Kinder in einem Kindergarten (Quelle: dpa/Christian Charisius)
Bild: dpa/Christian Charisius

Neue Zahlen der Bundesagentur - Fast jedes dritte Kind in Berlin lebt von Hartz IV

Die Zahl der Minderjährigen, die in Deutschland von Hartz IV leben, ist seit 2013 deutlich gestiegen. Stark betroffen sind vor allem Kinder aus Flüchtlingsfamilien. In Berlin lebt inzwischen fast jedes dritte Kind von staatlicher Grundsicherung.

Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland sind auf Hartz IV angewiesen. Das geht aus neuesten Zahlen hervor, die die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg vorgelegt hat.

Demnach lebten im Juni 2017 rund 2,05 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Familien, die wegen längerer Arbeitslosigkeit oder zu geringer Einkünfte auf Hartz IV angewiesen waren. Das sind 5,2 Prozent mehr als im Juni 2016 und fast acht Prozent mehr als im Juni 2013.

Lage in Berlin ist besonders prekär

Ob ein Kind auf Hartz IV angewiesen ist, hängt allerdings stark von der Region ab, in der seine Familie lebt. Besonders prekär ist die Lage in Berlin. In der Hauptstadt war im vergangenen Jahr knapp jedes dritte Kind auf Hartz IV angewiesen. Insgesamt lebten im Juni vergangenen Jahres in der Hauptstadt 175.341 Minderjährige in Familien, die wegen Jobverlusts oder zu geringen Lohns von der staatlichen Grundsicherung abhingen. Damit lag die Hilfequote mit 30,7 Prozent der Kinder und Jugendlichen doppelt so hoch wie Bundesdurchschnitt mit 14,6 Prozent.

In Brandenburg war jeder Siebte unter 18 Jahren auf Hartz IV angewiesen. Im Juni 2017 lebten knapp 60.000 oder 15,2 Prozent in einer Familie, die Grundsicherung bezog. Im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt ist die Quote damit weiter gesunken - damals lag sie noch bei 15,5 Prozent. Vor fünf Jahren waren es sogar 17,4 Prozent. Experten gehen davon aus, dass sich dabei vor allem die bessere Lage auf dem brandenburgischen Arbeitsmarkt ausgewirkt hat.

Das geringste Risiko, bereits von Kindesbeinen an auf die staatliche Grundsicherung angewiesen zu sein, hat man in Bayern, wo lediglich 6,8 Prozent der unter 18-Jährigen in Familien mit Hartz-IV-Bezug leben, gefolgt von Baden-Württemberg mit einer sogenannten Hilfsquote von 8,4 Prozent.

Starker Anstieg vor allem zwischen 2016 und 2017

Deutschlandweit sei der starke Anstieg auf die wachsende Zahl ausländischer Familien zurückzuführen, die von Arbeitslosengeld II - umgangssprachlich Hartz IV - leben müssen. Wie ein Sprecher der Bundesagentur sagte, ist die Zahl der ausländischen Kinder und Jugendlichen, die auf Grundsicherung angewiesen sind, von 2013 bis 2017 um 102 Prozent gestiegen. Die Zahl deutscher Kinder, die auf Hartz IV angewiesen sind, ist im selben Zeitraum hingegen von gut 1,6 Millionen auf knapp 1,5 Millionen zurückgegangen.

Die Zahl deutscher Hartz-IV-Bezieher unter 18 Jahren ist um 8,9 Prozent gesunken, während die Zahl ausländischer Hartz-IV-Empfänger unter 18 Jahren von 289.000 auf 584.000 stieg. Am stärksten fiel der Anstieg zwischen 2016 und 2017 aus, als sich die Jobcenter um immer mehr Flüchtlinge kümmern mussten.

Flüchtlingskinder sind besonders betroffen

Tatsächlich macht sich die Entwicklung der Flüchtlingszahlen seit 2015 deutlich in der Statistik der Bundesagentur bemerkbar. Waren 2013 noch 47.000 Flüchtlingskinder auf Hartz IV angewiesen, stieg ihre Zahl in den folgenden vier Jahren auf 318.000.

Am deutlichsten stieg der Zahl junger Syrer, die auf Grundsicherung angewiesen sind: von 7.659 im Jahr 2013 auf 205.200 vier Jahre später. Der Anteil afghanischer Kinder vervierfachte sich im selben Zeitraum auf rund 37.000. Bei Kindern und Jugendlichen aus dem Irak stieg die Zahl um das 2,5-Fache auf rund 51.000.

Als Flüchtlinge mit Anspruch auf Hartz IV werden von der Bundesagentur all jene Menschen erfasst, die nicht mehr den Status eines Asylbewerbers haben und entweder eine Aufenthaltsgenehmigung besitzen oder geduldet sind. Wenn sie keine Arbeit finden, müssten in der Regel die Jobcenter für ihren Lebensunterhalt aufkommen, hieß es.

Arbeitsmarktforscher sieht neue Hartz-IV-Gruppen

Aber auch bei Minderjährigen, die aus anderen EU-Staaten nach Deutschland kommen, ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Zwischen 2013 und 2017 hat sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die in dieser Gruppe auf Hartz IV angewiesen ist, fast verdreifacht: von 33.000 auf 93.000. Dabei stammten gut 30.000 der Kinder aus Bulgarien, fast 28.000 aus Rumänien.

