Das brennende Auto vor dem Familienhaus des Politiker Ferat Kocak (Bild: Ferat Kocak)
Video: Abendschau | 01.02.2018 | Julia Fischer | Bild: Ferat Kocak

Staatsschutz prüft rechtes Motiv - Neuköllner Buchhändler und Linkenpolitiker Ziel von Anschlägen

In der Nacht zu Donnerstag haben Unbekannte das Auto des Neuköllner Buchhändlers Ostermann angezündet - es ist schon der dritte Anschlag auf ihn. Kurz danach ging der Wagen des Linkenpolitikers Kocak in Flammen auf - direkt neben seinem Haus.

Schon wieder Brandanschläge auf Autos in Berlin-Neukölln: Eines der Fahrzeuge gehört dem Neuköllner Buchhändler Heinz Ostermann, der bereits mehrfach Ziel politisch motivierter Anschläge war.  

Eine Polizeisprecherin bestätigte rbb|24, dass Unbekannte den Peugeot des Buchhändlers in der Nacht zum Donnerstag gegen 2.40 Uhr in der Karl-Elsasser-Straße im Stadtteil Britz anzündeten. Die Feuerwehr löschte den Brand, das Fahrzeug wurde jedoch komplett zerstört.

Neuköllns Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) sprach auf Facebook von einem "feigen Angriff auf jemanden, der mit Büchern handelt und sich an vielen Stellen in Rudow ehrenamtlich für das Gemeinwohl engagiert". Dem rbb sagte Giffey, ihre erste Reaktion sei gewesen: "Oh nein, nicht schon wieder". Inzwischen sei es ja eine Serie von Anschlägen. Sie habe vor Weihnachten mit allen Opfern im Bürgermeisterbüro zusammengesessen und über den Umgang mit diesen Angriffen gesprochen. "Natürlich ist es der größte Wunsch der Betroffenen, dass die Täter gefunden werden." Sie als Bürgermeisterin könne sich nicht in die Arbeit der Polizei einmischen, aber sie erlebe im Kontakt mit den Opfern ein großes Unverständnis darüber, dass es keine Ergebnisse gibt.

Buchhandlung Leporello (Quelle: rbb/Matthias Bartsch)
Die Buchhandlung "Leporello" in der Krokusstraße. | Bild: rbb/Matthias Bartsch

Buchhändler Ostermann: Anschlag von Rechten verübt

Buchhändler Ostermann sagte rbb|24, er sei "erschüttert" und "sprachlos". Für ihn sei klar, dass es ein gezielter Anschlag von Rechten gewesen sei. Er habe in der Nacht nach dem Anschlag nicht mehr schlafen können und sei um 6 Uhr früh in seinen Laden gefahren. Es sei ihm wichtig, dass die Öffentlichkeit nicht nur von den Angriffen auf ihn, sondern von den vielen Anschlägen im Bezirk erfahre.  

Ostermann hatte sich mit seiner Buchhandlung "Leporello" im Herbst 2016 der Initiative "Neuköllner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus" angeschlossen. In seinem Geschäft in der Krokusstraße fanden im Rahmen der Initiative auch Veranstaltungen statt. Vor etwa einem Jahr hatten Unbekannte schon einmal ein Auto des Buchhändlers angezündet und komplett zerstört. Auch damals prüfte der Staatsschutz ein rechtsextremistisches Motiv. Im Dezember 2016 zerstörten Täter die Fensterscheiben des Buchladens "Leporello" durch Steinwürfe.

Die Ermittlungen zu den Steinwürfen seien eingestellt worden, sagte Ostermann rbb|24. Auch im Bezug auf sein erstes ausgebranntes Auto wisse er bislang von keinem Ermittlungsergebnis. Der neue Wagen sei nach dem Anschlag aus Spendengeldern finanziert worden - nun hofft der Buchhändler, dass die Versicherung zahlt.

