Eine Biotonne der BSR in Berlin. (Quelle: imago/STPP)
Audio: Inforadio | 20.04.2018 | Sebastian Schöbel | Bild: imago/STPP

Ankündigung von Ramona Pop - Biotonnen sollen ab 2019 flächendeckend in Berlin stehen

Eigentlich müsste die Biotonne in Berlin schon seit 2015 an jedem Haus stehen. Doch so richtig hat sich das nicht durchgesetzt. Wirtschaftssenatorin Pop überlegt, Anreize für die Nutzung zu schaffen. Doch nicht alle sind von ihren Plänen begeistert.

Die Bio-Mülltonne soll in Berlin im kommenden Jahr flächendeckend eingeführt werden. Der gesammelte Müll soll vor allem zur Gewinnung von Biogas eingesetzt werden. Das kündige Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) am Freitag in der "Berliner Morgenpost" an.

Grüne wollen den Restmüll reduzieren

Pflicht ist die Biotonne eigentlich schon seit 2015, festgelegt durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz des Bundes. Doch in Berlin klappt die Einführung vor allem in den Randbezirken nicht. Das soll sich 2019 ändern, erklärte Pop. Notfalls müsse man Anreize schaffen, indem beispielsweise die Biotonne kostenlos bereitgestellt wird. Oder die Restmülltonne wird seltener geleert, dann müssten die Leute ihren Müll disziplinierter trennen. Zur Finanzierung der Biotonne könnte etwa der Ökotarif - also die Müllgebühr - von derzeit 6,39 Euro pro Quartal steigen - allerdings nur moderat, sagte Pop.

Berlin produziere pro Jahr 800.000 Tonnen Restmüll, das sei viel zu viel, sagte Werner Graf, Landesvorsitzender der Berliner Grünen, am Freitag. "Wir müssen den organischen Abfall endlich aus der Restmülltonne bekommen. Noch immer liegt der Anteil bei 40 Prozent."

Umstrittene Finanzierungspläne

Die Reaktionen vor allem zur Finanzierung der Biotonne fallen gegensätzlich aus. So ist die Ankündigung Pops, dass die Müllgebühr steigen könnte, für den umweltpolitischen Sprecher der CDU, Danny Freymark, der falsche Weg. Das könne die Solidarität der Bürger schmälern, die für eine flächendeckende Einführung der Biotonne nötig sei.  

Georg Kössler von den Grünen hingegen ist überzeugt, dass nur eine kostenlose Biotonne akzeptiert wird. Seiner Meinung nach sollte die BSR die Kosten auf die Restmülltonne umlegen. "Dann wird ganz klar: Wer seinen Müll trennt, kann sogar sparen." Bislang kostet eine Biotonne 13 bis 15 Euro pro Quartal. Diese Kosten könnte man umweltbewussten Bürgern erlassen.

Frank Scholtysek von der AfD kritisiert hingegen, dass die Biotonne verpflichtend sein soll. Der Großteil in Berlin habe bereits eine. Der Rest seien Einfamilienhäuser, die aber meist einen Garten mit Komposthaufen hätten.

Gartenabfälle nicht geeignet für Biogas

Unklar ist derweil, wie die Trennung von Biomüll und Gartenabfällen geregelt werden soll - denn Gartenmüll darf zwar in die Biotonne, lässt sich aber nicht zu Biogas umwandeln. In der Biogasanlage der Berliner Stadtreinigung (BSR)werden jährlich rund 60.000 Tonnen Bioabfall zu klimaneutralem Biogas vergärt. Damit werden etwa die 150 gasbetriebenen Müllwagen der BSR betrieben.

Die BSR wollte Pops Ankündigung zunächst nicht bestätigen. Zunächst müsse der Aufsichtsrat des Entsorgers darüber entscheiden. Die nächste Sitzung ist am 2. Mai.

Kommentar

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17 Kommentare

  1. 16.

    @ 11: Tim, das heisst also, die jährlich 300 Millionen kg organischen Mülls, die laut dem Artikel in Berlin mit dem Restmüll "entsorgt" werden, sind ein Fake, das die Grünen in die Welt setzen, um die aufrechten Berliner mit Müllautos zu terrorisieren?
    Schön, dass Sie hinter Ihrer Thuja einen Garten mit Komposteckchen haben. In den meisten Mietwohnungen ist dafür aber ebenso wenig Platz wie für die Ergebnisse der Kompostierung.
    Wieso also belegen Sie Leute, die sich Gedanken machen, wie man Probleme lösen kann, die Sie angenehmer weise nicht haben, Millionen andere aber schon, mit Beschimpfungen wie "Öko-Wahn"? Wie wäre statt dessen mal mit konstruktiven Vorschlägen wie etwa Abholung nur auf Anforderung? Oder wäre sowas zu Unberlinerisch?

  2. 15.

    Ich trenne keinen Müll, warum soll ich der BSR & Co die Arbeit wegnehmen. Wird sowieso alles verheizt.

  3. 14.

    p.s.: Und stinken tut nasser und mit 10, 20 oder 40% organischem Abfall befüllter Restmüll mindestens genauso wie eine Biotonne! Auch angeblicher Geruch ist also kein Argument gegen etwas mehr Nachhaltigkeit.

  4. 13.