Es seien "neue Gruppen in die Grundsicherung gekommen - und das wird bei den Kindern besonders deutlich", sagte Thorsten Lietzmann, der beim Institut für Arbeitsmarkt- und
Berufsforschung (IAB) zum Thema "Grundsicherung und Arbeitsmarkt" forscht. Dass die Zahl der auf Hartz IV angewiesenen inländischen Kinder zuletzt beständig zurückgegangen ist, führt der Arbeitsmarktexperte auf die insgesamt sinkende Zahl der Langzeitarbeitslosen in Deutschland zurück.

Sendungen: Abendschau und Brandenburg aktuell, 04.04.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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15 Kommentare

  1. 15.

    Wenn man Aussagen von Politikern von vor etwa zwei Jahren im ÖR zitiert (wie Sie es taten und ich auch schon öfter mal) riskiert man, zensiert zu werden.
    Der Umstand, daß eigentlich kein Geld vorhanden war, das Rentensystem dringend reformiert werden müßte, der Zustand der Alten- u. Krankenpflege desaströs ist, die soziale Absicherung in die Knie geht (warten Sie mal die nächste Rezession ab, die kommt) - alles egal.
    Natürlich müsste kein Kind in diesem Land hungern - viele tun es trotzdem (Gründe folgen andermal, wird eh zensiert).
    Es geht aber auch um Teilhabe. Ich kenne das Gefühl, wie es ist, wenn für das, was fast alle anderen Kinder haben, kein Geld vorhanden ist.

  2. 14.

    Warten wir mal die Geburtenrate der nächsten Jahre ab, dann werden es neun von zehn Kindern sein, die von Hartz IV leben müssen, da die Eltern, meist ohne Aus- und Schulbildung und Sprachkenntnisse bei uns keine Arbeit finden.

  3. 13.

    Jetzt die Migrantenkinder vorschieben, daß in Berlin jedes dritte Kind von Hartz IV leben muß, das kann es nicht sein.
    Viele Migranten sind gerade deshalb nach Deutschland gekommen wegen den Sozialleistungen, sie hätten auch in ein anderes Land gehen können.

  4. 12.

    Wenn ein Land wie Deutschland der Meinung ist, es könnte aufgrund seiner Leistungsfähigkeit (dabei handelt es sich übrigens um die Leistungen der arbeitenden Bevölkerung hier im Land, die zum Teil selber nicht von ihrem Einkommen leben können)ganz Europa und sogar Teile der Welt an seinem Sozialsystem teilhaben lassen zu können, ist es nur eine Frage der Zeit, dass das System zusammen bricht. Das sicherlich gut gemeinte Instrument des Kindergeldes ist da nur ein Beispiel und das diese Leistung besonders kinderreiche Familien aus Osteuropa anlockt, ist eine logische Folge.
    Das ganze Konstrukt "Europa" ist nicht durchdacht, zumindest nicht bis zu Ende. Man hat sich mit einigen Vorteilen für wenige zufrieden gegeben, doch die vielen Nachteile für die Allgemeinheit wurden und werden ignoriert. Das zeigt sich jetzt nach und nach immer deutlicher. Dieses "Gewurstel" kann nicht mehr lange gut gehen.

  5. 11.

    Ich stimme zu dass die separate Betrachtung der Kinder keinen Sinn macht, es sind die Haushalte die arm sind. Vielleicht würde es Sinn machen "Haushalte mit Kindern" vs "Haushalte ohne Kinder" zu vergleichen, aber auch das hat nur begrenzte Aussagekraft.

    Ich stimme nicht zu, dass die Verantwortung im allgemeinen bei den Eltern liege. Arbeitslosigkeit ist ein gesellschaftliches Problem und hat gesellschaftliche Ursachen.

  6. 10.

    Zumal das Hartz ja mit der Anzahl der Kinder steigt, aber jemand der arbeitet bekommt nicht mehr Geld von seinem Arbeitgeber, nur weil er mehr Kinder hat. Weitere Informationen in dem Link.

    https://www.wiwo.de/politik/deutschland/hartz-iv-warum-sich-arbeit-fuer-viele-nicht-mehr-lohnt-seite-4/5234474-4.html

  7. 9.

    "Eine Einwanderung in die sozialen Sicherungsysteme wollen wir verhindern" So oder so ähnlich hört man das doch immer von den Politikern, wenn sie ihre großzügige Einwanderungs- und Asylpolitik rechtfertigen. Puste. Ku. chen. Die Zahlen beweisen es.

  8. 8.

    Gegenthese: Kinderarmut ist die Folge der Armut ihrer Eltern und der willkürlichen Regelbedarfe von SGB II und XII. Begründung: Verfügten die Eltern über Arbeitsplätze mit sichtbarem Netto-Einkommen über der Armutsgrenze und wären die Regelbedarfe den tatsächlichen Lebensverhältnissen (Bedürfnisse, Preise, etc.) angepasst, gäbe es keine Kinderarmut. Der Leidens- und Benachteiligungszustand von Kindern in Armut basiert auf der Unterversorgung von Gütern- und Dienstleistungen, die selbst mit der größten Elternliebe nicht kompensiert werden kann.

