Lehrerin Clara Maria Wengler von Ferdinand-Freiligrath-Schule in Kreuzberg schaut am 15.01.2018 in Berlin nach der Auszeichnung zur beliebtesten Lehrerin in Richtung des Fotografen (Quelle: dpa/ Paul zinken)
Video: Abendschau | 15.01.2018 | Dagmar Bednarek | Bild: dpa/ Paul zinken

Interview | Preisgekrönte Lehrerin Clara Maria Wengler - "Die Schüler müssen wissen, wozu sie etwas lernen"

Ausnahmsweise bewerten mal nicht Lehrer Schüler - sondern andersherum: "Schüler zeichnen Lehrer aus" heißt eine Kategorie des Lehrerpreises. Unter den diesjährigen Gewinnern ist die Berlinerin Clara Maria Wengler. Ein Gespräch über guten Unterricht.

Frau Wengler, was ist Ihr Erfolgsrezept, was machen Sie anders?

Clara Maria Wengler: Das ist eine gute Frage. Die müssten Sie eigentlich mit den Schülern besprechen, die sich diese tolle Nominierung haben einfallen lassen. Das hat mich überrascht, und ich freue mich natürlich sehr über die Wertschätzung. Ich möchte diesen Preis aber auch stellvertretend für viele andere engagierte Lehrer entgegennehmen. 

Wann ist für Sie eine Schulstunde eine gute Stunde?

Wenn die Schüler hinterher wissen, was sie gelernt haben und womöglich noch wissen, wozu sie es gelernt haben.

Was macht Ihnen an Ihrem Beruf Spaß?

Ich habe Freude an meinem Beruf, wenn ich sehe, dass sich Schüler weiterentwickeln. Besonders wenn es Schüler sind, die mit einer schwierigen Lernbiografie an einer integrierten Sekundarschule ankommen, die womöglich den Glauben an sich verloren haben und große Probleme im Lernen haben. Wenn ich dann sehe, wie man so einer jungen Persönlichkeit Mut machen kann, so dass sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung weiterkommt und daran glaubt, dass sie etwas aus ihrem Leben machen kann - das sind die schönsten Momente für mich!

Das bedeutet natürlich eine Begleitung über einen längeren Zeitraum. Das ist dann nicht die einzelne Deutschstunde, sondern eher das, was man als Klassenlehrer tut: den Schüler insgesamt zu begleiten in dieser aufregenden Pubertätszeit, die so wichtig ist und Weichen für das spätere Leben stellt.

Und ob die dann hinterher alle Konjunktiv II können, ist eigentlich egal. Hauptsache sie stehen mit beiden Beinen im Leben?

Ja, für einige ist dann der Konjunktiv II im späteren Leben vielleicht wirklich egal. Lernen ist ein individueller Prozess.

Das Interview führte Alexander Schurig, radioBerlin 88,8

Deutscher Lehrerpreis

Florian Rietzl (Quelle: Deutscher Lehrerpreis)
Deutscher Lehrerpreis

Mit dem Deutschen Lehrerpreis werden in diesem Jahr insgesamt 15 Lehrerinnen und Lehrer sowie sechs Pädgagogen-Teams aus neun Bundesländern ausgezeichnet. Auch ein Brandenburger ist unter den Preisträgern: Florian Rietzl ist Lehrer für Deutsch, Geschichte und Rhetorik an den Docemus Privatschulen in Grünheide (Oder-Spree).

Im Gespräch mit dem rbb sagte Rietzl: "Es ist zum einen für mich motivierend, dass ich diesen Preis bekommen habe. Das zeugt davon, dass meine Arbeit bei zumindest einem Teil der Schüler gut ankommt." Gleichzeitig gebe es viele andere Kollegen, die diesen Preis genauso verdient hätten, so Rietzl. "Weil sie Tag für Tag sehr gute Arbeit in den Schulen machen."

Sendung: radioBerlin 88,8, 15.01.2018, 16:10 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Ich finde es sehr erstaunlich das man 13 Jahre in ein Gebäude geht, dort Stunde um Stunde sitzt und am Ende weiss man nicht wofür! Diese Ausdauer hätte ich nicht!
    Bei mir waren es die Eltern, die mir aufzeigten wozu die Schule wichtig ist und unterstützten.mich in meinen Überlegungen über meine Zukunft nachzudenken. Das ist ja wohl eher normal!

  2. 1.

    Als Schüler einer Lehrerin wie Frau Wengler zu begegnen ist vermutlich so wie ein Fünfer im Lotto. Die meisten müssen ihr Leben lang davon träumen. In meinen 13 Schuljahren jedenfalls ist mir niemand begegnet, der mir erklärt hätte, wozu Lernen wichtig ist, geschweige denn in irgendeiner Weise gezeigt hätte, daß er an meinem Fortkommen interessiert ist. Daß 'motivieren' 'begründen' bedeutet, interessiert von 100 Lehrern vermutlich nicht mal eine/n.

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