Polizei und Rettungskräfte sind am 01.01.2018 in Berlin in der Karl-Marx-Allee im Einsatz. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Video: Abendschau | 02.01.2018 | Sylvia Wassermann | Bild: dpa/Christophe Gateau

Silvester-Angriffe auf Polizei und Feuerwehr - "Diese Aggressivität haben wir in den letzten Jahren nicht erlebt"

Retter werden mit Schusswaffen bedroht, Polizisten und Feuerwehrleute mit Böllern und Flaschen beworfen: In Berlin haben Randalierer zum Jahreswechsel vermehrt Einsatzkräfte attackiert. Nicht nur der Landesbranddirektor fordert hartes Durchgreifen.

Vermehrte Angriffe auf Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte in der Silvesternacht in Berlin und anderen Städten haben scharfe Kritik nach sich gezogen.

Landesbranddirektor Wilfried Gräfling sprach von einer "Aggressivität, wie wir sie in den letzten Jahren nicht erlebt haben". Das sei "sehr traurig und bedenklich", so Gräfling am Montagabend im rbb-Fernsehen. Die Tendenz lasse sich nicht nur in Berlin, sondern bundesweit feststellen. Der Gesetzgeber und die Rechtsprechung seien hier gefragt, um härter in solchen Fällen durchzugreifen.

Rettungskräfte mit Schusswaffen bedroht

Insgesamt gab es in Berlin in der Silvesternacht nach Angaben der Feuerwehr acht Angriffe auf Einsatzkräfte und 57 Angriffe auf Einsatzfahrzeuge mit erheblichen Sachschäden. Auch am Neujahrstag beschossen Jugendliche in Neukölln einen Streifenwagen mit Schreckschusswaffen.

Der schwerste Vorfall an Silvester ereignete sich laut Feuerwehr in der Rosmarinstraße in Mitte. Dort wurde die Besatzung eines Rettungswagens, der wegen einer Verletzung gerufen worden war, von mehreren Männern mit Schusswaffen bedroht worden. Die Polizei stellte zwei scharfe Schusswaffen sicher.

Polizeipräsident Kandt: "Es ist unfassbar"

Auch der Präsident der Berliner Polizei, Klaus Kandt, hat die Übergriffe auf Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter zum Jahreswechsel scharf verurteilt. "Es ist unfassbar, dass Helfer derartig angegriffen werden", zitierte die Polizei Kandt am Dienstag auf Twitter. Er "zweifle am Verstand derer, die mit Böllern und Raketen auf Menschen schießen".

Polizisten und Einsatzfahrzeuge mit Böllern beschossen

In Schöneberg wurden Polizeibeamte mit Pyrotechnik beschossen und mit Flaschen beworfen. Die Polizei nahm eine 16-Jährige fest - den Angaben zufolge hatte das Mädchen 44 illegale Böller bei sich. Die Polizei ermittelt wegen besonders schweren Landfriedensbruchs.

Zudem sei ein ziviles Einsatzfahrzeug mit einem Böller beworfen worden, teilte die Polizei mit. Dieser habe ein Loch in die Heckscheibe gerissen. Ein 22-jähriger Tatverdächtiger wurde festgenommen - er hatte neben Marihuana und Kokain auch noch ein Messer bei sich.

Mehrere Polizeibeamte wurden während der Einsätze leicht verletzt, konnten aber im Dienst bleiben. Einer von ihnen erlitt durch den Beschuss mit Pyrotechnik leichte Verbrennungen am Hals. Einem Kameraden der freiwilligen Feuerwehr wurde laut Landesbranddirektor Gräfling mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Trotz dieser Vorfälle schlussfolgerte die Polizei an Neujahr, die Silvesternacht sei in Berlin "weitgehend friedlich" verlaufen.

Attacken auch in Stuttgart, Leipzig und NRW

Attacken auf Einsatzkräfte wurden auch aus anderen Landesteilen gemeldet. In Stuttgart gab es Verletzte, weil Polizisten und Feuerwehrleute durch Böller und Raketen bei der Arbeit behindert wurden. In Leipzig bewarfen 40 bis 50 Menschen Polizisten mit Böllern, Flaschen und Steinen. In Nordrhein-Westfalen wurden insgesamt 25 Polizisten verletzt, allerdings keiner so schwer, dass er im Krankenhaus bleiben musste.

