Blankenburger Süden (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen/Dirk Laubner)
Audio: Inforadio | 28.03.2018 | Jan Menzel | Bild: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen/Dirk Laubner

"Grundstücksvertreibung geht nicht!" - Anwohner protestieren gegen Bauprojekt Blankenburger Süden

Im Blankenburger Süden formiert sich der Widerstand gegen eines der größten Bauvorhaben in Berlin. Am Dienstagabend trafen sich rund 500 Anwohner auf dem Stadtgut Buch. Mit einer Resolution wollen sie sich gegen die "eiskalte Enteignung" stemmen. Von Jan Menzel

Peter Fischer steht draußen vor der Scheune auf dem Stadtgut Buch.  Er lebt seit 1959 in der Erholungsanlage Blankenburg. "Ich bin einer der Ältesten und hübsch grau geworden", sagt der Handwerker und lacht. Obwohl ihm eigentlich nicht danach zu Mute ist.

"Mies fühlt sich das an", sagt der "Ur-Blankenburger", vor allem weil es die Pläne für eine Bebauung der Erholungsanlage schon seit gefühlt 100 Jahre gebe. Alle Politiker hätten sich aber davor gescheut. "Jetzt haben wir eine rot-rot-grüne Regierung - und die sagt einfach: Machen wir so!" Fischers Fazit: "Eiskalte Enteignung."

Siedler und Kleingärtner haben viel investiert

Mit seiner Wut, seiner Enttäuschung und seiner Angst ist er nicht allein. Auch Ramona Kroll ist mit ihrem Mann zur Protestveranstaltung gekommen. Seit vorigem Jahr haben beide einen Garten in der Erholungsanlage Blankenburg gepachtet. "Wir haben eine Menge bezahlt, wir haben eine Menge Geld reingesteckt", sagt Ramona Kroll, deren Kinder ebenfalls in der Anlage wohnen, auf  einem Eigentumsgrundstück mit zwei kleinen Kindern. "Die müssten da auch runter", sagt sie und schüttelt den Kopf.

Drinnen in der alten Scheune des Stadtguts Buchs ist kein Platz mehr frei. Rund 500 Menschen, die meisten schon etwas älter,  sitzen auf langen Stuhlreihen. Vorne am Podium hat Christoph Schmidt-Jansa die Regie übernommen. Schmidt-Jansa ist Präsident des Grundstücksnutzerverbandes VDGN. Sein Verband hat zu der Versammlung eingeladen und eine Resolution zur Abstimmung vorgelegt.

Müller soll Bausenatorin entlassen

"Grundstücksvertreibung geht nicht", sagt der Jurist laut vernehmbar ins Mikrofon und schiebt eine Kampfansage an Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) hinterher: "Sie scheint nicht mehr richtig in der Lage zu sein, das zu leiten", sagt Schmidt-Jansa. Er spielt damit auf  das Kommunikationschaos beim Bürgerdialog zu dem Bauvorhaben ab.

Die Bauverwaltung hatte vor rund vier Wochen völlig verdutzten und überrumpelten Anwohnern dargelegt, dass  nun auch die Anlage Blankenburg mit ihren Kleingärten und Eigentumsgrundstücken Gegenstand der  Planungen sei, und dass es auf dem Areal Platz für mehrere tausende Wohnungen gebe. Die Anwohner waren bis dahin davon ausgegangen, dass nur die benachbarten Rieselfelder bebaut werden sollen.

Den Regierenden Bürgermeister fordert Schmidt-Jansa auf, Lompscher zu entlassen und den Wohnungsbau zur Chefsache zu machen. Die Anwohner applaudieren. Die Resolution wird angenommen. Einstimmig, versteht sich.

Protestveranstaltung gegen das Bauvorhaben Blankenburger Süden am 27.03.2018 auf dem Berliner Stadgut Buch (Quelle: rbb / Jan Menzel)Rund 500 Menschen sind in die Scheune auf dem Stadtgut Buch gekommen.

