Imagefoto mit Slogan: "Brandenburg. Es kann so einfach sein." (Bild: Land Brandenburg)
Video: Brandenburg aktuell | 06.03.2018 | Carsten Krippahl | Bild: Land Brandenburg

"Es kann so einfach sein" - Brandenburg-Kampagne disst vor allem Berlin

Brandenburg möchte ein neues Image. Das sollte eigentlich "einfach sein". Doch die Kampagne tut sich schwer. Nachdem der Slogan nicht sonderlich gut ankam, fiel auch eine erste Version für einen Image-Film durch. Darin geht es vor allem gegen Berlin.

 

Knapp zwei Wochen nach der Bekanntgabe des Slogans "Es kann so einfach sein" hat die Landesregierung in Potsdam am Dienstag einen Teaser-Film für die neue Image-Kampagne des Landes Brandenburg veröffentlicht.

Nachdem vor wenigen Tagen ein erster Entwurf in der Staatskanzlei durchgefallen war, gab das Kabinett am Mittag einer überarbeiteten Version grünes Licht. Der Film soll in den sozialen Netzwerken die Kampagne, die am 1. Mai bundesweit starten soll, anschieben. Doch zunächst geht es erst einmal gegen ein graues Berlin.

"Ein Ort, wo 'einfach' nicht weniger bedeutet, sondern mehr"

In der ersten Hälfte des 80 Sekunden langen Clips wird vor allem das hektische Treiben in der Bundeshauptstadt gezeigt, garniert mit Gegensatzpaaren wie "einfach machen ohne zu planen" oder "einfach vorbeikommen statt ewig zu chatten". Angespielt wird auch auf den aggressiven Verkehr sowie die strapaziöse Wohnungssuche in Berlin.

Schließlich geht es über nach Brandenburg, "an einen Ort, wo 'einfach' nicht weniger bedeutet, sondern mehr". Das Video endet dann mit idyllischen bunten Bildern aus Brandenburg.

Werbung kostet 3,5 Millionen Euro

"Wir können verdammt stolz auf unser Land sein, denn wir haben vieles erreicht. Brandenburg muss aber bundesweit sichtbarer werden. Dafür unsere Kampagne", erklärte Regierungschef Dietmar Woidke (SPD).

Der Slogan trifft derweil unter den fünf Landtagsfraktion auf ein mehrheitlich kritisches Echo. Zwar sei die neue Image-Kampagne Brandenburgs deutlich preiswerter als beispielsweise die von Baden-Württemberg, die acht Millionen Euro kostete. Finanzminister Christian Görke von den Linken hatte dem rbb vor zwei Wochen erklärt, für die Werbung seien in den nächsten drei Jahren 3,5 Millionen Euro eingeplant.

Slogan "Es kann so einfach sein" der Werbekampagne für Brandenburg. (Quelle: Landesregierung Brandenburg)
| Bild: Landesregierung Brandenburg

"Einfach"-Slogan tut sich schwer

Der Slogan sei aber irgendwie trocken, anders als der emotionale Werbefilm, hieß es nun. Das Ganze müsse weiterentwickelt werden, sagte Mike Bischoff, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion. Es gebe schönere Sprüche, die man finden könne – lautet das Zwischenfazit von Thomas Domres von der Linken.

Die Grünen sprechen in Person von Axel Vogel von einem "ziemlichen Fehlschlag" der Werbetexter. Die Landesregierung sei gut beraten gewesen, erst einmal die Bremse reinzuhauen.

Die CDU will, dass der neue Slogan die Region Brandenburg und Berlin gemeinsam anspricht. Der bisherige sei "nichtssagend", so Ingo Senftleben. Und schade um das Geld für einen so "uninspirierten" Slogan sei es, sagte AfD-Fraktionschef Andreas Kalbitz.

Ministerpräsident Woidke stellte sich vor den viel kritisierten Slogan. Er finde ihn gut: "Er drückt vieles aus, auch märkische Bodenständigkeit. Und er zeigt, dass bei uns vieles einfach möglich ist."

Entwickelt wurde das Video - wie die gesamte Kampagne - von der Werbeagentur Scholz & Friends. Damit hat sich Brandenburg die Agentur rausgepickt, die für Baden-Württemberg einen sehr erfolgreichen Slogan entwarf: "Wir können alles. Außer Hochdeutsch."

Brandenburg sagte vielen bislang nichts

Bisher wurden Autofahrer, die die Grenze zum Bundesland querten, an den Autobahnen mit dem Spruch "Neue Perspektiven entdecken" begrüßt. Nun will sich das Bundesland nun ein neues Image geben.

Oder eher: überhaupt eines. Im Sommer vergangenen Jahres hatte eine Umfrage ergeben, dass Brandenburg "in der bundesweiten Wahrnehmung wenig präsent" ist und ein "geringes Profil" besitzt. Touristische Attraktionen des Landes wurden bei den Befragten oft woanders verortet. Die Nähe zur Hauptstadt Berlin war laut Umfrage das Wichtigste, was ein Leben in Brandenburg attraktiv macht. Und ausgerechnet davon distanziert sich die Kampagne nun als erstes.

