73 Jahre nach der Bombardierung von Cottbus im Zweiten Weltkrieg wollen viele Bürger mit einem Sternmarsch und einer Kundgebung unter dem Motto Cottbus bekennt Farbe für Frieden in der Stadt demonstrieren (Quelle: Imago/ Rainer Weisflog)
Video: Brandenburg Aktuell | 15.02.2018 | Rico Herkner | Bild: Imago/ Rainer Weisflog

Jahrestag der Bombardierung der Stadt - Cottbuser demonstrieren für Toleranz

Am Jahrestag der Bombardierung von Cottbus sind viele Bürger auf die Straße gegangen. Diesmal richtete sich die Demonstration allerdings nicht nur gegen Krieg zwischen Staaten - sondern auch gegen Gewalt und Hass in der Stadt.

Mit einem Sternmarsch haben am Donnerstagabend Menschen in Cottbus gegen Krieg und gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert. Aufgerufen hatte das Bündnis "Cottbusser Aufbruch". Die Schätzungen zur Zahl der Teilnehmer reichen von mehrere hundert bis einigen tausend. Weder der Veranstalter noch die Polizei wollten "offizielle" Zahlen nennen.

An der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) versammelten sich am Abend hunderte Menschen, um von hier aus zum Platz an der Oberkirche zu laufen. Auch von drei weiteren Standorten zogen Demonstranten Richtung Stadtmitte.

Cottbus bekennt sich mit Sternmarsch zum Miteinander (Quelle: rbb)
Teilnehmer der Demonstration "Cottbus ist bunt" auf einem Handydisplay | Bild: rbb

Traditionell gehen Bürger am 15. Februar in Cottbus auf die Straße, um an den alliierten Luftangriff auf die Lausitzstadt im Jahr 1945 zu erinnern. In diesem Jahr richtete sich die Kundgebung jedoch auch gegen Rassismus und für Toleranz, unter dem Motto "Cottbus bekennt Farbe".

Hintergrund sind die jüngsten Entwicklungen in Cottbus: So sorgten sowohl Angriffe in Cottbus untergebrachter Flüchtlinge auf Einheimische für Empörung, wie auch fremdenfeindliche Angriffe auf Zugezogene. Rechte Kräfte hatten zuletzt bei Demonstrationen großen Zulauf bekommen.

"Wir sind nicht gespalten, wir sind vereint"

An dem Aufruf zu dem Sternmarsch hatten sich auch Parteien, Gewerkschaften oder auch das Energie-Unternehmen Leag beteiligt. Auch Vertreter der brandenburgischen Landesregierung nahmen an der Kundgebung teil, darunter Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Dieser wertete zum Abschluss der Demonstration die rege Teilnahme als "klares Signal", dem allerdings jetzt Taten folgen müssten. "Wir haben mit der Integration so vieler Menschen keine Erfahrung", räumte Woidke gegenüber Brandenburg aktuell ein. Daher gelte es noch zu lernen. Woidke zeigte sich aber überzeugt: "Cottbus bleibt Cottbus, Cottbus bleibt weltoffen und tolerant."

Der Oberbürgermeister der Stadt, Holger Kelch (CDU), der ebenfalls an der Kundgebung teilnahm, sagte am Abend dem rbb, es gebe Sorgen um die Entwicklung der Stadt. "Aber da lassen wir uns nicht spalten, da stehen wir vereint: das Land Brandenburg gemeinsam mit der Stadt. Das ist die Botschaft heute Abend", so Kelch gegenüber Brandenburg aktuell.

Er sei überzeugt davon, dass die bisher eingeleiteten Maßnahmen erfolgreich sein werden, sagte Kelch in der Sendung rbb aktuell. Die Stadt hatte die Polizeipräsenz verstärkt, zudem soll es mehr Sozialarbeiter in der Stadt geben.

