ICC, Westend, Charlottenburg, Berlin, Deutschland (Quelle: dpa/Schoening)
Bild: dpa/Schoening

Müller: Kongresszentrum bleibt erhalten - Berliner ICC soll spätestens 2019 saniert werden

Seit Jahren gammelt das asbestbelastete ICC neben dem Berliner Funkturm vor sich hin, mindestens so lange wird über dessen Zukunft gestritten. 2019 will der Senat die Sanierung des "Ufos" starten. Das nötige Geld dafür aber hat er noch nicht beisammen.

Das asbestbelastete Berliner ICC soll bekanntlich nach dem Willen des Senats saniert werden - nun hat der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) auch einen Zeitpunkt genannt: Spätestens 2019 sollen die Bauarbeiten am Internationalen Congress Centrum in Charlottenburg beginnen.

"Im kommenden Vierteljahr" wolle der Senat mit dem Abgeordnetenhaus verabreden, in die Schadstoffsanierung einzutreten, sagte Müller am Mittwoch nach einer Klausurtagung der rot-rot-grünen Regierung. Was umständlich klingt, beschreibt den üblichen Ablauf: Erst muss das Parlament zustimmen, dann müssen die Aufträge für die aufwändigen Sanierungsarbeiten ausgeschrieben werden. Letzteres soll in der zweiten Hälfte 2018 passieren, kündigte Müller an.

200 Millionen Euro Kosten eingeplant

Die Berliner Steuerzahler soll das Ganze 200 Millionen Euro kosten, soviel Geld jedenfalls hat die Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) dem Landeshaushalt für das marode "Ufo" am Messedamm abgezwackt. Dabei wird es aber wohl nicht bleiben: Denn die insgesamten Kosten bezifferte Pop im vergangenen Herbst auf mehr als eine halbe Milliarde Euro. Geld, was die Stadt als ICC-Eigentümerin nicht alleine zusammenkratzen will. Die fehlenden 300 Millionen Euro sollen deshalb private Investoren zahlen, so wünscht es sich die Wirtschaftssenatorin. 

Was aus dem ICC werden soll, weiß der Berliner Senat allerdings immer noch nicht. "So oder so müssen die Schadstoffe erst mal raus", sagte Michael Müller, veraltet bis schrottreif sind außerdem die technischen Anlagen.

Nun sei genug Zeit, über Nutzungskonzepte zu beraten, es sei vieles denkbar, "gemischtes Kongress- und Messegeschäft, mit Hotellerie oder mit anderen Flächen", sagte Müller. Auch als Kulturstandort könne das ICC genutzt werden, ergänzte Ramona Pop am Mittwoch. Sie stellte klar: "Keine Shoppingmall."

Streit um die Zukunft des ICC

Das ICC neben dem Funkturm ist eines der markantesten Gebäude des Berliner Westens, sein Anblick polarisiert. Von 1979 bis 2014 wurde es für Kongresse genutzt. Danach zogen Geflüchtete in den silbergrauen Kasten ein, er wurde zur Notunterkunft. Im vergangenen Sommer zogen die letzten Bewohner wieder aus.

Seit das marode Gebäude vor sich hingammelt gibt es Streit um dessen Zukunft: Der Aufsichtsratsvorsitzende der benachbarten Berliner Messegesellschaft, Wolf-Dieter Wolf, forderte den Abriss des ICC. Baue man dort anschließend etwas Neues, könne das "in einigen Jahren sicherlich zu Beifallsstürmen führen", meinte Wolf. Die AfD-Fraktion im Abgeordnetenhaus lehnte einen Abriss ab, die Messe brauche das Gebäude für ihre weitere Entwicklung.

Der ehemalige Ingenieur Heinz Oeter, der als Krupp-Stahlbau-Chef den Bau der Stahlkonstruktion des ICC verantwortete und der Ex-Messe-Bauchef Lothar Schmidt plädierten ebenfalls gegen ein Ende des ICC. Das Haus sei viel geringer asbestbelastet als angenommen, eine Sanierung viel billiger als ein Abriss.

Sendung: rbb UM6, 31.01.18, 18 Uhr

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Sie sehen dies meiner Meinung völlig richtig. Der Palast der Republik, als offenes Haus der Kultur mußte aus politischen Gründen weg. Alles andere war nur Täuschung. Ich habe viele Bekannte in Berlin und in Ostdeutschland. Sie bewerten es so wie ich. Wenn es einen Volkentscheid in Ostberlin dazu gegeben hätte, der Palast würde heute noch stehen. Aber Volksentscheid ist direkte Demokratie und das fürchten die regierenden Parteien.

  2. 8.