Vor allem aber hofft er, dass die Täter endlich gefasst werden, denn vorher werde es wohl keine Ruhe geben. Die Polizei habe im zugesagt, öfter Streife zu fahren, das Gefühl der Unsicherheit bleibe aber bestehen. "Mein Laden ist keine linke, politische Buchhandlung, sondern eher eine Dorfbuchhandlung", sagt Ostermann. "Ich würde mich als engagierten Demokraten bezeichnen."   

Das ausgebrannte Auto des Linkenpolitikers Ferat Ali Kocak (Quelle: rbb | Matthias Bartsch)
Das ausgebrannte Auto des Linkenpolitikers Kocak. | Bild: rbb | Matthias Bartsch

Zweiter Anschlag auf Auto von Linkenpolitiker Kocak

Nach Angaben der Polizeisprecherin hat der Staatschutz die Ermittlungen übernommen - auch im Fall eines zweiten Brandanschlags, der sich nur kurze Zeit später ereignete. In beiden Fällen werde ein rechtsextremistisches Motiv geprüft.  

Der zweite Anschlag richtete sich gegen den Linken-Bezirkspolitiker Ferat Ali Kocak. Im Klettenweg in Rudow ging gegen 3 Uhr nachts sein unter einem Carport geparkter Smart in Flammen auf - direkt neben seinem Haus. Der 38-jährige Linkenpolitiker sagte dem rbb, er habe das Feuer bemerkt und seinen Eltern Bescheid gesagt. Dann sei er mit einem Feuerlöscher rausgerannt, um den Brand vom Gebäude fernzuhalten. "Es hat schon angefangen, am Gebäude zu brennen. Hätte ich es nicht gemerkt, wären wir wahrscheinlich drinnen verbrannt."   

Die Polizei erklärte hingegen, das Haus sei nicht in Mitleidenschaft gezogen worden.

"Bürger Neuköllns müssen gegen Rechts aktiv werden"

Auch Kocak beklagt, dass es seit einem Jahr zahlreiche Anschläge in Neukölln gab. Keine der Taten sei aufgeklärt worden. In seinem Fall habe es sogar Tote geben können, so der Linkenpolitiker. "Jetzt ist es sogar schon fünf nach 12 Uhr", warnt er. "Wir müssen aktiv werden, aber nicht nur die Polizei, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger in Neukölln", fordert der 38-Jährige. "Wir müssen auf die Straßen gehen und zeigen, dass wir Solidarität statt Naziterror hier haben wollen."

Die Neuköllner Linkspartei bezeichnete den Brandanschlag gegen Kocak als "versuchten Mord". Der mögliche Täterkreis sei seit Monaten bekannt. "Und trotzdem fühlen sich die Nazis so sicher, dass sie immer neue Anschläge begehen", heißt es in einer Mitteilung.

Kommentar

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39 Kommentare

  1. 39.

    Die beiden letzten Beiträge sind exemplarisch für das Vorgehen der rechten Schreiberlinge hier.

    Beleidigungen, Diffamierungen, Unterstellungen, knapp an einer Strafanzeige vorbei, und natürlich immer wieder wirre bis absichtliche Verdrehungen von Tatsachen.

    So plump, wie durchschaubar.

  2. 38.

    Sicherlich liegt es an Ihrer Filterblase, aber im Text steht, "mutmaßlich" ein rechter Anschlag.
    Sollten Sie mehr wissen, lässt es die Vermutung zu, dass Sie dabei waren.
    Vor allen Dingen aber: immer schön die Scheuklappen auf.
    Ich mein ja nur (so).

  3. 37.

    @Paule: Jetzt überfordern Sie den Mitforisten aber. Für ihn muss rechte Gewalt auch immer und ausschließlich von Rechtsextremen kommen. Da werden auch seriöse Fakten -wie von Ihnen vorbildlich aufgeführt- konsequent ignoriert.
    Als wenn es nicht schon genug Idioten am rechten Rand gebe, auf die wir alle gerne verzichten können. Nein, es muss dramatisiert und verallgemeinert werden. Andere Gewalt wird dagegen konsequent verniedlicht. Schade, so entsteht keine sinnvolle Diskussion.

