gewesen seien, sagt Sagitza.

Sendung: Inforadio, 29.01.2018, 10.05 Uhr  

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Der Übergang zum Mißbrauch ist fließend. Man konzentriert sich hoffentlich erst auf den großen Betrug,wie in den letzten beiden Absätzen beschrieben.

    Ein interessanter Fakt: 2,6 Millionen Euro Bußgelder hat Berlin in der Sache verhängt,zum Vergleich: 4,2 Millionen Euro mussten bundesweit wegen Verstößen gegen das Mindestlohngesetz gezahlt werden. Hier nachzulesen: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/mindestlohn-studie-101.html

    unbedingt anschauen: Akte D - Das Versagen der Wohnungspolitik
    https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/wdr-dok/video-akte-d---das-versagen-der-wohnungspolitik-100.html

  2. 5.

    Leider kann ich aber den letzten Abschnitt aus eigener Beobachtung bestätigen. Genauso wird es in Berlin-Plänterwald gemacht. Und nicht nur da.

  3. 4.

    Die eigentlich gute Idee, des sharing gedankens, ist hier gerade in Wirtschaftlicher hinsicht geplatzt wie ein Eitergeschwür einer Krankheit.

  4. 3.

    Hätte man den letzten Absatz nicht weglassen können? Als nachdenkendem Menschen stellen sich mir da zu viele Fragen. Wenn man sich die stellt, kommt leider ein gewisses "Geschmäckle" rein, das mit dem eigentlichen Thema nicht wirklich zu tun hat.
    Ansonsten finde ich den Artikel sehr informativ.

  5. 2.

    0Um einen Untermieter in meine Wohnung aufnehmen zu können,bedarf es doch der Zustimmund des Vermieters. Eine illegale Untervermietung(in einer Mietwohnung) sollte strarfrechtlich verfolgt werden.Bis hin zur fristlosen Kündigung des Hauptmieters. Was die leute mit Ihren Eigentumswohnungen machen, bleibt denen überlassen. Bei Schmutz und/oder Lärmbelästigung
    kann evtl. die Eigentümergemeinschaft dagegen vorgehen.

  6. 1.

    Rund 400 legale Ferienwohngen gibt es derzeit in Berlin.

    Laut einem aktuellen Bericht der B.Z. haben bei Airbnb ca. 700.000 Personen in Berlin im vergangenen Jahr eine Unterkunft gebucht und blieben dabei jeweils fünf Tage in der Stadt.

    Diese Diskrepanz ist offensichtlich und sollte auch die Finanzämter interessieren.

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