    Man hätte das Gerüst des Palastes nutzen und eine Umgestaltung vornehmen können, da ja nun Fundamente etc vorhanden waren - das hätte die Gestaltung günstiger gemacht und auch andere Konzepte hätten Chancen bekommen.
    Die Diskussion um den Abriss wurde sehr früh nach der Wende angestoßen und tatsächlich wurden die Argumente mit der Repräsentanz des vergangenen SED-Regimes sehr in den Vordergrund gestellt und um die Argumentation des Stadtschlosses herumgebastelt. Denn das Stadtschloss repräsentiert die vergangene Monarchie - ist das etwa besser? Und um die Sache abzuschwächen, nennt man die Fassade dann Humboldt-Forum.
    Die vorgesehen Nutzung wäre mit einem Umbau des vorhandenen ebenso einfach, wie kostengünstiger und genauso sinnvoll - Erinnerung bewahren und daraus lernen.

  3. 7.

    Ganz so ist es nicht, auch wenn ich den Abriss des ICC voll und ganz befürworte. (Vgl. meinen Beitrag hier). Dass der Palast der Republik vorwiegend oder ausschließlich deshalb abgerissen worden wäre, weil die DDR ihn bauen ließ, halte ich für eine Mär. Es waren gewiss ein paar, die das deshalb forderten, doch insgesamt eine recht verschwindende Zahl. Das Hauptargument für den Abriss war nicht dessen DDR-Vergangenheit, sondern dessen Standort am Beginn der Straße Unter den Linden. Dieser Ort ist in der Tat mit dem Standort des ICC nicht vergleichbar.

    Auf dem Schlossplatz inmitten von Berlin kann nur ein Gebäude stehen, dass die "Kraft" hat, der Straße Unter den Linden den Auftakt zu geben. Das hat der gewiss nicht hässliche, aber doch auch nicht aussagekräftige Palast der Republik nicht gekonnt.

    Am Baumschulenweg gestanden oder in Hohenschönhausen hätte niemand nach 1990 daran gedacht, ihn abzureißen.

  4. 6.

    Abreißen und etwas Neues hinstellen. Das ist bestimmt preiswerter, als diesen Asbestkasten zu sanieren.
    Ich verstehe nicht, warum die Stadt an diesem Millionengrab fest hält.

  5. 5.

    Welch Messen mit zweierlei Maß: der asbestverseuchte Palast der Republik wurde dem Erdboden gleichgemacht und das asbestverseuchte ICC wird saniert.
    Die Stadtschloßbegründung war und ist eine Farce - dann bitte gleiches Recht für alle und das ICC, welches ungleich hässlicher als der ehem. Palast war, abreißen und einen schicken Neubau in alter Fassade der alten Bebauung.
    Aber der Palast war ja ein DDR Prunkbau des SED-Regimes, daher musste er verschwinden und so gut wie alles, was an die DDR erinnerte wurde zerstört.
    Das hässliche ICC (eröffnet 1979), auch bekannt als Panzerkreuzer Ristock (Harry Ristock, damaliger SPD-Bausenator von 1975 bis 1981) soll also erhalten werden - in Anbetracht der Wertung des SPD-Senats nur nachvollziehbar, aber für die Bürger nicht zu vermitteln.

  6. 4.

    für mich gibt es nur eines :
    ABRISS von diesem Verkahrshindernis

  7. 3.

    Seltsam.....

    Selbst die Architektin des ICCs Ursulina Schüler-Witte hat gesagt, dass im ICC kein Asbest verwendet wurde sondern Cafco.
    Es gibt im ICC kein Spritzasbest.

  8. 2.

    Ufos landen gemeinhin auf fernen Planeten oder in der Wüste. Das war wohl das wesentlichste Missverständnis bezügl. des ICC, das die Umgebung zur reinen Wüstenei gemacht wurde. Für zu Fuß Gehende zum Reiß-aus-Nehmen, für Radfahrende zu Errichtungszeiten eine terra incognita, ein geradezu unerwünschtes Gebiet, in dem sie ihr Gefährt geschultert durch Fußgängertunnel tragen mussten. Das immerhin ist seit der Radfahrbewegung geändert worden, dass Fahrräder ebenerdig über die Kreuzung Messedamm / Neue Kantstr. / Otto-Suhr-Allee kommen.

    Das Bauwerk empfinde ich IN DIESEM ZUSAMMENHANG als genauso fürchterlich wie die allein auf vierrädrige Fahrzeuge konzipierte Umgebung. Kurzum: Eine Brutal-Utopie der 1970er. Lediglich als Mahnmal einer völlig verfehlten Verkehrs- und Baupolitik hätte es m. E. seinen Sinn, dazu aber wäre die Erhaltung zu teuuer.

    Was Besseres gäbe es allemal. Ob das allerdings den heutigen Architekten einfällt, bleibt indes offen.

  9. 1.

    So sehr ich das Gebäude auch mag, ob der Nutzen gerechtfertigt ist, die Frage muss ich mir stellen. Berlin hat kein Geld, alles was derzeit benötigt wird muss in die Schulen, die Bildung und in die Sicherheit fliesen. Ich habe den Eindruck, als möchte Müller sein eigenes "BER" Projekt hier jetzt realisieren. Bei der Begabung der SPD, wird das eine Katastrophe.

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