CDU-Minister: "Ganze Härte des Gesetzes erfahren"

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) schrieb auf Twitter: "Angriffe auf Rettungskräfte - egal wann, wo und von wem - sind völlig inakzeptabel." Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Sachsens Minister Roland Wöller (CDU), sagte der "Welt": "Wer Rettungskräfte attackiert, greift unseren Rechtsstaat und die Demokratie an." Straftäter müssten daher die ganze Härte des Gesetzes erfahren.

Im vergangenen Jahr hatte der Bund ein Gesetz verabschiedet, wonach tätliche Angriffe auf Polizeibeamte und Rettungskräfte künftig härter bestraft werden. Schon auf Attacken etwa auf Streifen stehen nun drei Monate bis fünf Jahre Haftstrafe.

Wendt spricht von Tötungsversuchen

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, sagte der "Welt", die Attacken gegen Einsatzkräfte hätten lebensbedrohliche Ausmaße angenommen. "Letztlich muss die Justiz mit entsprechenden Urteilen dafür sorgen, dass auch der letzte Verrückte begreift, dass dies kein Spaß ist, sondern hier schwere Gewaltdelikte begangen werden." Der "Rhein-Neckar-Zeitung" sagte Wendt, solche Angriffe seien keine Silvester-Böllerei, sondern "Tötungsversuche". Mit Blick auf die Silvesternacht sagte er: "Es ist purer Zufall, dass den Polizeikräften nicht mehr passiert ist." Außerdem forderte er EU-weite einheitliche Sicherheitsstandards für die Herstellung von Feuerwerk.

Kommentar

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32 Kommentare

  1. 32.

    wieder mal wird deutlich diese Silvesterknallerei verbieten, nur noch an bestimmten Orten und ansonsten hohe Strafen,

    außerdem
    Kriminelles verhalten muß schneller geahndet werden und zur Not Autos und Handys usw. entziehen
    Geldstrafen an Ort und Stelle einziehen

  2. 31.

    Vielen Dank, dass Sie mir die Argumentation abgenommen haben. So sehe ich es auch. Und wenn kein Feuerwerk mehr zu erstehen ist, dann wird vielleicht noch der ein- odere andere welches illegal einführen. Aber das wird sich insgesamt ganz anders auswirken, als bisher.

  3. 30.

    Der Staat ist nicht mehr in der Lage, sich selbst und UBS Bürger zu schützen.
    Da gehe ich mit mit Ihnen mit. Solange Linksterroristen offen im Netz dazu aufrufen, dass "Schweinsystem" und die "Bullenschweine" zu bekämpfen, kann und wird das demokratische System, die BRD, über kurz oder lang, zerbrechen.
    Wir demokratisch gesinnten Bürger sind auch dazu aufgerufen, sich dagegen zu stellen.
    Sicherlich haben einige Bürger die Übergriffe mit ihren Handys gefilmt, und ich rufe sie hiermit auf, diese Beweise der brutalen Übergriffe auf Rettungs- und Polizeikräfte der Polizei zur Verfügung zu stellen, damit diese Verbrecher dingfest gemacht werden könnten und somit die ganze Härte des Staates zu spüren bekommen.
    Das ist meine Meinung!

  4. 29.

    Wenn man auf immer mehr kriminelle Gewalt mit immer mehr Schmusekurs und "Deeskalations"-Versuchen reagieren will, dann kommt auch immer mehr kriminelle Gewalt dabei heraus. Es ist ganz offensichtlich, dass in unserem Land 2 Bevölkerungsgruppen zum größten Teil Narrenfreiheit und den Schutz der derzeitig re(a)gierenden Politiker genießen. Deshalb ist es notwendig, endlich die verantwortlichen Politiker mit Hilfe der uns noch möglichen Wahlen dafür zur Verantwortung zu ziehen, um endlich dem maaßlosen kriminellen Treiben im Land ein Ende zu bereiten.

  5. 28.

    Tokio ist 10 mal so groß wie Berlin, und da passiert sowas nicht. "Wo viele Menschen an einem Platz sind passiert halt auch mehr" ist deshalb zu kurz gesprugen. Kulturelle und soziale Umstände sind sehr wichtig.

  6. 27.

    Äpfel -> Birnen.

    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/kriminalitaet-in-japan-eine-dicke-schwarze-null-des-verbrechens-12758346.html

  7. 26.