  4. 36.

    Sie blamieren sich doch wenn sie hier ständig rechte Gewalt kleinreden wollen. Das ist so offensichtlich und durchschaubar was sie hier bezwecken.

  5. 35.

    Und nochmal: Thema verfehlt, setzen, sechs!

    Was hat das mit Brandstiftungen und Mordanschlägen, die eindeutig dem Rechtsextremismus zugeordnet werden können, zu tun?

  6. 33.

    Jaja, wenn Linke im Tagesspiegel zitiert werden, "mir kommt es so vor als ob", soll dass dann die (linksverortete) "Realität" abbilden. ;)Haben Sie mal irgendeine neutrale Quelle?

  7. 32.

    Mal als Vergleich: Die Leute von einem Kiezblatt in Kreuzberg sind von Linksextremen mit körperlichen Schädigungen, das Rad umreißen usw., bedroht worden. Diese ganzen extremistischen Lager sind die Pest.

  8. 31.

    Oh Mann! Lassen Sie es doch einfach. Sie blamieren sich doch nur, wenn Sie mich falsch wiedergeben:
    Zunahme rechter Gewalt =/= Zunahme an rechtsgerichteten Personen

    Zu ersterem habe ich mich gar nicht ausgelassen.

  9. 30.

    Auch das ist die Wahrheit: Acht Prozent der Juden in Deutschland gaben demzufolge an, dass Angehörige oder Bekannte im Laufe des vergangenen Jahres Ziel von körperlichen Angriffen gewesen seien. Weitere 36 Prozent wurden beschimpft oder beleidigt. 81 Prozent der Angriffe und 62 Prozent der Beleidigungen seien von Muslimen gekommen. Die Statistik sagt, dass ca. 90 % der Vorfälle dem Rechtsextremismus zugeordnet werden. Aufklärungsquote ist sehr gering. D.h. nicht, dass Rechtsextremisten zu 90 % auch Täter sein müssen. Selbst Vorfälle bei Islamisten-Demos wurden bereits als „PMK rechts“ eingruppiert.
    Fabian Weißbarth, Politikwissenschaftler aus Berlin (er koordiniert in einer NGO die Kommunikations- und Kampagnenarbeit gegen Antisemitismus und Extremismus) 

  10. 29.

    Und wieder verleugnen sie die massive Zunahme rechter Gewalt!

    http://www.tagesspiegel.de/politik/rechtsextremismus-starke-zunahme-rechter-gewalt/14839814.html

    http://www.tagesspiegel.de/politik/viel-mehr-rechte-als-linke-straftaten-kriminalitaet-von-extremisten-auf-dem-hoechsten-stand-seit-15-jahren/19709672.html

    Es ist weder der "Wertekanon der Gesellschaft insgesamt nach links gerückt", noch ist "Neonazis schlicht und einfach der Nachwuchs weggebrochen." Im Gegenteil, die Gesellschaft ist weit nach rechts gerückt wie man an der Erfolgen der AfD sehen kann.

    "Natürlich nicht, habe ich auch nie behauptet. Man muss aber schauen, dass man dann die wirklichen Nazis bekämpft und nicht Menschen, die nur keine durchgehend linksgerichtete Meinung vertreten. "

    Das ist wieder einmal ihr durchschaubarer Versuch rechte Gewalt zu verharmlosen oder zu verleugnen.

  11. 28.

    Der Versuch der Umdeutung ist so alt wie es rechte Gewalttaten in Deutschland gibt. Vertuschen, verleugnen und wenn das partout nicht mehr geht anderen in die Schuhe schieben.

  12. 26.

