Demonstranten in Cottbus am 20.01.2018 (Quelle: rbb/ Haentjes)
Bild: rbb/ Haentjes

Kommentar | Bedrohung von rbb-Mitarbeitern in Cottbus - Aufstachelung zum Medienhass

Rund 1.000 Menschen demonstrierten am Samstag in Cottbus auf einer Kundgebung des Vereins "Zukunft Heimat" gegen Flüchtlinge. Anlass waren Gewalttaten, an denen junge Syrer beteiligt waren. Dort wurde auch Stimmung gegen rbb-Journalisten gemacht. Von Torsten Mandalka

"Lügenpresse, Volksverräter" skandieren die Wutmenschen in Cottbus aus tausend Kehlen. Und ganz individuell wird geraunt: "Wir merken uns Eure Namen und Gesichter - für später!" Einer will die Journalisten bald "wegsperren". Die Wortführer auf der Bühne tun derweil das ihre, um mehrere rbb-Mitarbeiter namentlich bekannt zu machen. So zitiert die stellvertretende AfD-Landesvorsitzende den ungeliebten Tweet eines rbb-Kollegen. Sie nennt ihn beim Namen, erwähnt, dass er anwesend ist.

Drohende Fragen aus dem Publikum werden laut: "Wo ist der Kerl?" Kurz zuvor hatte dieselbe Frau genau diesem Journalisten noch die Hand geschüttelt. Ein Verantwortlicher von "Zukunft Heimat" kommt vorbei und sagt: "Wenn irgendwas ist, sagen Sie Bescheid!" - um kurz darauf selbst ans Mikrofon zu gehen und die Stimmung gegen den rbb weiter anzuheizen. Schließlich sagt ein Ordner, der dem Kamerateam eine Stunde lang nicht von der Seite weicht, am Ende der Veranstaltung: "Ab jetzt müsst ihr auf Euch selber aufpassen."  

Solche Demos zerstören die Debattenkultur

Die Scheinheiligkeit ist das eine - die Aufstachelung zum Medienhass das andere. Journalisten - besonders die vom rbb - werden hier zum Freiwild gemacht für den militanten Arm der rechten Szene. Damit ist klar, was uns blühen soll, wenn diese Kräfte die Macht ergreifen: dasselbe wie den Flüchtlingen. Die können sich kaum schützen. Wir schon.

Viel schlimmer als dieses Bedrohungsszenario ist, was AfD und "Zukunft Heimat", verbündet mit all den anderen rechtsextremen Splittergruppen, mit der Debattenkultur des Landes machen - und damit mit der Demokratie.

Anders als für die Rechtspopulisten dieser Welt gibt es für den rbb nicht nur eine Wahrheit. Wir haben immer über beides berichtet, über Gewalt gegen Flüchtlinge genauso wie über Gewalt von Flüchtlingen. Wir reden immer mit allen: mit jenen, die wirklich Opfer sind, genauso wie mit denen, die, weil sie sich als Opfer fühlen, zu Tätern werden. Und wir pauschalisieren nicht: Ein syrischer Messerstecher macht nicht alle Ausländer in Deutschland zu Monstern. Genauso wenig ist jeder AfD-Wähler gleich ein Neonazi. Nur auf dieser Basis kommen wir am Ende zu gut begründeten Einschätzungen - die man dann offen diskutieren kann und soll.

Nie wieder Meinungsdiktatur

Aber jene, die in Cottbus zum Medienhass aufstacheln, haben ein anderes Prinzip: Ihre Meinung ist Gesetz, sie sind Meinungsdiktatoren. Denn wer nicht ihrer Ansicht ist, die auf ihren Facebook-Seiten dargebotenen "alternativen Fakten" hinterfragt und wer mit diesen Leuten nicht die Nationalhymne singen mag, ist für sie minderwertig und hassenswert. Ich weiß, historische Vergleiche sind oft schwierig.

Aber in diesem Fall habe ich doch den Eindruck: Das hat dieses Land alles schon mal erlebt. Dabei konnte das von den Rechten angeblich so geliebte Deutschland nur deswegen überhaupt liebenswert werden, weil es sich bisher an einen Grundkonsens gehalten hat: nie wieder!

