Blick auf das "Blechen-Carre" in der Cottbuser Innenstadt (Quelle: dpa/ Mario Behnke)
Video: Brandenburg aktuell | 24.01.2018 | Anne Holzschuh | Bild: dpa-Zentralbild

Faktencheck Cottbus - Mehr Zuwanderer, mehr Kriminalität, mehr rassistische Gewalt

Nach den gewaltsamen Vorfällen der vergangenen Wochen fühlen sich viele Cottbuser nicht mehr sicher. Der rbb|24-Faktencheck zeigt jetzt: Die Zahl der Gewalttaten, sowohl gegen Deutsche als auch gegen Zuwanderer, ist tatsächlich stark gestiegen.

Seit dem Jahreswechsel ist es in Cottbus immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Flüchtlingen und Deutschen gekommen. Viele Cottbuser sind verunsichert: "Ich habe Angst und traue mich abends nicht mehr raus ohne Begleitung", sagte eine Frau dem rbb am Mittwoch. Und ein Zuwanderer sagt: "Wenn Cottbus so bleibt, ziehe ich um, ich bleibe nicht." 

Viele Cottbuser sind verunsichert

Erst am Mittwoch wurde ein weiterer Fall bekannt: Laut Polizei hat ein junger Syrer am Dienstag im Beisein eines Landsmannes einen 25 Jahre alten Deutschen und seine beiden Begleiterinnen bedroht - wiederum in einem Einkaufszentrum.  

Bereits Mitte Januar war ein Ehepaar am Einkaufzentrum Blechen-Carré von drei syrischen Jugendlichen angegriffen worden, nur wenige Tage später verletzten ebenfalls zwei aus Syrien stammende Jugendliche einen gleichaltrigen Deutschen mit einem Messer. Doch es gibt auch zahlreiche Fälle, in denen sich Gewalt gegen Flüchtlinge richtet. Der Verein Opferperspektive spricht inzwischen sogar von einer "Welle rassistisch motivierter Gewalt".

Der rbb hat die Aggressionen in Cottbus zum Anlass genommen, am Mittwochabend live aus der Stadt zu berichten. Unter dem Motto "Cottbus, wie weiter?" kamen in der Sendung "Brandenburg Aktuell" verschiedene Akteure zu Wort. Das rbb-Studio Cottbus und rbb|24 dokumentieren die aktuellen Zahlen im Rahmen eines Faktenchecks.

Über welche Zahlen reden wir eigentlich?

Cottbus hat derzeit gut 100.000 Einwohner, nach Angaben der Stadtverwaltung sind davon rund 4.300 Flüchtlinge oder Menschen mit Fluchthintergrund, die allermeisten stammen aus Syrien. Vergleicht man diese Zahlen mit früheren Jahren, ergibt sich ein steiler Anstieg.

So lebten Ende 2013 etwas über 400 Flüchtlinge in der Stadt. Ihr Anteil hat sich somit innerhalb von vier Jahren mehr als verzehnfacht. Der Anteil aller Ausländer an der Gesamtbevölkerung hat sich von 2013 zu 2017 fast vervierfacht, von rund 2.300 auf knapp 8.500.

Wie ist die Situation in der Stadt?

Seit Mai 2017 kommt es in der Cottbuser Innenstadt, vor allem vor der Stadthalle, immer wieder zu Auseinandersetzungen. Es gibt Pöbeleien, Schlägereien und Messerstechereien. Dabei sind es nach Angaben der Polizei überwiegend Jugendliche, die aneinandergeraten, sowohl Flüchtlinge als auch Deutsche.

Zudem erhitzen zwei Prozesse die Gemüter – es geht um den Mord an einer Cottbuser Rentnerin durch einen syrischen Flüchtling und den versuchten Mord an einer Herzberger Frisörin ebenfalls durch einen Syrer. Mitte Januar kam es zu den bereits genannten Messer-Angriffen durch syrische Jugendliche.

Wie aufgeheizt die Stimmung inzwischen ist, zeigte sich am vergangenen Samstag bei einer Demonstration in der Cottbuser Innenstadt, die vom fremdenfeindlichen Bündnis "Zukunft Heimat" veranstaltet wurde, das laut Verfassungsschutz Kontakte in die rechtsextreme Szene hat. Rund 1.500 Menschen gingen auf die Straße. Dabei wurde nicht nur gegen Flüchtlinge, sondern auch gegen rbb-Journalisten gehetzt.

Wie hat sich die Kriminalität entwickelt?