    Werter rbb-24-nutzer: Sorry, Ihren Beitrag habe ich erst heute gesehen, möchte aber gerne kurz auf Ihre Fragen eingehen.
    Ich glaube auch, dass es Rechte waren, die hier gezündelt haben. Ich verwehre mich nur dagegen, dies als >>Tatsache<< hinzustellen, so lange es nicht bewiesen ist. Ich möchte damit nicht verharmlosen, ganz im Gegenteil. Ich sehe aber die Gefahr, dass Mitbürger Straftaten von rechts irgendwann nicht mehr ernst nehmen, wenn sich herausstellt, dass die es doch nicht waren. Nach dem Motto: "Na wer weiß, wer es diesmal wirklich war." Ich lege für absolut niemanden die Hand ins Feuer, auch wenn ich dem Buchhändler definitiv keine kriminellen Handlungen unterstellen mag. Das Leben hat mir schon zu viele kuriose Überraschungen beschert.

    Hier auch der Fall, auf den ich mich konkret beziehe:
    http://www.nordbayern.de/region/hersbruck/nach-brandanschlag-in-asylunterkunft-betrug-als-motiv-1.5301713?rssPage=Vm9ycmE=

  13. 24.

    Der Eindruck täuscht Sie. Das Foto hat - wie auch klar gekennzeichnet - Herr Kocak direkt am Tatort gemacht. Berichtet haben wir - wie andere Medien auch - erst am nächsten Morgen, sobald wir durch Polizei und Feuerwehr von dem Anschlag erfahren haben. Normales Prozedere.

  14. 23.

    Was mich immer wieder überrascht ist wie schnell doch solche Presse Mitarbeiter bei solchen Taten gleich vor Ort sind ???? das Foto zeigt einen PKW der wohl höchstens erst 3- 5 Minuten brennt, die Feuerwehr ist da nicht so schnell !!!!!

  15. 21.

    @Rupert: Meine gestrige Antwort an Sie war leider nicht veröffentlicht worden. Daher hier noch mal:

    "Überall nicht, noch nicht, aber mehr als wie vor einigen Jahren mit Sicherheit. "
    Das sehe ich nicht so. Meiner Erfahrung nach sind es deutlich weniger geworden, alleine schon deshalb, weil der Wertekanon der Gesellschaft insgesamt nach links gerückt ist. Dadurch ist den Neonazis schlicht und einfach der Nachwuchs weggebrochen. Ein paar Ewiggestrige sind leider geblieben, aber es ist m.M.n. keine kritische Masse. Da funktioniert unsere Demokratie zum Glück sehr gut, das im Zaum zu halten.

    "Wegsehen und schweigen? Nein Danke!"
    Natürlich nicht, habe ich auch nie behauptet. Man muss aber schauen, dass man dann die wirklichen Nazis bekämpft und nicht Menschen, die nur keine durchgehend linksgerichtete Meinung vertreten.

  16. 20.

    @Laie: Versuchter Mord könnte (je nach genauem Umstand vor Ort) beim Brand des Autos unter dem Carport durchaus in Betracht kommen, wenn eine Brandstiftung dazu geeignet war, Menschen im Haus einzuschließen. Diesen Tötungsvorsatz (auch bedingt) würde man aber leider kaum nachweisen können. Daher werden solche Ermittlungen in der Regel unter "besonders schwere Brandstiftung" geführt. Dasselbe auch, wenn Kinderwagen unter Holztreppen angezündet wurden, wobei dies zum Glück nachgelassen zu haben scheint.
    Terroristische Vereinigung dürfte in dem Fall nahezu unmöglich nachzuweisen sein. Im Gegensatz zu "Gruppe Freital" oder "Wehrsportgruppe Hoffmann" scheint es hier auch keine dringlichen Anhaltspunkte dafür zu geben (?).
    Den Vergleich mit dem NSU, der gezielt Menschen ermordet hat, finde ich unangebracht. Dies relativiert deren Verbrechen, auch wenn die Taten hier auch schlimm genug sind.

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