Neben geeigneten Maßnahmen sei es aber auch nötig, den Dialog mit denen zu führen, die den Protestaufrufen rechter Initiativen folgen würden, so Kelch. "Es sind nicht alles Rechtsextreme, die den Demos beiwohnen. Es sind viele Menschen, die sich Sorgen machen - wir sollten die Sorgen ernst nehmen (...) und versuchen, sie in unsere Mitte zurückzuholen."

73 Jahre nach der Bombardierung von Cottbus im Zweiten Weltkrieg wollen viele Bürger mit einem Sternmarsch und einer Kundgebung unter dem Motto Cottbus bekennt Farbe für Frieden in der Stadt demonstrieren (Quelle: Imago/ Rainer Weisflog)
Motto des Sternmarschs: "Cottbus ist bunt" | Bild: Imago/ Rainer Weisflog

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, sagte in einer Rede, in Cottbus gebe es großes Engagement, um Flüchtlinge aufzunehmen und zu integrieren, darauf könne Cottbus stolz sein. Aber es habe auch "Erschreckendes in Cottbus gegeben", sagte Dröge weiter. Flüchtlinge seien bedroht und verfolgt worden, andere Flüchtlinge hätten Bürger bedroht. Das verunsichere und mache Angst. Angst dürfe jedoch nicht mit Angstschüren beantwortet werden. "Wir haben schon einmal erlebt in diesem Land, dass die Abschottung und die Vergötterung der eigenen Nation zu unendlich viel Leid, Krieg und Vernichtung geführt haben", betonte Dröge. Dafür stehe auch der 15. Februar, der Jahrestag des Bombenangriffs auf die Stadt.

Menzel: Gedenken an den Krieg mit der Vorgeschichte

Am Mittag war zunächst bei einer Andacht und einem Friedensgebet in der evangelischen Lutherkirche in Cottbus an die Opfer des alliierten Luftangriffs erinnert worden. Bei dem Bombardement starben vor 73 Jahren rund 1.000 Menschen in der Lausitzstadt.

Rechte Gruppen hatten diesen Tag in der Vergangenheit immer wieder für Aufmärsche genutzt, bei denen sie den Bombenkrieg gegen Nazi-Deutschland als gezieltes Verbrechen an der deutschen Bevölkerung darstellten. Vor einigen Jahren wurde dann als Gegenpol zu den rechten Aufmärschen eine Demonstration ins Leben gerufen.

In diesem Jahr haben Rechte zwar keine solche Demo angekündigt, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Auf Facebook wurde aber zu Aktionen aufgerufen.

Menschen gedenken in der Kirche am Jahrestag des Bombenangriffs auf Dresden 1945. (Quelle: rbb/Aktuell)
Andacht in der Lutherkirche | Bild: rbb/Aktuell

Die Cottbuser Superintendentin Ulrike Menzel hielt am Donnerstag die Andacht in der Lutherkirche und rief zur Teilnahme an dem Sternmarsch auf. "Wir können nicht an das Kriegsende denken, ohne die Vorgeschichte zu bedenken", sagte Menzel zur Begründung. "Wir hatten das schon mal in Deutschland: das aus Hass Krieg geworden ist. Ich wünsche mir, dass in Cottbus nicht wieder aus Hass Menschen auseinandergetrieben werden, sondern wir gemeinsam für Frieden arbeiten in dieser Stadt."

Woidke: Cottbuser Ruf in Gefahr

Im Gespräch mit dem rbb hatte Ministerpräsident Woidke am Donnerstagmorgen gesagt, Cottbus habe durch das Bild, das es in den vergangenen Wochen nach außen abgegeben habe, einen Stempel aufgedrückt bekommen, den es nicht verdient habe. Dieser Ruf könne der Stadt schaden. Jetzt müsse gezeigt werden, dass Cottbus eine weltoffene Stadt sei.

Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch hatte dem rbb ebenfalls am Donnerstagmorgen gesagt, der Hilferuf der Stadt habe offenbar gewirkt: Es gebe einen engen Austausch mit - und mehr Geld von - der Landesregierung. Polizei und Ordnungsamt seien seit zwei Wochen in der Innenstadt stärker präsent und die Stimung deutlich entspannter. Trotzdem sei die soziale Versorgung der Flüchtlinge, die zusätzlich in die Stadt gekomen seien, noch nicht gewährleistet. Es gebe also noch einiges zu tun.   