  9. 7.

    Empörend finde ich die konstruierte Verknüpfung beruflicher Ausbildungsfähigkeit und Integration oder angeblicher Aufgabe straffälligen Verhaltens mit Familiennachzug. Das ist konstruiert und wird aktuell beinahe täglich wieder von Politikern "verkauft", dass dann hier alles besser werden soll, gar keine wiss. Nachweise, viele Gegenbeispiele.
    (Früher schon viele langjährige jugendl. Intensivtäter, die ja vor 2015 hier mit ihren Eltern aufgewachsen sind, auch viele Langzeitarbeitslose. Es kann auch niemand erklären, wieso die dt. Langzeitarbeitslosen verheiratet nicht schneller Arbeit finden, wenn doch die Familie so entscheiden sein soll. ^^)

  10. 6.

    Die Kinderarmut ist eine Folge der Allokationsfunktion des Geldes.
    D.h. Menschen gehen dort in, wo sie für wenig Aufwand das meiste Geld erhalten können; nach Abzug der Kosten.
    Der Ideal-Zustand für ökonomisch denkenden Menschen ist: viel Geld für Null Gegenleistung erhalten.
    Das macht Deutschland zu einem Anziehungspunkt für Kinderreiche.
    Kinderarmut durch Kinderreiche.
    Kinderreiche Mütter bekommen viele Punkte in der Rentenversicherung für Kindererziehungszeiten gutgeschrieben.
    10 Kinder = 30 Rentenpunkte = ca. 1.000 EUR Rente.

  11. 5.

    Ich finde es ein wenig irreführend, dass absolute Zahlen genannt werden bei Ausländischen Hartz IV Empfängern und es bei deutschen Hartz IV Empfängern nur eine Angabe in Prozent gibt.

    "Die Zahl deutscher Hartz-IV-Bezieher unter 18 Jahren ist um 8,9 Prozent gesunken, während die Zahl ausländischer Hartz-IV-Empfänger unter 18 Jahren von 289.000 auf 584.000 stieg"

  12. 4.

    Den Mut der rbb 24-Redaktion in allen Ehren, die Zahlenwerke im Zusammenhang von Kindern und Grundsicherung zu veröffentlichen, welche Auswirkungen jedoch die "HartzIV"-Versorgung für Kinder bedeuten, dürfte sich mMn wegen der Vielzahl schädlicher Einflüsse nicht mit einer umfangreichen Inauguraldissertation darstellen und erklären lassen.

  13. 3.

    Leider erweist sich das, was viele schon vorausgesagt haben, als richtig. Es kamen eben nicht lauter dringend benötigte Facharbeiter, wertvoller als Gold usw., was uns zu erzählen versucht wurde. In der HartzVI-Statistik sind sogar nur die anerkannten, der Rest bekommt nach AsylBLg.
    Der Umstand an sich ist gar nicht so überraschend, das war abzusehen. Empörend finde ich allerdings schon, daß uns jahrelang etwas anderes erzählt wurde und auch noch zu erzählen versucht wird (wohl auch teilweise wider besseren Wissens u. ideologisch gefärbt). Übrigens sind wir noch lange nicht am Ende der Fahnenstange der Armut,das geht erst los. Falls der Kommentar es durch die Zensur schafft mal Wiedervorlage in 15 Jahren.

  14. 2.

    Der Artikel stellt irgendwie dar, dass der Bedarf "gestiegen" wäre - das ist eine etwas falsche Interpretation der Statistik.
    Es ist ja nicht so, dass die Leute erst hier gearbeitet hätten und dann "später" Sozialhilfeempfänger geworden wären, sondern hier wandern einfach immer mehr Leute in die hiesige soziale Hängematte ein und daher bekommen immer mehr HartzIV, wenn ihnen ihr Status nach Bearbeitung Asylantrag zugewiesen ist, plus die Osteueropäer, die über die offenen Grenzen dem Wirtschaftsgefälle hinterherlaufen. In Schweden bekommen Zugewanderte mehr als 60% der ganzen Sozialleistungen und hier erhöht sich der Anteil mit der Zuwanderung auch. Wir sind derzeit bei 1/3.

  15. 1.

    Ich halte den Titel des Artikels für genauso falsch und irreführend wie den Begriff der Kinderarmut.
    Für den Unterhalt von Kindern sind die Eltern zuständig und es gibt Kinderceld und Vergünsticungen bei der Steuer und bei der Betreuung von Kindern.
    Kinder sind in erster Linie davon abhängig, dass ihre Eltern für ihren Lebensunterhalt aufkommen und daran hapert es wohl immer öfter.

    Das alles ändert leider nichts an dem dann unzureichenden Umfeld der Kids, der Titel und der Begriff der Kinderarmut suggeriert aber m.E. die Hauptverantwortung beim Staat und lässt die eigentlich Verantwortlichen, nämlich die Eltern, außen vor.

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