Polizei an einem Tatort mit einem Verdächtigen (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 02.03.2018 | Agnes Taegener | Bild: imago stock&people

Polizeiliche Kriminalstatistik 2017 - Kriminalität in Berlin sinkt deutlich

Diebstahl und Einbrüche sind ein großes Problem in Berlin - doch die Polizei meldet hier Ermittlungserfolge. So sank die Zahl der Taschendiebstähle im vergangenen Jahr um fast 40 Prozent. Doch nicht bei allen Straftaten gab es 2017 einen Rückgang.

In Berlin geht die Zahl der Straftaten zurück. Insgesamt seien 2017 rund 520.000 Straftaten und damit 50.000 weniger als im Vorjahr registriert worden, teilte die Berliner Polizei am Freitag bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik des vergangenen Jahres mit.

"Berlin ist wieder ein Stück sicherer geworden", lautete ein erstes Fazit von Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD). Mit diesem aktuellen Rückgang setze sich ein positiver Trend fort, den Polizei und Innensenat bereits im vergangenen Jahr ausgemacht hatten.

Insbesondere den "Anstieg der Eigentumskriminalität" habe die Berliner Polizei in den zurückliegenden Jahren als Herausforderung wahrgenommen und wirke dem nun spürbar entgegen. Das belegten auch die aktuellen Zahlen, sagte der amtierende Polizeipräsident Michael Krömer: "Dort haben wir erfreulich hohe Rückgänge zu verzeichnen." So seien im vergangenen Jahr die Taschendiebstähle nach kontinuierlichem Anstieg von 2009 bis 2016 um 17.603 Fälle gesunken. "Das entspricht einem Rückgang um 39,4 Prozent."

Bei den Diebstählen insgesamt hatte die Polizei 2016 einen langjährigen Höchstwert von knapp 271.000 angezeigten Diebstählen verzeichnet. Erstmals seit mehr als zehn Jahren sank dieser Wert in diesem Jahr wieder, und zwar deutlich auf rund 228.000 Fälle.

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Polizei meldet Ermittlungserfolge gegen Täterbanden

Zur Begründung der Ermittlungserfolge verwiesen Polizei und Senat darauf, dass es der Polizei gelungen sei, reisende Täterbanden zu stellen und so die Zahl der Taschendiebstähle zu reduzieren. Deutlich sanken demnach auch Einbrüche in Keller und Wohnungen. Insgesamt betrage der Anteil der Eigentumsdelikte an der Gesamtzahl der Straftaten knapp 44 Prozent.

Aufklärungsquote stieg leicht

Neben dem deutlichen Rückgang der Kriminalität könnten die Ermittler auch auf eine verbesserte Aufklärungsquote verweisen, hieß es bei der Vorstellung der Zahlen. Diese stieg im vergangenen Jahr leicht um 2,2 Prozent auf 44,2 Prozent.

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Einen Anstieg der Fallzahlen registrierte die Polizei bei den gefährlichen Körperverletzungen. Auch habe es mehr Fälle von Angriffen auf Rettungskräfte gegeben, wie es hieß.

Die Zahl politisch motivierter Delikte ging dagegen um zehn Prozent zurück. Insgesamt seien hier 4.239 Fälle registriert worden. Dabei sank vor allem die Zahl der politisch motivierten Gewaltdelikte um mehr als ein Drittel (36 Prozent) auf 482 Fälle.

Bei rechts motivierten Straftaten stieg die Gesamtzahl der Delikte um acht Prozent auf 1.942, den höchsten Stand seit zehn Jahren. Während die rechten Gewaltdelikte zurückgingen (minus 30 Prozent auf 117 Fälle im Jahr 2017), nahmen Propagandadelikte, Fälle von Volksverhetzung und Sachbeschädigung sowie öffentliche Aufforderungen zu Straftaten zum Teil erheblich zu.

Zwar war auch schon 2016 die Zahl der Straftaten insgesamt leicht rückläufig, im Vergleich zu 2015 hatte es aber im vergangenen Jahr noch mehr Diebstähle und Körperverletzungen gegeben. Vor allem waren damals noch deutlich mehr Taschendiebstähle registriert worden.

Geisel hatte zuletzt eine Erneuerung der Polizei gefordert und damit die Versetzung des bisherigen Polizeipräsidenten Klaus Kandt in den einstweiligen Ruhestand begründet. Um die Aufgaben wie Kampf gegen Alltagskriminalität, Abwehr des islamistischen Terrorismus oder Ausbildung von Nachwuchs bewältigen zu können, brauche es einen Neuanfang.

