Dieter Dehm (Linke) im Februar 2015 auf einer Demo in Berlin (Quelle: imago/Markus Heine)
Audio: ARD-Hauptstadtstudio | 03.04.2018 | Cecilia Reible | Bild: imago/Markus Heine

Maas als "Nato-Strichjungen" bezeichnet - Linken-Politiker will Diether Dehm aus der Partei werfen lassen

Der Linken-Politiker Diether Dehm ist verbal entgleist: Er bezeichnete Außenminister Maas (SPD) als "Nato-Strichjungen". Dafür muss er nun schlimmstenfalls mit dem Parteiausschluss rechnen. Dehm sagt wiederum, er sei nicht richtig wiedergegeben worden.

Der umstrittene Bundestagsabgeordnete Diether Dehm (Linke) muss sich nach verbalen Attacken gegen Außenminister Heiko Maas (SPD) einem Parteiordnungsverfahren stellen. Das Verfahren bei der Bundesschiedskommission wurde von Oliver Nöll, Vorstandsmitglied des Berliner Landesverbandes, beantragt.

Er habe er den Parteiausschluss Dehms beantragt, sagte Nöll rbb|24 am Dienstag, denn dieser habe dem Ansehen der Partei schweren Schaden zugefügt. Im Rahmen eines Ordnungsverfahrens seien aber auch andere Sanktionen durch die Partei möglich, sagte Nöll.

Oliver Nöll, Vorstandsmitglied der Berliner Linkspartei (Quelle: imago/IPON)
Oliver Nöll will Dehm aus Partei ausschließen. | Bild: imago/IPON

"Gut gestylter Nato-Strichjunge"

Wie ein Video auf YouTube zeigt, hatte Dehm auf einer Ostermarsch-Kundgebung in Berlin am  Samstag gesagt, dass Maas "ein gut gestylter Nato-Strichjunge" sei, der jede Rechtmäßigkeit und das Grundgesetz mit Füßen trete. Ganz bewusst hatte Dehm diese Formulierung anschließend noch einmal wiederholt.

Hintergrund der Äußerungen ist offenbar die Ausweisung russischer Diplomaten aus mehreren Nato-Staaten, darunter auch Deutschland, als Reaktion auf den Nervengiftanschlag auf den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter in Großbritannien.

Nöll schreibt der "Mitteldeutschen Zeitung" zufolge in dem Antrag, er wolle in seiner täglichen politischen Arbeit als Mandatsträger in Berlin nicht mit "solcherart Entgleisungen in Verbindung gebracht werden". Die Ignoranz gegenüber Grundsätzen und Beschlusslagen der Partei habe "bei Dehm eine lange Tradition", sagte Nöll, der Vorsitzender der Linksfraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg ist.

Dehm will es nicht so gemeint haben

Dieter Dehm wiederum erklärte, dass er nicht korrekt wiedergegeben worden sei. Im Interview mit MDR aktuell sagte er: "Man sollte das Wort in der geschriebenen Weise betrachten. Das ist 'Natostrich' und dann ohne Strich 'Junge'." (Audio per Klick auf das Bild oben zum Nachhören). Er habe mit seiner Äußerung nur darauf aufmerksam machen wollen, dass Maas im Fall Skripal die Unschuldsvermutung außer Kraft gesetzt habe. Es gebe keine Beweise dafür, dass Russland hinter dem Giftanschlag stecke.

Zudem gab sich Dehm, der im Bundestag im EU-Ausschuss sitzt und mittelstandspolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, im Interview zuversichtlich, dass er Linken-Mitglied bleiben werde.

Kritik kommt auch von Parteichef Riexinger

Der Parteivorsitzende Bernd Riexinger sagte der "Mitteldeutschen Zeitung", Dehms Äußerung sei "unter der Gürtellinie" und könne "nicht wirklich ernst genommen werden". Zu dem Antrag gegen Dehm wollte sich Riexinger nicht äußern. Zu einem laufenden Parteiordnungsverfahren könne er nichts sagen.

Kommentar

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17 Kommentare

  1. 17.

    Der "Natostrich-Junge" ist korrekt und beschreibt, was sich die Bundesregierung und Herr Maas gegenüber Russland leisten. Die Skripal-Vergiftung hat sich nun doch als Fake herausgestellt. Den Opfern geht es gut. Jedenfalls war es kein Kampfstoff und schon gar nicht einer aus Russland. In London sitzen Provokateure, und Merkel und Herr Maas fanden diese glaubwürdig. Dafür haben beide Verfahren verdient, aber nicht Herr Dehm.
    Beim angeblichen Giftgaseinsatz in Syrien läuft es jetzt ähnlich. Bisher keine Beweise, keine Spuren und keine Opfer gefuden, aber Frau Merkel hat wieder keine Zweifel und fordert Verurteilung.

