Blick vom sogenannten Mörderberg bei Blankenburg (Süd) in Richtung Hohenschönhausen. (Quelle: imago)
Audio: Inforadio | 05.03.2018 | Jan Menzel | Bild: imago

Kritik an Planungen für Blankenburger Süden in Berlin-Pankow - "Dieses Großbauprojekt entsetzt"

10.000 anstatt der ursprünglich geplanten 6.000 Wohnungen: Dass im Areal Blankenburger Süden in Berlin-Pankow nun fast doppelt so viel gebaut werden soll wie geplant, stößt bei Anwohnern und Politikern auf Protest.

Die Reaktionen sind nahezu einhellig. Nicht nur bei der Auftaktveranstaltung für das  Bau-Projekt Blankenburger Süden am Samstag, auch online beim Senats-Dialog-Forum "Mein Berlin" schlagen die Wellen hoch: "Dieses Großbauprojekt entsetzt. Es ist weder nachhaltig, noch innovativ, noch zukunftsweisend", heißt es dort. Oder einfach nur: "Schämt euch in Grund und Boden."

Statt bis zu 6.000 Wohnungen, von denen seit etwa zwei Jahren die Rede ist, sollen in Berlin-Pankow nun 10.000 Wohnungen entstehen. Zu diesem Planungsstand für das Areal im Nordosten Berlins wurden rund 700 Interessierte bei der ersten öffentlichen Bürgerversammlung informiert. Bislang war man nur von etwa der Hälfte der Bebauung ausgegangen.    

Foulspiel der Bauverwaltung

Für Kritik sorgt insbesondere, dass auch die Erholungsanlage Blankenburg neu bebaut werden soll. Dort haben jetzt Kleingärtner und Siedler Grundstücke. Sie müssten weichen und fühlen sich durch die neuen Planungen der Bauverwaltung getäuscht. Anwohnerin Ines Landgraf kann es kaum fassen: "Wir werden komplett überplant, unsere Anlage wird es nicht mehr geben, wenn die Pläne so durchgesetzt werden, wie man es jetzt vorhat. Das war bis Mittwoch dieser Woche noch nicht klar."

Es sei noch nichts entschieden, die Bürgerbeteiligung sei noch ganz am Anfang, erklärte der örtliche SPD-Abgeordnete Dennis Buchner im rbb. Er sprach von einem groben Foulspiel der Bauverwaltung. Alle Beteiligten seien davon ausgegangenen, dass im Blankenburger Süden 5.000 bis 6.000 Wohnungen entstehen: "5.000 Wohnungen auf den jetzt freien Felder, das ist machbar und auch unterstützbar, auch eine bessere Verkehrsanbindung, eine Tram in Richtung Bahnhof Blankenburg. Aber diese Dimensionen sind abzulehnen." Wenn es jetzt um die doppelte Anzahl gehe, fühlten sich die Anwohner zu Recht hinters Licht geführt.

Lompscher gefährdet Entwicklungsvorhaben

Auch im Bezirksamt stoßen die großen Pläne für den Blankenburger Süden auf Skepsis. Bezirksbürgermeister Sören Benn, ein Parteifreund der linken Bausenatorin Lompscher, betont, dass noch nichts entschieden sei. Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion Berlin, Stefan Evers, sowie der Pankower CDU-Abgeordnete Gottfried Ludewig fühlten sich eigenen Angaben nach "irritiert " vom Verhalten der Bausenatorin und ihrer Verwaltung: "Katrin Lompscher gefährdet mit ihrer verwirrenden Kommunikation zu den Planungen ihres Hauses die breite Akzeptanz für das außerordentlich wichtige Entwicklungsvorhaben."

Weiterer Dialog

Die Bausenatorin versucht indes die Wogen etwas zu glätten. Man habe Verständnis für die Anwohner, erklärt Katrin Lompscher schriftlich. Es sei nicht klar kommuniziert worden, dass es sich um Wohnungsbaupotenziale handele. Davon, dass im Blankenburger Süden der Bau von 10.000 Wohnungen möglich sei, rückt Lompscher aber nicht ab.

Entwicklungsanlternativen in Blankenburg (Grafik: rbb/Quelle:Berliner Senat)
Entwicklungsanlternativen in Blankenburg (Grafik: rbb/Quelle:Berliner Senat)
Entwicklungsanlternativen in Blankenburg (Grafik: rbb/Quelle:Berliner Senat)

Kommentar

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37 Kommentare

  1. 37.

