Ein Fleischbeschauer kontrolliert am Fließband die Darmpakete der geschlachteten Hähnchen auf sichtbare Krankheiten, Geflügel-Schlachthof von Friki in Storkow, 14.12.17 (Quelle: rbb|24 / Schneider).
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Ärger um gefälschten Imagefilm - Brandenburger Tierschützer bekennen sich zu Fake-Video

Der gefälschte Imagefilm aus Brandenburg ist von einem Bündnis von Tierschützern ins Netz gestellt worden. Die Aktivisten outeten sich am Donnerstag und kritisierten, im Originalfilm schmücke sich die Landesregierung mit Federn, die sie "dem Land systematisch ausreißt".

Hinter dem Video, das die neue Imagekampagne des Landes Brandenburg imitiert, stecken Tierschutz- und Umweltaktivisten vom Bündnis "Aufstand gegen Massentierhaltung". "Wir sind ein Bündnis von Initiativen aus ganz Brandenburg, das sich gegen riesige Tiermastanlagen wehrt", sagte eine Sprecherin am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Das Bündnis wende sich gegen die Agrarpolitik der rot-roten Landesregierung. Die Tierhaltung in riesigen Ställen sei "für die Anwohner, die Natur und die Tiere unhaltbar".

Am Mittwoch hatten die Aktivisten die neue Imagekampagne des Landes Brandenburg unter dem Motto "Es kann so einfach sein" gekapert und eine Website eingerichtet, die den Eindruck erweckt, von der Landesregierung selbst zu stammen. In einem Spot zur Landwirtschaft werden Investoren eingeladen, in Brandenburg große Tierzuchtanlagen zu errichten. "Was Umwelt und Tierschutzauflagen angeht, da lassen wir schon mal Fünfe gerade sein - wirtschaftlicher Erfolg geht vor", heißt es in dem zweiminütigen Satire-Spot. "Ein Volksbegehren gegen Massentierhaltung haben wir erfolgreich abgewehrt."

Das Satire-Video der Tierschützer

Die Aktivisten werfen der Landesregierung vor, seit Jahren den Ausbau der industriellen Tierhaltung voranzutreiben - obwohl ein erfolgreiches Volksbegehren ein Ende der Massentierhaltung gefordert hatte. Mitte Januar 2016 waren dafür fast 104.000 gültige Unterschriften zusammengekommen. Gefordert wurde darin unter anderem, dass die Massentierhaltung weniger bezuschusst, ein Tierschutzbeauftragter eingesetzt und artgerechte Haltung stärker eingefordert wird.

Die Landesregierung und das Bündnis Agrarwende einigten sich daraufhin auf einen Kompromiss, der unter anderem einen Tierschutzplan und einen Tierschutzbeauftragten beinhaltet. Doch die Gegner der Massentierhaltung sind der Meinung, dass sich bisher kaum etwas verändert hat.

"Die Landwirtschaft hat nichts Idyllisches"

Die Landesregierung schmücke sich in ihrer neuen Image-Kampagne mit Federn, "die sie dem Land seit Jahren systematisch ausreißt", sagte Brigitte Rosental vom Aktionsbündnis. Die Landschaft in Brandenburg habe nichts Idyllisches. "Eine Mega-Tierfabrik nach der anderen wird hier hochgezogen", sagte Rosenthal. "Die Anwohner werden vom Gestank der Gülle aus ihren Gärten und von ihren Terrassen vertrieben. Den Tieren geht es noch viel schlimmer", sagte die Tierschützerin. Daher müsse die weitere Genehmigung von Massentieranlagen ausgesetzt werden. Außerdem müssten "alle Bürger die Möglichkeit bekommen, bei Verstößen gegen Tierschutzgesetze die Betreiber verklagen zu können".

Landesregierung prüft rechtliche Schritte gegen Satire-Video

Während viele Medien ausführlich über die Kampagne berichteten, habe es von der Landesregierung bislang keine inhaltliche Stellungnahme gegeben, beklagte Rosenthal. "Zu unserer Enttäuschung vermeidet die Landesregierung eine inhaltliche Auseinandersetzung mit unserer Kritik."

Regierungssprecher Florian Engels hatte am Mittwoch erklärt, man freue sich, wenn die Imagekampagne des Landes andere inspiriere. "Satire sollte aber nicht mit bösartigen Unterstellungen arbeiten", betonte er mit Blick auf das aktuelle Video. "Nicht zu akzeptieren sind offizielle Landessymbole und die Behauptung, es sei ein Film des Landes."

Am Donnerstag bestätigte Engels, dass die Staatskanzlei inzwischen rechtliche Schritte gegen die Urheber des Videos prüfe. "Dabei geht es weniger um das Video selbst, sondern um die Verwendung des Hoheitszeichen des Landes und die Darstellung, dass der Clip eine Veröffentlichung der Landesregierung sei", sagte Engels.

Sendung: Brandenburg aktuell, 26.04.2018, 19:30 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Mich würde ja mal interessieren,wie die Koaltionspartner einzeln dazu stehen. Also bei der SPD kann ich es mir ja denken,aber was sagen die Linken dazu?
    Vielleicht sollten die Grünen der nächsten Koaltion beitreten.

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