Video: Werkstattrundgang | 04.02.2018 | rbb/Mirjam Banz

Zirkeltag | TÜV Rheinland Akademie - Viel Interesse für Mechanik, wenig für Geschichte

In Hohen Neuendorf ist nach dem Mauerfall viel Bauland freigeworden. Hier hat sich eine Ausbildungseinrichtung des TÜV Rheinland angesiedelt. Im Betrieb gibt es eine deutliche "Erinnerungsgrenze" zwischen Alt und Jung. Von Mirjam Banz

Bis 1989: Unbebauter Grenzstreifen, Brachland

Heute: Ein Ausbildungsbetrieb des TÜV Rheinland. Hier lernen Auszubildende aus vielen verschiedenen Berliner KfZ-Betrieben.

Überall fliegen Funken. Im Eingangsbereich der Werkhalle werden große Stahlstangen verschweißt. Zwei Auszubildende stehen an hüfthohen Werkbänken und schlagen konzentriert mit dem Hammer auf kleine Metallplatten. Wo heute junge Industrie- und Konstruktionsmechaniker alles über das fachgerechte Schweißen und den Umgang mit Drehmaschinen lernen, lag früher der nördlichste Grenzstreifen zwischen West-Berlin und Brandenburg.

In den 90er Jahren hat sich der TÜV Rheinland auf dem ehemaligen Mauerstreifen in Hohen Neuendorf niedergelassen. Auf insgesamt drei Stockwerken hat das Unternehmen hier ein Ausbildungs- und Weiterbildungszentrum errichtet. Vom Parkplatz des Geländes kann man durch große Plastikfenster in den Schiebetoren direkt in die Werkstätten schauen.

"Ganz ehrlich, das ist auch einfach zu lange her"

Dort findet man meistens auch Ausbilder Peter Siewert. Er erinnert sich noch gut an die Zeit vor der Wiedervereinigung. "Der krasse Unterschied zwischen dem ehemaligen Ost- und Westteil Deutschlands wurde einem ja nur klar, wenn man als Ostdeutscher auch mal in den Westen rüber durfte. Dass heute beide Teile wiedervereint sind, erscheint mir und meiner Generation manchmal noch wie ein Wunder."

Seit über zehn Jahren arbeitet er jetzt schon an der Akademie als Ausbilder für Anlagenmechanik. Er ist sich sicher, dass seine Auszubildenden mit dem besonderen Standort kaum etwas anfangen können. "Für die jungen Leute hier existiert das ganze Mauerthema gar nicht mehr. Die wüssten sicher nicht mal, was das hier eigentlich für ein historischer Boden ist."

Herr Siewers hat mit seiner Vermutung recht. Bei einem Rundgang durch den Betrieb finden sich nur wenige Auszubildende, die über die Lage des Betriebs Bescheid wissen. In einem Holzpavillion vor dem Eingang der Werkstatt sitzen Dominik (19) und Tizian (19). Beide sagen, sie hätten bis jetzt nichts vom Standort auf dem ehemaligen Mauerstreifen gewusst. Und das, obwohl einige von ihnen vermutlich täglich am großen braunen Grenzgedenkschild vor den Toren des Gewerbegebiets vorbeifahren. "Ganz ehrlich, das ist auch einfach zu lange her. Für uns spielt das überhaupt keine Rolle mehr", sagt Dominik.

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Sendung: Radioeins, 05.02.2018, 10.00 Uhr

Beitrag von Mirjam Banz

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