Symbolbild: Eine Frau durchsucht einen Mülleimer (Bild: imago/Steffen Schellhorn)
Audio: radioBerlin 88,8 | 28.02.2018 | Holger Hansen | Bild: imago/Steffen Schellhorn

Sozialbericht 2017 Berlin und Brandenburg - Immer mehr Berliner sind von Armut bedroht

In Berlin sind mehr Menschen von Armut bedroht als in jedem anderen Bundesland. Besonders gefährdet sind Kinder. Das Risiko ist allerdings je nach Bezirken unterschiedlich verteilt. Diese regionalen Unterschiede zeigen sich auch in Brandenburg.

Die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie lange nicht - und trotzdem sind statistisch gesehen mehr Berliner von Armut bedroht. Das geht aus dem Sozialbericht 2017 des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg und der Landesarmutskonferenz Berlin hervor.

Demnach lag der Anteil der armutsgefährdeten Menschen in Berlin 2016 bei 16,6 Prozent. Im Jahr davor waren es noch 14,1 Prozent. Demnach sind in Berlin im bundesweiten Vergleich prozentual die meisten Menschen armutsgefährdet.  In Brandenburg lag die Quote der Armutsgefährdeten bei 13,4 Prozent und ist damit seit zehn Jahren stabil. In dem Bericht wurden Zahlen aus dem Jahr 2016 ausgewertet.

Als armutsgefährdet gilt in Berlin, wer weniger als 923 Euro verdient, und in Brandenburg, wer weniger als 922 Euro verdient - das entspricht 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens.

Die größten Risikofaktoren für ein geringes Einkommen sind niedrige Bildung, Arbeitslosigkeit, ein Migrationshintergrund - und ohne Partner Kinder großzuziehen. Fast jede dritte Alleinerziehende muss mit wenig Geld zurechtkommen. Das färbt auch auf die Kinder ab. "Die bisherigen Maßnahmen der Politik, die Kinderarmut zu bekämpfen, sind unwirksam", kommentierte Susanne Gerull von der Landesarmutskonferenz.

Die statistische Grundlage, nur das Durchschnittseinkommen der einzelnen Personen und nicht das Gehalt der Angehörigen zur Berechnung der Armut heranzuziehen, ist allerdings umstritten. Denn auch viele Studenten gelten laut dem Sozialbericht als armutsgefährdet - das erklärt, warum jeder dritte im Alter zwischen 18 und 25 als armutsgefährdet gilt.

Die regionalen Unterschiede beim Armutsrisiko sind innerhalb Berlins und Brandenburgs groß. In Berlin sind im Bezirk Neukölln die meisten Menschen armutsgefährdet - in Brandenburg sind es die Menschen aus Brandenburg an der Havel.

Neuköllner sind am Ärmsten

Innerhalb Berlins ist das Armutsrisiko in Pankow am geringsten. In Brandenburg ist es in Potsdam-Mittelmark und dem Havelland am niedrigsten.

Besonders Kinder von Armut bedroht

Vor allem Kinder von Armut bedroht: Und zwar mehr als jedes fünfte Kind (22,7 Prozent). Bei den Brandenburger Kindern sind fast 18 Prozent von Armut bedroht.

Besonders oft trifft es Alleinerziehende oder Familien mit drei oder mehr Kindern.

Anteil Berliner, die in großer Armut lebt, steigt

Auch der Anteil der Menschen, die in strenger Armut leben, steigt in Berlin leicht – von 1,3 Prozent (2015) auf 1,6 Prozent (2016). In Brandenburg dagegen sinkt der Anteil derer, die in strenger Armut leben, rapide – von 3,4 auf 1,8 Prozent.

Der Definition von Armut wird das mittlere Einkommen zugrunde gelegt. Das liegt in Berlin bei 1.538 Euro und in Brandenburg bei 1.536 Euro.

Wer unter 70 Prozent dieses mittleren Einkommens verdient, gilt als armutsnah, unter 60 Prozent gilt man als armutsgefährdet, unter 50 Prozent als arm und unter 40 Prozent als in strenger Armut lebend. In strenger Armut lebt, wer weniger als 615 Euro im Monat zur Verfügung hat. Dieser Wert gilt für Berlin und Brandenburg.  

