Demonstration von "Autonomen Nationalisten" in Berlin (Quelle: Imago/Christian Ditsch)
Video: rbb Aktuell | 13.03.2018 | Bild: Imago/Christian Ditsch

Berlin und Brandenburg - Opferberater registrieren Rückgang rechter Gewalt

Rechte Gewalt ist in der Region deutlich rückläufig. Zumindest besagen das die Zahlen der Opferberatungsstellen für das vergangene Jahr. Doch weder die Opferperspektive Brandenburg noch ReachOut aus Berlin sehen einen Grund für Entwarnung.

Die Zahl der gemeldeten rechten Gewalttaten ist in Berlin und Brandenburg im vergangenen Jahr zurückgegangen. Das teilten die Berliner Opferberatungsstelle ReachOut und der Brandenburger Verein Opferperspektive am Dienstag unabhängig voneinander mit.

ReachOut registrierte 267 Angriffe im Jahr 2017. Das sind 113 weniger als im Jahr zuvor. Obwohl die Angriffe damit um fast 30 Prozent sanken, gebe es keine Entwarnung, sagte Sabine Seyb von der Beratungsstelle am Dienstag in Berlin. Bei den Angriffen seien mindestens 374 Menschen verletzt, gejagt und massiv bedroht worden, darunter auch 22 Kinder.

Trotz des Rückgangs auch in anderen Bundesländern bleibe Berlin die Hauptstadt der Angriffe (statistisch 7 pro 100.000 Einwohner), sagte Seyb. Zu den meisten Taten kam es im Innenstadt-Bezirk Mitte mit vielen Partytreffs (60 Taten).

Weniger rassistisch motivierte Angriffe

Das häufigste Motiv war laut ReachOut Rassismus (140 Taten), obwohl rassistisch motivierte Delikte um 48 Prozent gegenüber 2016 sanken. Es gebe kaum noch Aufmärsche gegen Flüchtlinge und deren Unterkünfte. Rechte Attacken gegen politische Gegner nahmen hingegen auf 40 Fälle zu (2016: 32 Fälle).

Die Zahl der homofeindlichen Angriffe bliebt mit 67 konstant hoch (2016: 70). Registriert wurden zudem 13 antisemitische Angriffe (2016: 31). Anders als die Polizei wertet ReachOut als Angriffe nicht nur Gewaltdelikte, sondern auch Bedrohungen.

Mehr als 200 Körperverletzungen registriert

Die meisten Angriffe waren demnach Körperverletzungen (einfache, gefährliche und schwere - insgesamt 209). Auch sieben Brandstiftungen sowie 46 Fälle von Nötigung und massiver Bedrohung wurden erfasst.

Die Zusammenarbeit mit der Polizei schätzte Seyb als kritisch-distanziert ein. Sie sehe Differenzen bei der Einordnung von Taten. Betroffene müssten ernst genommen werden. Die Beratungsstelle wird vom Land finanziert.

Register in den zwölf Berliner Bezirken, die auch rechte Aufkleber, Schmierereien und Pöbeleien auflisten, verzeichneten dagegen mit 2.800 Vorfällen einen Anstieg (plus 123 Fälle). Mehr als die Hälfte seien Propagandadelikte. Koordinatorin Kati Becker sagte: "Hakenkreuze werden mittlerweile überall beobachtet."

Auch in Brandenburg trotz Rückgang keine Entwarnung

In Brandenburg wurden im vergangenen Jahr dem Verein Opferperspektive zufolge insgesamt 171 rechte Angriffe bekannt, 2016 waren es 221.

Bei diesen Angriffen wurden im vergangenen Jahr 264 Menschen Opfer dieser Gewalttaten, 2016 waren es noch 335. Grund zur Entwarnung gebe es jedoch nicht, die Zahl liege weiter deutlich über dem Niveau des Zeitraums von 2002 bis 2014. Die Zahl der Körperverletzungen unter den Gewalttaten sei mit 148 zugleich die zweithöchste, die im Rahmen des seit 2001 laufenden Monitorings der Opferperspektive jemals erfasst worden sei.

84 Prozent aller Fälle seien rassistisch motiviert gewesen, sagte die Geschäftsführerin der Beratungsstelle, Judith Porath, am Dienstag in Potsdam. 264 Menschen waren den Angaben nach direkt und 161 indirekt betroffen, etwa als Zeugen oder Angehörige. 2016 waren es insgesamt knapp 500.

84 Prozent der

insgesamt 171 Fälle seien rassistisch motiviert gewesen, sagte die

Geschäftsführerin der Beratungsstelle, Judith Porath, am Dienstag in

Potsdam. 264 Menschen waren den Angaben nach direkt und 161 indirekt

betroffen, etwa als Zeugen oder Angehörige. 2016 waren es insgesamt

knapp 500. Die Zahlen liegen über dem Niveau der Jahre 2002 bis 2014,

bevor 2015 Zehntausende Flüchtlinge ins Land kamen.

Meiste rechte Angriffe wieder in Cottbus

Wie bereits im Vorjahr wurden in Cottbus mit 32 die meisten rechtsmotivierten Angriffe registriert. In der Stadt gebe es eine gewalttätige Stimmung vor allem gegenüber Geflüchteten, kritisierte der Verein. Es fehle die gesellschaftliche Antwort auf die Gewalttaten.

