Blick vom Leipziger Platz auf den Potsdamer Platz in Berlin (Quelle: dpa/Markus C. Hurek)
Bild: dpa/Markus C. Hurek

"Boulevard der Stars" muss dann weg - BVG schreibt Tramstrecke zum Potsdamer Platz aus

Die BVG hat die Planung für einen Neubau der Straßenbahn zwischen Alex und Potsdamer Platz ausgeschrieben. Damit nimmt ein innerstädtisches Verkehrsprojekt Form an, um das sich Berliner Politiker seit etwa 20 Jahren streiten. Von Oliver Noffke

Von der Gontardstraße über die Rathausstraße, dann auf der Spandauer Straße zum Molkenmarkt, über die Spreebrücken Richtung Leipziger Straße bis über den Potsdamer Platz: Etwa 3,35 Kilometer lang soll die zweigleisige Vorzugstrasse werden, auf der zukünftig Straßenbahnen zwei der geschäftigsten Plätze Berlins miteinander verbinden. So gibt es die BVG in der Planungsausschreibung für das Projekt an, die kurz vor Jahreswechsel im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht wurde. Im Juli soll dann der Ausschreibungssieger mit den Planungen beginnen. In späteren Schritten soll die Strecke bis zum Rathaus Steglitz verlängert werden.

Einige Probleme für die Planer

Wann allerdings mit den Bauarbeiten begonnen werden kann, ist derzeit unklar, denn dem Projekt stehen einige Hürden bevor. Über die Ausschreibung hatte zunächst der "Tagesspiegel" am Mittwoch berichtet.

Im November wurde bekannt, dass die Mühlendammbrücke am Nikolaiviertel in ihrer derzeitigen Form nicht zur Überfahrt durch Straßenbahnen geeignet ist. Sie muss ersetzt werden. Wann und wie das passieren soll, hat die zuständige Senatsverwaltung bisher noch nicht entschieden. Als Nadelöhr könnte sich die Leipziger Straße ab Höhe Charlottenstraße erweisen. Hier müssen die Planer Wege finden, wie Autoverkehr und Straßenbahnen miteinander zu vereinen sind. Hier wurden schon im Jahr 2000 mehrere Hundert Meter Straßenbahnschienen verlegt, auf denen jedoch nie eine Tram fuhr. Der damalige Senat aus CDU und SPD war allerdings tief gespalten, was den Weiterbau der Strecke angeht.

Hallo Tram, tschüss Marlene?

Laut der Ausschreibung wäre die neue Tramstrecke außerdem der Todesstoß für eine der kuriosesten Sehenswürdigkeiten Berlins: den "Boulevard der Stars". Auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Straße kann man derzeit noch die Namen bekannter Filmgrößen wie Marlene Dietrich oder Brigitte Mira im roten Asphalt lesen oder sich als Hologram anschauen. Hier, östlich der Ben-Gurion-Straße, soll die zweigleisige Kehranlage entstehen, die das vorläufige Ende der Strecke markieren wird. Der Berliner Fahrgastverband bezeichnete den Boulevard der Stars bereits vor seiner Einweihung als "temporäres Kunstwerk".

Das Projekt ist Teil einer Reihe von Bauvorhaben, mit denen die Tram wieder in die westlichen Bezirke fahren soll. Konkrete Pläne zu Verlängerungen gibt es außerdem für die M10, der "Party-Tram", vom Hauptbahnhof bis zur Turmstraße sowie von der Warschauer Straße zum Hermannplatz.

Der Streckenverlauf der geplanten Tramlinie. (Quelle: bing)Die bevorzugte Streckenführung der BVG für die neue Tramlinie zum Potsdamer Platz

Beitrag von Oliver Noffke

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18 Kommentare

  1. 18.

    "Und was die U2 betrifft: Die braucht vom Alex bis zum Potsdamer Platz länger als ein Radfahrer."

    Was wiederum klar dafür spricht, sie nicht durch eine weitere U-Bahn faktisch zu entwerten, sondern durch eine Bahn im kapazitätsmäßig mittleren Bereich zu ergänzen. Da ist das Individualverkehrsmittel Fahrrad überhaupt nicht dafür geeignet, so schön das auch für den einzelnen Mensch sein mag, der das benutzt. Und die Busse schaffen die Kapazitäten nicht, was auch jeder Mensch vor Ort sehen kann.