    Wenn sich die Polizei aufgrund eines allgemeinen Verbots zu Sylvester primär "nur" um Personen kümmern könnte, die verbotenerweise andere mit Sprengstoffexplosionen angreifen, dann wäre dies in angemessener Stärke möglich - nötigenfalls auch mit dem SEK. Dann wäre es vielleicht für Familien mit Kindern normal sich während dieser Tage angstfrei in der Stadt zu bewegen. Und der "normale" Ausnahmezustand [!!] mit hunderten Bränden, unzähligen (undokumentierten) Verletzten, enormen Sachschäden (nur z.B. Bahnhof Zoo, Briefkästen, Parkautomaten,....) und vergifteter Luft könnte lebensfroheren Feiern Platz machen. @rbb Gibt es Schätzungen zu den volkswirtschaftlichen Kosten durch das diesjährige ("erlaubte") private Feuerwerk in Berlin? Allein die bereits bekannten Sachschäden dürften sich auf mehrere Millionen belaufen.

  8. 25.

    Ihr Wendt-Bashing mag ja in manchen Echoblasen Mode sein, passt hier aber nicht, da die Einsatzkräfte ja eben attackiert wurden. Wenn Sie ihm vorzuwerfen versuchen, dass er sich dazu äußert, sind Sie gegen die Presse- und Meinungsfreiheit. Dann äußert Sie sich doch selbst auch nicht. Das wäre die logische Konsequenz davon.

  9. 24.

    Werte Annemone,
    Ich glaube nicht, dass die Personen, die sich so daneben benehmen und bestehende Gesetze bewusst ignorieren, sich an ein Verbot halten würden. Dann wird die Pyrotechnik halt woanders besorgt, genutzt würde sie von diesen Idioten (Sorry) trotzdem, um Mensche, insbesondere Einsatzkräfte anzugreifen. Nein, da helfen nur schnelle und harte Strafen!

  10. 23.

    Dem kann ich widersprechen. In Tokyo leben etwa 10mal so viele Menschen wie in Berlin und in Tokyo gibt es gemessen an der Einwohnerzahl so gut wie keine Straftaten. Die Nachrichten haben über kaum etwas zu berichten so dass das einzige was die Leute wirklich interessiert/aufregt das Wetter oder die Promi-Nachrichten sind. Kein Scherz.

  11. 22.

    Bezeichnenderweise sind es immer Leute aus irgendwelchen Kuhbläken die sich über den "Moloch" Berlin echauffieren.

    Tja bei uns ist es halt nicht das Ereignis des Jahres wenn Nachbars Kuh kalbt. Lesen sie mal "-ky Wie ein Tier. Der S-Bahn-Mörder" oder falls ihnen das zu aufregend ist "Emil und die Detektive". Selbst die Braunen hatten den "Moloch" Berlin nicht im Griff, hat also nichts mit "rot/grün versifft" zu tun wie sie es gerne hätten.

    Wo viele Menschen an einem Platz sind passiert halt auch mehr.

  12. 21.

    Das ist noch schlimmer.

  13. 20.

    Was für Räubermärchen meinen Sie?
    Ist es nicht eher die Politik eines Heiko Maas, der diese Übergriffe möglich macht?
    Wie sieht es denn an den linksradikalen Ballungszentren aus? Rigaer Straße in Berlin zum Beispiel.
    Da traut sich doch die Polizei nur noch in Mannschaftsstärke hin, weil sie mit Pflastersteinen, Böllern u.a. beworben werden. Wenn Linksfaschisten, nichts anderes sind die für mich, auf ihrer Seite https://de.indymedia.org/node/16496 zum "Kampf gegen die Polizei und dem Schweinesystem Deutschland" ungestraft aufrufen können, dann ist es eben auch ein Zeichen für andere Verbrecher, die Polizei zu bewerfen.
    Ihnen sei gewünscht, dass Sie nie in eine Situation kommen, wo Sie Hilfe von der Polizei, der Feuerwehr oder Rettungsdienst benötigen, die dann von solchen Elementen gehindert werden.

  14. 19.