In Cottbus trifft eine brisante Gemengelage aufeinander. "Zum einen müssen wir feststellen, dass es in dieser Stadt über Jahre hinweg eine permanent agierende rechte Szene gibt", sagte Polizeisprecher Torsten Wendt am Mittwoch dem rbb.

Auf der anderen Seite sei die Zahl der Straftaten, die durch Zuwanderer verübt worden sind, vor allem im letzten halben bis dreiviertel Jahr, stark angestiegen. "Gerade im Bereich der sogenannten Roheitsdelikte, das heißt Körperverletzung, Raube, Nötigungen, Bedrohungen, sind diese Straftaten seit 2015 in etwa um das Zehnfache angestiegen", sagte Wendt. So habe es  2015 zehn sogenannte Rohheitsdelikte durch Zuwanderer gegeben, 2017 waren es mehr als 100.

Wie hat sich rassistisch motivierte Gewalt entwickelt?

Auf der anderen Seite registriert der Verein "Opferperspektive", der sich um die Opfer rechter und rassistischer Gewalt kümmert, seit Jahren steigende Opferzahlen. "Spätestens seit 2016 kann von einer enthemmten rassistischen Gewalt gesprochen werden", sagt Martin Vesely, der für den Verein arbeitet.

Vor allem seit dem Beginn der Flüchtlingswelle im zweiten Quartal 2015 hätten die Zahlen stark zugenommen. So seien in Cottbus im Jahr 2015 insgesamt 28 rechte Angriffe registriert worden, sagte Vesely am Mittwoch rbb|24, davon seien 17 rassistisch motiviert gewsen. 2016 seien es bereits 41 Fälle gewesen; nach Erkenntnissen des Vereins sind 29 davon aus rassistischen Gründen verübt worden.

Für 2017 liegen zwar noch keine Zahlen vor, doch bereits jetzt zeichne sich ab, dass die Zahl der Gewalttaten gegen Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund im vergangenen Jahr noch einmal deutlich gestiegen ist. Vesely spricht von einem "rassistischen Ausnahmezustand in der Stadt mit vergleichbaren Zahlen wie 2016".

Sendung: Brandenburg aktuell, 24.01.2018, 19.30 Uhr

Kommentarfunktion am 24.02.2018, 13.57 Uhr geschlossen

19 Kommentare

  1. 19.

    Hier geht es längst nicht mehr nur um Cottbus. Cottbus ist im Moment einer der Hotspots, an dem sich längst überfälliger Protest, formiert. Ich hoffe am Samstag um 14 Uhr, werden es doppelt soviele Menschen sein.
    Und dieser Protest ist weder fremdenfeindlich noch rassistisch - Es ist Protest gegen eine unverfrorene Politikriege, für die es Zeit wird.

  2. 18.

    In anderen Orten gibt es natürlich die gleichen Probleme. Das ist aber natürlich alles "lokal" und wenn man aber darüber berichten wollte, würden erstens 24 Stunden Sendezeit nicht reichen und zweitens könnte der Eindruck entstehen, da läuft was schief in Deutschland. Na und wer will das schon zugeben...

  3. 17.

    Liebe Cottbusser, das ist doch nur eine Situation auf Zeit. Diese Kriegsflüchtlinge gehen doch wohl sicher wieder in ihre Heimat zurück um diese wieder aufzubauen und natürlich zurück zu Frauen und Kindern. Wenn der IS ersteinmal besiegt ist, wird sich alles normalisieren. Oder?

  4. 16.

    @ rbb-24-nutzer
    >Es gibt kriminologisch höhere Wahrscheinlichkeiten bei männlichen jungen Menschen, zu Straftaten zu neigen. Perspektivlosigkeit ist oft Katalysator für Kriminalität, unabhängig der Herkunft u. ohne rassistische Taten zu verharmlosen oder zu legitimieren.<

    .
    Lt. Statistischen Bundesamt lebten in d. Altersgruppe d.
    15-17 ca. 2,42 Mio.
    18-20 ca. 2,65 Mio.
    21-24 ca. 3,68 Mio.
    25-39 ca. 15,65 Mio.
    Somit lebten in ca. 24,4 Mio Menschen in Alter zw. 15 u. 39 Jahren in Deutschland.
    Davon waren ca. die Hälfte männlichen Geschlechts, also ca. 12,2 Mio., zudem betrug d. Ausländeranteil ca. 11,15%, was dann 10,8397 Mio männliche Deutsche in der Altersklasse bedeutet.
    Lt. PKS betrug d. Anteil d. tatverdächtigen Zuwanderer bei Delikten gegen d. Leben bei 12%.

