Andreas Geisel (SPD), Innensenator von Berlin, unterhält sich am 16.04.2018 mit Teilnehmern einer Protest-Mahnwache der Feuerwehr. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Bild: dpa/Britta Pedersen

Bessere Arbeitsbedingungen - Feuerwehr und Innensenator sind sich offenbar einig

Zu viele Einsätze, zu wenig Personal: Gegen die derzeitigen Arbeitsbedingungen protestiert die Berliner Feuerwehr seit Wochen vor dem Roten Rathaus. Laut Verdi gibt es jetzt aber eine mündliche Einigung mit dem Innensenator über Verbesserungen.

Die Arbeitsbedingungen bei der Berliner Feuerwehr könnten sich bald bessern. Innensenator Andreas Geisel (SPD) und Personalvertreter der Feuerwehr hätten sich mündlich auf entsprechende Maßnahmen geeinigt, sagte ein Verdi-Sprecher am Freitag. Eine schriftliche Vereinbarung solle in den kommenden Tagen folgen.

Innensenator Geisel hatte bereits vorab auf erste konkrete Schritte verwiesen: Es werde 350 zusätzliche Stellen bei der Feuerwehr, mehr Beförderungsmöglichkeiten und 94 neue Fahrzeuge geben. Geplant seien zudem die Auszahlung von 100.000 angehäuften Überstunden, ein neues Dienstzeitmodell mit 12- statt 24-Stunden-Schichten und eine Kampagne gegen Missbrauch von Notfallnummern. Diskussionsbedarf gebe es noch bei der tariflichen Einstufung von Notfallsanitätern und den Feuerwehrzulagen.

"Berlin brennt"-Feuer soll erst bei endgültiger Einigung erlöschen

Die einzelnen Punkte würden "in unterschiedlichen Zeitschienen" umgesetzt, sagte Geisel am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. "Missstände, die sich über Jahrzehnte angehäuft haben, können nicht über Nacht geändert werden."

Seit Wochen machem die Feuerwehrleute vor dem Roten Rathaus mit der Mahnwache "Berlin brennt" auf die Probleme aufmerksam gemacht. Der Verdi-Sprecher kündigte an, bei einer finalen Einigung bis Montag, solle auch die brennende Tonne vor dem Roten Rathaus erlöschen. "Wir machen die Tonne aber erst aus, wenn alles in trockenen Tüchern ist", so der Sprecher.

Einsatzzahlen stark gestiegen

Die Zahl der Feuerwehr-Einsätze inklusive der Rettungsdienste ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Besonders der Missbrauch des Notrufs und der Rettungsdienste wegen Bagatellen belastet die Retter, schon jetzt machen die Rettungseinsätze den überwiegenden Großteil aller Feuerwehreinsätze aus.

Aus einer Auflistung der Senatsinnenverwaltung geht hervor, dass allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres in 1.386 Fällen Löschfahrzeuge gar nicht oder nur eingeschränkt besetzt werden konnten. Das ist häufiger als im gesamten vergangenen Jahr - 2017 lag die Zahl bei 1.134. Das heißt, dass die Wagen komplett außer Dienst genommen oder mit weniger als der notwendigen Personenstärke von sechs Personen besetzt werden mussten.

Sendung: Radio Berlin 88,8, 27.04.2018, 16.00 Uhr

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 10.

    Die Feuerwehrleute sollten sich nicht wieder einlullen lassen. Denkt an die vielen nichterfüllten Versprechungen der letzten 17 Jahre!
    Die Regierungsparteien sind nicht die Lösung des Problems, sondern das Problem!

  2. 9.

    Es wurden fast überhaupt keine der geforderten Punkte erreicht.
    Den Ausgkeich für die rechtswidrig angeordneten Überstunden seit 2001 ebenso wie die rechtswidrige Alimentation seit 2008 muss sich jeder Feuerwehrmann selbst vor Gericht einfordern. Kein Entgegenkommen des Senats trotz festgestellter Rechtswidrigkeit.
    Versprochener schneller Angleich an das Bundesniveau der Besoldung wurde versprochen. Jetzt hat der Senat bei mir aus einem Rückstand von 151 Euro zum Brandenburger Niveau sagenhafte 6 Euro auf jetzt 145 Euro gemacht.
    Beförderungen im mittleren Dienst der Feuerwehr finden auch bis auf die Notfallsanitäter nicht statt ! 25 Jahre und länger bei der Feuerwehr und mal gerade eine Beförderung zum Oberbrandmeister. Das wars dann auch schon !
    Mit dieser Politik findet man kein neues dringend benötigtes Fachpersonal !
    Ich hoffe, das die Tonne bei dieser ignoranten Regierung noch viel länger stehen bleibt !

  3. 8.

    Das was Einigung genannt wird empfinden sehr viele Feuerwehrmänner als Niederlage. Ein Großteil der Forderungen wird nicht erfüllt. Bei anderen Forderungen werden Politiker typische Durchhalteparolen geschmettert.

  4. 7.

    Die 350 neuen Stellen waren schon längst beschlossene Sache. Zumindest stand das so in der Presse.


    Die 94 neuen Fahrzeuge wurden schon vor längerem bekannt gegeben. Auch das konnte man in der Presse schon lesen.


    Die Auszahlung von Überstunden. Ich dachte immer das ist ganz normal wenn sie nicht in Freizeit abgegolten werden können. Scheinbar ist das hier ein Riesenerfolg.



    In den ersten drei Monaten des Jahres waren 1386 mal Löschfahrzeuge außer Dienst oder unterbesetzt.
    Mehr als im gesamten letzten Jahr.

    Vielleicht könnte das aber auch mit am neuen Dienstplan liegen, der seit Januar nach und nach eingeführt wurde.

    Stichwort: Ich dachte der neue Dienstplan war ein Hauptkritikpunkt. Hier wird er als Erfolg gefeiert. Komisch.

  5. 6.

    Alles nur schön geschrieben hier....Die Gewerkschaften könnten sich mal wieder nicht so recht durchsetzen!
    Die Überstunden werden auch nur zu 80 % Ausgehalten, der Rest darf in Freizeit genommen werden (die dienstliche Situation lässt es aber nicht zu)oder man lässt sich die 20 % in Etappen auszahlen. 44 Stunden Woche stimmt bedingt, da wir trotzdem 48 Stunden arbeiten und die 4 Überstunden pro Woche werden ausgezahlt. Lasst euch nicht Verarschen

  6. 5.

    Leider sind diese Ergebnisse nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Sicherheit der Berliner Bevölkerung ist meiner Meinung nach immer noch gefährdet, und auch meine Familie und Freunde leben in Berlin. Ich fühle mich ein weiteres mal von der Politik in der A..... getreten.

  7. 4.

    Keine unserer Forderungen würde erfüllt, die Tonne muss weiter brennen.
    Das sind wir uns und natürlich der Berliner Bevölkerung schuldig.

  8. 3.

    Die Einigung ist ein Witz. Keine Absenkung der Alarmzahlen (Belastung), keine sofortige Erhöhung des Gehaltes und weiter das Familienunfreundliche 12h Dirnstplsnmodel. Traurige Vorstellungen. Dafür muss sich keiner feiern lassen. Die Politik sollte sich schämen für solch ein Versagen.

  9. 2.

    Einigung sollte man es nicht nennen, man hat sich angenähert und Probleme genannt.
    Aber RRG feiert sich als Retter der Retter.

  10. 1.

    Ist der Senat endlich aufgewacht?? Mal sehen was davon wahr wird was der Innensenator versprochen hat.

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