    Vielen hier geht es (nur) um den Erhalt der Gärten, ich aber meine, dass man unbedingt auch die Felder erhalten muss! Die Menschen der bereits vorhandenen Massen-Wohngebiete wie Neu-Hohenschönhausen brauchen Naherholungsgebiete als Ausgleich zum Beton und Lärm.

  2. 36.

    Die Anlagen Familiengärten und Blankenburg sind historisch gewachsen und bilden eine grüne Oase zwischen Heinersdorf und Blankenburg. Sie werden zur Erholung und zum wohnen genutzt. Eigentum, Erbpacht und Pacht liegen direkt nebeneinander. Dass wir keine Kleingartenanlage sind hat uns sogar ein Gericht bestätigt. Wenn die Pläne des Senats so umgesetzt werden, haben wir auf einen Schlag viele zusätzliche Wohnungssuchende. Zu einem großen Teil auch ältere Mitbürger, denen ihr Lebenswerk genommen wird und die nicht mehr die Kraft haben, woanders bei Null neu anzufangen. Das ist assozial! Es ist nicht zu vermitteln, warum erst Wohnraum vernichtet wird, um dann wieder neuen zu schaffen. Dabei gibt es viel geeignetere Alternativen.

  3. 35.

    Leute! Es geht doch nicht darum, dass nicht gebaut wird!
    Es sollen aber mehr Wohnungen gebaut werden, als Blankenburg überhaupt verträgt.
    Es sollen Enteignungen stattfinden (in welchem Land leben wir eigentlich?)!
    Die Infrastruktur ist jetzt schon überlastet.
    Wo bleibt die grüne Lunge Berlins?
    Und ich ahne. dass die meisten Wohnungen für Otto Normalverbraucher leider nicht bezahlbar sein werden.

  4. 34.

    Eine lebenswerte Stadt mit viel Grün für Freizeit und Erholung muss in die Planung großzügig mit einfließen. Ist alles zubetoniert und die Erholungsmöglichkeiten eingeschränkt, kommen auf die Stadt größere Probleme zu, als wir uns vorstellen können. Nicht nur die klimatischen Verhältnisse, die die Stadt immer mehr erhitzen, auch zunehmende Unwetter werden zunehmen. Werden die Erholungsanlagen überbaut, steigt auch die Flut der Erholungsuchenden, die die Parks bevölkern und am Wochenende ein wenig ins Grüne fahren wollen. Eine Vielzahl von Maßnahmen muss Hand in Hand greifen, auch ein Zuzugsstop für Berlin wäre denkbar. Die Wohnungsproblematik auf Brandenburg abzuwälzen, verschärft wieder andere Probleme, insbesondere den Verkehr, um eine Verdrängung an den Rand und in den Speckgürtel zu minimieren. Es wäre wünschenswert preiswerten Wohnraum in den Innenstadtlagen zu schaffen.

  5. 33.

    Wo soll denn Ihrer Meinung nach gebaut werden?
    Das Problem ist doch der grenzenlose Egoismus der sogenannten betroffenen Anwohner. Egal ob Fischerinsel oder andere Nachverdichtung, erzeugt sofort reflexartig Ablehnung und ewig langes Diskutieren bis von den geplanten Wohnungen fast nichts mehr übrig bleibt.
    Bedanken können Sie sich bei den Nein-Sagern von Tempelhof und Tegel wo zigtausende Wohnungen von Genossenschaften günstig gebaut und vermietet werden könnten, weil der Grund der Allgemeinheit gehört und bisher nicht an Private Investoren verhökert wurde.
    Generell wird zu niedrig und nicht dicht genug gebaut, wodurch zum einen Platz gespart wird und die Viertel urbaner sind.

  6. 32.

    weil Denkmalschutz kein dringend benötigten Wohnraum schafft und Sie hoffentlich schon eine Wohnung haben.
    Außerdem hat sich ja eine Mehrheit der Berliner lieber für eine große Freifläche im Zentrum entschieden, anstatt dort Wohnraum zu schaffen

  7. 31.

    Ich bin ganz Ihrer Meinung. Bin selbst betroffen,da ich ein Grundstück in der Anlage Blankenburg habe. Warum stellt man die Anlage, die Schon über 110 Jahre besteht, nicht unter Denkmalsschutz.
    Bei unserer letzten Versammlung am Sonntag, haben wir alle mächtig gegen die Bebauung unserer Anlage protestiert. Auf dem Feld wird auch wieder ein Getto gebaut. Wir sind gegen eine Straßenbahn, die unsere Gärten zerstört und die 4-spurige Erweiterung derBahnhofstraße ist ein Witz, denn sie endet am Bahnhof, dahinter geht nichts mehr, denn sonst müßten die Mehrfamilienhäuser abgerissen werden. Wie wärees mit dem Bau einer U-bahn? Damit wären doch alle Probleme gelöst ist Teuer, dauert lange, aber bestimmt nicht so lange wie der Flughafen.
    Hier beweist essich wieder einmal, das nur das Kapital regiert und Mensch und Natur egal sind.

