Deutsche und polnische Polizisten unterhalten sich am 11.07.2015 am Rande einer Veranstaltung zum Inkrafttreten des Deutsch-Polnischen Abkommens über die Zusammenarbeit der Polizei- und Grenzschutzbehörden im polnischen Swiecko (Quelle: Patrick Pleul/dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 11.01.2018 | Markus Woller | Bild: Patrick Pleul/dpa

Zehn Jahre Polizei- und Zollzusammenarbeit - Das "Wunder der Normalität" zwischen Deutschland und Polen

Vor zehn Jahren wurden die Grenzkontrollen zwischen Polen und Deutschland abgeschafft. Seitdem arbeiten in Świecko Polizei-Beamte beider Länder eng zusammen. Das hat Auswirkungen auf die Liebe und den Polizeiruf 110. Von Dominik Lenz

 

"Ich kenne das Zentrum aus dem Polizeiruf", so das Bekenntnis von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). "Und ich finde es schön, dass dort die deutsch-polnische Polizeiarbeit so abgebildet wird. Das gemeinsame Zentrum ist - so wie in der Realität - das Herzstück der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen."

Das gemeinsame Zentrum deutsch-polnischer Polizei- und Zollzusammenarbeit, von dem der SPD-Ministerpräsident spricht, steht seit zehn Jahren an einem symbolträchtigem Ort: dem ehemaligen Grenzabfertigungsgebäude in Świecko, mitten auf der Autobahn 12, kurz hinter Frankfurt (Oder). Am heutigen Donnerstag wird das zehnjährige Jubiläum gefeiert. 

Derzeit arbeiten hier 65 Beamte - 21 aus Polen, 44 aus Deutschland. Kollegen von Zoll und Bundespolizei, sowie der Polizei aus den Bundesländern Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Da die polnische Polizei zentral geführt wird, gibt es diese Aufteilung hier nicht. Neben den Polizeikollegen sitzen auch der Grenzschutz und der polnische Zoll im Polizeizentrum.

Gestohlenes Auto sofort beschlagnahmt

Pro Jahr werden im gemeinsamen Zentrum rund 25.000 Ermittlungsanfragen aus der Bundesrepublik und aus Polen bearbeitet. Es sind Fälle wie dieser: In Potsdam-Eiche meldet ein Mann seinen Dienstwagen als gestohlen. Noch während der Anzeigenaufnahme teilt das deutsch-polnische Polizeizentrum mit, dass das Auto in Polen bei einer Verkehrskontrolle gestoppt und beschlagnahmt wurde.

Innenminister: Kriminalitätsbekämpfung "vorbildlich"

Das Zentrum war "die richtige Lösung zur richtigen Zeit", sagt Ministerpräsident Woidke, der auch der Beauftragte der Bundesregierung für die deutsch-polnischen Beziehungen ist. 2007 gegründet, in dem Jahr also, als die Grenzen geöffnet wurden, sei es darum gegangen, auch die Arbeit der Polizei grenzenlos zu gestalten. 

"Das klappt hier vorbildlich", stimmt Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) zu: "Es ist gelungen, die Kriminalitätsbekämpfung auf ein neues Niveau zu heben. Hier wird alles koordiniert, was grenzüberschreitende Polizeiarbeit betrifft. Von hier aus werden wichtige Fahndungen koordiniert, und wir konnten dank Świecko eine ganze Menge wichtiger Festnahmen durchführen." Im Bereich von bandenmäßigem Diebstahl von Solarpanels zum Beispiel.

Insgesamt kann die Polizei einen Rückgang der grenznahen Kriminalität verzeichnen, vor allem bei KFZ-Diebstählen und bei Einbrüchen in Wohnungen, Firmen oder Gartenlauben. Dahinter stecken oft organisierte Banden, die Polen nur als Transitland nutzen.

Gemeinsame Streifen, gemeinsames Büro

Świecko ist zwar nicht offiziell eine gemeinsame Dienststelle, faktisch funktioniert das Zentrum aber genau so: Die Kollegen sitzen in einem gemeinsamen Raum und gehen gemeinsam auf Streife. Rechtsgrundlage ist das deutsch-polnische Polizeiabkommen, das seit dem 9. Juli 2015 in Kraft ist. Damit können Polizeibeamte auch im jeweils anderen Land Ausweiskontrollen durchführen oder eine Verfolgung fortsetzen, was vorher nicht möglich war.

Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke nennt dies "das Wunder der Normalität, vor dem Hintergrund der schwierigen deutsch polnischen Geschichte und dem, was gerade auch deutsche Polizei-Bataillone der polnischen Bevölkerung angetan haben".

Etliche grenzüberschreitende Ehen angebahnt

Diese selbstverständliche Zusammenarbeit suche ihresgleichen in Europa, meint Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. Er lobt das kollegiale Miteinander in Świecko. Das reicht inzwischen so weit, dass es etliche grenzüberschreitende Ehen und "eheähnliche Gemeinschaften" unter den Kollegen gebe, sagt der deutsche Koordinator des Zentrums, Ulf Buschmann.

Künftig sollen im deutsch-polnischen Polizeizentrum auch die Staatsanwaltschaften beider Länder arbeiten. Dann allerdings kommt der schmucklose Betonbau an seine Grenzen. In der Grenzstadt Słubice könnte eine neue, modernere Dienststelle entstehen.

Beitrag von Dominik Lenz

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