    Nach Ihrer These müsste dann d. Anteil deutschen Tatverdächtigen allein in der besagten Altersgruppe bereits 88,79% u. nicht wie in der PKS 54,1% für alle deutschen Tatverdächtigen betragen.

  5. 15.

    Das ist war diese Art Multikulti ist wirklich gescheitert.
    So etwas kann man nicht von oben herab einfach beschließen.
    Vielleicht wäre das Verständnis besser wenn nicht Männer gekommen wären.
    Nebenbei das ist nicht nur in Cottbus so.
    Es brodelt überall.
    Das Schlimmste ist das sich Frau Merkel nie
    dazu äußert
    Wie auch der Innenminister.
    Vielleicht sollten die da mal vor Ort sein.

  6. 14.

    Die Analyse der jetzigen Misere könnte tiefer gehen. Diese Stadt hatte schon vorher klein geredete Probleme, die großen Volksparteien haben auch hier mal wieder in Gänze versagt, weil sie die Perspektivlosigkeit der Leute dort nicht ernst genommen haben und den Rechten das Feld überließen. Das Muster, so wie es sich in etlichen ostdeutschen Gegenden fast ungestört entwickeln konnte, ist bekannt.

    Ich war nur ein einziges Mal in Cottbus, vor ca 15 Jahren. Damals galt die Stadt schon als eine der braunen Hochburgen Brandenburgs. Die dortige Atmosphäre der Ödnis, Trostlosigkeit und latenten Fremdenfeindlichkeit sind mir noch gut in Erinnerung. Auf dem Rückweg gen Berlin wusste ich, dass ich dort nie mehr hinfahren werde, wenn es nicht unbedingt sein muss.

  7. 13.

    Gut kommentiert.Leider lasse auch ich mich bei dieser ganzen Debatte oftmals in dieses schwarz-weiß Muster hineindrängen.Ja,aufeinander zugehen u.nicht vorbeilaufen ist hier sehr vonnöten.

  8. 12.

    Bis auf die beiden letzten Sätze gebe ich Ihnen in der Beurteilung des Rassismus durch Flüchtlinge vollkommen recht.

  9. 11.

    Schön gesagt, dem kann ich nur zustimmen! Was mich tierisch nervt, ist einfach dieses Schwarz-Weiß-Denken bei vielen Leuten. Das hilft aber niemanden weiter, wenn gegen bestimmte Personengruppen gehetzt wird (damit meine ich beide Parteien). Wie sagte es heute eine alte Dame im rbb-Interview so schön? "Man muss aufeinander zugehen, statt nur aneinander vorbei zu laufen."

  10. 10.

    "Sach ma" ...!
    könnte es nicht vielleicht sein, dass Du gerade ein wenig die Nachrichtenseiten durcheinander wirfst? Das hier ist RBB. Auf deren Karte ist COTTBUS tatsächlich ziemlich fett hervor zu heben.
    Bitte nochmal über die jew. Nachrichtenseiten informieren, wo Du gerade liest/postest. Danke.

  11. 9.

    Oh, wie schade, Ihr lächerlicher "Rassismus-gegen-Deutsche"-Vorwurf verfängt sich im eigenen Barte. Er knüpft an an Erzählungen von "Rassismus gegen Weiße" und endet sicher nicht dort.

    Rassismus meint aber die Konstruktion von Gruppen, denen aufgrund von (un)veränderlichen Merkmalen Eigenschenschaften stereotyp zugeschrieben und sie damit abgewertet werden. Ferner sind Naturalisierung, Pauschalisierung und Dichotomisierung Grundbestandteile von Rassismus, der individuell, strukturell (Gesetze, Arbeit etc.) und institutionell (Teile d. Polizei, Bildung) vorkommen kann. Es gibt daher keinen "Rassismus gegen Weiße". Oder inwiefern werden "die" Deutschen strukturell von Geflüchteten benachteiligt?

    Es gibt kriminologisch höhere Wahrscheinlichkeiten bei männlichen jungen Menschen, zu Straftaten zu neigen. Perspektivlosigkeit ist oft Katalysator für Kriminalität, unabhängig der Herkunft und ohne rassistische Taten zu verharmlosen oder zu legitimieren.

  12. 7.

    Zehnmal aussagekräftiger, als dass die tatsächlich gestiegenen Gewaltzahlen durch Flüchtlinge verursacht wurden, ist, dass sie durch junge Menschen zwischen 20 und 40 verursacht wurden. In erster Linie das und erst in zweiter Linie ihre Herkunft ist das Ausschlaggebende für die Zunahme von Rohheitsdelikten. Eine Statistik über die Alterspyramide in Cottbus wäre somit zehnmal aussagekräftiger.

