Busse der Brandenburger Verkehrsgesellschaften auf Bahnhofsvorplatz in Frankfurt (Oder) (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 14.02.2018 | Elke Bader | Bild: dpa/Patrick Pleul

Umfrage zu Kosten und Nutzen - Kostenloser ÖPNV kommt in Brandenburg gut an

Um etwas gegen die Luftverschmutzung zu tun, sollen möglichst viele Autofahrer auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Die Bundesregierung denkt daher über kostenlosen Nahverkehr nach. Viele Brandenburger könnten sich das gut vorstellen. Von Elke Bader

Kostenlos mit Bus und Bahn zur Arbeit fahren, Einkäufe erledigen oder zum Arzt fahren? Autofahrerinnen wie Sandra Kretschmar und Eva Zimmermann können sich das gut vorstellen. Sollte sich der neue Vorschlag der Bundesregierung tatsächlich durchsetzen, würden die beiden Brandenburgerinnen ihre Autos sofort stehen lassen. Manchmal gehe das Autofahren ja auch ganz schön ins Geld: Wenn man dagegen einfach in den Bus steigen könnte, wäre das doch "wunderbar".

IHK fürchtet Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge

Noch ist das Wunschdenken, aber der Effekt ist klar: Je weniger Fahrzeuge in Städten und Ballungszentren unterwegs sind, destso sauberer ist die Luft. Das würde dieselbetriebenen LKW und Kleinfahrzeugen mehr Spielraum geben, denn ihre Fahrer können nicht auf die Öffentlichen umsteigen.

Der Verkehrsexperte der IHK Ostbrandenburg, Robert Radzimanowski, hält den Vorschlag, öffentliche Verkehrsmittel kostenlos anzubieten, für sinnvoll. Gerade vor dem Hintergrund drohender Fahrverbote für Dieselfahrzeuge sei es "überlegenswert, nach Alternativen zu suchen", sagte der Leiter des IHK-Fachbereichs für Wirtschaftspolitik am Mittwoch dem rbb.

Im Gespräch sind Kosten von rund zwölf Milliarden Euro

Im Mittelpunkt der Überlegungen steht aber immer die Kostenfrage. Im Gespräch sind zwölf Milliarden Euro, die finanziert werden müssten. Die Barnimer Busgesellschaft zum Beispiel befördert pro Jahr acht Millionen Fahrgäste und benötigt dafür 110 Fahrzeuge. Kämen nur zwei Millionen Fahrgäste hinzu, müsste Frank Wruck von der Barnimer Busgesellschaft 25 bis 30 zusätzliche Fahrzeuge und das Personal dafür bereitstellen. Diese Kosten seien noch gar nicht enthalten - von daher sei es schwierig die tatsächlichen Mehrausgaben abschätzen zu können.

In fünf Modellstädten, wie zum Beispiel Bonn und Essen, könnte nach einem Vorschlag der Bundesregierung jetzt erst einmal getestet werden, ob kostenloser Nahverkehr auch bessere Luft erzeugt. Die Unternehmen in Brandenburg werden das ganz genau beobachten, sagt Robert Radzimanowski von der IHK in Frankfurt (Oder). Denn, so sagt er, es wäre "verheerend", wenn künftig kein Dieselfahrzeug mehr in die Innenstädte dürfte. Dies würde vor allem die Unternehmen aus Ost-Brandenburg treffen, die mit Berlin wirtschaftliche eng verflochten seien. Und Diesel-Fahrverbote drohen, denn Brüssel macht Druck: Sollte in den deutschen Städten die Luft nicht bald sauberer werden, erwartet Deutschland eine Klage der Kommission beim Europäischen Gerichtshof wegen unzureichender bisheriger Bemühungen.

Kurstadt Templin setzt auf Jahreskarte für 44 Euro

Die Kurstadt Templin hat schon einmal vorgemacht, wie es gehen könnte: Seit 21 Jahren fahren die Templiner mit einer "Kurkarte" statt mit Fahrschein. Die Karte für Templiner Bürger und ihrer Kurgäste kostet 44 Euro im Jahr. Doch auch auswärtige Fahrgäste können die Karte erwerben - und müssen dann pro Fahrt nur noch 30 Cent zahlen. Bürgermeister Detlef Tabbert kann die Mehrkosten aus dem laufenden Etat bestreiten und freut sich über "20 Prozent weniger PKW in der Innenstadt".