Anhaltend hoher Anstieg bei der Internetkriminalität

Einen deutlichen Anstieg zeigt die Statistik bei Fällen von Internetkriminalität. Allein im Jahresvergleich nahm hier die Zahl der angezeigten Taten um zehn Prozent zu. Der Berliner Polizei zufolge ist mit den 2017 registrierten rund 26.800 Fällen ein neuer Zehnjahreshöchstwert erreicht. Gleichzeitig lag hier die Aufklärungsquote vor zehn Jahren noch bei rund 60 Prozent, im vergangenen Jahr dagegen konnten die Ermittler lediglich ein Drittel der Taten aufklären.

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Die statistische Erfassung und der Vergleich der Taten im Bereich dieser sogenannten "Cyberkriminalität" wird zudem dadurch erschwert, dass viele Taten nicht in der Statistik auftauchen. Aktuell gilt hier: Die Tat wird dort dort registriert, wo der Täter handelt. Geschädigte Berliner also wurden nicht erfasst, wenn der Täter, also betrügerische Betreiber von Geschäftsseiten, im Ausland saß und also von dort aus die Berliner schädigte. Künftig allerdings fließen die Taten dort in die Statistik ein, wo der Geschädigte lebt.

Anstieg der Sexualdelikte - verursacht auch durch neue Erhebungsgrundlage

Bei den Sexualdelikten weist die Statistik einen Anstieg um rund 900 auf knapp 3800 Fälle (32,2 Prozent) aus. Dies hänge vor allem mit einer umfassenden Strafrechtsverschärfung im Bereich der Sexualdelikte zusammen, hieß es bei der Vorstellung der Zahlen. Die Statistik nun enthalte für 2017 knapp 500 Vorgänge der "sexuellen Belästigung", einem Tatbestand, der zuvor als Beleidigung erfasst worden war. Ein Zahlenvergleich der Jahre allein anhand der Fallzahlen sei hier nicht möglich.

Kommentar

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34 Kommentare

  1. 34.

    wenn man die eingestellten Ermittlungen nicht mitrechnet ...wel nicht zeitnah wegen Überlastung ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde kann man es schön reden ...wie stand in der BERLINER ZEITUNg vor nicht langem ...allein 200 Sexualstraftaten am Alex von bekannten gruppen ,,,und der berliner Generalstaatsanwalt findet auch deutliche Worte

    https://www.tagesspiegel.de/berlin/brandbrief-aus-dem-berliner-landgericht-wir-sind-am-ende-wir-koennen-nicht-mehr/20482300.html

    https://www.berliner-zeitung.de/berlin/berlins-justiz-ueberlastet---74-500-strafverfahren-wurden-2016-eingestellt-26893704

    74.500 ermittlungsverfahren eingestellt ...von Ladendiebstahl bis gewalttaten ..

    wie war das 2015 Sylvester zu Köln ...Hamburg und anderen städten von 1200 Anzeigen kamen nur 21 !!!! in die statistik der Rest eingestellt weil nicht ermittelbar

  2. 33.

    Ich gehe davon aus, dass viele Straftaten wegen der Unfähigkeit des Staates nicht mehr angezeigt werden.

  3. 32.

    "Kriminalität in Berlin sinkt deutlich"

    Huch, was ist denn passiert? Gab es mehr junges Personal, geringeren Krankenstand, urteilte die Justiz härter, kamen die Kriminellen vor lauter Lachen nicht zu ihren Taten? Oder war es fehlender Kontroll und Fahndungsdruck?
    Vielleicht ist aber auch einfach schon 1. April?

  4. 31.

    Ihnen ist schon klar, dass es auch noch andere Presseorgane gibt als nur die Springerpresse, oder? Im übrigen schließe ich mich @ Versteher(24) durchaus an.

  5. 30.

    Einbrüche zurück gegangen ????, ist doch klar wer treibt sich bei dem Wetter im freien rum laßt mal den Frühling kommen und macht dann eine neue Statistik

  6. 27.

    Ach RBB,
    ich hoffe es war nur ein versehen, das mein Beitrag zur Diskussion von gestern 17:26 Uhr nicht veröffentlicht wurde. Dieser bezog sich auf den Kommentar von gernot (16:34 Uhr) und lautete:

    Gefährder sein ist erst mal auch keine Straftat.
    Ich will in einem freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaat leben, in dem ich keine Angst haben muss das Leute wie Sie diesen abschaffen wollen.
    Ich gehe also recht in der Annahme das Nordkorea dann auch das Land ist in welches Sie abgeschoben werden möchten. Dort finden Sie sicher die sichere Stadt in der Sie keine Angst vor Messerbesitzern und ethnisch oder religiös motivierten Terroristen haben müssen.

