Ein Mann hält sich in einem Gerichtssaal hinter einer Glasscheibe einen Karton vor dem Gesicht. Mit weiteren drei Männern muss er sich wegen mutmaßlicher Unterstützung des IS verantworten. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: Abendschau | 15.02.2018 | Norbert Siegmund | Bild: dpa/Paul Zinken

Mutmaßliche Terrormiliz-Unterstützer - Amri-Freunde vor Gericht

Vier mutmaßliche IS-Unterstützer, die nach Syrien reisen wollten, stehen seit Donnerstag in Berlin vor Gericht. Die Männer lernten sich in der Moabiter Fussilet-Moschee kennen und hatten Kontakt zum Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri. Von Jo Goll

Soufiane A. ist knapp 1,90 Meter groß, schlaksig, schmales, langgezogenes Gesicht. Regungslos sitzt der drahtige Mann in kariertem Hemd und schwarzer Lederweste  hinter Glas auf der Anklagebank im Saal 700 des Kriminalgerichts in Berlin-Moabit. Wenn der 22-jährige Marokkaner spricht, muss man genau hinhören, sonst versteht man ihn nicht, seine dünne Stimme ist trotz Mikrofon brüchig.

Ein Angeklagter (hinten, 3.v.r.) steht in einem Gerichtssaal hinter einer Glasscheibe. Mit weiteren drei Männern muß er sich wegen mutmaßlicher Unterstützung des IS verantworten. (dpa/Paul Zinken)
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Freilassung "inhaftierter Brüder" gefordert

Wer im Internet nach dem gebürtigen Berliner Ausschau hält, findet schnell ein Video, das den jungen Mann in ganz anderer Pose zeigt: Im März 2016 steht er auf dem Pariser Platz und verliest die Namen von inhaftierten "Brüdern". Laut und bestimmt spricht er über das Mikrofon und fordert die Freilassung der Brüder. Und schwört alle auf das ein, was er für den Islam hält: "Wenn wir Allahs Religion nicht unterstützen, dann wird er uns durch ein anderes Volk ersetzen." Zwei Bilder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: der Angeklagte als radikaler Islamist auf dem Pariser Platz - und am Donnerstag als Angeklagter im Terrorprozess.

Ausreise nach Syrien geplant

Mit drei Mitangeklagten soll er im Dezember 2016 versucht haben, nach Syrien auszureisen, um sich dort dem so genannten Islamischen Staat (IS) anzuschließen. Der Maler und Lackierer A. versucht sein Glück über Italien - mit einem Freund aus der Berliner Islamisten-Szene, gegen den ebenfalls ermittelt wird. Die mitangeklagten Freunde aus der Fussilet Moschee Emrah C., Resul K. und Feysel H. wählen den Weg über Kroatien.  Mit einem Taxi des von C. und K. geführten Betriebs.

Doch beide Gruppen kommen in Syrien nie an. Soufiane A. und sein Kumpel werden in Italien von Polizisten angehalten und nach Deutschland zurückgeschickt – in A's Personalausweis ist ein Ausreiseverbot vermerkt. Und die anderen Glaubensbrüder? Sie bekommen in der Türkei angeblich plötzlich Skrupel, weil sie von einem IS-Rückkehrer abschreckende Berichte gehört haben sollen.

Syrien-Plan als "schwere staatsgefährdende Straftat"?

Fast steht: Alle vier Männer waren nie in Syrien, planten allerdings über Wochen ihre Ausreise. Reicht das für eine Verurteilung? Strafe für den Versuch nach Syrien auszureisen? Seit April 2015 ist dies laut Strafgesetzbuch möglich. Damals beschloss der Bundestag, dass bereits der Versuch der Ausreise nach Syrien oder in den Irak zum IS unter Strafe zu stellen ist: als "schwere staatsgefährdende Straftat".

Gut vernetzt in Berliner Islamisten-Szene

Alle vier Männer waren gut vernetzt in der Berliner Islamisten-Szene. Und Soufiane A., Kampfname Abu Dharr, war offenbar ein führender Kopf. In der später verbotenen Koran-Verteilaktion "LIES!" mischte er schon früh mit und nahm eine herausgehobene Stellung ein.

Alle hatten eine gemeinsame Basis: die Moabiter Fussilet-Moschee. Hier pflegten sie alle auch Kontakt mit Anis Amri. Dem Mann, der nur wenige Wochen nach ihrem gescheiterten Ausreiseversuch zwölf Menschen tötet und mehr als 70 weitere teilweise schwer verletzt.

Im Prozess kündigen alle vier Männer an, sich zur Sache nicht zu äußern. Für den Prozess hat der Erste Strafsenat des Kammergerichts 36 Verhandlungstermine angesetzt. Denn Angeklagten drohen mehrjährige Haftstrafen.

Beitrag von Jo Goll

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 5.

    Witzig wenn der eine amri freund den amri nichtmal kannte und keinerlei kontakt hatte, ihr glaubt ja auch echt alles was man euch vorwürft.

  2. 4.

    Hoffentlich kümmert sich der Sozialstaat nach der zu erwartenden harten Strafe auch ordentlich um die um sie zu bessern.

  3. 3.

    Ja stimmt ! Danke !

  4. 2.

    Islamist beinhaltet auch das Wort "Mist". Und das sagt eigentlich alles!

  5. 1.

    Wenn ich die Sprüche von den Amri- Freunden lese, dann wird mir ganz schlecht. Vor Gericht tun sie das Unschuldslamm. Ich hoffe , dass sie zügig abgeschoben werden !!!!

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