    Schon heute holt die BSR für Haus und Grundstück bei mir alle 14 Tage eine Restmülltonne ab, die zwei manchmal 3 Müllbeutel enthält. Den gärfähigen Biomüll darin reicht nicht mal für Ratten oder Waschbären :) Bei uns landet der "Biomüll" außer ganz wenige Essensreste auf dem Kompost. Den verwende ich dann als Dünger im Garten anstatt Blumenerde in Plastikfolie im Baumarkt mit dem Auto zu kaufen. Ökologischer geht es grade nicht. Allso liebe GRÜNEN wenn ihr im Ökowahn wirklich meint, die BSR soll mit tonnenschweren Müllautos rumkurven um leere Tonnen leerer als leer zu machen - bitte. Mich würde es freuen, dann kann ich nämlich den Tuja-Schnitt, der nicht kompostfähig ist, einmal im Jahr in die Biotonne versenken und spare mir die lästige Fahrt zum Kompostierplatz Schöneiche. Und vielleicht kriegt die BSR ja was beim Nachbarn - der hat nur Rollrasen.

  5. 12.

    Vernünftige Initiative! 40% organischer Restmüll sind 100% zuviel! Verantwortungsbewusste Bürger miss-verstehen das also nicht als Erziehung wie etwa #9, sondern freuen sich darüber. Bei den Verantwortungslosen geht es leider nur mit Sanktionen: Kostenlose Biotonne, aber satt was drauf auf die Restmüllgebühr; am besten nach Gewicht! Die traurige Erfahrung zeigt, dass es anders nicht funktioniert.
    Rattenprobleme wegen Biomüll sind mir auch aus Berlin nicht bekannt: Ich bin regelmäßig bei Leuten zu Besuch, die Biotonnen auf dem Hof haben, und hab da noch nie von Nagern gehört. Und übrigens fänden die Tierchen die Essensreste auch im Restmüll.
    Was Nadeshda (#6) beschreibt, geht natürlich gar nicht. Aber nach meinen Beobachtungen zählt das - im Gegensatz zu Fehlbefüllungen mit Plaste & Elaste - eher zu Einzelfällen.
    Und natürlich muss alles Organische in die Biotonne rein dürfen; auf Wunsch auch Gartenabfälle: Die BSR ist Dienstleister und muss kundenfreundliche Lösungen finden.

  6. 11.

    Vielleicht kann man die Biotonnen ja besser verschliessbar machen. Einen besseren Verschluss oder ein Schloss helfen vielleicht. Dann kommen keine Ratten ran.

  7. 10.

    Da werden sich die Ratten aber freuen und zusätzlich für Nachwuchs sorgen.
    Ein Glück dass es die "Grünen" grünen gibt und den Leuten vorschreiben was sie zu tun und lassen müssen.
    Habe noch nie gesehen das eine Biotonne nach der Leerung gespült wird/wurde.

  8. 9.

    Die GRÜNEN wollen also die Bürger erziehen.
    Die Bürgen sollten sich das merken, für die nächste Wahl.
    Die BSR braucht Nachschub für ihre Biogasanlage, kostenlos.

  9. 8.

    Sie kommen auch zu den Tonnen wenn diese geschlossen sind. Der Geruch zieht sie auch an. Nicht jeder Mülltonnenplatz wird regelmäßig von herumliegendem Müll gereinigt.

  10. 7.

    Als Mieter hab ich keine Wahl, wir haben 2 Biotonnen und ich finde das gut. Meistens sind die auch voll, von den Restmülltonnen haben wir 8, obwohl wir nicht mal die Hälfte brauchen. Offenbar gibt es für die Hausverwaltung andere Anreize.
    Es wird beim Entleeren nicht umgefüllt, die BSR leert sie wie andere Tonnen auch. Was mich ärgert ist, daß einige Mieter ihren Biomüll samt Plastiktüte darin entsorgen, statt ausreichend Zeitungspapier für feuchte Sachen zu nehmen.Manchmal stehen sogar ganze Zimmerpflanzen drin, so daß der Deckel nicht zugeht. Etwas passrechter könnte man die schon befüllen!

  11. 6.

    Diese sogenannten Biotonnen sind ein Ärgernis an sich. Die Abholung ist jedesmal eine riesen Sauerei weil die Herren der BSR lediglich mit einer größeren Tonne in den Hof marschieren und den Inhalt einfach mal umschütten von der kleineren in eben die mitgebrachte Größere. Die sich nun einmal sammelnden Flüssigkeiten laufen über den Hof und es stinkt über Tage einfach erbärmlich. Von den gebetsmühlenartig wiederholten Sätzen, das die Tonnen ja gespült würden ist schlicht mal nichts wahr. Im Sommer das Küchenfenster öffnen geht nicht weil im Hof ja das Fliegenbuffet steht. Die Maden krabbeln auf dem Deckel der Tonne und Ratten freuen sich auf den Abholungstag wenn wieder alles daneben liegt. Ich hab nichts gegen Mülltrennung aber so gehts eben nicht, das ist einfach nur unerträglich.

  12. 5.

    Und der Schimmel und die Maden. Nein Danke, ich kompostiere selber.

  13. 4.

    Ich lasse mich auf keinen Fall dazu ermuntern die Bananenschale mitzuessen. Und Ratten sind mW kluge Tiere, aber den Deckel einer Biotonne dürften sie schwerlich aufbekommen.

  14. 3.

    Diese Tonnen stinken, besonders ärgerlich auf einem Hinterhof. Ich benutze diese Tonnen nicht, weg damit.

  15. 2.

    Die Biotonne wird in den Außenbezirken nicht angenommen, weil fast alle Einfamilienhausbewohner ihre organischen Abfälle selbst kompostieren. Hier per Dekret jedem eine Biotonne hinzustellen ist schlicht überflüssig.

  16. 1.

    Ich verstehe nicht so ganz die Daseinsberechtigung dieser Biotonne. Sollten die Menschen nicht dazu ermuntert werden aufzuessen? Ausserdem kommen doch die Ratten, wenn man organisches draussen rumstehen lässt.

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