Silvester 2017-2018 in Cottbus (Quelle: rbb)
Audio: Inforadio | 11.01.2018 | Olaf Sundermeyer | Bild: rbb

Kommentar - Cottbus schaut weg

Wenn Flüchtlinge in ihrer Cottbuser Unterkunft erst verfolgt und dann verprügelt werden, ohne dass der zuständige Sicherheitsdienst eingreift, läuft etwas falsch. Für Olaf Sundermeyer haben aber auch die Polizei und die Stadt Fehler gemacht.

Immer wieder Cottbus! Dass in der Silvesternacht Flüchtlinge in der Stadt angegriffen wurden, ist schlimm. Für die drei betroffenen Männer aus Afghanistan ohnehin. Dass die Stadt und die Polizei sich erst nach über einer Woche und auf öffentlichen Druck hin zu dieser Tat äußern, ist behördliches Versagen. Und es ist einer der Gründe dafür, dass Cottbus einer der bundesweiten Hotspots für rechte Gewalt ist.

Auch im Fall der drei Afghanen hat die Polizei den Verdacht eines fremdenfeindlichen Motivs. Deshalb ermittelt der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz. Gerade weil Cottbus immer wieder wegen ähnlicher Vorfälle in den Schlagzeilen ist, hätte die Polizei den Fall selbst öffentlich machen müssen. Und zwar ohne Verzug.

Polizei zu beschäftigt - Stadt muss für Sicherheit sorgen

Auf Nachfrage des rbb nennt die Cottbuser Polizei ihre hohe Arbeitsbelastung an Silvester als Entschuldigung. Diese aber greift nicht. Immerhin fand die Polizei Zeit für eine Pressemitteilung über eine durch Böller an Silvester zerstörte Briefkastenanlage.

In der Nacht wurde ein Streifenwagen zur Unterkunft der Afghanen gerufen, in die ihnen die Angreifer unbehelligt folgen konnten. Nach der Flucht der Täter vernahmen die Beamten dort vier Zeugen: die zwei Opfer und zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes, die dort eigentlich für den Schutz der Flüchtlinge bezahlt werden. Von der Stadt Cottbus, die für die Unterkunft verantwortlich ist.

Initiative macht den Fall erst öffentlich

Aber der Öffentlichkeit wurde der Fall über eine Woche lang verschwiegen. Bis eine Bürgerinitiative namens "Cottbus schaut hin" den Angriff öffentlich gemacht hat. Erst auf Nachfrage des rbb hat die Polizei den Sachverhalt ausführlich geschildert, und hat die Stadt Stellung zu den Vorwürfen gegen den Sicherheitsdienst genommen.

Zwar bleibt der eigentliche Skandal, dass immer wieder Flüchtlinge in Cottbus angegriffen werden. Aber solange Politik und Polizei dazu schweigen, wird sich daran auch nichts ändern. Weil sich die Täter dadurch ermutigt fühlen. 

Beitrag von Olaf Sundermeyer

Kommentar

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20 Kommentare

  1. 20.

    ich habe Silvesterabend ganz viele von diesen netten jungen Männern, unseren Neubürgern, in Berlin am Alex gesehen. Offensichtlich mehrteilig unbegleitede Jugendliche. Vor sogenannten "Rechten" hätte ich keine Angst gehabt. Womit ich die Cottbuser gut verstehen kann.

  2. 18.

    Eines ist doch logisch: Wo mehr Menschen leben, wird mehr Personal gebraucht. Ein Lehrer mag es ja schaffen, 25 Schüler zu unterrichten, wenn daraus aber plötzlich 35 werden, wird`s kompliziert. Wir haben hier jetzt mehr Mitbürger, brauchen also mehr Polizei, Beamte, Ärzte und so weiter.
    Das Problem der Fremdenfeindlichkeit erlebe ich hier seit 20 Jahren, das sind nicht nur ewig Gestrige, es sind schlicht zu viele! Und es ist teils wirklich salonfähig geworden. Wenn ich erlebe, dass Menschen die einfachsten Sachen nicht begreifen, z.B. dass man das Wort N**er nicht mehr benutzt, dann fehlt mir auch jede Diskussionsgrundlage. Und sorry Cottbus, es beginnt mit den im Stadtmuseum ausgestellten Mohrenköpfen, die sich ohne jede Erklärung von Schulklassen angesehen werden. Der Integrationsbeauftragte sollte seinen Job machen und sich Unterstützung holen, wenn er es allein nicht schafft. Wir haben ja nicht nur Nazis hier, sondern jede Menge toller Menschen!

