Baustelle am Heeresbekleidungsnebenamts in Bernau (Quelle: rbb/ Dominik Lenz)
Audio: Inforadio | 10.04.18 | Dominik Lenz | Bild: rbb/ Dominik Lenz

Wachstumsschmerzen in Brandenburg - Wie sich Bernau auf zuziehende Berliner vorbereitet

Bernau im Landkreis Barnim ist eine typische Speckgürtelgemeinde: nah der Hauptstadt, gute Verkehrsanbindung, Grund und Boden noch etwas günstiger. Und genau deshalb wird es dort langsam eng. Platz bietet allerdings eine alte Kaserne. Von Dominik Lenz

Irgendwann hieß es einmal: Bernau ist voll. Doch anscheinend muss der Druck nur groß genug sein, damit doch noch etwas geht. Denn überall in der Stadt wird gebaut und die Stadt verändert sich rasant. "Zuzug ist gut, ich find's gut", sagt eine Anwohnerin. Doch es gibt auch Kritik. "Da wird an zu vielen Ecken zu viel gemacht, aber nicht an einer konzentriert. Wir werden ja bald eine Großstadt", sagt eine andere Bernauerin. 

Weil der Platz immer enger wird, sind es inzwischen weniger die Einfamilienhäuser, die gebaut werden, sondern eher Mehrfamilienhäuser, um dem enormen Zuzug Herr zu werden. Den betrachtet mancher Bernauer auch mit Sorge. "Ich kenne es noch, da waren wir 13.000, 14.000 Einwohner. Jetzt sind wir bei 30.000 bis 40.000", sagt ein Alteingesessener. Die Straßen würden nun mal nicht breiter.

25 Jahre lang erfolglos nach einem Investor gesucht

Mehr Menschen, mehr Verkehr - dieses Thema müsse angegangen werden, sagt auch der Bernauer Bürgermeister André Stahl (Linke). "Wir sind zum einen dabei, den ÖPNV, den Busverkehr deutlich auszubauen. Wir haben außerdem das Bebauungsplanverfahren für eine Entlastungsstraße so gut wie abgeschlossen. Und wir werden verkehrsorganisatorisch versuchen, den Stadtring auszubauen. Insofern denken wir, dass wir gut vorbereitet sind", sagt er.

An diesem Tag steht Stahl auf der Baustelle des früheren Heeresbekleidungsnebenamtes - einem gewaltigen, kasernenartigen Gebäude, in denen die Reichswehr einst ihre Uniformen lagerte. Zwischenzeitlich waren dort die Sowjets stationiert, dann lagen die Häuser ein Vierteljahrhundert brach. Ein Schandfleck, der jetzt zum Glücksfall wird. "Wir haben hier 25 Jahre lang versucht, diese zwei großen Immobilien an den Mann zu bringen, erfolglos", sagt Stahl. "Wir sind sehr glücklich, dass wir einen Investor gefunden haben, der diese Immobilie entwickelt."

Blick auf den noch unsanierten Teil des ehemaligen Heeresbekleidungsamts in Bernau (Quelle: Bernd Settnik / dpa)Am Schönfelder Weg wird das Ex-Heeresbekleidungsamt bereits bebaut und saniert, auf dem Gelände an der Schwanebecker Straße findet derzeit die Bauvorbereitung statt.

2.640 neue Wohnungen

640 Wohnungen entstehen gerade in den Stahlbetonskeletten des Heeresbekleidungsnebenamts. Im ehemaligen Hauptamt sollen noch einmal 2.000 folgen. Der Investor zeigt sich sicher: Trotz hoher Investitionskosten werde er bei den derzeitigen Immobilienpreisen gutes Geld damit verdienen.

Der Bürgermeister sagt, er sei optimistisch, dass am Ende dennoch nicht nur die Besserverdiener hier lebten. "Wir gehen davon aus, dass wir eine gewisse Mischung hinbekommen werden. Wir haben einen gesunden Interessensausgleich zwischen der Stadt und dem Investor geschafft.  Er ist verpflichtet, einen ganzen Teil Erschließungsmaßnahmen kostenlos zu erbringen, uns Grundstücke zu übertragen, unter anderem für den Kita-Neubau. Insofern denken wir, dass das ein guter Kompromiss sein wird", erklärt André Stahl. 

Dass die Menschen derzeit vor allem deshalb nach Bernau ziehen, weil es so schön nah an Berlin liegt, störe ihn nicht. Wenn sie erstmal hier seien, merkten sie schnell, dass sie die Hauptstadt gar nicht mehr bräuchten, sagt der Bürgermeister und schmunzelt.

Beitrag von Dominik Lenz

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Da gibt es bestimmt in der Brandenburger SPD jemanden, der ganz schnell beweist, das nur die gute und weitsichtige Politik, diese Wachstumsschmerzen erzeugen. Immer schön abwarten und nichts tun, bis einem ein Wahlkampfthema zufällig zufällt.

  2. 1.

    Hoffe, die Bahn liest all diese Berichte über das wachsende Umland, dami sie im nächsten Jahrzehnt mit Streckenverbesserung plant, von der dann nach Umsiedlung aller Schnecken die übernächste Generation profitieren kann...

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