Archivfoto: Ein leerer Klassenraum in der Berliner Polizeiakademie, aufgenommen am 03.11.2017 (Quelle: imago/tagesspiegel)
Audio: rbb | 13.02.2018 | Christoph Reinhardt | Bild: imago/tagesspiegel

Berichte über Missstände in Berlin - Chef der Polizeiakademie geht - und auch sein Vize

Im Herbst tauchten anonyme Hinweise über Missstände bei der Berliner Polizeiakademie auf: Disziplinlosigkeit, Lernverweigerung und sogar eine Unterwanderung durch arabische Clans. Nun haben der Chef und sein Vize um Versetzung gebeten.

Nach einer Reihe von Vorwürfen und Querelen in den vergangenen Monaten bekommt die Berliner Polizeiakademie einen neuen Leiter und Vizechef. Das bestätigte die Berliner Polizei dem rbb am Dienstag. Zuvor hatten die "Berliner Morgenpost" und die "BZ" über den Führungswechsel berichtet.

Demnach haben Jochen Sindberg und sein Vize Boris Meckelburg um ihre Versetzung gebeten. Für beide sollen neue Aufgaben in der Behörde gefunden werden, so dass die Führungspositionen an der Polizeiakademie neu besetzt werden können. Bis die Nachfolge geklärt ist, soll Sindberg aber noch im Amt bleiben – allein die Ausschreibung der Stelle dürfte mehrere Monate in Anspruch nehmen. Nach rbb-Informationen soll auch Meckelburg vorerst weitermachen.

Schwere Vorwürfe

Im November hatten Ausbilder der Akademie anonym schwere Vorwürfe öffentlich gemacht. Die Rede war von Disziplinlosigkeiten, Lernverweigerung und schlechtem Deutsch in einer Klasse mit vielen Schülern aus Einwandererfamilien. Ein Polizeischüler soll nach rbb-Informationen Kontakt zu kriminellen Clans haben.

Polizeipräsident Klaus Kandt und Akademieleiter Sindberg erklärten vor dem Innenausschuss des Abgeordnetenhauses, es gebe kein generelles Problem mit der Disziplin. Auch gebe es keine Hinweise darauf, dass Bewerber für den Polizeidienst aus dem Umkreis der organisierten Kriminalität stammten.

Als Reaktion auf die Vorwürfe hatte die Senatsinnenverwaltung in einem 83 Seiten starken Sonderbericht die Lage analysieren lassen und einen unabhängigen Gutachter beauftragt. Gegen einen externen Gutachter hatte sich Polizeipräsident Kandt zunächst gewehrt.

"Nur ein erster Schritt"

CDU wie FDP forderten, mit dem personellen Wechsel auch einen Strukturwandel an der Akademie herbeizuführen. Burkard Dregger, innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion Berlin, teilte mit, eine Neubesetzung biete "die Chance, die strukturellen Missstände an der Polizeiakademie aufzuarbeiten und abzustellen". Der innenpolitischen Sprecher der FDP-Fraktion, Marcel Luthe, forderte am Dienstag weitere Konsequenzen: "Offenbar können die Probleme an der Polizeiakademie so klein nicht sein: Ein Wechsel in der Leitung kann nur ein erster Schritt sein. Das gesamte, neue Konzept der Kuschelpädagogik und Toleranz gegenüber charakterlichen Mängeln bis hin zu Straftaten muss überprüft und korrigiert werden." Nun müsse ein erfahrener Praktiker wieder klassische Werte in der Ausbildung stärken, so Luthe. Der Grünen-Innenexperte Benedikt Lux hingegen sagte, die Modernisierung der Polizeiausbildung sei, nach gerade einmal einem halben Jahr, noch nicht abgeschlossen.

 

Sendung: Abendschau, 13.02.2018, 19:30 Uhr

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Nein. Für mich sind Leute Rechte und Rassisten die in ein ganz bestimmtes Schema passen. Und dieses Schema, wie sie es nennen, habe nicht ich erstellt.

    Merkwürdigerweise sind es immer die gleichen die sich über meine angebliche "Borniertheit" aufregen.

    Getretene Hunde bellen...

  2. 8.

    " Chef der Polizeiakademie geht - und auch sein Vize " heißt doch lediglich , dass sie aus der Schusslinie wollen und die Probleme ihren Nachfolgern überlassen . Die einen gehen, andere übernehmen, die Probleme bleiben. Erinnert an den BER-Flughafen . Rassistische Hinweise gibt es in meinem Kommentar nicht , bezogen auf : " IchMeinJaNur"
    und wenn es kein generelles Problem mit der Disziplin gibt, warum werfen die dann das Handtuch ? kann es daran liegen ? : Disziplinlosigkeiten, Lernverweigerung und schlechtem Deutsch in einer Klasse mit vielen Schülern aus Einwandererfamilien.

  3. 6.

    Was soll dabei rauskommen? Da der Senat die Aufnahmekriterien aufgeweicht hat und sogar Vorbestrafte, Kontakte zu kriminellen Arabischen Clans, nicht richtiges beherrschen der deutschen Sprache toleriert werden, wird sich nichts ändern. Angeblich war das ja auch alles nicht so schlimm, wie berichtet. Jetzt auf einmal doch?

  4. 5.

    Aufgrund der Demografie ist der Wechsel nicht mehr aufzuhalten. Fragt sich nur noch, ob sich die Werte und das Recht auch ändern werden.

  5. 3.

    Können sie ihre rassistische Äußerung auch irgendwie belegen oder war das jetzt nur wieder eine Stammtischparole?

  6. 2.

    Muss man wohl haben, ober die Hoffnung stirbt zuletzt.
    Allerdings mit denen, die da zum Teil aufgenommen worden sind dürfe es nicht besser werden.

  7. 1.

    Man tauscht den Kopf aus, aber werden dann vorhandene Probleme wirklich gelöst? Ich habe da so meine Zweifel.

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