Polizeischüler trainieren am 18.11.2013 auf einem Schießstand. (Quelle: dpa/ Rainer Jensen)
Video: Brandenburg Aktuell | 13.02.2018 | Gabi Probst/Stephanie Teistler | Bild: dpa

rbb exklusiv - Auch in Brandenburg wurden Schießstände geschlossen

Nicht nur in Berlin sind Schießstände der Polizei marode und bergen Gesundheitsrisiken: Auch in Brandenburg sind Anlagen geschlossen worden, wie rbb-Recherchen ergeben haben. Dort werden Schadstoffe nicht richtig abgesaugt.

Nach rbb-Recherchen wurden die Schießstände der Brandenburger Polizei in Frankfurt (Oder) und Wünsdorf geschlossen. Auch der Schießstand in Eberswalde durfte zeitweilig nicht betrieben werden. Nach rbb-Recherchen soll es bei den Anlagen Probleme mit der Entlüftung geben, Schadstoffe wurden nicht richtig abgesaugt.

Erhöhte Werte an Schwermetallen festgestellt

Auf Anfrage bestätigte der Sprecher des Innenministeriums, Lothar Wiegand, die Probleme mit den Schießständen. Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) ließ eine Arbeitsgruppe einrichten, die alle Schießstätten überprüfen soll. "Minister Schröter hat auch angewiesen, keine Kosten und Mühen zu scheuen, um Klarheit zu bekommen und unsere Polizisten zu schützen", so Wiegand.

Einige Schießtrainer und SEK-Beamte ließen sich in den vergangenen Tagen medizinisch untersuchen. Nach rbb-Recherchen wurden bei fast allen erhöhte Werte an Schwermetallen im Körper festgestellt. Ein Teil der Beamten soll schon krankgeschrieben sein.

GdP: Gesundheit der Polizisten ständig überprüfen

Die Brandenburger Gewerkschaft der Polizei hat sich für mehrere Schritte ausgesprochen, um den Betrieb der Schießhallen sicherer zu machen. GdP-Chef Andreas Schuster sagte dem rbb am Dienstag, zurzeit gebe es für Bau und Betrieb der Hallen sowie die Durchführung des Schießtrainings drei verschiedene Institutionen. Dies müsse künftig in eine Hand gelegt werden.

Weiter müsse überprüft werden, warum so häufig bei der Be- und Entlüftung der Hallen technische Mängel auftreten. Zudem müsse die Gesundheit der Kollegen ständig überwacht werden, damit im Falle von Problemen sofort Therapiemaßnahmen greifen könnten.

Laut Schuster soll die vom Potsdamer Innenministerium einberufene Arbeitsgruppe auch prüfen, inwieweit die Polizei bei kurzfristigen Engpässen auf die Schießstände der Bundeswehr ausweichen kann. Hierfür könnten mehrere Standorte infrage kommen. Dadurch würden aber zusätzliche Kosten entstehen.

In Berlin mehr als 150 Erkrankungen

Der rbb hatte 2015 bei der Berliner Polizei die Missstände zu den maroden Schießständen recherchiert und seitdem immer wieder interne Gutachten und Mitteilungen veröffentlicht, die darauf schließen lassen, dass die damalige Behördenleitung, insbesondere die Vize-Polizeipräsidentin Koppers, über das "Außerachtlassen des Arbeitsschutzes" informiert war.

Hauptsächlich durch nicht funktionierende Abluftanlagen sind mehr als 150 Berliner Schießtrainer und SEK-Beamte erkrankt. Sie haben die giftigen Pulverdämpfe über Jahre eingeatmet. Allein 40 Prozent davon leiden unter Bronchialerkrankungen. 

Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderen gegen Polizei-Vizepräsidentin Margarete Koppers wegen des Tatvorwurfs der Körperverletzung im Amt.

Mit Informationen von Gabi Probst

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1 Kommentar

  1. 1.

    ...nun ist es ja so, dass Schießen immer mit einem gewissen Gesundheitsrisiko verbunden ist.

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