  8. 30.

    Wann kommt die Obergrenze für die "Landflüchtlinge"?? Wann ist Berlin voll 4 Mio, 10 Mio, 40 Mio Einwohner?
    30 Jahre Stadtentwicklung verschlafen, einfach nur unfähig. Solche Leute gehören abgewählt!!!
    Vielleicht sollte man das Umland etwas attraktiver gestalten, bessere Verkehrsanbindung. Da reicht es eben nicht wenn die Bahn nur alle 20 min fährt.
    Die Gartenanlagen haben 100 Jahre und länger Tradition in Berlin. Diese sollten endgültig TABU sein und in B-Plänen festgeschrieben werden.
    5000 Wohnungen in Planung waren ok. Alles andere ist schon wieder Größenwahn. Gute Nacht, Berlin

  9. 29.

    Sehr geehrte Damen und Herren, ihr Beitrag hat mir gefallen. Ich dachte das die drei Vertreter der Berliner Politik, die an der Auftaktarena teilnahmen, fair mit den Blankenburgern,Malchowern,Heinersdorfern, Karowern, Buchholzern und Buchern umgehen. Mittlerweile stellen sie sich als sehr verlogen dar. Ich hoffe das es Demonstrationen geben wird wo wir Bürger uns zeigen können. Hoffentlich kommen dann aber auch alle hier wohnenden Berliner Bürger hinter ihren Öfen vor.Es wird sonst der gesamte Bereich überrollt werden. Mit freundlichem Gruß.

  10. 28.

    3 x dürft Ihr raten, wer da wohl einziehen wird, da braucht es eben schon eine beachtliche Anzahl von Wohnungen,und die Einbauküchen nicht vergessen sonst stehen die mit ihren Gutscheinen wieder bei Roller !!!

  11. 27.

    Sehr gut Ihr Beitrag. Wenn es zum politischen Beschluss der Entwicklungsmassnahme kommt bin ich selbst betroffen..Die Leute denke ich wissen nicht was städtebauliche Entwicklungsmassnahme wirklich bedeutet!!Es ist ein selten angewandtes Instrument und sollte es dazu kommen dann wird es viele Verzweifelte, Enteignete und ruinierte Betroffene geben..Ein Schelm wer Böses denkt das um billiges Bauland der Erholungsanlage Blankenburg geht..Leute Bitte informiert Euch was der Begriff städtebauliche .. wirklich bedeutet ..man verliert Haus und Hof für Apple und Ei

  12. 26.

    Eine grandiose Idee! Und die paar Hundert Millionen für den Tunnelbau (teils durch dünnbesiedeltes Gebiet) zahlt Berlin aus der Portokasse? Und die Strecke ist (nach allen Erfahrungen der letzten Jahre) vor 2030 fertig? Oder wenigstens vor 2040? Und die U 2, die hier verlängert werden soll, hat ja auch noch massig Kapazitäten? Oder möchten Sie lieber die U 9 verlängern (durch noch mehr dünnbesiedeltes Gebiet)? Die fährt ja auch nicht schon im Fünf-Minuten-Takt (bzw. in der Realität seit Jahren notorisch unregelmäßig und damit unzuverlässig) und ist südlich Leopoldplatz bereits gut gefüllt? Möchten Sie eine ganz neue Linie aus der Innenstadt bauen? Vielleicht die (Ex-) U 10 vom Alex via Weißensee?

    Oder ging's Ihnen nur darum, einfach mal U-Bahn-Bau zu fordern?

  13. 25.

    Eigenartigerweise wird bei Berichten über die Gropiusstadt, das Märkische Viertel oder Marzahn schon seit Jahren (auch im RBB) immer wieder betont, wie glücklich und zufrieden die meisten der dortigen Bewohner mittlerweile wären und wie ungern sie wegziehen würden. Da muss man sich also mal entscheiden.

    Gleiches gilt für das Geschrei um die angeblich zu hohe Besiedlungsdichte. Man kann natürlich statt einer Siedlung mit zehn- oder zwanzigtausend Wohnungen (wo nach Meinung mancher alle Bewohner vor Enge ersticken müssen) auch eine aus zehn- oder zwanzigtausend Einfamilienhäuschen fordern. Bei einem solchen Umgang mit (derzeit womöglich noch unbesiedelten) Flächen sollte man allerdings nichts von "öko" faseln.