Schon jetzt herrscht ein Verkehrschaos

Große Einigkeit zeigt sich auch danach bei den Wortmeldungen. Ein Mann sagt, dass es freie Flächen in Richtung Buch gebe, die sich viel besser für den Wohnungsbau eigneten. Man müsse auch noch einmal darauf hinweisen, dass in Marzahn, wo die Plattenbauten zurückgebaut wurden, wo die Infrastruktur vorhanden und die Fundamente ausreichend stark seien, eine "Aufstockung" der Gebäude möglich sei.

Unstrittig ist, dass der Blankenburger Süden schon jetzt ein massives Verkehrsproblem hat. "Ich fahre morgens mit dem Schwung in die City rein", sagt Thorsten Kroll. Abends gehe es mit dem Schwung aus der City raus. Das sei schon sehr beschwerlich. Daher sei klar, dass verkehrstechnisch  etwas passieren müsse, sagt der Außendienst-Mitarbeiter. "Aber nicht durch diese Anlage."

Der Senat plant aber mit der Durchfahrtsstraße TVN und einer Straßenbahnlinie eine Trasse mitten durch die Gärten und Parzellen. Karl Holst würde stattdessen lieber einen Plan reaktivieren, den es schon zu DDR-Zeiten gab. "Warum kann ich nicht die U-Bahn von Pankow über den Rangierbahnhof zum Blankenburger Süden führen", fragt Holst. Dann müsste nämlich kein Mensch von seinem Grundstück vertrieben werden.

Danach, dass sich die Neubaupläne so einfach vom Tisch wischen lassen, sieht es an diesem Abend in der Scheune aber nicht aus. VDGN-Präsident  Schmidt-Jansa schwört Kleingärtner und Siedler darauf ein, dass sie für die Anlage Blankenburg hart kämpfen müssen: politisch und sehr wahrscheinlich auch juristisch.

Beitrag von Jan Menzel

Kommentar

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45 Kommentare

  1. 45.

    Hi, Wohnungsbau JA, ABER nicht durch Verdrängung und Enteignung. AUCH muss der Wohnungsbau sozial verträglich sein! Das 50% der landeseigenen Flächen an Investoren gehen sollen ist auch ein NoGO! Wer sich informieren möchte kann das gern unter. www.wir-sind-blankenburg.de

  2. 44.

    Nur geht's grad nicht um Befindlichkeiten von Spießbürgern sondern um die Enteignung und Gentrifizierung von Eigentümern und anderen Menschen, die Eigentum auf Pachtland erworben haben. Dies auch nicht unbedingt vor langer, sondern auch vor kurzer Zeit.
    Aber aalen Sie sich ruhig weiter in Ihrer Opferrolle, die keine ist und lesen bitte nochmal den Bericht und verstehen, um was es tatsächlich geht.

  3. 43.

    ICh verstehe die Meinung von Wolfgang. Das habe ich genau so erlebt.
    Die wollen ihre spießigen Lebenstil weiter leben. Die Sicht auf die Welt durch eine 1,20m hohe Heck begrenzt und im nie enden wollenden Streit mit dem Nachbarn, der zwischen 13 und 15 Uhr seinen Rasen mäht und mehr als drei Mal im Monat grillt, aufgehen.
    Eine Kleingartenkollonie ist schon ein eigenes Biotop. Ich selber durfte es erfahren, als ich vor zwölf Jahren meinen Garten in Spandau, zudem noch als Ostler, der dann auch noch Vorsitzender wurde, dass ich nie angekommen bin. Denunziationen hinter vorgehaltener Hand, Denkweisen, politische Ausrichtungen bis hin zu Verschwörungsglauben, ich unter Stasiverdacht - das Alles ließ mich aufgeben.
    Gut, ich will nicht verallgemeinern - das war eben Spandau.
    Aber, ich habe den Verdacht, dass es in anderen Kleingartenkollonien genau so abläuft.
    Ist/bleibt eben eine beschränkte Sicht auf die Dinge außerhalb der exakt lackierten Zäune und auf Kante gemähten Rasen.

  4. 42.

    Sie haben, oder wollen es nicht verstehen, es ist
    K e i n e Kleingartenanlage. Bitte lesen Sie sich doch alle Berichte mal gründlich durch !!