Kommentarfunktion Montag, 22.01.2017, um 21.45 Uhr geschlossen

165 Kommentare

  1. 165.

    So einseitig. lückenhaft und unseriös, wie der RBB in den letzten 3 Jahren berichtet hat und hier auch Kommentare zensiert hat, braucht sich niemand über den Unmut zu wundern.

  2. 163.

    Ist das der Hinweis auf einen Zusammenhang zum Kommentar? "Der Stalinismus wird über uns kommen..." Bei allem Genannten das Paradoxeste zu wählen, ist wie Argumentationen ohne Argumente zu führen.

    Auch das Narrativ von einem "linken Mainstream" ist blanke Ironie. Auf diesen Mainstream warte ich noch heute. Dieses Bild passt natürlich zu dem Dauergejammere, man dürfe ja gar nichts mehr sagen. "Political correctness" darf u. soll kritisiert werden, um letztlich Sensibilisierung zu schärfen: Aber Menschenverachtung o. Demokratiefeindlichkeit in Form von Hate Speech müssen stets aufgezeigt und ihnen positive Narrative entgegengesetzt werden.

    Hat genannte Demo stattgefunden oder nicht? Wird hier lebhaft diskutiert oder nicht? Müsste man dann nicht zum Schluss kommen, dass Demokratie ja doch irgendwie funktioniert; dass es die "Alternative" gar nicht braucht?

    Was die AfD-Finanzargumente angeht: Aus der EU auszutreten, ist keine Lösung für welche Finanzprobleme auch immer.

  3. 162.

    netter Beitrag, dem ich inhaltlich zustimme, sowohl " Der RBB macht insgesamt einen recht guten Job (@RBB: Danke!)"
    als auch dem betreuten Denken des NDR. der hat tatsächlich einen Sendungsauftrag im doppelten Sinn.

    und was die Cottbusser betrifft : bei so vielen Demonstranten ist eine zivilisierte Diskussion nicht möglich, wie auch. Die Menschen sind wütend . wer mit der Faust auf den Tisch haut erregt allemal mehr Aufmerksamkeit als ein Sonntagsredner.
    durch die Kommentarflut hier bestätigt. quod erat demonstrandum

  4. 161.

    Na da können Sie mal sehen daß i.weiter an mein Vorurteil gegenüber dem Osten noch abzuarbeiten habe.Streue Asche auf mein Haupt u.gebe es auch ehrlich zu.Im übrigen liegen Sie mit einigen Ihrer Kommentare ganz richtig(z.b.151)

  5. 160.

    Schade eigentlich. Ich sehe durchaus noch Dikussionsbedarf, insbesondere eine Antwort auf meinen letzten Beitrag.

  6. 159.

    Liebe Mitforisten,
    für mich sind irgendwie schon alle Argumente ausgetauscht. Die Diskussion hier schweift ab. Ich fand die Diskussion interessant, auch wenn ich manche Argumente, Behauptungen oder Einschätzungen nicht teile. Davon lebt aber Demokratie!
    Der RBB macht insgesamt einen recht guten Job (@RBB: Danke!), auch wenn ich mir persönlich manchmal auch mehr Neutralität wünschen würde. Aber da gibt es wahrlich andere Sendeanstalten (WDR, teilweise NDR), bei denen ich den Eindruck von betreutem Denken bekomme. Dem ist hier nicht so. Deshalb diskutiere ich hier auch gerne mit.
    An alle Cottbuser: Lasst diese absolut blöden Angriffe einfach sein! Erstens ist es kriminell, zweitens kann man seine Meinung auch zivilisiert ausdrücken!
    Ich für meinen Teil bin aus dieser Diskussion jetzt raus und wünsche allen einen schönen Abend!

  7. 158.

    Nie wieder? Nie wieder Lügen? Nie wieder Geschichtsfälschung? Nie wieder Täuschung?
    Ja, die Wahrheit bricht sich Bahn und alle, die sich ihr entgegenstellen, müssen nun zunehmend mit Gegenwind rechnen. Jetzt bereits dünnhäutig? Der Sturm hat noch nicht einmal begonnen.

