"Zeit"-Bericht - Wichtiger Amri-Ermittler im LKA hatte einen Nebenjob

Haupteingang zum Landeskriminalamt in Tempelhof am am 03.11.2016 (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

In Berlin ging keiner ans Telefon, in Berlin war keiner da: Mehrere Zeugen haben im Amri-Untersuchungsausschuss beklagt, vor dem Anschlag hätten im Landeskriminalamt Terrorermittler gefehlt. Jetzt wurde bekannt: Der Dezernatschef hatte noch Nebenjobs.

Der Leiter des Islamismus-Dezernats im Berliner Landeskriminalamt (LKA), das sich um den späteren Attentäter Anis Amri kümmern sollte, hatte einem Medienbericht zufolge einen Nebenjob. Wie die "Zeit" am Mittwoch berichtete, ging der damalige Dezernatsleiter im Jahr 2016 an 36 Tagen einer Nebentätigkeit nach. Er habe unter anderem an einer privaten Sicherheitsakademie unterrichtet. Die Berliner Polizei bestätigte der "Zeit" die Echtheit entsprechender Unterlagen.

Gleichzeitig fehlten der zuständigen Behörde Kräfte, wie die Aufarbeitung des Falls Amri im Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses inzwischen gezeigt hat. So räumte die Vorgesetzte des Mannes, die Staatsschutz-Abteilungsleiterin Jutta Porzucek, im Ausschuss einen erheblichen Personalmangel ein. Terrorermittler aus Nordrhein-Westfalen kritisierten, die Berliner Kollegen seien schlecht erreichbar gewesen.

Polizei: Alle Dienstpflichten erfüllt

Nach Angaben der Pressestelle der Berliner Polizei war die Nebentätigkeit des Dezernatsleiters genehmigt. Sie habe zudem seine Diensterfüllung nicht eingeschränkt. "Er habe 'alle Dienstpflichten uneingeschränkt erfüllt'", zitiert die "Zeit" die Polizei.

Dagegen sagte der FDP-Innenpolitiker Marcel Luthe der "Zeit": "Wenn Teile eines Dezernats überlastet sind, muss sich der Leiter darauf konzentrieren, dass das Problem behoben wird, wenn er seine Dienstpflicht erfüllen will."

Der Dezernatsleiter wurde dem Bericht zufolge nach dem Attentat Leiter der für Mord und Sexualdelikte zuständigen LKA-Abteilung 1.

Ausschuss deckte zahlreiche Behördenpannen auf

Die Zustände im Berliner Landeskriminalamt (LKA) stehen im Fokus der Aufarbeitung des Attentats auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz mit zwölf Toten im Dezember 2016. Der Untersuchungsausschuss im Abgeordnetenhaus wird seine Arbeit noch längere Zeit fortsetzen. Zudem ist ein weiterer Untersuchungsausschuss im Bundestag geplant.

Polizei und Geheimdienste hatten den Attentäter immer wieder auf dem Schirm, doch individuelle Fehler und ein strukturelles Versagen in den zuständigen Behörden machten den Weg frei für den Anschlag auf dem Breitscheidplatz.

Sendung: Abendschau, 21.02.2018, 11.30 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    Dazu meine Fragen: "Was hat denn der damalige Leiter des Dezernats an der Sicherheitsakademie gelehrt?
    Ist doch kein Geheimnis als Autor des Buchheftes "Notfall- und Krisenmanagment im Unternehmen" ist er Dozent an der Steinbeis Buisness Akademie in Berlin.
    Bei der Simeda Akademie- als Spezialist für Sicherheitsschulungen-https://www.simedia.de/ wird er als Dozent (Unternehmensberater pp.) bei mehreren Seminaren geführt.
    Das Krisenmanagment im eigenen Hause hatte im letzten Jahr hoffentlich Priorität:
    Management ist ein Anglizismus für jede zielgerichtete und nach ökonomischen Prinzipien ausgerichtete menschliche Handlungsweise der Leitung, Organisation und Planung in allen Lebensbereichen...auch von Personalmangelkrisen

  2. 6.

    Ihre Erklärung klingt irgendwie plausibel. Das würde auch erklären, weshalb die Polizeiführung sich immer wieder aalglatt aus der Affäre winden kann, bzw. offen geschont wird.

  3. 5.

    Ich stimme dem FDP-Innenpolitiker Marcel Luthe völlig zu. Zitat aus der "Zeit": "Wenn Teile eines Dezernats überlastet sind, muss sich der Leiter darauf konzentrieren, dass das Problem behoben wird, wenn er seine Dienstpflicht erfüllen will."
    Dazu meine Fragen: "Was hat denn der damalige Leiter des Dezernats an der Sicherheitsakademie gelehrt?
    Warum wurde dieser Dezernatsleiter nach dem Attentat versetzt?
    Und wieso wird hier vom rbb nicht der Name von diesem Dezernatsleiter genannt?

  4. 4.

    Köhler, NSU, Amri. Alles Einzeltäter. Wir werden die Wahrheit niemals erfahren.

    Nein. Wir sollen die Wahrheit niemals erfahren.

  5. 3.

    hat man jetzt also ein Bauernopfer gefunden ?

  6. 2.

    Seine Dozententätigkeit war jedenfalls nicht dafür verantwortlich, dass die Sicherheitskräfte Amri als Gefährder wissend frei herumlaufen ließen. Für eine Inhaftierung bedarf es weder einer Dozententätigkeit noch keiner Dozententätigkeit
    Stimme dem Vorposter bezüglich "Nebenkerze" 100% zu.

  7. 1.

    Im Fall Amri werden meines Erachtens jede Menge Nebelkerzen geworfen um von Hintergründen abzulenken, die nicht bekannt werden dürfen. Ich glaube nicht an die berüchtigten Einzeltäter, die immer wieder vorgeführt werden wenn etwas vertuscht werden soll. Oder an deren zufällig gefundenen Ausweise. Diese Masche wird schamlos immer wieder neu aufgelegt.
    Der Anschlag am Breitscheidplatz war meines Wissens der zweitgrößte Terroranschlag in der BRD. Der größte geschah 1980 in München. Auch dort waren Geheimdienste, insbesindere der sog. Verfassungs"schutz" involviert, dessen Rolle bis heute nicht aufgeklärt werden darf. In den 90ern wurden vorsorglich alle Asservaten vernichtet, angeordnet von höchster Stelle. Ähnliche Schredderaktionen gibt es auch in der Causa "NSU".
    Wie kann das alles funktionieren ohne eine staatlich geschützte Mafiastruktur? "Qui bono?"
    Die Auswirkungen: Aufrüstung in Überwachung und Sicherheitstechnik und Einschränkung der Freiheit.

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