    Da ist tatsächlich der Senat gefragt. Er muss ein Feuerwerksverbot erlassen. Es kann nicht sein, dass sich Bürger nicht mehr auf die Strasse trauen und Rettungskräfte/Polizei angegriffen werden. Genau wie in Paris muss es ein Verbot geben. Ausserdem muss die Verurteilung und ggf Abschiebung von Straftätern beschleunigt werden. Es kann nicht sein, dass Anarchie auf den Strassen herrscht, und mit Verurteilungen allenfalls in 5 Jahren zu rechnen ist. Der Bund muss Richter und Staatsanwälte schicken. Berlin ist kein weit entfernter Aussenposten sondern Hauptstadt. Kommt das vielleicht mal an?

  15. 18.

    Wenn ich Jugendlicher wäre und mit ansehen müßte, wie die sogenannten Erwachsenen und Alten aktuell mit der Umwelt und mit unserer gesellschaftlichen Zukunft umgehen, in der ich die nächsten Jahrzehnte leben muß, würde ich vermutlich auch aus Verzweiflung wenigstens einmal im Jahr randalieren. Seien Sie alle froh, daß die meisten verzweifelten Jugendlichen ihren Frust sonst nur mit Suff und Drogen bekämpfen.

  16. 17.

    Als andere Gründe würde ich zunehmende soziale Ungerechtigkeit, Perspektivlosigkeit, und gesellschaftliche Auflösungserscheinungen vermuten. Neu ist das alles überhaupt nicht, schon in den 1980er Jahren (im Westteil) waren Silvesternächte anarchisch und gewaltvoll.

  17. 16.

    Wollen wir wetten dass es wieder nur bei Lippenbekenntnissen und" unter den Teppich kehren" bleibt? Das kennen wir schon zu genüge von dem Strassenterror in der Rigaer Str. und der Resignation vor dem Drogenhandel in der Stadt. Bekannte Kriminelle dürfen weiterhin ihr Unwesen treiben und werden nicht zur Abschiebung und Verurteilung inhaftiert. Selbst im Knast kann anscheinend jemand unbemerkt mit einer Flex herumlaufen. Traurige Hauptstadt mit so einem unfähigen links-grünen Senat.

  18. 15.

    Der Beschuss von Rettungskräften ist nur die Spitze des Eisberges. Ich kann mich an kein Sylvester in Berlin erinnern, wo ich nicht mit Böllern (und ein paar mal auch mit Flaschen) beworfen oder mit Raketen quer über die Straße und auf Balkone beschossen wurde. Auch im Taxi nicht nur für Kinder sehr beängstigend, wenn Böller unter dem Fahrzeug oder direkt daneben explodieren. Letztes Jahr wurden wir mit Kindern Tage vor Sylvester bereits mittels Schreckschusswaffen und Pyros aus einem Haus heraus beschossen. Meine Erfahrungen beziehen sich auf Zehlendorf Mitte, Wedding, Steglitz, Prenzlauer Berg, Neukölln, Mitte, Mahrzahn, Lichtenberg, Kreuzberg und Charlottenburg. Meinen Kindern möchte ich das nicht mehr zumuten und verlasse wahrscheinlich bis zu einem Verbot nun wie viele Freunde und Bekannte auch regelmäßig zu Sylvester die Stadt.

  19. 14.

    Also, wenn Rettungskräfte oder Polizisten so massiv bedroht werden, möchte ich hier gerne mal lesen, das die >Polizei mit gleicher Münze heimzahlt. Und nicht nur Warnschüsse. Der eine odwer andere Täter sollte ruhig mal auf der Flucht empfindlichn getroffen werden.

  20. 13.

    Ich kann Ihnen nicht zustimmen und bin da ganz bei "Erich", ich habe es im Ausland wie er erlebt. Übrigens kenne ich einige Berliner, die an Silvester aus der Hauptstadt "fliehen"! Wie traurig, dass dies notwendig ist!
    Ich bin auch dafür, dass es zentrale, professionell organisierte Feuerwerke geben sollte. Und die private Ballerei verboten gehört. Wenn das schon wieder zu restriktiv ist, dann sollen von mir aus Knallzonenn eingerichtet werden, ähnlich wie Grillzonen. Es kann doch nicht angehen, dass man in der Silvesternacht Angst um Leben und Gesunheit haben muss. Und was die Ambivalenz angeht, die Sie ansprechen - erst die Einsatzkräfte beschießen und dann im Notfall anfordern ... das zeugt tatsächlich von Anarchie, Verrohung und einem Totalverlust an Verstand und Respekt.

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