Symbolbild: Blick in einen leeren Klassenraum. (Quelle: dpa/Skolimowska)
Inforadio | 26.04.2018 | Kirsten Buchmann | Bild: dpa/Skolimowska

Datenauswertung | Schulen im Vergleich - Berliner Unterrichtsausfall trifft vor allem Grundschulen

Zwei Prozent der Unterrichtsstunden sind in Berlin im vergangenen Schuljahr im Schnitt ausgefallen. Eine Datenauswertung von rbb|24 zeigt allerdings: Der Ausfall war nicht gleich verteilt. Zwischen den Schulen gab es große Unterschiede. Von Kirsten Buchmann

Sind Lehrer krank und Ersatz fehlt, dann fällt der Unterricht aus. In Berlin waren das im vergangenen Schuljahr im Schnitt zwei Prozent der Unterrichtsstunden, das zeigen Zahlen der Bildungsverwaltung, die rbb|24 ausgewertet hat. Der Unterrichtsausfall ist allerdings recht ungleich verteilt: An zahlreichen Schulen wurde er nämlich mit weit unter zwei Prozent registriert - an anderen Schulen liegt er sogar über zehn Prozent. An der Ebereschen-Grundschule in Marzahn sind es sogar 13,7 Prozent.  

Es sind vor allem Grundschulen, an denen viel Unterricht ausfällt - Sekundarschulen und Gymnasien sind vergleichsweise weniger betroffen. Ein Grund ist nach Angaben befragter Schulleitungen, dass es an den meist kleineren Grundschulen stärker ins Gewicht fällt, wenn mehrere Lehrer oder Lehrerinnen wegen Krankheit, Kur oder Mutterschutz fehlen. Diese drei Gründe verursachen den größten Anteil der anfallenden Vertretungsstunden - nämlich 60 Prozent.

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Förderunterricht bleibt teilweise auf der Strecke

Zum Teil ziehen Schulen auch Lehrer für Vertretungsstunden heran, die eigentlich für Sprachförderstunden oder so genannte Teilungsstunden eingeplant waren. Diese Förderstunden fallen dann aus - dafür kann der Fachunterricht stattfinden, denn der wird ja vertreten. Beides zusammen geht angesichts der knappen Personaldecke eben oftmals nicht.

Diese Strategie sieht der Bildungsexperte der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Paul Fresdorf, kritisch. Mit den Förderstunden würden Stunden für die Kinder wegfallen, die dringend Unterstützung bräuchten: "Das ist aus meiner Sicht ein wirklich starker Einschnitt in der Qualität und in der Förderung gerade von leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern."

An manchen Schulen ist der Anteil des Vertretungsunterrichts im Verhältnis zum regulär stattfindenden Unterricht auch extrem hoch. An der Lemgo-Grundschule in Kreuzberg beispielsweise werden zwei Fünftel des Unterrichts vertreten.

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Scheeres sieht Mitverantwortung der Schulleitungen

Den Schulen gelingt es offenbar unterschiedlich gut, den Unterrichtsausfall zu begrenzen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) erklärt, das liege möglicherweise auch am  Management der jeweiligen Schulen: "Wenn immer wieder viele Lehrkräfte krank sind oder vielleicht auch die gleichen Lehrkräfte, dann muss man sich ein bisschen tiefer damit auseinandersetzen, ob das auch etwas mit der Schule selbst zu tun hat", meint die Bildungssenatorin. In Einzelfällen könne das auch am Klima oder dem Team liegen, sagt Scheeres: "Und das bedeutet, dass die Leitung sich dann darüber Gedanken machen muss, wie man mit diesen Situationen umgeht."

Die Schulleiter müssten ihre drei Prozent Vertretungsmittel gut einsetzen, die sie zusätzlich zu ihrer Personalausstattung für ihre Schulen bekommen, meint die Senatorin. Damit könnten sie zusätzliches Personal einstellen.

Schulleiter fordern Vertretungsreserve

Die Rektoren kontern: Vertretungslehrer seien rar - besonders am Stadtrand oder für Brennpunktschulen. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Tom Erdmann, fordert, die Schulen regulär mit zehn Prozent zusätzlichem Personal als Reserve auszustatten: "Keine Fußballmannschaft geht ohne Ersatzspieler aufs Feld. Das muss auch für die Schulen gelten."

Auch der FDP-Abgeordnete Paul Fresdorf will ein besseres Polster. Wie aber das nötige Personal an Bord kriegen, angesichts des Mangels an Lehrern? Ganz einfach, meint FDP-Politiker Fresdorf: Man müsse deren Arbeit attraktiver machen. Fresdorf stellt sich dafür sanierte Schulen und eigene Lehrer-Arbeitsplätze vor.

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Beitrag von Kirsten Buchmann

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Frau Schere würde gut daran tun, die Realität zu erkennen.
    https://www.gew-berlin.de/public/media/Schwarzbuch_pkb.pdf
    Drei Prozent sich Personalkonstenbudgetierubg sind weit entfernt von der Notwendigkeit bei akuten Ausfallanufungen. Wenn dann noch dazu viele Schulleitungen die Vertretungszahlen beschönigen, welche an die Schulämter im Bezirk weitergegeben werden dann ist das noch die Krönung. Dazu noch der Umstand, dass die Lehrer/innen in Berlin nicht verbeamtet werden. Für Lehramtsberufeinsteiger/innen total wichtig.
    In Berlin sind die Geburtenraten seit 7-8 Jahren so jochgeschellt, warum haben dann Bildungspolitiker/innen nicht an Gymnasien simultan Werbung gemacht für Lehramtsstudiengänge sowie Siedlungsverhalten von Jungfamilien untersucht?

  2. 2.

    In der Berliner Zeitung hieß es doch vor den Wahlen in einem schönen Kommentar: Wenn die SPD 100%ig verlässlich zusichern würde, dass Frau Scheeres nicht das Bildungsministerin weiter führe, dann würde er evtl mal wieder in Erwägung ziehen, SPD wählen. Vielen Dank auch für Ihren Kommentar!

  3. 1.

    Bei solchen tiefgründigen soliden Ursachenanalysen von Frau Scheeres brauchen wir uns um die Zukunft des Unterrichtsausfalls keine Sorgen mehr machen. So werden die altgedienten Lehrer immer wieder neu motiviert und werden das Rentenalter locker erreichen, ja sogar länger arbeiten wird selbstverständlich werden. Vertretung des Fachlehrers ist zu 100% gleichwertiger Ersatz im Lernerfolg der Schüler und Durchschnittswerte lesen sich gut: "Im Durchschnitt war der Bach ein Meter tief - trotzdem ist die Kuh ersoffen"

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