  8. 157.

    Das mag schon sein das es noch weitere 100 Sender gibt. Habe ich aber nicht. Sie haben insoweit Recht, das solche Sendungen lehrreich sein können - wenn man den Bogen nicht überspannt. Das gilt auch für alle anderen Sendungen. Ich behaupte das die Menge und der Inhalt eher deshalb gewählt werden um eine heile Welt vorzugaukeln, die es so nicht mehr gibt. Es gibt auch keine Debattenkultur wie in dem Kommentar behauptet wird. Alles was nicht "politisch korrekt" ist wird automatisch als "Nazisprech" deklariert. Da fabulieren Linke hier im Forum von den Zeiten, die nicht mehr wieder kommen dürfen um damit alles an Kritik zu unterbinden und merken nicht das genau sie es sind, die solche Zeiten wieder hervorbringen. Die müssen nämlich nicht von rechts kommen - die können auch von links kommen.

  9. 156.

    Wenn man etwa Realistisches über Fachkompetenz im Osten schreibt, widerspricht sogar das schon der linkslastigen Zensur? In welcher Realität lebt ihr denn, in einer bildungsfeindlichen? Heute früh dufte man hier diskutieren, jetzt wird wieder alles nur nach Parteikonformität abgewürgt. Diese Art beformundende DDR-Zensur will heute kein Mensch mehr.

    Dann nehmt einfach keine GEZ-Steuergelder mehr und fertig.

  10. 155.

    @Lotte: Ich gebe Ihnen absolut recht. Und: Die Sendung aus dem Leipziger Zoo, also "Elefant, Tiger & Co - Das Original" ist einfach spitze! Kommt meines Erachtens keine der anderen ran - bei allem Lokalpatriotismus.

    Nur kleiner Klugscheißerkommentar: Sächsisch ist KEIN Dialekt. Rein Sprachwissenschaftlich ist das Hochdeutsche ein Dialekt des Sächsischen. Klingt komisch, ist aber tatsächlich so. Stichwort Meißener Bibeldeutsch: https://www.welt.de/kultur/article155896447/Als-Saechsisch-noch-das-beste-Deutsch-war.html

    Viel Spaß beim Lesen. :-D

  11. 154.

    Dann sollten Sie vielleicht mal ganz schnell das Programm der AfD lesen. Die AfD ist die einzige Partei, die den Wahnsinn in der EU thematisiert, sei es Griechenland, die Target2-Schulden, den ESM etc.. Die AfD muß auch nicht, kann aber, die prekären Arbeitsverhältnisse und deren Ursachen bewerten. Da Sie die AfD nicht wählen, aber vermutlich eine Partei gewählt haben, wüsste ich gerne was ihre Partei dem entgegensetzt. Und bitte bedienen Sie mich nicht mit den Linken oder der Gerechtigkeitspartei SPD.

  12. 153.

    Auf Argumente gehen sie und ihresgleichen ja nicht ein, da bleibt dann nur noch Sarkasmus.

  13. 151.

    Hallo Ursula, stimmt, das heutige Rentenproblem hat mit der Wiedervereinigung erst mal gar nichts zu tun. Sowohl im Osten wie auch im Westen gab und gibt es ein Umlagensystem. Es werden also Renten aus den Beiträgen gezahlt, die gerade eingenommen werden. Somit ist das immer wieder gern angebrachte Argument, die Ostrentner hätten nichts eingezahlt, einfach politischer Schwachsinn. Beide Kassen waren beim Beitritt der DDR zur Bundesrepublik gleich leer. Was die Rentenkassen belastet hat, war die darauf folgende hohe Arbeitslosigkeit im Osten, weil massiv Beiträge weggebrochen sind. Das wurde nur zum Teil durch Wechsel des Arbeitsortes in den Westteil Deutschlands kompensiert. Gleichzeitig erfuhr aber die Deutsche Wirtschaft einen enormen Aufschwung, da 17 Mio. Verbraucher hinzukamen. Das hat das Ganze zum Teil ausgeglichen, aber eben nicht vollständig. Der dreiste Griff der Kohl-Regierung in die Rentenkassen hat dem Ganzen den Rest gegeben.