  2. 17.

    Wenn das Fahrgastaufkommen dort wirklich so hoch ist, dann wäre allerdings die Frage zu stellen, warum die Entscheidung dann zugunsten einer Straßenbahn und nicht zugunsten einer U-Bahn getroffen wird.

    Und was die U2 betrifft: Die braucht vom Alex bis zum Potsdamer Platz länger als ein Radfahrer.

    Die fährt mit der Kirche ums Dorf (über Spittelmarkt) in sehr engen Kurven und sehr langsam. Das ist so eine richtige prähistorische Geisterbahn. Und der Takt ist schon jetzt sehr hoch und verträgt Entlastung

  3. 16.

    @rbb Auch interessant: "Dass eine Straßenbahn vom Alexanderplatz über den Potsdamer Platz nach Steglitz wirtschaftlich und verkehrspolitisch sinnvoll sei, haben Studierende der TU schon vor zehn Jahren berechnet. Die Bahnen würden die Fahrzeit auf der knapp elf Kilometer langen Strecke gegenüber dem Bus um ein Viertel verkürzen. Diese attraktive Verbindung zwischen dem Nordosten und Südwesten würden täglich fast 150 000 Fahrgäste nutzen, hatten damals die Berechnungen ergeben. Mehr also als bei mancher U-Bahn-Linie. Im gesamten Nahverkehr würden wegen der neuen Umsteigebeziehungen jährlich über 2,5 Millionen zusätzliche Fahrgäste gewonnen – mit einer entsprechenden Zunahme der Einnahmen. Zudem könne der Rad- und Fußverkehr gestärkt werden, ergab die Studie." http://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-nahverkehr-gegenwind-fuer-strassenbahn-projekt-der-bvg/20810038.html

  4. 15.

    Die Straßenbahn führt leider bereits heute schon zu zahlreichen Toten und Verletzten. Wie soll das erst werden, wenn an Berlins Touristenörtlichkeit Nr. 1 so ein Ungetüm mit absurd langen Bremswegen sein Unwesen treibt?

  5. 14.

    Ich fahre viel lieber mit der sauberen Tram als Bus oder in die verdreckte BVG Unterwelt zu steigen. Gerne alle überlasteten Busstrecken durch Tramtrassen ersetzen. Schön, dass es voran geht! "Vor dem Kino International wird ebenfalls gefällt, um eine freie Sicht auf das denkmalgeschützte Filmtheater zu ermöglichen." Siehe http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-mitte-karl-marx-allee-wird-2018-erneuert/20793464.html

  6. 13.

    Die Zeiten von Nostalgiebahnen sind in der Hauptstadt endgültig vorbei und der U-Bahnbau sollte massiv fortgesetzt werden. Weder die Polizei, noch die BVG können für Sicherheit sorgen, aber die Leute sollen gezwungen werden, deren Fahrzeuge zu benutzen, weil man die Prioritäten weg vom Individualismus setzt. Alles linke Phantasterei. Wie kann ein vernünftiger Mensch in der jetzt schon verstopften Leipziger Str. jetzt noch bevorrechtigten Straßenbahnen planen?

  7. 12.

    Absurd. Jetzt bewegt sich in der Leipziger nichts, ständifer Stau. Wenn noch eine Tram dazu kommt, dann ist da uach kein Platz zum stehen. Wozu?
    Ich wohne an der M10. M10 verlängern, heißt die Team wird sich nur wenige Male am Tag zeigen. Diese Linie fährt jetzt schon am schlechtesten, nie nach Plan. Längere Strecke verbindet nicht, sondern zwingt die Einwohner auf andere Verkehrsmittel auszuweichen.
    Sinnlose Projekte!

  8. 11.

    Ich fordere die Politiker auf, dieses Projekt zu begraben. Für die bestehende Infrastruktur im Verkehr wird viel Geld benötigt. Das ist nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Dieses Projekt wird Unsummen verschlingen. Die Verkehrssituation wird während der Bauarbeiten zum Chaos. Eine Umleitung ist für diesen Bereich kaum vorstellbar. Wenn in Signal- und Sicherheitstechnik auf der U2 investiert würde, ausreichend Wagen und Fahrer zur Verfügung stünden könnte die Taktfrequenz verkürzt werden. Damit wäre eher die große Zahl von Fahrgästen zu bewältigen als eine Straßenbahn die zwischen Charlottenstraße und Leipziger Platz auch nur im Stau steht.