  5. 41.

    Hat sich irgendein Vollbetonierer der bauwütigen Ignoranten relevante Gedanken darüber gemacht, welche Umweltschäden mit der Vertreibung von Kleingärtnern entstünden, die sich mit viel Liebe und Sorgfalt um die Natur in der Region kümmern?

  6. 40.

    Tja, 400x400qm sind nur 16ha. Peinlich!
    Es sind viele ganz normale Einfamilienhäuser dabei. Aber als Dampfhammer macht man halt gerne Sachen platt.

  7. 39.

    Und Leute wie Sie brauchen wir nicht, denn wer sich so vehement und ohne Kenntnisse über die Struktur der zu enteignenden Flächen äußert, der hat wohl auch keine Kenntnisse über die Flächen, die unbebaut verfügbar sind. Ausserdem ist die ungezügelte weitere versiegelung von Grünflächen definitiv falsch im Sinne des Klimas für die Stadt und ihrer Bürger. Oder welche Luft atmen Sie? Unbegrenzten Zuzug kann es nicht geben, falls Sie der Ansicht sind, dass dies doch der Fall sein sollte, tun Sie mir einfach nur leid. Unreflektiert und ohne Empathie, von diesen Leuten gibt's zuviel, auch in Berlin und Umgebung.

  8. 38.

    Dann seien Sie, wenn Sie schon den Kontext nicht verstehen können oder wollen, wenigstens in der Lage zwischen den Zeilen zu lesen.
    geht es nicht darum, das parteipolitische Dilemma der Fr. Lompscher darzustellen? Und wenn Sie sich darauf beziehen, dass es fast gänzlich Kleingärten sein sollten, falsch, es es eine erholungsanlage mit einem hohen Anteil an Eigentümern.
    Aber das scheint Neu - oder Wahlberliner, zu deren Gattung Sie zählen könnten, ja nicht zu interessieren. Es gäbe genügend Fläche, die bebaut werden kann, also nochmal meine Frage: Sind Sie bereit, zum Wohle anderer, Ihr Eigentum zwangsenteignen zu lassen?
    Augenhöhe ist etwas anderes.

  9. 37.

    Vielleicht war es aber einfach nur Ironie?
    Ein Witz sind aber Ihre Zahlen. 400 Einfamilienhäuser? Sie meinen doch jetzt nicht die Lauben, Schuppen und Unterstellmöglichkeiten.
    Selbst wenn das aber so wäre, dann rechne ich mal einfach 400 X 400qm (gehen wir mal vom qm-Durchschnitt eines Kleingartens) dann wären es 160 Hektar - weit größer als die von der Stadt Berlin beanspruchte Bauland.
    Vielleicht gehen ja die Einfamilienhäuser baulich in die Tiefe und Sie haben großzügig die Flächen mitgerechnet.
    Sie sind mir ja ein Fuchs.

  10. 36.

    Ahja und Ihr Kommentar mit den Kittelschürzen und Doppelribunterhemden war also gehobener Humor, verstehe.
    Korrektur zu Ihren Zahlen: Es sind ca. 30% in Privateigentum, ca. 400 Einfamilienhäuser. Na dann fröhliches Enteignen!

  11. 35.

    Sollte das witzig sein? Dann bewegen Sie sich auf dem Niveau von Mario Barth.
    Nun zu dem, der "geschichtlich bewandert" zu sein scheint und die Bodenreform 1946 "Junkerland in Bauernhand" in den Kontext zum Blankenburger Feld stellt.
    Sie wollen doch nicht die Kleingärtner mit den Junker und Landbesitzer vergangener Zeit gleich setzen?
    Noch gehören die Flächen der Stadt Berlin und sind zu 95% an Kleingartenvereine verpachtet, dessen Verträge jederzeit zu kündigen sind.
    Die restlichen 5% werden "ihr" Land verteidigen.
    Und jetzt beziehe ICH mich auf den Slogan "Gepachtetes Kleingartenland in Bauherrenhand". Sogar vom BGH in einem Urteil zur Enteignung von Landflächen zur Bebauung durch die Kommune gedeckt. Und Wohnraum braucht die Stadt.

