Ein Berliner Polizist geht entlang einer Mauer nahe Brandenburger Tor (Quelle: imago/Michael Eichhammer)
Bild: imago/Michael Eichhammer

Wechsel in andere Bundesländer - Berliner Polizisten finden kaum Tauschpartner

Während Berlin für viele Menschen immer beliebter wird, scheint dies für Polizisten nicht zu gelten. Berliner Polizeibeamte finden nur schwer Tauschpartner, wenn sie in ein anderes Bundesland ziehen wollen. Ein Wechsel ohne Tausch ist nämlich nicht möglich.

Berliner Polizisten haben es offenbar nicht leicht, beruflich in andere Bundesländer umzuziehen oder zur Bundespolizei zu wechseln.  Pro Jahr stellten seit 2010 zwischen 60 und rund 90 Berliner Polizisten Versetzungsanträge. Doch scheinbar ist Berlin für Polizisten aus anderen Bundesländern nicht der beliebteste Arbeitsplatz. Versetzt werden konnten jährlich nämlich nur zwischen 30 und rund 40 Beamte, also knapp die Hälfte.

Die Informationen stammen aus einer Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Tom Schreiber. Ein Wechsel in ein anderes Bundesland oder zur Bundespolizei ist für Beamte nur möglich, wenn ein anderer passender Beamter seine Stelle tauscht und eben nach Berlin zieht.

Wartezeiten bis zu einem Jahr

Bei vielen Polizisten dauerte es länger als ein Jahr, bis sich ein Tauschpartner fand, heißt es in der Mitteilung. Die meisten noch offenen Versetzungsanträge hatten Brandenburg als Ziel (61). Beliebt waren auch Mecklenburg-Vorpommern (26), Sachsen-Anhalt (21), die Bundespolizei (14) und Sachsen (13).

Der Senat versicherte, man komme den versetzungswilligen Polizisten so weit wie möglich entgegen. Die Koordinierungsstellen der einzelnen Bundesländer und der Bundespolizei "stehen in einem ständigen Austausch miteinander". Der SPD-Innenpolitiker Schreiber forderte, gerade "Härtefälle" unter den Polizisten mit Versetzungswünschen müssten die Behörden bei einem Wechsel in ein anderes Bundesland noch mehr unterstützen.

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Schlechter Deal?
    Warum dann nicht zwei für einen?

  2. 8.

    " Ein Wechsel in ein anderes Bundesland oder zur Bundespolizei ist für Beamte nur möglich, wenn ein anderer passender Beamter seine Stelle tauscht und eben nach Berlin zieht. "
    und warum diese Restriktion ? dies zeigt doch deutlich, dass die Berliner Situation gänzlich unattraktiv ist , egal in welches Bundesland, nur nicht nach Berlin

  3. 7.

    " weder von der Polizeiführung noch von der Politik ernst genommen. "
    > ignoriert < wäre wohl zutreffender ? wünsche Ihnen Erfolg bei Ihren Bemühungen

  4. 6.

    Wäre ich Polizist in Bayern, Baden-Würtemberg oder sonstwo sein würde ich auch nicht freiwillig nach Berlin gehen.
    Miese Bezahlung, ständige Demos usw.

  5. 5.

    Es ist schon bemerkenswert. Einerseits wird von einem Direktionsleiter " gepredigt " für ihn ist die berufliche und familiäre Zufriedenheit das wichtigste und andererseits ist es berliner Polizeibeamten/innen nicht möglich aus privaten Gründen ( Ehefrau / Ehemann wohnt in anderem Bundesland oder Pflegebedürftigkeit der Eltern)in ein anderes Bundesland zu wechseln. Man kann nur hoffen, dass sich dies bald ändert und die Polizeiführung erkennt, dass gerade die " Berliner " nicht mehr von einer Mauer umgeben sind.

  6. 4.

    Ich wie auch eine Kollegin versuchen auch schon länger hier wegzukommen, Brandenburg oder die Bundespolizei in Berlin wäre schon ausreichend. Wenn wir zunächst uns privat darum kümmern müssen und in Tauschbörsen "Berlin" angeben, wird gleich abgewunken. Selbst Kollegen von der Bundespolizei, die aus Berlin kommen, wechseln eher nach Brandenburg. Das müßte alles nicht sein, leider werden die Mißstände in Berlin, strukturell wie personell, seit Jahrzehnten weder von der Polizeiführung noch von der Politik ernst genommen. Erst jetzt, wo denen der Laden zunehmend um die Ohren knallt, wird "plötzlich" ein "Wir-kümmern-und-Blog" eingerichtet. Den Grad an Wertschätzung kann man in Berlin am Zustand der Toiletten ablesen ... Es gibt Kolleginnen, die außerhalb der Dienstgebäude zur Toilette gehen.

  7. 3.

    "Doch scheinbar ist Berlin für Polizisten aus anderen Bundesländern nicht der beliebteste Arbeitsplatz. "

    Nur "scheinbar" oder doch eher *anscheinend* ... ?

  8. 2.

    Es wäre ja auch widersinnig, wenn jemand hierher für mehr Stress und berufliche Gefährdung und geringere Bezahlung wechseln würde. Berufszweige werden immer mit zu geringer Bezahlung ausgehungert. Berliner "Prekariatspolizei".
    Soll nicht respektlos klingen, aber die Bonner, Bayern usw. würden hierher auch zu jungen Kollegen wechseln, die nicht unbedingt dem Niveau ihrer alten Kollegen entsprechen würden. Hier werden jetzt sogar Vorbestrafte ausgebildet.

  9. 1.

    Nun, warum wundere ich mich jetzt gerade gar nicht? Spricht ja nicht gerade für die Attraktivität des Arbeitgebers. Liegt es am Personalmangel, einem fehlenden Rückhalt aus der Politik, fehlender Ausrüstung, einer hohen Belastung durch Überstunden? Was gedenkt der Senat zu tun? Der enge Austausch mit anderen Bundesländern scheint ja nicht zu reichen.

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