Demonstranten fordern am 14.02.2018 mit einem Autokorso in Berlin Freiheit für Deniz Yücel (Quelle: rbb/Mareike Witte)
Video: Abendschau | 14.02.2018 | Arndt Breitfeld | Bild: rbb/Mareike Witte

Berliner Journalist ein Jahr in Haft - Türkische Regierung macht Hoffnung auf Freilassung Yücels

Seit genau einem Jahr sitzt der Journalist Deniz Yücel ohne Anklage in türkischer Haft. Nun kommen von dort milde Töne: Ministerpräsident Yilderim sagte der ARD, er hoffe, dass Yücel bald freigelassen werde. In Berlin haben Freunde und Unterstützer derweil ihre Solidarität für Yücel bekundet.

Ein Jahr nach der Inhaftierung des Berliner Journalisten Deniz Yücel in der Türkei nährt der türkische Ministerpräsident Binali Yilderim die Hoffnung auf dessen baldige Freilassung. "Ichhoffe, dass er in kurzer zeit freigelassen wird", sagte Yilderim in einem Interview mit den ARD-Tagesthemen, das am Mittwochabend ausgestrahlt werden soll. "Ich bin der Meinung, dass es in kurzer Zeit eine Entwicklung geben wird." Allerdings entscheide nicht die Regierung über den Fall, sondern die Justiz. Yilderim wird am Donnerstag zu einem Besuch in Berlin erwartet. Dabei ist auch ein Gespräch mit Bundeskanzlerin Merkel geplant.

Ähnlich wie Yilderim hatte sich Anfang des Jahres bereits der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu zum Fall Yücel geäußert. Anlass war der Besuch bei seinem deutschen Kollegen Sigmar Gabriel. Auch Cavusoglu verwies auf die Unabhängigkeit der türkischen Justiz, an der Kritiker der türkischen Regierung allerdings erhebliche Zweifel haben.

Yücel stellte sich der Justiz

Am Mittwoch ist es genau ein Jahr her, dass der "Welt"-Korrespondent Yücel auf einer Polizeiwache in Istanbul erschien, weil er erfahren hatte, dass nach ihm gefahndet wurde. Er wollte sich zu seinen Artikeln über geleakte, private E-Mails des türkischen Energieministers Berat Albayrak erklären - ohne dabei aber eine Schuld zu gestehen. Neben der Affäre um den Schwiegersohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan störten sich die Behörden auch an Yücels Interview mit einem Anführer der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Der Vorwurf: Terrorpropaganda und Volksverhetzung. Die Beamten nahmen ihn fest. Knapp zwei Wochen später kam Yücel in Untersuchungshaft. Dass es bis heute noch nicht einmal eine Anklageschrift gibt, ist einzigartig.

Yücel will nicht gegen Waffen freigelassen werden

Mehrmals haben Vertreter der deutschen Regierung Deniz Yücel inzwischen im Gefängnis besucht - an seiner Lage hat sich nichts geändert. Nach türkischem Recht können Terrorverdächtige bis zu fünf Jahren in Untersuchungshaft bleiben. Als Sigmar Gabriel Anfang Januar Rüstungslieferungen an die Türkei von der Freilassung Yücels abhängig zu machen schien, lehnte dieser eine Freilassung im Tausch gegen Waffen vehement ab. Er stehe nicht für "schmutzige Deals" zur Verfügung, sondern wolle unbedingt seine Unschuld beweisen.

Yücel wehrt sich nun vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, eine Entscheidung steht noch aus. Bis zum 22. Februar dürfen die türkische Regierung sowie Yücel sich schriftlich zu einer Stellungnahme der Bundesregierung äußern, die einen Verstoß gegen die Menschenrechtskonvention befürchtet.

Solidaritätsaktionen in Berlin

Angesichts dieser Ungewissheit wollte der "#FreeDeniz"-Freundeskreis in Berlin am Mittwoch verhindern, dass der Fall des in Hessen geborenen Journalisten in Vergessenheit gerät. Bei einer Lesung forderten unter anderem der Sänger Herbert Grönemeyer und die TV-Journalistin Anne Will die sofortige Freilassung des "Welt"-Korrespondenten. Im Festsaal Kreuzberg wurde Yücels neues Buch "Wir sind ja nicht zum Spaß hier" vorgestellt - eine Sammlung von Reportagen, Satiren "und anderen Gebrauchstexten" aus Yücels langer Karriere bei "taz", "Jungle World" und "Welt". Im neuen Kapitel "Die Nummer mit dem Sittich" erzählt Yücel von seinen Erfahrungen im Gefängnis "Silivri Nummer 9". 

Die Journalistin Doris Akrap las zudem eine Mitteilung Yücels vor, der sich bei seinen Unterstützern bedankte und erklärte, er mache sich keine Sorgen: "Für manches lohnt es sich zu kämpfen." Weiter sagte er: "Mit Sorge allein kommt man nicht weit." Die Botschaft stamme vom Dienstag und sei über Yücels Anwälte weitergeleitet worden, hieß es.

In der Hauptstadt fuhren zudem rund 30 Wagen und etwa 20 Radfahrer in einem Korso durch die Straßen, um Solidarität mit Yücel zu zeigen. Im hessischen Flörsheim am Main nahmen Unterstützer Yücels an einer Mahnwache teil. In dem Ort leben Yücels Eltern und seine Schwester.

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Was ist passiert? Die türkische Regierung spricht wieder mit "Nazis"? Und was bekommen sie dafür wieder als Gegenleistung? Alles Fragen, die unbeantwortet bleiben.

  2. 1.

    Im Fall Deniz Yücel hat die gesamte Politik versagt, sei es unsere oder die der EU wohin die Türkei will,es wird Zeit, mal zu sagen solch Schurkenstaat,mit solcher Verbrecherjustiz kann nicht in die EU,und es gibt auch keine Milliarden mehr, um Völkermord an den Kurden zu üben,der Völkermord an den Armeniern war schon zu viel!

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