  3. 17.

    Die regionale Tageszeitung in CB hat lieber über angeblich zunehmende Gewalt durch Flüchtlinge berichtet. Sehr tendenziös. Und der Oberbürgermeister beschränkt sich auch nur auf Sonntagsreden. Wegschauen und warten bis Gras drüber wächst, in Tagesgeschäft der Verantwortlichen in CB.

  4. 16.

    Warum habe ich eigentlich von ihnen nichts anderes erwartet?

    Leugnen, vertuschen von rechten Straftaten, bis hin zu Sympathie.

    "Dass die Stadt und die Polizei sich erst nach über einer Woche und auf öffentlichen Druck hin zu dieser Tat äußern, ist behördliches Versagen. Und es ist einer der Gründe dafür, dass Cottbus einer der bundesweiten Hotspots für rechte Gewalt ist."

    Das ist ja wohl ein unumstößlicher Fakt oder?

  5. 15.

    Wenn es aber die Polizei und die Stadt sind die da seit Jahren wegschauen dürfte das ein frommer Wunsch bleiben.

  6. 14.

    Ich halte es immer noch eher für Gleichgültigkeit, aber da sind wir eben verschiedener Meinung. Wir sind uns ja wenigstens einig, dass es ein Naziproblem dort gibt, welches beseitigt werden muss. Hoffe auf die Polizei, dass die zu schnellen Ergebnissen kommt.

  7. 13.

    Angst u.stillschweigende Zustimmung trifft es wohl eher.Außerdem handelt es sich nicht bloß um diese eine Schlägerei.Cottbus ist schon mehrfach schlecht aufgefallen,leider.

  8. 12.

    Ja, Lotte, da gebe ich Ihnen recht. Dass die meisten Bürger schweigen, ist aber nicht als Zustimmung zu werten. Dass hier kein Aufschrei entsteht, ist meines Erachtens eher darauf zurückzuführen, dass es sich "nur" um eine Schlägerei handelte und sich die meisten Bürger sich deshalb nicht mit den Maximalforderungen der Initiative gemein machen wollen. Würde diese nicht ihre Extremposition in der Flüchtlingsfrage vertreten, wäre die Solidarität größer.
    Ich möchte das nicht überbewerten.

  9. 10.

    Bedauerlicherweise zählt aber Cottbus zu einer Rechten Hochburg. Bis auf d.wenigen Aufrechten(Bürgerinitiative)schweigt d.Mehrheit zu den Vorkommnissen. Darüber hinaus finde ich Ihren Kommentar interessant.

  10. 9.

    @Lotte: Nazis sind für mich die Ewig-Gestrigen. Braucht keiner mehr!
    Natürlich gibt es damit ein Problem in Cottbus. Aber es kann nicht sein, dass die Bürger dafür in Geiselhaft genommen werden und die Stadt als faschistisch gebrandmarkt wird. Es gibt nicht nur schwarz (Nazis) oder weiß (Flüchtlingshelfer) sondern auch jede Menge grau (Cottbuser Bürger). Ich persönlich möchte mich auf keine der beiden Seiten schwarz oder weiß schlagen. Zwar bin ich näher bei den Flüchtlingshelfern als bei den Nazis (Gott bewahre!), aber ich stehe dem Ganzen sehr kritisch gegenüber, wie Sie wissen. Gerade in strukturschwachen Gegenden erzeugt eine Rammbock-Politik "Pro Flüchtlinge" nun mal Gegendruck. Wenn diese Leute dann nicht von der Politik mitgenommen werden, werden sie das nicht unterstützen. Das heißt nicht, dass diese Bürger dann Flüchtlinge angreifen; über Flüchtlinge freuen werden sie sich aber eben auch nicht.

  11. 8.