Kommentar

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33 Kommentare

  1. 33.

    Das ist kein Slogan. Keine Aussage. Keine Zielgruppe. Kein Mehrwert. Schlecht zu merken. Plakatwerbung ohne Vorteile, nur mit weiteren diffusen Aussagen. Was soll mir eigentlich vermittelt werden?

  2. 32.

    Besser wäre wohl : Nimm Essen mit, Du fährst nach Brandenburg. Wohne seit 9 Jahren hier Es ist schön hier, ja idyllisch sogar und allmählich ändert sich durch Zuziehende auch das Angebot in der Region . Den älteren Eiheimischen gefällt das weniger und die jungen Menschen, wenn sie hier bleiben gefällt die Veränderung. Ich schlage vor: mach Dein Ding in Brandenburg

  3. 31.

    Die Exekutive bricht das Recht, die Judikative gibt ihr Recht, das Volk zahlt - Brandenburg. Es kann so einfach sein.

  4. 30.

    Bin gebürtige Brandenburgerin und lebe seit gut 10Jahren in NRW. Es ist so unruhig hier. Für 10km brauchste 30min. Keine Seen an jeder Ecke. Ja, wie ich Brandenburg liebe. Kein Urlaub ohne diesen "Zuhause" zu verbringen. Mit Brandenburg verbindet hier keiner was, der es nicht erlebt hat. Aber ich schätze es für die Landschaft, die Ruhe, die Sprache, die Kultur, das Aufatmen, Abschalten. Der Claim ist an sich gut gewählt, jedoch ist der Spot wirklich mies. Die Kollegen in der Agentur haben sich selbst nicht mit Brandenburg befasst, so scheint es mir, und nur auf Gerede der Auftraggeber gehört. Schade, Brandenburg kann so viel mehr.

  5. 29.

    Einfach- ich verstehe den Grundgedanken. Das Leben in Brandenburg ist nicht einfach! Wir haben einfach nicht verlernt, uns wird einfach abgewöhnt, Wünschen und träumen ist aber erlaubt. Wer mit der Unteren Naturschutzbehörde Märkisch Oderland, oder mit dem Wasser und Schifffahrtsamt Eberswalde, mit der Leitung der Unteren Odertals oder mit andern Würdenträgern zu tun hat, weiß- es ist gar nichts einfach!! Die „Krieger“ in den Amtstuben lösen immer nur ihre Probleme und nicht die Probleme der Bürger! Es könnte einfacher sein, wenn wir mit unsrem Steuergeld fähige Mitarbeiter in den Amtstuben bezahlen, damit das Leben in Brandenburg dann wirklich einfacher wird.

  6. 28.

    Die ganze Kampagne klingt wie: "Ohne Plan und ohne Ziel" .... passt doch zum Land, oder?

  7. 27.

    Die Imagekampgne hat mit "dissen" so was von gar nichts zu tun. Jedes Region muss seine Stärken auch im Vergleich zu anderen Regionen hervorheben dürfen. Brandenburg ist eben unter anderen deswegen attraktiv, weil man in der Natur leben kann, aber eben auch recht schnell in Berlin ist wenn es denn sein muss. Wenn es denn sein muss.

  8. 26.

    Brandenburg stellt hier sein Licht unter den Scheffel, Brandenburg hat mehr zu bieten.....

    .....aber soooo gruselig ist Berlin nun auch wieder nicht, es liegt alles im Auge des Betrachters

  9. 25.

    Ist eher etwas langweilig, als dass gedisst wird. Brandenburg hat viel zu bieten, man sieht davon fast nichts.

  10. 24.

    Der Spot trifft bei mir genau ins Schwarze. Ich bin geborener Berliner und liebe meine Stadt (noch). Ich ertappe mich aber immer mehr bei dem Gedanken, irgendwann mal meine Stadt zu verlassen. Viele Sachen gefallen mir einfach nicht mehr. Übervolle Bahnen, verdreckte und vermüllte Straßen, immer weniger Grünflächen, aggressive Mitbürger, kaputte Verwaltung und, und, und. Zum Glück wohne ich in Treptow-Köpenick, einem Bezirk mit viel Grün und noch halbwegs funktionierendem Umfeld. Im Sommer bin ich gerne in Brandenburg in der schönen Natur. Die Menschen sind bodenständig und unkompliziert. Das alles mag ich. Mich spricht der Spot an, denn er zeigt eine klare Bestandsaufnahme. Weniger ist wirklich manchmal mehr.
    Ich freue mich schon auf den Sommer. Endlich wieder relaxen an einem von vielen Seen im Umland.

  11. 23.

