Ein Mädchen schreibt an eine Schultafel. (Quelle: dpa/Gudrun Petersen)
Audio: radioBerlin 88,8 | 21.01.2018 | Ute Schuhmacher | Bild: dpa/Gudrun Petersen

Interview | Sandra Scheeres über neue Schulkonzeption - "Wir machen uns Gedanken über die Schulen der Zukunft"

Neu, schneller, besser! Berlin will zehn weitere Schulen bauen: in Reinickendorf, Mitte, Pankow, Lichtenberg, Neukölln und Treptow-Köpenick. Und sie sollen nicht nur neu, sondern auch anders sein, nämlich Lern- und Teamhäuser. Wie kann das funktionieren?

Auf der Klausurtagung der SPD-Fraktion hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) berichtet, wie es mit dem Schulneubau weitergeht. Insgesamt zehn weitere Schulen sollen gebaut werden: drei in Lichtenberg, in Pankow und Mitte zwei, in Reinickendorf, Neukölln und Treptow-Köpenick jeweils eine. Damit stehen jetzt 20 Standorte der insgesamt 51 Schulen fest, die der rot-rot-grüne Senat bauen will. Ziel ist es, all diese Schulen mit Hilfe eines beschleunigten Verfahrens innerhalb von fünf Jahren - von der Planung angefangen -  fertigzustellen.

Modelvorhaben beschleunigte Schulbauten. Senatsverwaltung Berlin 2018 (Quelle: rbb)
| Bild: rbb

rbb|24: Frau Scheeres, die zehn neuen Schulen haben auch ein anderes Gebäudekonzept. Warum?

Es ist für uns eine Riesenchance, dass wir in den nächsten Jahren über 50 neue Schulen bauen werden. Mir ist es deswegen wichtig, dass wir uns Gedanken machen über die Schule der Zukunft. Gemeinsam mit über 70 Fachleuten wurde ein Konzept erarbeitet: Lern- und Teamhäuser in Berlin. Denn Schule hat sich sehr verändert. Wir haben den flächendeckenden Ganztag und Themen wie Inklusion, Digitalisierung, Berufsorientierung oder Demokratieerziehung finden in den Schulen statt. Das soll sich auch in den Neubauten widerspiegeln und die Raumqualität beeinflussen.

Inwiefern?

Wir wollen keine Flurschulen mehr, sondern es wird Foren geben, wo man sich trifft. Um die Foren herum gruppiert sind die Klassenräume. Es wird Teilungsräume geben, auf der gleichen Etage gibt es aber auch Arbeitsplätze für Lehrkräfte, sodass die Pädagogen – wir arbeiten ja auch mit Erziehern, Sozialpädagogen –, IT-Beauftragten und Verwaltungsleiter auf einer Etage sitzen, und die Kinder einen direkten Zugang haben. Sinn der Sache ist, dass man durch dieses Forum Kommunikations- und andere Arbeitsmöglichkeiten hat. Das Thema Inklusion wird ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, denn wir haben auch Kinder mit Behinderungen oder Handicaps an unseren Berliner Schulen: Möglichkeiten der Pflege- und Physiotherapie vor Ort sollen vorhanden sein.

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) spricht am 03.11.2017 bei der Eröffnung des Jugendaktionsraum für junge Geflüchtete (JARA) auf dem Alexanderplatz in Berlin. (Quelle: dpa / Britta Pedersen)
| Bild: dpa / Britta Pedersen

Was planen Sie außerdem?

Wir wollen Lernwerkstätten in unseren Schulen haben. Denn die Praxis- und Berufsorientierung, das Thema Experimentieren haben einen sehr großen Stellenwert für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Das wird Standard sein: drei Lernwerkstätten. Dort geht es darum, Dinge anzuwenden, auszuprobieren, mit unterschiedlichen Materialien zu arbeiten. Es werden Lernwerkstätten zum Thema Werken sein oder zu Themen wie Gesundheit, Ernährung und Technik.

Die zehn neuen Schulen sollen nach diesem Prinzip gebaut werden. Was ist mit den ersten zehn bereits geplanten Schulen?

Bei den ersten zehn Schulen war es unser Ziel zu beweisen, dass man Planen und Bauen innerhalb von fünf Jahren hinkriegen kann. Zuvor hat es mindestens zehn Jahre gedauert, bis man sie auf den Weg bringen konnte. Schnelles Planen und Bauen – das war unser erstes Ziel, das ist möglich und Ansätze verbesserter Qualität sind hier schon enthalten. Aber die nächsten zehn Schulen enthalten die Ergebnisse, die Funktionalität der AG Schulraumqualität. Dieser Standard soll dann auch auf weitere Schulen ausgeweitet werden.

Nun müssen Sie erstmal beweisen, ob es tatsächlich klappt, neue Schulen innerhalb von fünf Jahren zu bauen. Denn letztlich wird an dem Konstrukt noch immer gearbeitet. Woher kommt Ihr Optimismus bei diesem ambitionierten Projekt?

Wir wissen, dass es funktioniert. Wir sind ja schon in der Umsetzung. Deswegen bin ich das Thema des beschleunigten Bauens bereits in der letzten Legislaturperiode angegangen. Wir werden die erste Schule nächstes Jahr eröffnen. Das zeigt, dass Planen und Bauen innerhalb von fünf Jahren gelingt. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Weg so funktioniert, weil wir auch Planungsprozesse zusammengefasst haben. Das war das ja Problem. Es gab viele Schritte, unterschiedliche Planungsstände, die durch unterschiedliche Verwaltungen und mehrmals durchs Parlament mussten, und aus unterschiedlichen Gründen immer wieder angehalten werden konnten. Das ist jetzt nicht mehr so. Und wir haben auch Erfahrungen durch unsere Ergänzungsbauten, die wir ebenfalls in der letzten Legislaturperiode auf den Weg gebracht und darüber über 8.000 Schulplätze geschaffen haben. Was jetzt gerade passiert ist, dass wir die Arbeit auf unterschiedliche Schultern verteilen, und dass der komplette Neubau und große Sanierungsmaßnahmen auf das Land übergehen. Diese haben wir aufgeteilt auf die Stadtentwicklungsverwaltung und auf die HowoGe. Das abschließende Finanzierungskonzept wird demnächst vom Finanzsenator vorgelegt.

Das Interview führte Ute Schuhmacher. Das komplette Gespräch können Sie oben im Bild nachhören.

Sendung: radioBerlin, 20.01.2018, 23:00 Uhr

Beitrag von Ute Schuhmacher

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Hört sich erstmal schlüssig an, obwohl der Neubau natürlich wieder mal zu spät kommt.
    Darüberhinaus müsste man endlich auch wieder über die Verkleinerung der Klassen reden!
    Wird Ihnen jeder Lehrer sagen. Warum fragt das keiner?

  2. 1.

    Nun ja Frau Scheeres, dann suchen sie vor allem erstmal vernünftige,seriöse Baufirmen, die in der Lage sind diese schulen zu bauen.
    Aber, was nützen diese ganzen neuen und sanierten Schulen, wenn viele Schüler "unerzogen" angeliefert werden,der dutschen Sprache nur halbwegs mächtig sind und in großen Teilen nach 9Jahren nur mangelhaft lesen und schreiben können.Und zumindestens die 4 Gru8ndrechenarten nur sehr dürftig beherrschen.

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