Straßenschild an der Petersallee, Ecke Afrikanische Straße. (Quelle: dpa/Schoening)
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Afrikanisches Viertel in Berlin - Bezirksverordnete stimmen Straßenumbenennung zu

Anna-Mungunda-Allee, Bell-Platz und Maji-Maji-Allee: Die Bezirksverordnetenversammlung in Mitte hat beschlossen, die umstrittenen Namen im Afrikanischen Viertel im Stadtteil Wedding zu ändern.

Drei Straßen mit den Namen deutscher Kolonialherren im Afrikanischen Viertel in Berlin-Wedding werden umbenannt. Wie die Bezirksverordnetenversammlung Mitte am Donnerstag beschlossen hat, soll die Lüderitzstraße in Zukunft Cornelius-Frederiks-Straße heißen.

"Mit den Umbenennungen und den damit verbundenen Ehrungen leistet die BVV Mitte einen
Teil zur Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte", so Bern Schepke (Grüne), Mitglied im Ausschuss für Bildung und Kultur in einer Mitteilung am Freitag. Benjamin Fritz von der Berliner CDU sagte, "mit dem Beschluss der BVV hat das unwürdige Verfahren um die Umbenennungen ein vorläufiges Ende gefunden". Fritz bemängelte aber, dass keine transparente Bürgerbeteiligung zur Umbenennung stattgefunden habe.

Der Namensgeber der Cornelius-Frederiks-Straße führte den Widerstand des Nama-Volks in der einstigen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, heute Namibia, an. Frederiks starb 1907.

Der Nachtigall-Platz soll künftig Bell-Platz heißen - in Erinnerung an Rudolf Doula Manga Bell (1873-1914), König der Duala im heutigen Kamerun, der sich mit seiner Frau Emily (1881-1936) gegen die Kolonialherrschaft auflehnte.

Die Petersallee soll von der Müllerstraße bis zum Nachtigalplatz (Bell-Platz) (Hausnummern 1-26) in Anna-Mungunda-Allee umbenannt werden. Die Angehörige der Herero (1932-1959) war die erste Frau in Namibia, die die Unabhängigkeitsbewegung unterstützte.

Vom Nachtigalplatz bis zur Windhuker Straße (Hausnummern 27-34) soll die Petersallee Maji-Maji-Allee heißen. Beim Maji-Maji-Aufstand von 1905 bis 1907 erhob sich die Bevölkerung im Süden Deutsch-Ostafrikas gegen die deutsche Kolonialherrschaft.

In dem gemeinsamen Antrag von Grünen, Linke und SPD hieß es, das Afrikanische Viertel glorifiziere bislang immer noch den Kolonialismus und seine Verbrechen. Das beschädige auf Dauer das Ansehen Berlins.  

Die ursprünglichen Namensgeber Adolf Lüderitz (1834-1886), Gustav Nachtigal (1834-1885) und Carl Peters (1856-1918) gelten als Vertreter und Wegbereiter des deutschen Kolonialismus.

Ghana-, Togo- und Sansibarstraße

Der Sprecher für Antidiskriminierung der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Sebastian Walter, begrüßte die Entscheidung der BVV. Berlin stehe erst am Anfang einer kritischen Aufarbeitung seiner Kolonialgeschichte. Das Bezirksamt muss der Entscheidung noch zustimmen.

Im Afrikanischen Viertel erinnern fast zwei Dutzend Straßen und Plätze an die Zeit, als die Deutschen im 19. Jahrhundert neben anderen europäischen Mächten "einen Platz an der Sonne" ergattern wollten. Sie heißen Ghana-, Togo- oder Sansibarstraße - neben Ländern, Flüssen und Städten sind in dem Weddinger Kiez auch die drei Kolonialherren verewigt.

Alte und neue Namensgeber

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21 Kommentare

  1. 21.

    Also ich 2005 ins afrikanische Viertel gezogen bin, standen unter all diesen Straßennamen noch kleinere Erklärungsschildchen mit deutlichem Bezug zur Kolonialzeit. Dann waren die Schildchen plötzlich weg. Dann hingen sie wieder dran, allerdings ohne den Bezug zur Kolonialgeschichte. Für mich ist die Umbenennung der Straßen verkehrt umgesetztes Geschichtsbewusstsein. Die Erklärungsschildchen (warum auch immer die entfernt wurden) fand ich sehr viel deutlicher und besser.

  2. 20.

    Kolonialität ist thematisch in Deutschland weit unterrepräsentiert, um es diplomatisch auszudrücken. Es ist ein nahezu unangetasteter Abschnitt deutscher Geschichte. Im Zuge einer langfristigen Bildungskampagne sind die Umbenennungen und ihre Vorschläge angemessen, aber natürlich nur ein obligatorischer Teil von vielen zu folgenden.

    Etwa das Humboldt-Forum und die "Stiftung Preußischer Kulturbesitz", schon dem Namen nach im Imperialismus der Kaiserzeit verhaftet, zeigen doch deutlich, wie unreflektiert mit kolonialer Geschichte und auch Aktualität in Deutschland umgegangen wird. Einen Preußen-Glanz-und-Gloria-Bau soll es auf Biegen und Brechen geben, zu dieser "Wiederherstellung" oder vielmehr verklärender Konstruktion ist man bereit, aber von Provenienzforschung oder Restitution, gerade auf dem Niveau eines Macron, geschweige denn Reparationen, z.B. an Herero, ist auch auf Bundeseben nicht im Entferntesten angemessen die Rede.

  3. 19.