  14. 24.

    "Und die Straßenbahn zum S-Bahnhof Blankenburg hat auch keinen Sinn. Die Bahnen sind jetzt schon überfüllt."

    Und die S-Bahn-Züge fahren dort im Fünf-Minuten-Takt (oder noch öfter) und bestehen alle aus acht Wagen?

  15. 23.

    Was soll an so viel Verdichtung attraktiv sein?
    Wie Hühner im Käfig...

  16. 22.

    Andersrum wird ein Schuh draus. Wenn man Projekte, die den Wohnungsmarkt mit bezahlbaren Wohnraum entspannen, behindert, wächst die Unzufriedenheit der Bevölkerung. Daraus kann eine revolutionäre Situation entstehen, die zum Sturz des kapitalistischen Systems führt (Weltrevolution). Also sind die Kritiker solcher Projekte gedanklich eher die Erben der Stasi/SED als die Leute, die Rückstand bei der Wohnungsversorgung nach jahrelangen Stillstand aufholen. Der Untergang der DDR hat auch mit dem katastrophalen Zustand der Städte zu tun gehabt.

  17. 21.

    Das Problem ist, dass 1.000 bebaute Grundstücke vernichtet werden sollen, davon 400 in Privateigentum. Hier haben Berliner Familien jahrzehntelang investiert und unermessliche Eigenleistungen erbracht. Wo sollen diese Berlinerinnen und Berliner hin, wenn ihre Grundstücke enteignet und ihre Häuser abgerissen werden? Das vergrößert doch das Heer der Wohnungssuchenden. Entschädigt wird nur der Materialwert, der in dieser Siedlung meist nicht hoch ist. Hier haben Menschen ohne hohes Einkommen vor allem in Eigenleistung eine Existenz aufgebaut. Die Senatsverwaltung sagte am Sonnabend selbst, dass Entschädigungsverfahren meist vor Gericht enden. Mit anderen Worten, der Senat wird versuchen, möglichst wenig zu zahlen. Wer kann sich all die Anwaltskosten leisten? Von dem Sachwert wird man sich kein Grundstück in Berlin mehr leisten können. Der Senat kann doch nicht das eigene Volk enteignen? 1.000 Berliner zu 10.000 oder auch 20.000 Zuzüglern stehen in keinem Verhältnis! Eine riesen Schande.

  18. 20.

    Na dann wird es ja wie in Marzahn, wunderschön.
    Etwas kleiner wäre doch allemal besser.
    Die Infrastruktur bricht dabei sowieso zusammen.
    Reine Ghettos.
    Aber nur für die die normalen Bürger.
    Die Anderen bleiben verschont
    Wer will denn so wohnen?

  19. 19.

    Wer genau liest merkt, dass es nicht darum geht, dass Berlin Wohnungen benötigt. Es geht um b e z a h l b a r e n Wohnraum. Erst werden Wohnungsgenossenschaften zum Verkauf von Wohnungen gezwungen, die GSW geht an die Börse, in Marzahn wurden vermietbare Häuser abgerissen, Freiflächen werden mit Luxusapartments zugepflastert, Hotels entstehen überrall und Wohnungskäufer sind dänische Rentenfonds, Südkoreaner, und, und und. Und Grunderwerbssteuer wird natürlich auch nicht gezahlt, weil hier seit Jahren eine Gesetzeslücke klafft, die weidlich genutzt wird. Die Politik schaut zu. Es ist leicht, ein freies Feld zuzupflastern, aber mal anzupacken, dass der Ausverkauf unserer Stadt gestoppt wird, dass Luxuswohnungen nicht mehr gebaut werden dürfen, dass Mieten generell gedeckelt sind. Was ist denn in den letzten Jahren wirklich passiert? Wir sind totbürokratisiert, genau deshalb wird nichts angepackt, weil es einfach nicht richtig zu machen ist und spätestens vor Gericht Stop gilt.

  20. 18.

    Hier stellen sich viele Fragen. Warum will man in Blankenburg bauen, die Strassen geben s nicht her.(erst Strassen dann bauen) warum müssen Menschen für Menschen weichen(hat man überlegt wie es den Menschen geht die ihre Heimat verlieren)Warum wird am Heinersdorfer Bahnhof keine Baugenehmigung erteilt.(würde den Senat gar nichts kosten )Warum gibt es auf einmal die grüne Lunge für die Innenstadt nicht mehr.und und und. Wer verdient hier das Grösse Geld bei diesem Bau? Ich Kämpfe für den Erhalt derKleingärtnten und das erst Strassen gebaut werden.
    Di

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