Landes-Wissenschaftsministerin Münch hatte im rbb bekräftigt, man werde die Stadt auch weiterhin dabei unterstützen, die Probleme zu bewältigen.

Steinmeier lädt Cottbuser ein

Die Auseinandersetzungen in Cottbus haben auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf den Plan gerufen. Er hat für den kommenden Dienstag (20. Februar) Repräsentanten und Bürger der Stadt Cottbus zu einem Gespräch eingeladen. Der Bundespräsident wolle sich aus erster Hand über die Lage in der Stadt informieren, hieß es am Mittwoch aus dem Bundespräsidialamt.

Kommentar

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42 Kommentare

  1. 42.

    Ihr Meister muss ein sehr tristes Leben geführt haben, wenn er nicht wusste, dass Glauben weit über Religion hinausgeht.
    Hab jetzt hier in diesem Artikel fertig, schönen Abend!

  2. 41.

    Glauben sie, ich halte mich lieber an Fakten.

    Wie sagte mein Meister immer wenn ich glaubte etwas zu wissen? Glauben? Glauben tun wir in der Kirche.

  3. 40.

    Grundsätzlich sehr gern, aber bei Ihnen spare ich mir die Mühe. Mache mir lieber ein schönes Wochenende und wünsche Ihnen selbiges. Also tief durchatmen und auch mal an das Gute glauben. Verlängert und verschönert das Leben ungemein.

  4. 38.

    Ich nehme doch stark an, das der größte Teil der Demo - Teilnehmer Cottbusser waren. Beweisen kann ich es genau so wenig wie Sie mit der Annahme, daß es meist Golzener, Spremberger oder Dresdner waren.
    Aber egal, zu Steinmeier kommen eh nur gebriefte Leute.

  5. 37.

    "Meldung an YT ist raus."
    Jetzt machen Sie sich doch nicht lächerlich, Verehrtester! Ihr Anschreiben gegen Nazis in allen Ehren, aber wie wär's mal mit echten Nazis?

  6. 36.

    @rbb-24 Seit wann dürfen hier YT links mit rechtsradikalen Inhalten verlinkt werden?

  7. 35.

    Nein danke, ich werde mir keine Naziseiten auf YT ansehen aber danke für den Tipp. Meldung an YT ist raus.

    Ich frage nochmal: Und auf Bildern können sie sehen wer Cottbuser ist?

    Aha.

  8. 34.

    Zitat: "Und auf Bildern können sie sehen wer Cottbuser ist?"

    Ja.

    Versuchen sie es doch einfach mal! https://www.youtube.com/watch?v=FgY7diYQnPE

    Und nebenbei können sie auch noch die Zahlenangaben verifizieren. ;-)

  9. 33.

    Und auf Bildern können sie sehen wer Cottbuser ist? Respekt! Die ganzen Ausreden oder das kleinreden der Teilnehmerzahlen wird euch Rechten nichts nützen.

    Ich hoffe der Stein der ins Rollen gekommen ist wird so bald nicht stoppen damit Cottbus und Südbrandenburg nicht noch weiter im braunen Sumpf versinkt.

  10. 32.

    Das war - in dieser Ausformung - die Formulierung des Alten Testaments.

    Die hiesige Justiz ist da zu recht differenzierter und geht nicht nur nach der Schwere der Straftat, sondern fragt immer nach den Hintergründen. Wer diese kulturelle Errungenschaft nicht anerkennt, stellt sich außerhalb der zivilsierten Gesellschaft und will eine archaische Gesellschaft einführen.

  11. 31.