Es ist der vierte Bericht dieser Art für Berlin und Brandenburg. Neu aufgenommen sind etwa Faktoren wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Mietbelastung.

Kommentarfunktion 01.03.2018, 15.52 Uhr geschlossen

25 Kommentare

  1. 25.

    Danke Für die Antwort und die enthaltenen Erklärungen

    Ja, ich bin Verfechter des Sozialstaates.
    Die Versorgung Bedürftiger aus der europäischen Union oder von Flüchtlingen einzustellen,und zu glauben, dass die freigewordenen Mittel dann den bedürftigen mit deutscher Nationalität zur Verfügung gestellt werden,um ihre Sozialleistungen zu erhöhen,sehe ich als Bauernfängerei und Populismus. Vor allem ist eine Verringerung der Sozialleistungen an Nichtdeutsche auch gar nicht notwendig,um ,wenn politisch gewollt, den Sozialstaat wieder so zu reformieren ,das er diesen Namen wieder verdient.

    Und zum Thema erwirtschaftete Einnahmen und daraus resultierende Ansprüche:
    Im Jahr 1990 trat die DDR nach Auflösung dem Geltungsbereich der Bundesrepublik Deutschland bei.
    Millionen von Rentnern der ehem. DDR wurde,obwohl sie nie in die sozialen Kassen der Alt-Bundesrepublik eingezahlt hatten,eine Altersrente gewährt. Das ist Solidarität, Und die möchte ich für alle Bedürftigen erhalten wissen.

  2. 24.

    Ach wissen sie...fragen sie mal die rbb-24 Redaktion WIE unkritisch ich bin. Besonders in Hinsicht darauf Leuten wie ihnen und ihresgleichen adäquat zu antworten.

    Nachdem sie anfangs noch offen Partei für einen Nazi ergriffen haben, haben sie ja reichlich Kreide gefre....äh, dazugelernt.

    Verkaufen sie uns doch nicht für dumm, ihre Absicht und ihre Gesinnung die dahinter steckt ist dieselbe geblieben.

  3. 23.

    Nicht nur die Redakteure, ich bin hier ja ausgelacht und sogar angefeindet worden als ich von "Sockenpuppen" geschrieben habe. Dabei ist es manchmal recht einfach die zu erkennen. Auch das Ziel ist klar.

    https://faktenfinder.tagesschau.de/inland/organisierte-trolle-101.html

    https://faktenfinder.tagesschau.de/inland/manipulation-wahlkampf-103.html

  4. 22.

    Was es doch alles gibt... Das ist, weil immer noch welche glauben, sie könnten irgend etwas ändern. Einfach absurd :-D
    Aber schauen Sie, Ihr Freund und unkritischer Begleiter (I.M.J.N.) ist schon mal glücklich... Jeden Tag eine gute Tat.

  5. 21.

    Wir haben Ihren Kommentar mal freigegeben, um Ihre Quote zu erhöhen. Wir posten hier übrigens immer als rbb|24. Das lässt sich anhand unseres Logos erkennen. Und Sie wären erstaunt, wenn Sie wüssten, wie viele Menschen sich hier in den Kommentaren die Mühe machen, unter verschiedensten Pseudonymen zu posten. Wir können das übrigens ganz gut nachvollziehen.

  6. 20.

    Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, ich habe nur eine Identität und versuche auch nicht nur bei diesem Thema meine Meinung zu äußern. Aber zugegeben, 80% werden Ihnen nicht gerecht. Vielleicht sind es auch nur 70.
    Was dabei die Grenzen zum Verstoß gegen Ihre Netiquette betrifft ist es vielleicht eher so, dass die Auslegung dieser bei Meinungen abseits der staatlich und damit Ihrer gewollten bisweilen etwas anders ausgelegt werden. Wie auch immer, ich habe das auch nicht als Kritik gemeint, denn schließlich ist es Ihre Seite und somit entscheiden Sie, was Sie letztlich zum lesen frei geben.
    Dennoch interessant, dass Sie glauben, ich hätte mehrere verschiedene Identitäten, hat was von "Verschwörungstheorie". Und die habe ich womöglich nur, um den Anschein zu erwecken, dass die Zahl der kritischen Äußerungen größer ist... Sie sind ein Schelm. So zu denken bedarf es einer gewissen "kriminellen Energie", frei dem Motto "was ich selber denk und tu..." ;-)

  7. 19.

