Schüler eines Gymnasiums in Berlin (Quelle: Imago/Rüdiger Wölk)
Audio: Inforadio | 13.02.2018 | Interview mit Norman Heise, Berliner Landeselternausschuss | Bild: imago/Rüdiger Wölk

Anmeldungen an Berliner Oberschulen gestartet - "Losverfahren gehört in die Mottenkiste"

Gymnasium oder Sekundarschule: Seit Dienstag läuft wieder das Anmeldeverfahren für die Berliner Oberschulen. Schüler können dabei drei Wunschschulen angeben. Doch es gibt Kritik an dem Verfahren.

Zum Start der Anmeldezeit für die Oberschulen in Berlin ist der Streit um das Verfahren, wie die Schulplätze vergeben werden, neu entbrannt. Kritik gibt es besonders daran, dass Plätze teilweise nach einem Losverfahren vergeben werden.

Die Schulwahl in Berlin sei immer noch eine Glückssache, teilte Hildegard Bentele, schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, am Dienstag mit. Deshalb gehöre es in die "Mottenkiste des früheren rot-roten Senats". Von der Landesregierung erwarte man "deutliche Veränderungen". So sollte beispielsweise "jedem Schüler mit einem Grundschulnotendurchschnitt von bis zu 2,4 ein Gymnasialplatz garantiert sein" oder integrierte Sekundarschulen sollten "Schule für alle sein": "Und nicht mit höheren Notendurchschnittsanforderungen als Gymnasien abschrecken".

Anmeldefrist geht bis 21. Februar

Seit Dienstag läuft in Berlin die Anmeldefrist für die weiterführenden Schulen. Sie geht bis zum 21. Februar. Dabei können Eltern und Kinder drei Schulen als Wunsch angeben. Wenn die Schulen mehr Anmeldungen als Plätze haben, gibt es ein Auswahlverfahren. Rund 60 Prozent der Plätze werden nach Aufnahmekriterien vergeben, die jede Schule festlegt. Ein Großteil der Schulen wählt nach der Durchschnittsnote aus. 30 Prozent der Plätze werden unter den angemeldeten Schülern verlost, dabei werden Geschwisterkinder vorrangig berücksichtigt. Zehn Prozent der Plätze werden für Geschwisterkinder und Härtefälle reserviert. Wenn das Kind nach diesem Verfahren immer noch leer ausgeht, kommt der Zweit- und Drittwunsch zum Zuge. Bekommt das Kind auch hier keinen Platz, wird ihm eine Schule im Bezirk zugeteilt.

Grüne: Bildungserfolg hängt zu sehr vom Elternhaus ab

Die Berliner Grünen kritisieren, dass der Bildungserfolg immer noch zu sehr vom Elternhaus abhänge. Vor allem der Kampf um die Oberschulplätze verstärke dies, teilte die Berliner Landesvorsitzende Nina Stahr am Dienstag mit. Sie verwies darauf, dass Kinder bereits in der Grundschule unter einem wahnsinnigen Druck stehen. "Die Entkopplung von Elternhaus und Bildungserfolg klappt nur, wenn gute Oberschulen für alle zugänglich sind", so Stahr.

Der Berliner Landeselternausschuss verteidigte hingegen das Vergabeverfahren für die Plätze an den weiterführenden Schulen im Großen und Ganzen. Der Vorsitzende des Gremiums, Norman Heise, sagte am Dienstag im rbb, das Verfahren sei sehr rechtssicher. Es zähle nicht allein die Durchschnittsnote, sondern die Schulen könnten auch andere Kriterien anwenden, wie besondere Fähigkeiten der Schüler. Allerdings setzten manche Schulen trotzdem vor allem auf die Durchschnittsnote. Das könne zu einer Art Numerus Clausus führen.

Heise verwies zugleich auf Angaben des Senats. Demnach haben im vergangenen Jahr 92 Prozent der Schüler einen Platz an einer der drei Schulen bekommen, die sie als Wunsch genannt haben.

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2 Kommentare

  1. 2.

    Wir wohnen in Berlin-Südwest und vor drei Jahren hatte sich meine Tochter mit der Gymnasialempfehlung an erster Stelle für eine Sekundarschule mit integrierter Oberstufe, die sie mit dem Fahrrad erreichen konnte und an den folgenden Plätzen für zwei Gymnasien entschieden. Noten und Sozialeinstufung waren perfekt. In den von der Schule festgelegten Auswahlkriterien, einer schauspielerischen Umsetzung eines Theaterstoffes, hatte sie aus Nervosität gepatzt, dann war sie noch durch das Losverfahren gefallen und somit raus an ihrer Wunschschule. Die folgenden ausgewählten Schulen waren dann auch schon voll. Erklärung dafür, man hatte kurz zuvor das Ortsprinzip aufgehoben, d.h. Schüler aus anderen Bezirken tauchten zahlenmäßig stark als Mitbewerber auf. Sie erhielt vom Schulamt eine Sekundarschule zugewiesen, die bis kurz davor noch Hauptschule war. Einen Anspruch auf Beschulung gemäß der Empfehlung "Gymnasiale Oberstufe" gäbe es nicht. Ich halte das für absoluten Blödsinn.

  2. 1.

    Ja das Lossystem gehört abgeschafft, weil dann leistungsfähigere Kinder diskriminiert werden. Ebenso die Bevorzugung von Geschwisterkindern, da dies Einzelkinder diskriminiert. Ausser dem Notendurchschnitt "besondere Fähigkeiten" der Kinder zu berücksichtigen wird immer eine kaum nachvollziehbare Behördenentscheidung vorraussetzen. Klar gibt es auch Lehrerinnen, die absichlich aus sachfremden Erwägungen bestimmten Kindern allenfalls 2en geben, aber da sind dann andere Massnahmen gefragt.

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