Beitrag von Elke Bader

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7 Kommentare

  1. 7.

    Pkw sollen von der Straße weg, damit noch mehr Platz ist für LKWs, die die Luft verpesten. Das ist der Hintergedanke, bevor es zum endgültigen Verkehrskollaps kommt und fast täglich Unschuldige bei schweren LKW-Unfällen sterben.

  2. 6.

    Und eigentlich, wenn wir mal richtig schauen, wird das Auto in der Innenstadt meist nur für Kurzstrecken benutzt. Das geht auch ganz gut mit einem ausgebauten Nahverkehr, sofern es einen schon gibt. In vielen Mittelstädten wie Neuruppin gibt es einen städtischen Nahverkehr, der Wohngebiete, Einkaufszentren und ÖPNV Knoten im festen Takt 15 Min bis 1 Stunden miteinander verbindet. Ein kostenloser Nahverkehr nur für die Kurzstrecke wäre sehr sinnvoll.

  3. 5.

    Mit den Kosten und dem teilweise zu geringen Takt stmme Ihnen zu. Nur hat man beim Takt en Hene-Ei-Problem. Wenn kaum jemand fährt, lohnen sich mehr Busse nicht. Das ist allerdngs oft nur eine Frage der Selbstorgasisation.

    Bzgl. Schadensersatz für Wartezeiten kann man den ja an den angleichen, den die Stau verursachenden PKW-Fahrer bereits heute an die Busnutzer hinter denen zahlen müssen.

  4. 4.

    Natürlich schreien viele hier, wenn jemand "Freibier" ruft. Der teilt denen selten die versteckten Kosten mit. Der RBB ist dabei keine Ausnahme, da er die Berliner befragt und dabei nur die derzeitigen Fahrgeldeinnahmen nur der BVG erwähnt, die Kosten für den erwarteten Mehrverkehr aber untetschlägt.

    Zusammen mit den Einnahmen anderer Verkehrsträger landet man zusammen mit der erwarteten Verdoppelung der Nutzerzahlen schnell bei 3 Mrd. nur für Eunnahmeausfälle. Man lege das auf die Berliner um und vergleiche die Zahl mit den Kosten für ein Jahresabo.

  5. 3.

    Es geht mir nicht ums "kostenlos", das ist kein Anreiz. Der Anreiz für den Privat-Pkw, sind viele Gründe die der ÖPNV nicht erfüllen kann. Wie wäre es mit Schadenersatz für Wartezeiten? Oder Schadensersatz für halbstunden-Takt in den Morgenstunden?
    "Umsonst" ist kein Argument das Auto stehen zu lassen. Da wäre jetzt schon Anschaffungspreis und Spritkostenpreis kontra ÖPNV das Auto teurer. Aber trotzdem fährt man Auto weiter, warum wohl?!

  6. 2.

    Klingt ja alles sehr schön. Aber die kosten sind noch nicht berechenbar. Und wenn ich höre FA es Autofahrer gibt die jetzt feststellen das Autofahren teuer ist,kann ich nur lachen, denn wer rechnen kann weiss das der ÖPNV schon jetzt eine günstige Alternative zum Auto ist.

  7. 1.

    Ganz sachlich und recht nüchtern betrachtet, geht es garnicht um die Frage "Nulltarif ja oder nein?", sondern um die Frage, in welchem Ausmaß ein Nulltarif gelten soll. Denn er gilt längst in spezfischen Bereichen: Bei Großveranstaltungen beispielsweise, bei denen die Fahrtkosten für den öff. Nahverkehr im Gesamtpreis mit drin ist, gleich ob die Betreffenden das nun nutzen oder nicht. Eine Regelung, die wohl von niemanden recht infragegestellt wird, weil sie sehr sinnvoll ist und alle unter einem Anfahrts- und treffenderer noch Abfahrts-Chaos leiden würden.

    Mithin geht es darum, Analogien zu ziehen zu weiteren Situationen. Gerade was Innenstädte angeht, gibt es diese Vergleichbarkeiten. Und ein Netz, was nahezu überall sehr dicht ist. Und was durch zusätzlichen Einsatz vor allem von Bahnen als von Bussen in seiner Attraktivität gesteigert werden könnte. Buslinien sind in der Regel unüberschaubar. Bahnlinien sind dagegen strukturbildend.

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