  2. 16.

    Ach die Linken mal wieder, da wird gar nichts passieren, solche Leute wie Dehm sind bei den Linken an der Tages Ordnung,die sind nicht zimperlich mit Ihren Anschuldigungen & Verleumdungen, das es aber gegen die SPD geht wundert mich nun doch sehr, denn schließlich will man mit denen doch regieren, der Schulz & auch andere Führungs Leute haben niemals dazu Stellung bezogen,haben immer nur um den heißen Brei rum geredet.

  3. 15.

    "... vielleicht ein wenig über die Grenzen des Anstandes ..."

    Hier möchte ich Ihnen klar widersprechen.
    99 % der anderen verbalen Entgleisungen, auch die, die bspw. vom Bundestagspräsidenten oder vom Presserat gerügt werden, beziehen sich auf die Herabsetzungen von Personen durch inhaltliche Unterstellungen. Blätter wie BILD da ausgenommen. Der Begriff "Strichjunge" markiert hier ein ganz anderes Feld. Das ist keine übersteigerte inhaltliche Zuspitzung,

    Der Ball liegt und lag woanders.

    Auch im Abschiedsspiel von Zinadine Zidane, als der von einem italienischen Spieler in ähnlicher Weise beleidigt wurde, er dem eine Kopfnuss verpasste, weshalb er sein Abschiedsspiel vorzeitig per roter Karte verlassen musste und der andere sie im Nachhinein bekam.

    Maass wird Dehm allerdings keine Kopfnuss verpassen, allenfalls juristisch vorgehen, weshalb wahrscheinlich nicht ihm, sondern verdienermaßen Diether Dehm die rote Karte zuteil wird.

  4. 14.

    Maas möchte sich hat gerne auf Augenhöhe mit Putin sehen, doch soviel wachsen kann er in seinem Alter nicht mehr. Dehm ist vielleicht ein wenig über die Grenzen des Anstandes in der Politik gegangen, aber wenn ich alle aufführen müsste, die dies auch ständig tun, dann wäre das Kommentarvolumen schnell erschöpft. Also Kopfschütteln, lächeln und auf die nächsten Verbal-Entgleisungen von Politikern warten.

  5. 13.

    Dehm auf eine Ebene mit Sahra Wagenknecht zustellen, ist schon mehr als gewagt!!!
    Dehm ist einfach ein alter verbitterter Mann, der ab und zu Mal einen raushaut, um medial im Gespräch zu bleiben!!! Das kennt man auch von etlichen AfDlern!! Man sollte einfach nur Mitleid mit ihm haben!
    Dass er überhaupt noch bei der Linken rumkaspern darf, spricht Bände darüber, wen diese Partei so alles bis jetzt zu integrieren suchte...

  6. 12.

    Leute wie Dehm oder Wagenknecht bewahren der LINKEN ihre Eigenständigkeit, nur dank ihnen sitzen die Linken wahrscheinlich überhaupt im Bundestag. Auf links tuende Gefolgsleute der NATO gibt es Deutschland schon genug bei den Grünen und der SPD. Pazifismus und Vernunft haben es sehr schwer in diesen Zeiten.

  7. 11.

    dehm ging zu weit. doch maas sollte endlich aufhören das russische volk und mit ihm seinen präsidenten zu demütigen. ja, nicht alle russen lieben putin, doch der übergroße teil tut es. jedoch alle, alle russen lieben ihr land und sie werden es verteidigen. es geht hier um reine geo-politik, die z. brzesinski in seinem buch "die einzige weltmacht. amerikas strategie der vorherrschaft" genau beschrieben hat. die zukunft der eu, der ukraine, die degradierung russlands zur regionalmacht, die planung eurasiens, es ist alles beschrieben. auf den weg dorthin stören: 1. putin, der sein land nicht zur regionalmacht abwerten lassen will. obama hat wohl hier in seiner selbstverliebtheit den mund zu voll genommen. 2. trump: ihm sind die menschen im land wichtiger als geostrategische ziele. er macht sich damit viele feinde in den usa, der nato und bei den bündnispartnern. man bekämpft ihn hier und dort mit allen mitteln.

  8. 10.

    Das ist doch wohl eine Selbstverständlichkeit.

  9. 9.

    Herr Dehm ist sicherlich ein besonders krasses Exemplar in seiner Partei. Dennoch werden ihm im Kern viele zustimmen, Moskau-Hörigkeit und Antiamerikanismus gehören in der Linkspartei ja quasi zum guten Ton.

  10. 8.