    Nennen sie mir doch mal die Demo's in Berlin, an denen mindestens 35000 Leute teilnehmen, also ca. 1% der Bevölkerung.
    Ansonsten kann ich, als ehemaliger Cottbuser, den ganzen Klugscheißern, von rechts oder links oder sonstwo, versichern, in Cottbus leben nicht in der Mehrzahl Nazis oder Rassisten und deshalb brauchen Vereine wie Zukunft Heimat auch Unterstützung von Pegida und Konsorten von außerhalb, um wenigstens auch auf 1500 Teilnehmer zu kommen.
    Die Mehrzahl der Cottbuser geht arbeiten und hat andere Aufgaben und Probleme als ständig zu demonstrieren oder sich das Gefasel selbsternannter Abendlandretter oder Berufspolitiker anzuhören.

  12. 30.

    Es gibt diverse Möglichkeiten, herauszufinden, WER da am 03.02. auf dem Cottbuser Oberkirchplatz zusammenkam. Sie müssten statt hier zu fabulieren, einfach nur "Tante" Gugl bemühen. Auf "Ju-Tjub" gibt es eine Menge bewegtes Bildmaterial dazu. ;-)
    Um es vorwegzunehmen. Es waren ganz normale Bürger der Stadt in allen Altersgruppen. Diese jetzt, wie es der Pfaffe vorgestern tat, in alter DDR-Diktion pauschal als "Feinde" zu titulieren, wird seiner Kirche zukünftig nicht gut tun.

    Und wenn von seiten der Etablierten nicht bald ein Dialog auf Augenhöhe angeboten wird, nimmt das Ganze noch an Fahrt auf und die Gräben vertiefen sich immer mehr.

  13. 29.

    Was denn nun? Steinmeier hat Cottbuser eingeladen. Wenn die Leute von Zukunft Heimat kämen, wären das ja wohl Golzener! Es könnten natürlich auch die Sympatisanten dieser Gruppierung sein, die sich extra aus Dresden oder Spremberg auf den Weg nach Cottbus machen, um da die Golzener zu treffen. Muss echt wenig los sein in der Umgebung. Gibt es in Golzen und Spremberg keine "eingenen" Ausländer gegen die man da demonstrieren kann?

  14. 26.

    Ca. 1% der der Cottbusser Bevölkerung bei der Demo gegen Intoleranz und Rassismus und 99% schauen weg.

    Ist das 1933 reloaded?

    Armes Cottbus. Wie wäre es denn mit einer Unabhängigkeitsbewegung und anschließendem Beitritt zu Polen? Da tickt man inzwischen ja auch so. Und liegt ganz in der Nähe.

  15. 25.

    Wer den "Totalen Krieg" will, darf sich nicht beschweren, wenn er tatsächlich eintritt. Dem Grunde nach, müssen die Deutschen den Alliierten des II. Weltkriegs sogar dankbar sein, dass Deutschland nicht komplett in Schutt und Asche gelegt wurde, wie beispielweise das Warschauer Ghetto von deutschen Kriegsverbrechern.

  16. 24.

    Danke. Das ist doch mal eine halbwegs konkrete Aussage.

    Für eine "staatlich organisierte" Veranstaltung ist diese Teilnehmerzahl aber eher ein Armutszeugnis.

    Das hat man in anderen Zeiten, als ganze Schulklassen in die Bahnhofstraße zum Jubeln beordert wurden, aber besser hinbekommen.

    Und nur Vertreter dieser 1.500 bis 2.000 Teilnehmer sollen nun zum Buprä, um ihm "die Lage zu erläutern"?

    rbb-Reporter Andreas Rausch hat dies gestern abend in "Brandenburg Aktuell" zurecht moniert.

  17. 23.

    Hallo EjtschPie, wie in dem Brandenburg Aktuell-Beitrag deutlich wird, waren es am Anfang "einige hundert Menschen" und "wenig später mehrere tausend". Wie bereits im Text steht, haben weder der Veranstalter noch die Polizei offizielle Zahlen genannt. Schätzungen bei einem Sternmarsch in dieser Größenordnung sind schwierig, unsere Reporter gehen von 1.500 bis 2.000 Teilnehmern aus.

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