Ein Polizeifoto des sterbenden Studenten Benno Ohnesorg hängt am 01.06.2017 in der Polizeihistorischen Sammlung in Berlin. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Bild: dpa/Jörg Carstensen

Gedenken an 1967 in Berlin erschossenen Studenten - Ex-Justizsenator fordert Benno-Ohnesorg-Platz

Keine Entschuldigung, keine Entschädigung: In Sachen Benno Ohnesorg gibt es nach Ansicht des früheren Berliner Justizsenators Wolfgang Wieland noch vieles nachzuholen. Er forderte, einen Ort nach dem 1967 getöteten Studenten zu benennen.

Mehr als 50 Jahre nach der Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg in West-Berlin am 2. Juli 1967 hat Berlins früherer Justizsenator Wolfgang Wieland (Grüne), gefordert, einen Platz nach Ohnesorg zu benennen.

"Das ist schon ein starkes Stück, dass es das noch nicht gibt", sagte der Grünen-Politiker der Wochenzeitung "Das Parlament" vom Montag. Ohnesorg war bei einer Demonstration gegen den Schah-Besuch in West-Berlin von einem Polizisten erschossen worden.

Wieland sagte weiter, welche Versäumnisse es diesbezüglich gegeben habe, sei ihm erst in jüngster Vergangenheit klar geworden, als er mit Ohnesorgs Sohn Kontakt hatte. "Es gab nie eine Entschädigung für die Familie; es fehlt immer noch eine Entschuldigung des ganzen Senates", auch wenn es inzwischen eine Entschuldigung des heutigen Justizsenators Dirk Behrendt (Grüne) gebe. "Da ist noch eine Menge zu machen", so der Grünen-Politiker Wieland, der lange Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und anschließend des Bundestags war.

Todesschütze gilt bis heute als unschuldig

Ohnesorgs Sohn Lukas hatte der Berliner Polizei im vergangenen Mai die Ermordung seines Vaters und die Vertuschung der Tat vorgeworfen. Der Todesschütze, der 2014 verstorbene Kriminalobermeister Karl-Heinz Kurras, gilt bis heute als unschuldig.

Der Tod Ohnesorgs gilt als einer der Auslöser für die Radikalisierung der Studentenbewegung. Kurras wurde 1971 rechtskräftig freigesprochen. 2009 wurde bekannt, dass er SED-Mitglied und inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit war. Ein daraufhin im Fall Ohnesorg eingeleitetes Ermittlungsverfahren wurde im November 2011 eingestellt.

Der frühere Berliner Justizsenator Wieland war 1967 selbst auf der Demonstration gegen den Schah-Besuch, bei der Ohnesorg getötet wurde. Er habe damals "das erste Mal solche Polizeigewalt erlebt, die völlig aus dem Ruder lief, gerichtet gegen friedliche Studenten", sagte Wieland heute im Rückblick. Er sei dann vorübergehend just in den Garagenhof geflüchtet, in dem Ohnesorg später erschossen wurde. Als sich am nächsten Tag die Nachricht von Ohnesorgs Tod verbreitete, hätten alle das Gefühl gehabt, "das hättest auch du sein können", schilderte Wieland dem "Parlament".

Sendung: Abendschau, 08.01.2018, 19:30 Uhr

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4 Kommentare

  1. 4.

    Mehr als 50 Jahre nach der Erschießung? Sie meinen wohl Ermordung!

  2. 3.

    Ich schlage vor, einen Teil der Krummen Straße nach Benno Ohnesorg zu benennen. Entweder am Beginn der Krummen Straßen am Bhf. Charlottenburg oder direkt an der Deutschen Oper. Die authentische Umgebung, der Hinterhof, auf den der von Staats wegen angestellte Waffennarr Karl-Heinz Kurras auf ihn schoss, ist ja angesichts der Neubebauung aus den 1970ern nicht mehr vorhanden.

  3. 2.

    Was gibt es an der Tötung des friedlichen, unbewaffneten Demonstranten zu entschuldigen? Es ist wahrhaftig Zeit für konstruktive und demütige Geschichtsaufarbeitung.

  4. 1.

    Einen Platz oder eine Strasse nach ihm zu benennen finde ich einen sehr guten Vorschlag. Meinetwegen könnte man auch gleich einen neuen Platz bauen mit einem kleinen Park oder mit einer Gedenkstätte/Ausstellung über die Studentenproteste der 60er/70er. Weil im Lehrplan kommt das ja gar nicht vor. Man kommt aus der Schule und hat eigentlich überhaupt gar keine Ahnung von nichts was nachkriegszeitliche Geschichte anbelangt.

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