Audio: Inforadio | 21.01.2018 | Ute Schuhmacher | Bild: dpa-Zentralbild

Mehr Verkehr und mehr Strecken - Berliner SPD will landeseigenen S-Bahn-Fuhrpark

Die Berliner SPD will die S-Bahn weiter von nur einem Unternehmen betreiben lassen, das hat die Fraktion jetzt beschlossen. Um trotzdem nicht komplett abhängig von der Bahn zu sein, will die SPD einen landeseigenen S-Bahn-Fuhrpark aufbauen.

Die Berliner SPD-Fraktion hat sich dafür ausgesprochen, einen landeseigenen S-Bahn-Fuhrpark aufzubauen. Das beschlossen die Fraktionsmitglieder am Sonntag auf ihrer Klausur in Hamburg.

Demnach soll ein S-Bahn-Fonds geschaffen werden, in den jedes Jahr eine dreistellige Millionensumme fließen soll. Ziel sei es, aus einer starken Verhandlungsposition heraus günstigere Verträge mit den künftigen Fahrdienst-Betreibern der Berliner S-Bahn zu vereinbaren.

Die SPD-Fraktion betonte, die bisherigen Mitarbeiter halten zu wollen. Auch sollen die S-Bahn-Werkstätten erhalten bleiben. Im Zweifel sollen Betriebsteile in ein landeseigenes Unternehmen überführt werden. Eine Zersplitterung auf mehrere Unternehmen wird in der SPD-Resolution abgelehnt. "Das Land Berlin sollte über die Ausschreibung sicherstellen, dass auch jeder zukünftige – wenn es ein privater Betreiber sein soll – private Betreiber sicherstellen muss, dass er die bisherigen Werkstätten und die Mitarbeiter übernimmt. Und wir wollen nicht, dass ein privater Betreiber zum Beispiel die große Instandhaltung von S-Bahnwagen fernab von Berlin macht", so Daniel Buchholz, Vorsitzender des Arbeitskreises Verkehr.

Wiederbetrieb stillgelegter Strecken denkbar

Bis 2025 sollen 600 neue Zugeinheiten in Betrieb gehen. Angesichts der wachsenden Stadt sprach sich die SPD dafür aus, bis 2025 alle Möglichkeiten für mehr Zugverkehr bei der S-Bahn auszuloten. Auch die Wiederinbetriebnahme seit dem Mauerbau stillgelegter Strecken wie der Siemensbahn solle geprüft werden.

Die SPD ist am Wochenende zur Klausurtagung in Hamburg. Dort hatte sie sich bereits dafür ausgesprochen, einen Teil der aushalts-Milliardenüberschüsse aus dem vergangenen Jahr in das frühere Flughafengelände in Tempelhof zu investieren.

Mehrere Modelle für Züge der Zukunft

In der Debatte um den Kauf neuer Züge für die Berliner S-Bahn hatte sich die Linke vor ein paar Tagen ebenfalls für einen Landesfuhrpark ausgesprochen. "Berlin sollte einen eigenen, kommunalen Fahrzeugpool aufbauen", sagte der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion im Abgeordnetenhaus, Harald Wolf, dem "Neuen Deutschland". 

Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos) hatte zuvor dem "Tagesspiegel" gesagt, es kämen mehrere Modelle infrage: So könnte ein Dienstleister die Züge für die Länder Berlin und Brandenburg beschaffen, die Wartung übernehmen und sie dem Verkehrsunternehmen zur Verfügung stellen. Oder ein Dienstleister kaufe die Fahrzeuge, und übertrage das Eigentum dann auf die Länder. Eine Entscheidung soll diesmal bald, und nicht erst nach Jahren kommen.

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Sehr schön,dass die SPD hier die gleiche Position vertritt wie die Linke. Auf lange Sicht wesentlich sinnvoller als es einem privaten Betreiber zu überlassen.

  2. 7.

    Die SPD sollte sich in erster Linie mal um die Landeseigene BVG kümmern. Da hätte sie genug zu tun. U5 mit Uraltwagen und Kleinprofilfahrzeuge zu betreiben ist ja wohl n Witz. Wenn denn überhaupt Bahnen kommen. Der SPD scheint irgendwie der Überblick verloren gegangen zu sein. Fahrt mal öfter U-Bahn.

  3. 5.

    Ja, dann macht doch mal!
    Ich will auch ganz viel, komme aber gerade nicht von der Couch hoch...
    Tipp: alle Türen sollten funktioniern (nicht wie am BER)!

  4. 4.

    Find ich super, dass sich die besseren Argumente durchsetzen (landeseigene Bahnen, statt private). Bei der Gelegenheit mochte ich gleich auch weitere S-Bahn Strecken empfehlen.
    (1) Die S-Bahn von Spindlersfeld verlängern über das Schloss Köpenick, vielleicht weiter bis nach Müggelheim.
    (2) Ausserdem eine völlig neue U-Bahn vom Alexanderplatz (unter er B2) entlang Volkspark Friedrichshain, S Greiswalder, Weissenseer See und weiter bis nach Höhenschönhausen, S Ahrendsfelde, bis nach Hellersdorf zur U5.
    (3) Die Siemensbahn wieder in Betrieb nehmen und Verlängern bis Hakenfelde und dann in einem Haken bis nach Tegelort und dann wieder in einem Haken bis Schönwalde.
    (4) Ausserdem Verlängerung der U-Bahn von Krumme Lanke, über Mexikoplatz bis nach Stahnsdorf (gegebenenfalls oberirdisch). Das wars erstmal.

  5. 3.

    Kann ich nur begrüßen.

  6. 1.

    Vielleicht sollte die Überschrift statt "Berliner SPD will eigenen S-Bahn- Fuhrpark" in "Berliner SPD will landeseigenen S-Bahn-Fuhrpark" geändert werden! Erstere Variante könnte zu einem Missverständnis führen! ;-)

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