    "Es besteht ein Verdacht auf ein fremdenfeindliches Motiv.." Der Verdacht reicht für verqueere Personen wie Sundermeyer oder der "Initiative Cottbus schaut hin" aus, um Propaganda und Verleumdung gegen eine ganze Stadt zu starten. Solange das Tatmotiv nicht bekannt ist, sollten sich alle bedeckt halten.

  12. 7.

    Herr Sundermeyer, Sie schauen aus ihrem goldenen Käfig auf die Welt, da kann man ihnen verzeihen, die Wahrheit nicht zu entdecken.

  13. 6.

    Apropo Kompetenzlosigkeit. wenn Politiker 4 Monate nach der Wahl es noch nicht geschafft haben, ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen, dann wirft das ein Bild auf den Sumpf dieses Staates und die Angst, gehen zu müssen. Was will man da zum Umgang mit Einwanderern noch sagen, Kandel, die Kreuzberger Schulbesetztung usw. sind ein Beispiel für die Unfähigkeit, die zu vertreten, die sie gewählt oder auch nicht gewählt haben.

  14. 5.

    Cottbus hat ein Faschoproblem an der Backe u.somit keinen guten Ruf.Wenn Sie der Ansicht sind,es seien nur ein paar Ewig-Gestrige,dann liegen Sie falsch.Gerade den wenigen aufrechten Bürgern mit ihrer Initiative"Cottbus schaut hin" ,sollte viel mehr Beachtung geschenkt werden.

  15. 4.

    Sorry, lieber RBB, aber mit solch einer Schlagzeile verunglimpft ihr eine ganze Stadt! Muss das sein? Ich bin sicher, dass fast alle Cottbusser Bürger diesen Überfall nicht gutheißen. Klar, gibt es ein paar Ewig-Gestrige, die den Überfall gutheißen, die es legal finden, Menschen anzugreifen, weil sie meinen, die Stadt gehöre ihnen, die aus niedrigen Beweggründen auch selbst Menschen angreifen. Die gehören ermittelt und bestraft.
    Die meisten Bürger halten sich wohl inzwischen aus solchen Konflikten raus. Das heißt aber nicht, dass sie solche Verbrechen unterstützen. Sie lassen sich aber nicht mehr von einer Seite instrumentalisieren, da sie leider aufgrund einiger weniger Einzeltäter beinahe täglich erkennen müssen, dass die Einwanderungswelle seit 2015 eben auch eine Menge Probleme mit sich bringt, dass sich ihr Lebens- und Sicherheitsgefühl verändert hat. Daran sind auch Medien schuld, die Gefahren heruntergespielt oder verleugnet haben.

  16. 3.

    <sarkasmus>Cottbus ist immun gegen Rechtsextremismus. Schuld sind nur die Medien.</sarkasmus>

  17. 2.

    Cottbus schaut weg? Möglich. Aber Herr Sundermeyer schaut auch geflissentlich nur in eine Richtung. Im konkreten Fall mag es stimmen, dass die Gewalt anlasslos und einseitig von der deutschen Gruppe ausging. Wenn man das aber zum Narrativ erweitern möchte, dass "immer wieder Flüchtlinge in Cottbus angegriffen werden", dann fehlt mir der Hinweis, dass zur aufgeheizten Stimmung in der Stadt in den letzten zwei Jahren auch die beiderseitig geführten Auseinandersetzungen vor der Stadthalle und ein Mord durch einen Flüchtling beigetragen haben.

  18. 1.

    Ich hatte es schon eimal geschrieben: Die Stadt hat einen Ausländerbeauftragten und einen Integrationsbeauftragten in Festanstellung (samt Mitarbeiterstab) die gut und sehr gut aus Steuergeldern bezahlt werden. Von denen hört und sieht man nichts, wenn Migranten Mist bauen und jetzt hört und sieht man nichts von denen wenn Migranten angegriffen werden? Also mindestens eine Stelle einsparen und das Geld sinnvoller anwenden! Und falls sich einer von den beiden in den nächsten 1-2 Tagen genötigt sieht, zu den jüngsten Vorfällen Stellung zu nehmen kann ich nur sagen: ZU SPÄT!

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