    "Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, aber vielleicht verlieren Sie mit Ihren vielen Identitäten hier in den Kommentatoren den Überblick."

    Ohne Worte! :-DDD

  8. 18.

    Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, aber vielleicht verlieren Sie mit Ihren vielen Identitäten hier in den Kommentatoren den Überblick. Alle drei Ihrer Kommentare als "Ingolf" wurden hier freigegeben, auch wenn sie zum Teil, wie sehr oft bei Ihnen der Fall, an der Grenze zum Verstoß gegen unsere Netiquette waren.

  9. 16.

    Sehr geehrter Herr Blümel
    Es reicht, und sogar für viel mehr. Leider werden ca. 80% meiner mit konstruktiven Vorschlägen gespickten Kommentare von der Redaktion im Vorfeld aussortiert.
    Aber mal ganz abgesehen davon. Ich habe mit meinem Hinweis auf die Verhältnisse in der damaligen DDR auch nicht die Schießbefehle rechtfertigen wollen, sondern versucht darauf aufmerksam zu machen, dass die sozialen Unterschiede - wenn auch da natürlich vorhanden - bei weitem nicht so groß waren wie jetzt. Und selbst bei einer so ausgeprägten Affinität zu unserem "Sozialstaat" wie sie bei Ihnen offenbar vorhanden ist müssten Sie ehrlicherweise eingestehen, dass staatliche Sozialmaßnahmen immer und nur Staatsbürgern gewährt werden sollten, da diese letztlich den finanziellen Rahmen für diese Leistungen schaffen müssen. Sollte danach etwas übrig sein, könnte man damit vielleicht die Welt retten. Merke: Steuergelder sind kein Geschenk Gottes...

  10. 14.

    Ich. nehme mir jetzt mal die Freiheit, ihren Artikel zu interpretieren. Sie haben also heraus bekommen, dass Lehrer nicht immer die Wahrheit sagen und das im Zuge des sogenannten kalten Krieges sehr wohl auch im Westen propagandistisch gearbeitet wurde. Gratulation. Des weiteren scheint der Auszug aus dem Spiegel als Grund für das Scheitern der DDR für sie als Erklärung von Interesse zu sein. Und mich bezeichnen sie als Opfer von Propaganda? Oder wollten sie andeuten, dass der Schiessbefehl an der innerdeutschen Grenze und die damit verbundenen Opfer Propaganda des Westens waren.?Und noch ein kleiner Hinweis, der Pauschaltourismus zog auch in West Berlin erst in den 70ern ein, in den 60er Jahren war es nur wenigen vergönnt zu reisen, also nicht mehr verbittert über die familiären Verhältnisse sein.

  11. 13.

    Die SPD muss sich von ihrem neoliberalen Anbiederungsprojekt verabschieden. Auch die ökonomisierten Privatisierungen müssen beendet werden. Die Sozialdemokratie muss im Verbund mit der Linken, den Gewerkschaften und den sozialen Bewegungen im Land ihre Macht als Gegenmacht zum„ real existitierenden Ausbeuterkapitalismus“ wieder entdecken. Von Arbeitnehmern erwirtschaftete Gewinne und Vermögen in Billionenhöhe für eine soziale Politik sind reichlich vorhanden. Noch kann die drohende millionenfache Rentenarmut in Deutschland verhindert werden. Der Seeheimer Kreis blockiert aber die Nutzung dieser Vermögen. Der Seeheimer Kreis muss entmachtet werden. Die jetzige SPD mit einem halbherzigen Abstoßen vom „weiter so“ der Kanzlerin und „Neoliberalismus light“ überzeugt nicht, und genau deshalb kommt sie nicht über 20%. Das will man in den Gremien der SPD aber nicht wahrhaben. Auch eine wahrhaftige soziale demokratische Politik und die Durchsetzung von Recht und Ordnung sind kein Widerspruch.