    Na immerhin, gut zu wissen, dass die Wahrheit auch am linken Flügel nicht gerne gehört wird.
    Aber ey, von wem wenn nicht von links sollte denn sonst noch Kritik kommen? Man muss die Kriegstreiber doch beim Namen nennen dürfen, auf welche Art auch immer.
    Die Linken müssten sich wenigstens nicht den Vorwurf gefallen lassen, dass sie Nazis sein, wenn sie mit der Politik der Regierung nicht einverstanden sind. Und damit stehen sie ja bekanntlich nicht alleine da...

  11. 7.

    Vielleicht war es auch eine bewusste Äusserung von ihm,um überhaupt Aufmerksamkeit für das Thema zu bekommen. Denn heutzutage bekommt man diese nicht wegen dem Inhalt,sondern vor allem für die Formulierung dessen.
    Da es auf der Seite der Tagesschau keinen Artikel über die Ostermärsche,dagegen einen über diese Äusserung gibt,ist das gar nicht so unwahrscheinlich.

    Die Sendung "die Anstalt" sollte vieleicht auch mal verbal entgleisen,denn deren sachliche Kritik zum Thema Rüstung in der letzten Folge bekam wieder mal gar keine mediale Beachtung.

  12. 6.

    Ich mag keinen der beiden.
    Das Wort "Stricher" war aber bereits vor der Zeit der Nazi-Herrschaft gebräuchlich. Daher ist die Behauptung eine FakeNews: https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4nnliche_Prostitution, Abschnitt 1.2

  13. 5.

    Ich kann mit der Äusserung leben. Auch wenn es natürlich nicht die feine Art ist,gibt es nachvollziehbare Gründe dafür.
    Der Tagesschau Artikel ist etwas präziser bei der Begründung dafür. Dehm kritisiert die Ausweisung,weil es eben KEINE Beweise für Russlands Schuld gibt. Als ehemaliger Justizminister sollte Maas es aber besser wissen und keinen vorauseilenden Gehorsam leisten. Dass er es trotzdem tut,hätt ich von dem auch nicht anders erwartet. Das kann man schon mal mit drastischen Worten hervorheben.

    Bezeichnend für die komplette Medienlandschaft,dass sich jetzt wieder über die Äusserung aufgeregt wird und nicht über den Grund dafür. Ich frage mich immer,wie so etwas sein kann.

    Bezeichnend für die "neuen" Linken,dass sich über ein Wort aufgeregt wird,dass laut Nöll NS-Vergangenheit (Quelle: Tagesschau) hat,aber der Grund für die Äusserung scheinbar nicht so schlimm ist.

    Ein Dehm als Politiker ist mir jedenfalls lieber als ein Maas.

  14. 4.

    Nun, mit seiner Einschätzung hat ja Dehm Recht, aber als Mensch und enttrarnter Stasi-Spitzel ist er unsympatisch.
    Das sich Die Linke solcher Leute bedient, war mir schon immer schleierhaft.

  15. 3.

    Wenn die Berliner keine anderen Probleme haben...

    Mann und Frau können die Formulierungen kritisieren, um so mehr aber die (derzeitige) deutsche Aussenpolitik, die daran arbeitet, die Brücken gen Osten zu befestigen, damit (auch) deutsche Panzer schneller gen Osten verlegt werden können.
    Wer hier keine deutlichen Worte findet und sich lieber hinter (s)einem Polit-Sprech versteckt, macht sich mitschuldig.

  16. 2.

    Soll sich öffentlich entschuldigen und dann Schwamm drüber. Der Herr ist da schon etwas übers Ziel hinaus geschossen, aber dass man als Politiker heute damit immer gleich das Ansehen der ganzen Partei schädigen soll, ist irgendwie auch lächerlich. Im Wesentlichen hat er sein eigenes Ansehen geschädigt. Diese ständigen Forderungen nach Ausschlüssen oder Rücktritten von unbequemen Politikern, weil sie verbal daneben gegriffen haben, nerven mich. Ist meine persönliche Meinung. So ein Politiker muss auch mal was aushalten können, egal zu welcher Fraktion er gehört. Allerdings sollten Politiker dann auch die Größe haben, Fehler einzugestehen und um Verzeihung zu bitten.

  17. 1.

    Ich äußere mich ja recht selten zur persönlichen Veranlagung von Menschen. Bei Personen des "öffentlichen Lebens" wie ja Dieter Dehm einer ist und einer sein will, verhält es sich manchmal anders, auch wenn da Zurückhaltung angebracht wäre.

    Nur so viel: Ich empfinde Dieter Dehm geradezu als tragische Person und - Asche auf mein Haupt - als "verkrachte Existenz". Der Mann hat schon ziemlich sämtliche Parteigründungen und -mitgründungen einer Coleur durch und kann offenbar nicht einmal mit sich selber Frieden schließen.

    In den 1980ern hat er berechtigt AnKLANG gefunden.

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