    Hier übt sich leider auch der RBB in Populismus. Sorry ...

    Dass Handtaschenraube innerhalb von Villenvierteln vglw. seltener vorkommen als woanders, liegt nicht an der ausgesprochenen Menschenfreundlichkeit der dortigen Bewohner, sondern an der Tatsache, dass diese sich mit ganz anderen Größenordnungen abgeben, wenn es zu strafrechtlichen Verstößen kommt. Ebenso verhält es sich mit der Zahl der Kfz-Zusammenstöße, verursacht durch bettlägere 90-Jährige. Statistisch klar unterdurchschnittlich.

  13. 6.

    Keine Frage, die Situation in CB ist schwierig und bedarf einer Bearbeitung! Ich verstehe die Sorgen der Betroffenen. Aus meiner Sicht, ist der derzeitige Blick auf gesellschaftliche Probleme zu einseitig. Mit dem Thema Rund um Flüchtlinge wird polarisiert und von anderen Themen abgelenkt. Die im Link beschriebenen Situationen wurden von keinen Flüchtlingen begangen.
    https://www.lr-online.de/lausitz/cottbus/wieder-angriff-auf-fahrkartenkontrolleurin-in-cottbus_aid-7038450
    Warum regen wir uns nicht einmal über unsere Landleute auf und machen eine DEMO gegen solche Übergriffe! Weil es nicht notwendig ist gegen andere Menschen, egal welcher Herkunft, zu hetzen!
    Straftäter gibt es in jeder Gesellschaft! Diese Taten müssen einzeln betrachtet und beurteilt werden.
    Wir sollten uns nicht von Menschenhassern, radikalen Angstmachern und "braunen" Sprüchen leiten lassen.



  14. 5.

    Ich finde es wichtig, wenn man sich jetzt endlich dieses Themas annimmt. Es ist halt in Cottbus momentan besonders extrem, es bewegt die Menschen bundesweit. Daher muss jetzt mal der Scheinwerfer darauf gerichtet werden, um endlich mal die Ursachen zu erkennen, zu benennen (!) und danach auch mal anzugehen.

  15. 4.

    Sie können das ja nicht ausblenden, im Gegenteil!
    Ich rege hiermit sogar an Cottbus als exemplarisches Beispiel zu nehmen, im Guten wie im Schlechten und langfristig zu begleiten. So kann man Erkenntnisse auch für andere Regionen gewinnen: was kann die Politik, die Polizei, die Wirtschaft, die Gemeinde, der Einzelne etc. tun, wie verändert sich die Gesellschaft, wie kann ganz konkret Integration und Akzeptanz gelingen?
    RBB übernehmen Sie!

  16. 3.

    Das mit live aus CB finde ich gut.

    Noch besser wäre es, wenn sich unsere Regierung ENDLICH mal zu den Problemen äußern würde.
    Ich möchte von der Bundeskanzlerin und dem Bundesinnenminister hören, was sie zu tun gedenken. Keiner von beiden hat sich in den letzten Wochen zu der letzten Studie zur steigenden Kriminalität geäußert. Hier werden immer mehr Zivilpersonen von Messerattacken. Es handelt sich dabei oft um dieselbe Personengruppe, aus der die Messerstecher kommen, auch wiedeholtr Syrer, die hier eigentlich einen "Schutz"status bekommen, was umgekehrt auch Verpflichtungen beinhaltet. Zum Jahresende gab es auch eine Häufung von Attacken auf Frauen, eine tödlich, mit einem Messer. So kann das hier nicht mehr weitergehen. Was wird hier jetzt bezüglich der Messerattacken unternommen?

    Das heutige Reden von Merkel über den Rechtspopulismus, den sie mit ihrer Politik ankurbelt, kam etwas vage und ohne Selbstreflexion daher.

  17. 2.

    Sach ma - gibts noch andere Städte und andere Probleme oder Meldungen als immer nur COTTBUS COTTBUS COTTBUS? Könnte sein, dass man dieser Stadt und den dort Lebenden bald überdrüssig wird... und sich eine andere info-Seite sucht.

    Die Erde ist keine Scheibe, auf der nur COTTBUS als Ort steht.

  18. 1.

    Ich gehe jetzt mal soweit, die Angriffe von Flüchtlingen auf Deutsche auch als rassistisch und islamistisch einzuordnen! Warum auch nicht. Wenn man die deutsche Lokalpresse im Internet verfolgt, ist Cottbus doch kein Einzelfall. Wie sagte die Frau Merkel vor einigen Jahren: "Multikulti ist gescheitert." Da hatte sie noch recht.

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