    Diesen Zeitgeist gab es so nicht. Es gehörte damals genauso zur öffentlichen Debatte, Kolonialpolitik und Chauvinismus zu widersprechen. Das hat damals sogar noch die SPD gemacht. Ob sie es wollen oder nicht, menschliche Gesellschaft ist immer divers.
    bei so vielen logischen Fehlern und Auslassungen scheint das bei ihnen Absicht zu sein. Ihre Aussagen sind herablassend und es sollte allen klar sein, aus welcher Richtung bei ihnen der Wind weht.

  4. 18.

    Weil andere Autos stehlen darf ich das dann als Begründung heranziehen wenn ich ihr Auto stehlen will?

    Eine nach Personen benannte Straße ist immer eine Würdigung, eine Ehrung.

    Und ihre Schlußfolgerung ist kindisch.

  5. 17.

    Mit der Straßenumbenennung bin ich zu zwei Drittel einverstanden. Gustav Nachtigal zu entfernen ist "gefährlich". Er war weder "Rassist" noch Kolonialist. Wenn sein Name entfernt wird, haben wir in Berlin richtig viel zu tun. Auch so ganz prominente und liebgewonnene Namen wie der von Clara Zetkin, Maxim Gorki, Konrad Adenauer, Wrangel, Bergius und viele, viele andere gehören auf den Prüfstand. Was ist mit Virchow, der eine Bezahlung weiblicher Ärzte verhinderte usw. usf.
    Auch die reaktioäre Wortwahl stört mich: "Rassismus", dann aber "Indigene". Sprachgebrauch ist schwer, nicht wahr?

  6. 16.

    Alle Reiche und Staaten haben es als damaligen Zeitgeist und Lieblingsbeschäftigung angesehen, die damals untergeordnet angesehen Rassen zu kolonialisieren, unterdrücken und Ländereien zu ergattern.
    Oder fordert man jetzt die US-Bürger umgehend auf das Nordamerikanische Land zu verlassen? Was ist mit den Australiern, Briten, Franzosen, Belgiern, Niederländern, Portugiesen, Spaniern? Die haben Kolonien behalten.
    Da denkt keiner nach ob man irgendeine unwichtige Straße in Mumbopumpu-Street umbenennt, wozu auch.
    Man sollte zu der Geschichte stehen, rot/grün hat damit ein Problem.
    Dann bitte auch keinen Hitler, Wilhelm, Fritz, Bismarck oder WWI/WWII-Dokus im TV zeigen! Und alles verschrotten was damals erfunden wurde. Alles.

  7. 15.

    Welche historische Aufarbeitung findet denn nach der Umbenennung statt? Zumindest eine kleine Tafel mit Infos zu den geschichtlichen Hintergründen wäre hilfreich....
    Steht eigentlich der Hindenburgdamm auch auf der Umbenennungs- Agenda???

  8. 14.

    Es ist doch ganz einfach, die Deutschen haben den Leuten unglaublich viel Leid angetan und sie ausgebeutet. Die Straßen umzubenennen ist da der richtige Schritt. So etwas ist ja immer auch eine Würdigung und da ist es ganz richtig, die Menschen zu würdigen, die sich gewehrt haben gegen diese brutalen Leute.

  9. 12.

    Trauern sie dem Deutschen Kaiserreich und der Kolonialzeit etwa nach?

    Finden sie man hat auch Erinnerungen und Geschichte zerstört als man den Adolf Hitler Platz umbenannt hat?

  10. 11.

    Als es in unserer Stadt eine Straßenumbennenung gab, haben die Bürger zumindest kostenlos ihre Ausweise usw. ändern lassen können.
    Aber Bürger UND Verwaltung haben ja nichts besseres zu tun, als diesen ganzen Aufwand zu betreiben... Gutmenschen sei dank.

  11. 10.

    So zerstört man Erinnerungen und Geschichte.

  12. 9.

    Ich finde es eher problematischer Straßen nach ehemaligen Kolonien zu benennen.

    Ich finde die Umbenennungen völlig korrekt um sich mit dem kolonialen Erbe Deutschlands auseinanderzusetzen.

  13. 8.

    Hallo Herr/Frau IchMeinJaNur,

    das waren sie natürlich nicht. Es waren lediglich Beispiele, dass viele andere Straßen in Kiezen nicht nach Personen, sondern nach Städten benannt sind. Außerdem ist das neutraler, als Straßen nach Personen zu benennen.


  14. 6.

    ...als hätte man in Berlin keine anderen Sorgen...

  15. 5.

    Welche Gräueltaten werden Gustav Nachtigall zugeschrieben?

  16. 4.

    Es zieht ja Keiner um, deshalb braucht man keinen kostenpflichtigen Nachsendesauftrag.
    Den Aufwand haben trotzdem dort die Bewohner ihre Adressdaten neu zu registrieren, weil einigen Gutmenschen nach Jahrzehnten eingefallen ist eine Straßenumbenennung vorzunehmen.
    Anstatt sich mit ihr zu beschäftigen versucht man sie abzuschaffen. Deshalb wird deutsche Geschichte nicht neu geschrieben. Es gibt keinen Persilschein für deutsche Gräueltaten in der Geschichte.

  17. 2.

    Hallo,

    umbenennen finde ich richtig. Aber warum müssen es denn unbedingt Afrikaner sein? Nur weil das das Afrikanische Viertel ist?
    Vielleicht sollte man die Straßen eher nach Städten aus den ehemaligen Kolonien benennen, z.B. Windhoekstraße
    Das ist ja in Berlin durchaus üblich (Osloer Straße, Dubliner Straße, Berliner Straße usw.)

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