Plakat mit dem Porträt des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel (Quelle: imago/Christian Mang)
Bild: imago/Christian Mang

Neues Buch - Deniz Yücel sendet Signal aus dem türkischen Knast

Ein Jahr nach der Verhaftung des deutschen Journalisten Deniz Yücel in der Türkei erscheint nun sein neues Buch - mit Texten aus 13 Jahren. "Ein Symbol dafür, dass Deniz nicht schweigt", sagt seine Herausgeberin, die "taz"-Journalistin Doris Akrap.

Seit dem 14. Februar 2017 ist der deutsch-türkische Journalist und "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel inhaftiert. Die türkischen Behörden werfen dem 44-Jährigen vor, sich an Terrorpropaganda und Volksverhetzung beteiligt zu haben - doch Yücel lässt sich nicht zum Schweigen bringen. Am kommenden Mittwoch, dem ersten Jahrestag seiner Festnahme, erscheint sein neues Buch "Wir sind ja nicht zum Spaß hier".

"Man will sie zwingen, die Klappe zu halten"

Mit der bei Nautilus erschienen Text-Sammlung will Yücel der türkischen Regierung erneut die Stirn bieten - tatkräftig unterstützt von der "taz"-Journalistin Doris Akrap, die das Buch herausgegeben hat. "Es gibt nur einen Grund, Leute wie Deniz Yücel wegzusperren: Man will sie zwingen, endlich die Klappe zu halten" schreibt Akrap in ihrem Vorwort - und betont: "Damit klar ist, dass daraus nichts wird, erscheint dieses Buch."

Entstanden ist die Idee dazu, weil die Yücel-Lesungen im vergangenen Jahr immer überfüllt gewesen seien. Als seine Anwälte ihm dies erzählten, habe er gesagt: "Wenn da immer so viele Menschen sind, die meine Texte hören wollen, aber nicht reinkommen, dann machen wir doch daraus ein Buch." Der Entstehungsprozess sei kompliziert gewesen, so Akrap - denn direkte Kommunikation mit ihrem Freund und Kollegen sei nicht möglich gewesen. So sei die Kommunikation ausschließlich über die Anwälte gelaufen, erzählt die Yücel-Vertraute.

Texte mit "Kleinem Prinzen" aus der Haft geschmuggelt

Die "Welt", für die Yücel bis zu seiner Festnahme als Türkei-Korrespondent tätig war, beschrieb jüngst, wie Yücel einen der Texte aus dem Gefängnis schmuggelte. Er habe eine türkische Ausgabe des Buches "Der kleine Prinz" gehabt - ein Geschenk seiner Ehefrau Dilek Mayatürk Yücel. Auf den freien Platz um Zeichnungen und Text herum habe er seinen Erfahrungsbericht aus der Polizeihaft geschrieben. "Bei schummrigem Licht, heimlich unter der Bettdecke." Er habe das Buch in die schmutzige Wäsche gelegt, die er einem seiner Anwälte mitgegeben habe.

Unter anderem enthält "Wir sind ja nicht zum Spaß hier" zwei der Texte, die dem Haftrichter und dem Staatsanwalt als Grundlage dienten, Yücel Terrorpropaganda und Volksverhetzung vorzuwerfen. "Das ist ein Symbol dafür, dass Deniz trotz seiner Haft nicht schweigt", sagt Akrap. Bei der Vorstellung des Buches werden die versammelten Texte von Prominenten wie Herbert Grönemeyer, Hanna Schygulla und Anne Will präsentiert.

Klage vor dem Europäischen Menschengerichtshof

Unterdessen wehrt sich Yücel, der neben der deutschen auch die türkische Staatsbürgerschaft hat, vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gegen seine Inhaftierung - eine Entscheidung steht noch aus. Bis zum 22. Februar dürfen die türkische Regierung sowie Yücel sich schriftlich zu einer Stellungnahme der Bundesregierung äußern, die die Inhaftierung Yücels für einen Verstoß gegen die Menschenrechtskonvention hält und erneut die Freilassung aller aus politischen Gründen inhaftierten Deutschen in der Türkei gefordert.

Bundesregierung will sich weiter für Yücel einsetzen

"Die Bundesregierung wird sich auch in Zukunft mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, politisch wie diplomatisch, für die Freilassung von Deniz Yücel wie natürlich auch der anderen inhaftierten Deutschen einsetzen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. "Diese lange Haft ohne Anklageschrift, ohne Einleitung eines ordentlichen Gerichtsverfahrens, ist natürlich eine Belastung der Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei", sagte Seibert.

Sendung: Inforadio, 14.02.2018, 07:25 Uhr

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