  12. 12.

    Nee, aber ich kann mich noch daran erinnern, was uns in den 60-ern so über die Ostzone erzählt wurde. Auch daran, was und in der Schule über unser Land erzählt wurde (z.B. daß es im Westen keine Propaganda gibt).
    Deshalb sind wir ja auch ein Land geworden, in dem alle so gut und gerne leben.
    Was den Herrn Blümel 18:41 angeht: Vor langer Zeit stand mal im Spiegel der Satz (weiß nicht mehr von wem gesprochen), daß die DDR wohl nicht so schnell untergegangen wäre, wenn man in Westberlin nicht so schön einkaufen könnte. PS: meine Eltern mit vier Kindern hatten leider in den 60-ern nicht das nötige Kleingeld um an der wstlichen Reisefreiheit partizipieren zu können. Vllt. ist der Herr ja auch Opfer der Nichtpropaganda.

  13. 11.

    Es gibt in Deutschland über 8,5 Billionen Euro Vermögen (Quelle: Reichtumsuhr und Vermögensverteilung). Die Vermögen sind immer ungleicher verteilt. Und auch die Einkommensverteilung wird immer ungleicher. Wer regelmäßige Gehalts- bzw. Tariferhöhungen erhält der hat meist ein auskömmliches Leben. SPD und GRÜNE haben die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Niedriglöhne, Leiharbeit, Outsourcing und Werkverträge sowie Privatisierungen geschaffen. Und sie haben die gesetzliche Rente geschädigt und das Rentenniveau gesenkt. CDU/CSU und FDP und AfD wollen daran nicht wirklich etwas ändern.
    So gibt es immer mehr arme Arbeitnehmer und arme Rentner.

  14. 10.

    Klug kommentiert. Fehlt nur noch der Verweis auf die vielen Menschenschlangen vor den einigen Geschäften.

  15. 9.

    Stimmt, da wurde man alternativ in den Rücken geschossen, wenn man es vor lauter Wohltaten der Führung nicht mehr aushielt, und das Arbeiter und Bauernparadies verlassen wollte.Aber die Grundnahrungsmittel waren echt billig. Da nimmt man es doch gerne in Kauf, in einem Käfig gehalten zu werden.Anstatt wieder mal die Migranten/ böse Regierungkeule zu schwingen, wie wäre es denn mit ein paar konstruktiven Vorschlägen. Oder reicht es nicht für mehr?

  16. 8.

    P.Bert: Ich hätte mal eine Frage! Fühlen Sie sich manchmal verfolgt?

  17. 7.

    Es ist mal wieder abstoßend, unter den Kommentaren offenen Rassismus sowie Sozialdarwinismus zu ertragen.

    Dass "die Migrant*innen" nicht soziale Probleme mitbringen, sondern vielen Menschen mit Migrationserfahrung bei sich oder in der Verwandtschaft Probleme und Hürden geschaffen werden, kann man eben nicht ausblenden. Wenn man schon rassistisch agitiert, sollte man wenigstens lesen können: Die Statistik gibt ein ca. 30-prozentiges Armutsrisiko für besagte Personen aus und keine 100 %. Zudem sind viele der de jure als "Ausländer" Eingeordneten de facto keine, da sie hier geboren, aufgewachsen sind, hier leben und arbeiten, trotz konstruierter Bildungsungleichheiten und oft ungleichwertiger Behandlung, auch auf dem Arbeitsmarkt.

    Armut ist immer ein soziales Problem - deswegen ist ein alleiniger Mensch nie "schuld", sondern die Gesellschaft für die Lage verantwortlich. Arme Menschen z.T. wegzuwünschen, ist Ausdruck neoliberaler Menschenverachtung.

  18. 6.

    Das glaube ich gerne.
    Man hätte vielleicht um diese Betroffenen so kümmern sollen,wie um die Menschen die zu uns gekommen sind und erheblich mehr gefördert werden.

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