Kinder stehen in einer Schule (Quelle: dpa/Wolf)
Audio: Inforadio | 05.04.2018 | Kirsten Buchmann | Bild: dpa/Wolf

Gerade Vorschulkinder mit Sprachdefiziten bleiben Kitas fern - Sprachförderung für kleine Kinder greift in Berlin nicht

Vorschulkinder in Berlin, die noch nicht in der Kita sind und durch den Sprachtest fallen, müssen bis zur Einschulung eine Kita besuchen, um sprachlich gefördert zu werden. Doch nur rund zehn Prozent kommen dieser Pflicht auch nach. Von Kirsten Buchmann

Beim jüngsten Sprachtest von Berliner Vorschulkindern sind 470 Kinder durchgefallen. Um besser Deutsch zu lernen, sind anschließend allerdings nur 50 von ihnen in eine Kita gegangen. Dabei ist es für Kinder, die ihren Sprachtest nicht bestehen, ein Muss, 18 Monate lang eine Kindertagesstätte zu besuchen.

"Es besteht eine Pflicht für diese Kinder, eine Kita zu besuchen", sagt die Sprecherin der Bildungsverwaltung, Iris Brennberger, am Donnerstag dem rbb. Genauso gut könne man aber auch sagen, dass die Kinder aus Gründen der Sprachförderung ein Recht darauf hätten - "damit sie bei der Einschulung dann überhaupt dem Unterricht folgen können". Es sei sehr wichtig, dass gerade diese Kinder in die Kita gehen.

Viele Kinder bleiben dem Sprachtest einfach fern

Ein weiteres Problem: Ein Großteil der Kinder, die noch nicht in einer Kita waren und einen Sprachtest absolvieren sollten, nahmen nicht daran teil, obwohl die Schulämter die Familien angeschrieben hatten. Eingeladen wurden Kinder, die 2019 schulpflichtig werden, aber noch keine Kita besuchten. Es könne nicht sein, dass gerade die Kinder, die am allerdringendsten auf Sprachförderung angewiesen sind, "durch den Rost fallen", betont Brennberger. Wenn die Eltern mit ihren Kindern nicht kämen, müsse man sie eben dazu drängen, notfalls mit der Verhängung von Bußgeldern.

Nicht-Teilnahme kann mit Bußgeldern geahndet werden

Bis zu 2.500 Euro kann es kosten, wenn Eltern ihr Kind nicht in die Kita schicken, obwohl es eine Sprachförderung benötigt. Das Bußgeld zu erheben, ist Sache der Bezirke, deren Schulämter die Kinder auch zu den Sprachtests einladen. Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Paul Fresdorf, sieht allerdings auch den Senat in der Pflicht. Denn damit Eltern ihre Kinder bei Sprachförderbedarf in die Kita bringen könnten, müssten dafür auch genügend Kita-Plätze vorhanden sein.

FDP will Kita-Leitungen durch Kaufleute entlasten

Es gehe um weitere 400 Kinder, die jetzt in die Kita müssten, um gefördert zu werden - "also muss der Senat hier schnell Kita-Plätze schaffen", sagte Fresdorf am Donnerstag dem rbb-Inforadio. Um weitere Plätze zu schaffen, haben die Liberalen einen eigenen Vorschlag entwickelt. So sollten die Kita-Leitungen durch kaufmännische Kräfte entlastet werden, so dass auch die Leiterinnen und Leiter der Einrichtungen mit den Kindern arbeiten könnten. Auf diese Weise könnten 400 Erzieherstellen geschaffen werden, sagte Fresdorf.

Aus seiner Sicht müssen die Kinder schnell in der Kita untergebracht und gefördert werden, um später in der Schule nicht abgehängt zu werden. Die CDU-Bildungsexpertin Hildegard Bentele fordert dagegen, die Kinder nachmittags in den Schulen zu fördern, falls es in den Kitas wegen des Platzmangels nicht geht.

Beitrag von Kirsten Buchmann

Kommentar

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17 Kommentare

  1. 17.