  9. 9.

    Ich glaube ja eher, dass es um eine sinnvollere Nutzung der vorhandenen Verkehrsfläche geht. Ob die wertvollen Flächen weiterhin von einem Verkehrsmittel belegt werden, das sie nur unzureichend nutzt oder ob ein Teil dieser Verkehrsfläche ENDLICH einem Verkehrsmittel zugute kommt, was pro Quadratmeter weit mehr Menschen bewegt.

    Die Platzverschwendung kann sich eben keine Stadt leisten, die etwas auf sich hält. Diese Verbindung verlangt geradezu nach einer Straßenbahn und genau sie wird der Maßstab- und Taktgeber der anderen Verkehrsmittel an der Oberfläche sein.

  10. 8.

    Vorm Kino International ist reichlich Platz, wenn die Bäume gefällt werden :( /DOCH/ Danke, Danke, Danke, endlich geht es mit der Tram voran. Bitte auch eine Ost-West Verbindung vom Görlitzer Bahnhof (geplante M10 Erweiterung) über Anhalter Bahnhof in Richtung Zoo auf der Strecke des M29 Bus in die weiteren Planungen einbeziehen. Bei der Geschwindigkeit des Ausbaus bitte an unserer Partner(noch-auto)Stadt Los Angeles nehmen. Immerhin gibt's dort einen Plan für Erweiterungen bis zum Jahr 2040 [ja, das geht - längerfristig planen!!] , der aktuell umgesetzt wird :) Siehe: http://media.metro.net/projects_studies/images/final-2009-LRTP.pdf

  11. 7.

    Wieder ein Zehnjahresprojekt, das am Ende doppelt so teuer wird. Aber sonst eine vernünftige Idee...

  12. 6.

    Boulevard der Stars ist eigentlich sch... egal... den interessiert sowieso keinen internationalen Touristen. Ist ein Gimmick am Rande.
    Die Leipziger Straße ist die einzig funktionierende (Bundes-) Straße von Ost nach West.
    Wieso wird eine komplett doppelte Linienführung mit der U2 genehmigt? Das ist komplette Schikane durch den r2g-Senat.

  13. 5.

    Völlig überflüssiges Prestigeprojekt. Die Stadtplaner haben leider völlig die Bodenhaftung verloren. Wer braucht am Potsdamer Platz, wo sich die Oligarchen gegenseitig die Penthäuser abschachern eine Tram, die nur noch mehr Verkehrsfläche raubt? Die Stadt wächst in den Aussenbezirken. Die Verkehrswellen rollen morgens von aussen nach innen und abends zurück. Wo bleiben die Planungen für einen äußeren S-Bahn-Ring? Wer beschleunigt mal die S-Bahn, die seit 100Jahren mit derselben Geschwindigkeit fährt? Wo bleiben U-Bahnlinien nach Köpenick, Marzahn oder Buch?
    Danke Rot-Rot-Grün - für welche Menschen setzt ihr euch eigentlich - mit unseren Steuergeldern - ein?

  14. 4.

    Ein wirklich trauriges Kapitel, typisch für das heutige Berlin. Hier die Gleise und dort die Brücke die nicht trägt. Das Wesentliche bleibt 'auf der Strecke'. Berlin lebt vom gestern, vom schnellen Schein, die Substanz bleibt auch 'auf der Strecke'.

  15. 3.

    "Todesstoß für den Boulevard der Stars"!

    Haben Sie's nicht 'ne Nummer kleiner? Diese Installation erstreckt sich nicht nur über den Mittelstreifen, sondern findet sich auch auf dem seitlichen Gehweg. Ggf. muß sie also verlegt und verlängert werden. Abgesehen davon: Ich sehe nur selten Menschen, die sich für diese "Sehenswürdigkeit" interessieren.

  16. 1.

    @rbb|24: Ich habe wieder etwas gefunden! Im letzten Satz (der Link in rot): "Hermannplatz" wird mit nur 1 "r" geschrieben. Nicht zu verwechseln mit dem Nachnamen der Bezirksbürgermeisterin M. Herrmann.
    Ansonsten gehört der Artikel in die Rubrik "Träumereien", auch wenn es sich bei der Ausschreibung schon um etwas Konkreteres handelt.

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