Die 143 rassistisch motivierten Gewalttaten seien 2017 meist im Umfeld von Demonstrationen verübt worden. Auch Angriffe durch Rechte auf politische Gegner wurden gemeldet (25, 2016: 24). In Kremmen und Templin wurden zudem zwei Brandstiftungen verübt.

Betroffen mache die steigende Zahl von Übergriffen auf Kinder, sagte Opferberater Hannes Püschel. Ihr Anteil habe bei etwa 13 Prozent gelegen. 2016 seie es nur 6,5 Prozent gewesen.

Der Verein berät Betroffene von rechter Gewalt und zählt seit 2001 Vorfälle, jedoch nach anderen Kriterien als das Innenministerium.

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 11.

    So ein Quatsch!

    Ihre und ihresgleichen Beiträge erfüllen einen perfiden Zweck. Meinungshoheit herzustellen und die Öffentlichkeit dahingehend zu täuschen indem sie versuchen eine Mehrheit vorzutäuschen die es in Wirklichkeite gar nicht gibt.

    Grüße an Lea, Lona, Alexander und wen noch alles...

  2. 9.

    Das Foto sieht mir eher aus wie Teilnehmer aus dem schwarzen Block ?? wo soll das denn gewesen sein ???

  3. 8.

    Ich finde es spannend, wie von gewissen Leuten jedes Forum dazu genutzt wird, von ihnen abweichende Meinungen, gleich als die von Andersdenkenden zu diffamieren. Ich dachte, die von mit gestellte Frage (#2) wäre von allgemeinen Interesse und sollte nicht für demagogische Angriffe herhalten. Wenn eine doch recht simpel strukturierte Denkweise zu nichts anderes führt, als die Welt im Böse (Nazis u.a.) und Gute (Linke) einzuteilen, dann ist dem eigentlich nichts hinzu zu setzen. Es ist nur erschreckend. Wie vernebelt doch dann die Wahrnehmung ist, deutet schon die Frage. "Welche Opfer "linker" Gewalt meinen sie denn und wieviele kennen sie?" Impliziert nicht das schon, dass es gar nicht möglich sein kann, dass es Opfer von "Linkradikalen Angriffen" gibt?Einige der hier versammelten Protagonisten scheinen ja doch auf dem einen Auge hellwach, auf dem anderen eher blind. Gewalt und Opfer - https://de.indymedia.org Und mal ganz ehrlich: beide Gruppierungen sind für mich Abschaum.

  4. 7.

    Hallo Lothar, Sie haben vollkommen recht, wenn Sie sagen, dass Gewalt von keiner politischen Seite akzeptabel ist. Leider sehen das auch hier nicht alle so. Ob ein Auto eines Linken- oder AfD-Politikers abgefackelt wird, ob jemand abgeschlagene Flaschen oder Pflastersteine wirft (was schwerste bis tödliche Verletzungen verursachen kann) oder Parteibüros angegriffen werden, es ist alles gleich kriminell und zu bekämpfen. Wer Argumente hat, braucht keine Gewalt!
    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2018/03/neukoelln-brandanschlaege-einstufung-als-terror-gefordert.htm/
    Kommentar #21 ist trotz gegenteiliger Ankündigung absolut entlarvend! Meine scharfe Antwort darauf #23 wurde leider wieder gelöscht.

    Zum Thema dieses Artikels hier: Gut, dass die rechte Gewalt deutlich rückläufig ist, noch besser wäre, wenn es gar keine mehr gäbe.

  5. 6.

    Nur geht es in diesem Bericht nicht um Linksextrimistische/terroristische Gewalt und bei dieser Statistok die aufgestellt wurde schon gar nicht. Und keine Gewalt, woher diese auch kommen mag, ist eine gute Gewalt. Immer schön beim Thema bleiben.Auch wenn’s schwerfällt.

  6. 5.

    Kein Beitrag Rechter der ohne "whataboutism" auskommt. So weit , so schlecht.

    Welche Opfer "linker" Gewalt meinen sie denn und wieviele kennen sie? Und bitte keine dubiose Quellen ihrer Gesinnungsgenossen.

  7. 4.

    Ich kann Ihnen zu 100% Recht geben. Hier spielen auch die Medien eine Rolle, die linksextremistische Gewalt verharmlosen. Das sind dann nur Linksaktivisten oder Linksautonome. Laut Grüne ist ja die Linksextremistische/terroristische Gewalt die gute Gewalt.

  8. 3.

    Traue niemals dem Rechten Mob. Es brodelt ständig unter der schmutzigbraunen Oberfläche. Da helfen auch gutgemeinte Statistiken nicht.

  9. 2.

    Schöne Zahlen, die einem da präsentiert werden. Akribisch aufgearbeitet. Mit Hintergründen und Querverweisen. Fundiert.
    Bleibt für mich nur die Frage, wird bei der Aufarbeitung der linksradikalen An- und Übergriffe die selben Maßstäbe angelegt? Und wann kommen diese Zahlen? Gibt es da auch Anlaufstellen, wo sich Opfer linker Gewalt beraten lassen können? Und wo sind diese.

  10. 1.

    Im Vergleich zu 2016!?
    Wie sieht es denn aber im Vergleich zu den Vorjahren aus? Wenn 2015/2016 die rechte Gewalt wesentlich höher gewesen sein sollte als z.B. 2014, fände ich diese Statistik hier nicht so dolle.

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