    Eine Sprachförderung (hinsichtlich Sprachverständnis, nicht z.B. Stottern) brauchen wohl in erster Linie Kinder aus bildungsfernen Schichten. Bei anderen sind durchaus noch solche altmodischen Tugenden wie Vorlesen gebräuchlich, was allerdings bei Migranten wohl zunächst nur in deren Muttersprache möglich ist, die Sprachkompetenz aber enorm fördert.
    Wenn der Staat denen, wie Sie sagen, daß Leben so zur Hölle macht, wäre mein Bestreben, meinen Kindern ein besseres geistiges Rüstzeug mitzugeben (nicht mitgeben zu lassen, falls Sie verstehen).
    Klar, Kinder machen ist etwas lustiger als Kinder erziehen. Man jann übrigens als HartzerIn Verhütungsmittel durch den Landkreis bezahlen lassen (NDS).

  2. 16.

    Man lese den Artikel https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2018/04/berlin-fast-jedes-dritte-kind-lebt-von-hartz-4.html und erkundige sich nach den tatsächlichen effektiven Leistungen des Staats für Bildung und Teilhabe von Kindern. Aus Sicht betroffener Eltern, deren Kinder Sprachprobleme besitzen besteht ohnehin wenig Motivation, ihre Kinder dem Staat anzuvertrauen, der ihnen das Leben mit HartzIV und allen damit zusammen hängenden Begleitumständen zur Hölle macht. Sollten die Zwangsgelder bei den Eltern etwa mit Ersatzhaft eingetrieben werden?

  3. 15.

    Eigentlich wollte ich nicht weiter kommentieren, Ihr Kommentar reizt dazu.
    Zunächst, auch wenn immer etwas anderes suggeriert werden soll, die allermeisten Flüchtlinge, Migranten usw. sind gekommen, um zu bleiben. Ihre Hoffnung ist nur schwach begründet. Selbst wenn wie durch ein Wunder im gesamten Orient in Kürze Frieden einkehren sollte, woran wohl nicht einmal Traumtänzer glauben.
    Auch wenn die subsidiär geschützten irgendwann wirklich ausgewiesen werden sollten, womit eben nicht zu rechnen ist, verbringen sie eine lange Zeit in diesem Land. Dazu ist sowohl in deren als auch im Interesse der hiesigen Bevölkerung Sprachkenntnis und ein gewisses Maß an Integration erforderlich.
    Ein Minimum an temporärer "Integration" möchte ich sogar ausdrücklich auch meinen Landsleuten bei Auslandsaufenthalten empfehlen, die (und nicht nur die) sind da oft einfach nur peinlich.

  4. 14.

    Glauben Sie ernsthaft, daß bei den säumigen Eltern eine Strafzahlung in auch nur der geringsten Höhe beigetrieben werden könnte. Ersatzfreiheitsstrafe käme auch aus manchen Gründen nicht in Frage, dafür müßten Sie schon die GEZ-Gebühr schuldig bleiben, von der übrigens Empfänger von Sozialleistungen (SGBII, GruSi, AsylBLg) befreit sind.

  5. 13.

    Wie hübsch gedichtet - man könnte Ihren Spruch aber auch anders aufsagen:

    Kaum hat eine Familie ein (weiteres) Kind in die Welt gesetzt, fordern die Eltern finanzielle Interstützung ein und überantworten dem Staat auch noch die Erziehung ohne selbst Verantwortung für das Kind und die Gesellschaft zu übernehmen.
    Populismus geht auch prima von links, wie Ihr Kommentar einmal mehr zeigt.

  6. 12.

    @#faktensucher(1) ... Ihre Gedanken um den Artikel sind auch die Meinen.
    @P. Bert(2) ... Interessant, weil konkret. Ihre Zahlen bzw. %-Angaben scheinen der Wahrheit zu entsprechen, "rbb 24" hätte sie sonst nicht veröffentlicht.
    @Allee der Astronauten(3) ... Würde ich Sie evtl. im Bereich - Rigaer Str. - finden ?!

  7. 11.