    Sollte das nicht veröffentlichen doch Absicht gewesen sein, so verraten Sie mir bitte wo ich den nun schon wieder gegen Ihre Netiquette verstoßen habe (rbb24 ist hier teils sehr willkürlich). Ich will gernot nicht beleidigen. Ich will ihm nur klar machen das dieses von ihm geforderte rigorose Abschieben von Gefärdern Blödsinn ist.

  7. 26.

    Lieber R. Reinike, woher genau nehmen Sie die Zahlen? An dieser Stelle sei noch hinzuzufügen, ja, rechts motivierte Gewaltdelikte sind weniger als links, beide Zahlen haben sich deutlich nach unten verbessert. Wohingegen aber das Gesamtaufkommen rechts motivierter Kriminalität deutlich höher liegt als von links und im Vergleich zum Vorjahr angestiegen ist. Links motivierte Kriminalität ist insgesamt gesunken. Grüße aus der Redaktion

  8. 25.

    .. Schießstände: Herr Glietsch und Frau Koppers;
    ..Polizeiakademie: Frau Koppers, denn ihr unterstand als Vizepräsidentin die PA direkt;
    ..der Verbrecher vom Breitscheidplatz, geschönte Akten, da gehe ich mit.

  9. 24.

    Haben Sie sich von dem hysterischen Geschrei bereits anstecken lassen, eher ist doch die Gefahr jetzt Grippeviren übertragen zu bekommen viel Größer, oder???
    Ich fühle mich in der Stadt jedenfalls sicher.

  10. 23.

    (gernot schrieb: >Was ich will ist eine sichere Stadt, in der man keine Angst vor Messerbesitzern und ethnisch oder religiös motivierten Terroristen haben muss.>)

    .
    @ IchMeinJaNurSamstag,
    >Was bitte sind denn "ethnisch motivierte Terroristen"? Sie betreiben hier einfach nur plumpe Hetze, das ist alles.<

    >Das BKA hat innerhalb eines Jahres knapp 100 christenfeindliche Angriffe registriert – darunter ein Mord und neun Körperverletzungen. <(Zitat: morgenpost)
    >Das Hilfswerk "Open Doors" dokumentiert 743 Fälle von religiös motivierter Gewalt gegen christliche Flüchtlinge in deutschen Asylunterkünften<
    Quelle der Zitate:
    morgenpost(de), 02.02.18 >RELIGION Gewalt gegen Christen: Fast 100 Übergriffe in Deutschland<
    https://www.morgenpost.de/politik/article213295891/Gewalt-gegen-Christen-Fast-100-Uebergriffe-in-Deutschland.html
    10:09


  11. 22.

    Das ist doch ein Witz! Das Problem ist doch das nicht alles zur Anzeige gebracht wird und die Opfer oft keine Chance zu der Aufklärung sehen.

  12. 21.

    Vielleicht sollte man, wenn die rechts motivierte Gewalt im Detail durchdekliniert wird, darauf hinweisen, daß links motivierte Gewalt immer noch 2,5 höher liegt als rechts motivierte, was auf der Analyseebene doch eine gewissen Relevanz in der Maßstäblichkeitsbetrachtung haben sollte. Für linksmotivierte gilt: Die Gewaltdelikte sanken von 438 Fällen im Jahr 2016 um 188 auf 250 Fälle im Jahr 2017 (43 %). 163 Fälle ereigneten sich im Zusammenhang mit demonstrativen Ereignissen. Im Jahr 2016 waren es 293 Fälle.

  13. 20.

    Man könnte es auch als politisch motiviert bezeichnen, läuft aufs gleiche raus.
    Wenn sich zwei Volksgruppen terrorisieren, dann muss das nicht religiös bedingt sein, es ist dann ethnisch oder politisch begründet. Kurden gegen Türken wäre ein Beispiel. Wobei dort momentan ja wohl eher der türkische Staat die unrühmliche Rolle spielt.

  14. 18.

    Was bitte sind denn "ethnisch motivierte Terroristen"?

    Sie betreiben hier einfach nur plumpe Hetze, das ist alles.

  15. 17.

    Kriminalität in Berlin sinkt deutlich?
    Ja, weil der kluge Berliner Straftaten nicht mehr anzeigt, da die Aufklärung so gering ist, das es Zeitverschwendung ist eine Anzeige bei der Polizei zu machen!!!

  16. 16.

    Warum wurde der Polizeipräsident noch mal abgesetzt? Partei-Klüngel war es angeblich nicht.

  17. 15.

    Auf Radio1 wurde gerade gemutmaßt, daß der Rückgang der Einbruchdiebstähle in Berlin durch das ausweichen der Ganoven auf das Land Brandenburg zurück zu führen ist.
    War sicher als Scherz gemeint, aber in jeder Satire ist ein Körnchen Wahrheit.

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