  12. 34.

    Wären Sie bereit, Ihr Eigentum zum Wohle anderer zwangsenteignen zu lassen?
    Ich glaube, sie gehören zu denen, die ihren Egoismus pflegen und rücksichtslos agieren, als gäbe es nur Sie.
    Interessante Einstellung.
    Aber keine Sorge, alles im Leben kommt irgendwie zurück. Ich werde den Protest der zu enteingnenden Eigentümer, die dort Jahrzehnte lang leben und die nun zum "Wohle" von irgendwem auch immer gentrifiziert werden sollen, unterstützen. Sollten Sie ansatzweise geschichtlich bewandert sein, belesen Sie sich zum Thema *Junkerland in Bauernhand" und dann versuchen Sie ansatzweise auf Augenhöhe zu kommunizieren.

  13. 33.

    Ja, diese nervigen Querulanten sollen ihr Eigentum gefälligst der Allgemeinheit überlassen, uns doch egal! Die hören sowieso die falsche Musik und haben keinen Sinn für Mode! Waschen tun die sich wahrscheinlich auch nicht.

  14. 32.

    Natürlich können Sie fragen.
    Ich habe FÜR die Bebauung des Tempelhof Feldes gestimmt.
    Beantwortet das Ihre Frage?
    Allgemeinnutz über Eigennutz. Wenn Flächen sich für den Wohnungsbau anbieten, dann sollten die auch genutzt werden.

    Aber vielleicht findet irgendein Findiger in Blankenburg einen bedeutungslosen Vogel, Wurm oder Lunch. Das wäre noch ein Grund, den die empörten, standesbewußten Wutbürger nützen können, um das durchaus tolle Bauvorhaben zu stoppen.
    Ein Armada Doppelribunterhemden und Kittelschürzen bilden Menschenketten und besetzen Bäume.

  15. 30.

    Vertreibung und Enteignung? Steht uns da eine neue Flüchtlingwelle ins Haus?
    Aber Spaß bei Seite.
    " ... vor allem weil es die Pläne für eine Bebauung der Erholungsanlage schon seit gefühlt 100 Jahre gebe."
    So, wo ist also das Problem? Hängt jetzt das Wohl Tausender von wenigen Hundert ab?
    Gebaut muss werden, da sind wir uns wohl einig. Und treffen wird es immer einer, der sich voller Empörung dagegen wehrt.
    Wohnungsbau ja, aber bitte nicht bei uns.
    Und ja," Lesen, begreifen dann posten....."

  16. 29.

    Auwei, Ihr Horizont scheint auch nicht der hellste zu sein. Es geht um die Vertreibung und Enteignung von Eigentümern, da es sich um eben KEINE reine Kleingartenkolonie handelt.
    Lesen, begreifen dann posten.....

  17. 28.

    Dann gib Du doch deine Wohnung und deine heimische Gegend an Zuwanderer oder wen auch immer. Von anderen Opfer verlangen, aber selber nichts abgeben?

  18. 27.

    Das ist doch wohl zu Simpel. Natürlich gibt's mal Nachbarschaftsstreit. Wenn aber die Existenz bedroht ist, ist das ihr gutes Recht zusammen zu stehen. Meine Sympathie gilt den Kleingärtnern und Anwohnern. LG aus Buchholz

  19. 26.

    Ach, die Kleingertner.
    Der Horizont beschränkt durch die 1,20m hohen Heck, geblendet durch den klienen Glanz der angelegten Wege und Blumenrabatten.
    Aber wehe, einer mäht den Rasen zwischen 1 und 3, oder grillt mehr als zwei Mal im Monat. Da wird denunziert und beim Vorstand angezeigt.
    Nun aber bedroht die Kleinbürgeridylle ein wichtiges Bauvorhaben. Da werden Menschenketten gebildet, auch mit dem Nachbarn, den man über Jahre verachtet und Teelicht formieren sich zum Widerstand.
    Wird das Wohl der Stadt davon abhängig gemacht, sein verpenntes Wohnungsprogramm durchzusetzen?

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