    Der inflationär verwendete Begriff "Integration" suggeriert uns immer die Notwendigkeit der Eingliederung von geflüchteten aller Nationen in die Gesellschaft Deutschlands.
    Diese Notwendigkeit ist grundsätzlich in Frage zu stellen, denn wozu der ganze Aufwand, wenn der größte Teil dieser Leute letztlich - so zumindest meine, aber nicht nur meine Hoffnung - sowieso wieder in ihr eigenes Land zurück kehren. Oder ist das etwa nicht geplant?
    Integration - mal abgesehen von ihrer Notwendigkeit - setzt immer den Willen zur Integration voraus. Der fehlende Wille zur Integration, der sich in den vielen Berichten über den zögerlichen Besuch von Sprachkursen, der Kita, oder anderer integrationsfördernder Maßnahmen, aber auch im allgemeinen Verhalten vieler "Geflüchteter" zeigt, sollte uns jedenfalls auf das Kommende gespannt machen. Wir sind - befürchte ich - erst ganz am Anfang...

  8. 10.

    "Bis zu 2.500 Euro kann es kosten, wenn Eltern ihr Kind nicht in die Kita schicken, obwohl es eine Sprachförderung benötigt. Das Bußgeld zu erheben, ist Sache der Bezirke, deren Schulämter die Kinder auch zu den Sprachtests einladen."
    Warum wird es nicht gemacht? Wer regiert in den Bezirken und im Senat? Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Immer wieder komplettes Politikversagen. Von mir gibts keine Stimme mehr.

  9. 6.

    Aha, und woraus bestreiten Ihre Kinder dann ihren Lebensunterhalt?
    Aus der Staatskasse, die alle Arbeitskräfte mit ihrer Leistung und ihren Steuern füllen?

    Selbst der Affe auf dem Baum muss sich sein Futter und den trockenen Schlafplatz selbst suchen. Auch dem wird nichts geschenkt.

    Woher kommt nur dieser Anspruch man hätte ein Anrecht darauf alles geschenkt zu bekommen und nichts dafür tun zu müssen?

  10. 5.

    Auch immer einer dieser Lacher aus der Hofberichterstattung: "Nicht-Teilnahme kann mit Bußgeldern geahndet werden
    Bis zu 2.500 Euro kann es kosten, wenn Eltern ihr Kind nicht in die Kita schicken, obwohl es eine Sprachförderung benötigt. Das Bußgeld zu erheben, ist Sache der Bezirke, ..."
    Ist wohl die Frage erlaubt, wie oft ein Bußgeld überhaupt, in welcher Höhe und ob es auch eingetrieben wurde erlaubt?
    Ich fürchte, nein.
    Suggeriert werden soll, daß das auch geahndet wird. Man muß inzwischen viel zwischen den Zeilen lesen.

  11. 4.

    Wäre es nicht sinnvoller, anstatt die eh schon immens angespannte Platz-Situation in den Kitas noch weiter zu strapazieren, diese Sprachförderung außerhalb von Kitas stattfinden zu lassen? Dann könnten sich Logopäden gezielt um diese Gruppe kümmern, anstatt das auch noch den eh schon überlasteten Erziehern aufzuhalsen.

  12. 3.

    Kaum hat eine Familie ein Kind bekommen, da kommt der Staat und will daraus eine Arbeitskraft machen.
    Du sollst dein Kind impfen lassen.
    Du musst dein Kind zum Sprachtest schicken.
    Du musst dein Kind zur Schule schicken.
    Du sollst dein Kind zu einem pflegeleichten toleranten Mitläufer erziehen (lassen).(Art. 2 Abs. 1 GG).
    Lieber Staat, so haben wir uns das nicht gedacht und was du willst ist mir egal.
    Unsere Kinder sollen unseren Stammbaum weiter führen. Mehr nicht.

  13. 2.

    Falsche Überschrift. Sprachförderung bringt natürlich deutliche Fortschritte,
    aber eben nur, wenn die Eltern bereit sind, ihren Kindern diese lebenswichtige Sprachförderung angedeihen zu lassen.
    Die ist hier PFLICHT und wird von 88% der "integrationswilligen" Eltern nicht realisisiert. Die meisten Eltern haben ihre Kinder auch nicht zur Untersuchung gebracht: Bei 3000 Einladungen fehlten ganze 2400 Kinder, das sind 75%.

  14. 1.

    Gibt es eigentlich auch Informationen über den sozialen Hintergrund der Kinder, die besondere Sprachförderung benötigen und nicht annehmen oder wäre das nicht mehr politisch korrekt?
    Sind das die. die in Zukunft die Rentenkasse füllen sollen?

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