    Die Vermarktung von Brandenburg ist auch mit dem Film erneut fehlgeschlagen. Keine Hinweise auf tolle Denkmäler, neue Landschaften mit Seen , Kanälen u. Wälder durch technische Meisterleistungen. Keine Hinweise auf Spreewald, Uckermark, Fläming u. ä. typische Merkmale, die uns Brandenburger stolz machen. Arbeit, Wohnen, Freizeit sind sowieso die Grundlage einer persönlichen Lebensqualität. Und das sollte in der Summe Brandenburg bekannt machen.

  12. 22.

    Pessimisten sehen in den Spot-Sequenzen aus Berlin natürlich nur negativ grau usw. Ich verstehe das als ein Ist-Zustand von Großstädten allgemein, den übrigens viele dort lebende Menschen super finden. Sonst würden sie ja woanders leben und sich nicht zu Millionen dort ballen. Der Spot zeigt nur die Gegensätze zwischen Hektik, grauen Einheitsfassaden und eben der normalen ruhigen und ja auch bunteren Naturwelt in Brandenburg. Mehr drückt dieser Spot eigentlich ja nicht aus in moderner Clip-Popart.

  13. 21.

    Wie kann denn ein geografisches Gebilde konservativ sein? Wenn Sie's langweilig finden, liegt das wohl eher an Ihnen. Welches Bundesland finden Sie denn nicht langweilig?

  14. 19.

    "Einfach machen, ohne zu planen." ... "oder einfach mal gar nichts machen - ohne das Gefühl, irgendetwas zu verpassen".
    Ein deprimierend ehrliches Fazit und ein ein wundervoller Ausblick in die Zukunft einer Einöde.
    Kein intakte Infrastruktur und viele Funklöcher; nicht mal eine reduzierte digitale Grundversorgung, aber dafür eine bemerkenswerte Natur mit gelegentlich sauberen Seen und ein paar Wildtieren.

  15. 18.

    Ist aber auch ein bisschen schwach, wenn man erst einmal das Schlechte des anderen (Berlin) aufzeigen muss, um dann - in der Story - die eigene Vorteilshaftigkeit (Brandenburg) herausstellen zu können.
    Das ist ein bisschen wie in der Politik - konkret wie die SPD im Bundestagswahlkampf 2017, bei der ein Herr Schulz immer nur auf den anderen rumgehackt hat, ohne groß die eigene Programmatik zu beschreiben.
    Schwach, als gut bezahlte Agentur den gleichen Weg zu nehmen. Und schwach als Auftraggeber, dass so abzusegnen.
    Auch frage ich auch, wie dann der erste Entwurf ausgesehen hat, der offensichtlich verworfen wurde (und nicht der Öffentlichkeit vorgestellt wurde).

  16. 17.

    Eigentlich bedeutet "dissen" einfach nur "jemanden schlecht machen", also jemand diffamieren oder schmähen, was aber auch schon ziemlich gestelzt formuliert wäre. Das Wort stammt urspr. aus dem Englischen bzw. Amerikanischen, über den Hip Hop hat es auch den Weg in die deutsche Sprache gefunden und ist mittlerweile anerkannte Umgangs- und Jugendsprache und taucht auch im Duden auf.

  17. 16.

    "... wer von den Älteren weiss schon, was "disst" heissen tun tut----- "

    Es gibt da in der Tat eine recht einfache Lösung:
    Wenn derjenige, der das Wort einführt, es auch für alle erklärt, die das nicht kennen, kann so ein Wort ein Gewinn sein.

    Allerdings, so meine Erfahrung und so auch eben hier, wird es eben nicht erklärt und damit wird der Anspruch auf Kommunikation untergraben. Mithin keine Kommunikation, sondern das Abschneiden von Kommunikation, weil sich die vermeintlich besser Wissenden von den vermeintlich nicht so gut Wissenden unterscheiden sollen.

    Wenn es mir keiner aufschlussreich erklärt, ignoiere ich das einfach und benutze die Wörter, die mir geläufig sind. Kann ich jedem Menschen nur raten.

  18. 15.

    Einfach geht besser:
    „Brandenburg, da musst du durch!“
    „Brandenburg, Allee, Allee, Allee“
    „Brandenburg, Land mit ohne Berlin“
    „Brandenburg, Naherholungsgebiet für Berliner. Leider?!“
    „Brandenburg, wo Berliner trotzdem nur 70 fahren!“
    „Brandenburg, Achtung Wildgefahr!“

  19. 14.

    Bin gebürtiger Brandenburger und lebe seit 11 Jahren in Berlin.
    Mir spricht der Film an manchen Tagen aus der Seele. Finde es gut.
    Um übergaupt wahrgenommen zu werden, auch von unzufriedenen Bewohnern in Berlin, muss sich Brandenburg als Gegenentwurf zum Berliner Lebensmodell aufstellen.
    Toll wäre wenn man das noch stärker und mit mehr Humor machen würde. Genervte Autifahrer im Stau in Berlin gegenüber leeren Kreuzungen in Provinz, Massenansturm bei Wohnungsbesichtigung gegenüber bezahlbaren Wohnraum....

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