Auch in der JVA Moabit gibt es zu wenig Personal (Quelle: imago stock&people/Jürgen Ritter).
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Audio: Interview mit Anke Stein, Leiterin der JVA-Mobit | Inforadio | 09.01.2018 | Bild: imago stock&people/Jürgen Ritter

JVA Berlin-Moabit - Gefängnisleiterin Stein klagt über großen Personalmangel

War auch Personalmangel Schuld an der Flucht der Häftlinge aus Plötzensee? Laut Gewerkschaft der JVA-Beschäftigten fehlt es in Berliner Gefängnissen grundsätzlich an Personal. Auch in der JVA Moabit, so Leiterin Anke Stein. Doch das soll sich jetzt ändern.

Anke Stein, Leiterin der Justizvollzugsanstalt (JVA) Berlin-Moabit, beklagt einen Personalmangel in ihrer Anstalt: "Mir fehlen alleine im allgemeinen Vollzugsdienst ungefähr 50 Personen - allerdings muss ich auch sagen, dass ich derzeit 80 in Ausbildung habe, um der Altersfluktuation Herr zu werden", sagte sie am Dienstag im rbb.

Die Lage in Moabit ist kein Einzelfall. In vielen Gefängnissen in Berlin fehle es an Mitarbeitern, so die Gewerkschaft der JVA-Beschäftigten. Das Thema Personalmangel ist nach der Flucht von neun Häftlingen aus der JVA Plötzensee aktueller denn je. Eine Kommission untersucht derzeit, wie sicher Plötzensee ist - und ob auch der Personalmangel dazu beigetragen hat, dass die Gefangene fliehen konnten.

"Das Land Berlin fand es nicht nötig, im Justizvollzug auszubilden"

Schuld an der unzureichenden Mitarbeitersituation in Gefängnissen sei vor allem das Land Berlin, argumentierte Stein. "Wir haben erst vor einiger Zeit wieder angefangen mit der Ausbildung. Das Land Berlin fand es nicht nötig, im Justizvollzug auszubilden", sagte sie. Die JVA Moabit ist mit knapp unter 1.000 Insassen Berlins zweitgrößtes Gefängnis.

Der Personalmangel führe dazu, "dass jeder Gefangene weniger Betreuung und weniger Aufmerksamkeit bekommt, als er eigentlich bekommen müsste, damit wir unseren gesetzlichen Auftrag erfüllen können. Darin sind Risiken verborgen, sowohl für meine Bediensteten, als auch für das Land Berlin", so Stein.  

Behrendt: Bis Ende 2019 sollen JVAs wieder vollständig besetzt sein

In Berlin soll das Gefängnispersonal nun aufgestockt werden. Nach Angaben von Justizsenator Behrendt werden noch in diesem Jahr 120 zusätzliche Mitarbeiter angestellt. Sie kommen demnach aus dem Kreis der gegenwärtig etwa 270 Auszubildenden des Landes im Justizbereich, von denen knapp die Hälfte die Ausbildung in den kommenden Monaten abschließt.

Behrendt sprach von insgesamt rund 200 unbesetzten Stellen in den Justizvollzugsanstalten. Sie sollen bis Ende 2019 wieder vollständig besetzt sein.

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Frau Stein ist erst seit kurzem im Amt in der JVA Moabit, und es ist allgemein bekannt, dass seit Jahren bei Feuerwehr, Polizei, Zoll und Justiz erheblicher Personalmangel besteht. Es hat nur noch keiner so ungeschönigt den Ernst der Lage benannt. Also bitte erst mit dem großen Ganzen beschäftigen bevor man vorschnell ein Urteil abgibt.

  2. 6.

    warum klagt die Leiterin erst jetzt ? wurde da vorher vertuscht und beschönigt ? .. .... abwarten bis etwas passiert ?

  3. 5.

    Zum einen ist sicherlich relevant genauer zu schauen wofür es Haft gibt. D.h. z.B. wie von RBB zitiert, dass ÖPNV-Fahren ohne Ticket absurd ist. (Oder in eigener Erfahrung will Gasag von mir nun schon fast 700 Euro nach Klage welche sich auf Schätzung stützte obwohl der eigentliche Verbrauch schon bezahlt war und es ca. ein Monat vor Gerichtsschreiben zu Zählerablesung kam welche aber nicht berücksichtigt wurde, und ich ohne Rechtsbeistand gegen zig Personen welche wollen dass ich deren nicht geringen Löhne/Gehälter zahle weil mal Brief schreiben anscheinend bayrisch? mit 100 Euro berechnet wird, bzw. sich dann meine Organe aufteilen - und umso absurder da Gasag Berlin angeblich 100 Millionen schuldet, angefangen 2008, aber bei Gasag droht anscheinend niemandem Haft.)

    Zum anderen ist aber sicherlich klar dass Haft nicht bei allem abschaffbar. Aber auch da gibt es weitere Aspekte, da z.B. U-Haft in JVA Moabit im Durchschnitt kürzer sein könnte wenn Untersuchungen flotter sein würden.

  4. 3.

    Natürlich hat das Gefängnis nicht genügend Personal.
    Und über Freigang sollten Sie sich erstmal richtig informieren.

  5. 2.

    Das ist ummes Geschwafel!

    Schwerverbrecher bekommen keinen Freigang und dass Berlin nicht rechtzeitig ausgebildet hat liegt bestimmt nicht an einen Senator der seit ~ 1 Jahr im Amt ist.

    "Wir haben erst vor einiger Zeit wieder angefangen mit der Ausbildung. Das Land Berlin fand es nicht nötig, im Justizvollzug auszubilden".

  6. 1.

    Das glaube ich gerne.
    Wobei im Moment wohl eher die falsch angewendet Großzügigeit bei der Freigang Bewilligung, der zum Teil gefährlichen Insassen
    Schuld an dem Fiasko ist.
    Und das wiederum hat wohl auch der Justiz
    Senator mit zu verantworten..
    Oder?

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