  14. 150.

    Linkswertungen können ja auch auch nicht einfach so ins Weltbild passen, denn Nachrichten sollten nicht nach dem Parteibuch aussortiert oder bewertet werden. Die Sensitivität dafür ist bei Ostlern mit +45 Jahren allerdings noch vorhanden, bei jüngeren z. T. auch wegen der Erfahrungen der Vorgeneration.

  15. 149.

    Dieses Abwertungsgerede über Fachkräfte aus dem Osten kommt nur von Leuten, die wirtschaftlich unbeleckt sind.
    Aus der Wirtschaft oder von den Unis kommen solche Töne nicht. Man muss sich mal überlegen, wieviele Ostler nach der Wende in den Westen gezogen sind, weil sie da Arbeit hatten und da gebraucht wurden.

  16. 148.

    Meinen sie ICH wüßte das nicht? S

    sagen sie das ihren Mitkommentatoren hier und denen die auf solche "Demos" wie in Cottbus gehen.

    ...

    Das Dumme an meinen Argumenten, nein umgekehrt, das Dumme an ihren Umgang mit meinen Argumenten ist dass diese von ihnen geflissentlich ignoriert werden.

    Beispiel gefällig?

    "Und zurück zum Thema: Das und das ausplündern der DDR (zumindest was sich noch ausplündern ließ) haben u.a. das Minderwertigkeitsgefühl erzeugt aus dem sich der heutige Hass nährt.

    Hass auf "die da oben", Hass auf alles Fremde."

    Da bleibt nur noch beißender Spott.

  17. 147.

    Oh Mann, wie kann man denn nur so ein vereinfachtes Weltbild pflegen?
    Dass viele Menschen aus der DDR (bei weitem nicht die meisten) gleich mehrere Umschulungen erfahren haben, lag schlicht und ergreifend daran, dass das Arbeitsamt (damals hieß das noch so) Millionen verprasst und am Markt vorbei ausgebildet hat. Wenn ein Heer von Köchen ausgebildet wurde, gab es für den Großteil davon später keine Jobs, weil der Bedarf nicht da war. Also hat man mal pauschal alle zum im GaLaBau ausgebildet. Da war nur dummerweise der Bedarf noch niedriger! Es gab für die Masse an Menschen, denen die Jobs weggebrochen sind, schlicht damals keine Arbeit. Das lag nicht an der Ausbildung, die war durchschnittlich sehr hoch. Aber Firmen ist Osten waren nicht mehr wettbewerbsfähig, weil der gesamte Ostmarkt mit der D-Mark wegbrach und die Produkte im Westmarkt mangels Produkltivität nicht mithalten konnten. Was glauben Sie, wo die vielen schön billigen Quelle-Artikel herkamen?

Das könnte Sie auch interessieren

Birgit Bessin spricht am 20.01.2018 in der Cottbusser Innenstadt bei einer Demonstration des rechten Spektrums (Bild: rbb/Carolin Haentjes).
rbb/Carolin Haentjes

Cottbus - Hunderte folgen Aufruf zu rechter Demonstration

Hunderte Menschen folgten dem Demonstrationsaufruf eines rechten Vereins in die Cottbuser Innenstadt. Während der Reden von AfD-Politikern kam es zu verbalen Ausfällen. Zudem wurde gegen einen Feuerwehrmann ein Disziplinarverfahren eingeleitet. 

Der Sportverein "Projekt Habula" aus Velten (Quelle: rbb/Brandenburg aktuell)
rbb/Brandenburg aktuell

"Projekt Habula" aus Velten - Neonazis getarnt als Drachenboot-Verein

Der Sportverein "Projekt Habula" aus Velten wirkt auf den ersten Blick wie viele andere. Doch beim genaueren Hinsehen zeigt sich eine rechtsextreme Gesinnung. Die soll hier unauffällig unter die Bevölkerung gebracht werden, sagt der Verfassungsschutz. Von Peter Huth