Karl-Heinz Schröter, Innenminister Brandenburg (SPD), begrüßt die mit 1,54 Meter kleinste Anwärterin für den gehobenen Polizeidienst (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Video: Brandenburg aktuell | 03.04.2018 | Andreas Hewel | Bild: dpa

Polizistin mit 1,54 Meter - Für die Berliner Polizei zu klein, für Brandenburg groß genug

In Berlin durfte Celina Knop nicht einmal am Eignungstest für den Polizeidienst teilnehmen - sie ist sechs Zentimeter zu klein. In Brandenburg wurde die Zulassungsvoraussetzungen im vergangenen Jahr reformiert - und der Innenminister spottet nun über Berlin.

In Berlin war sie zu klein für die Polizei - nun geht für Celina Knop in Brandenburg ein langgehegter Traum in Erfüllung. Die 1,54 Meter große Berlinerin hat in Oranienburg (Landkreis Oberhavel) ihre Ausbildung zur Polizeibeamtin im gehobenen Dienst begonnen. "Ich möchte zur Kripo, am liebsten zur Drogenfahndung", sagte die 20-Jährige strahlend, als sie am Dienstag ihre Ernennungsurkunde in Empfang nahm.

Einige Bekannte und Verwandte seien bei der Berliner Drogenfahndung, daher habe sie diesen Berufswunsch bereits seit Teenagerzeiten, sagte Knop. "Daher habe ich auch schon mit 14 Jahren mein Schülerpraktikum in einer Berliner Polizeidienststelle gemacht."

Brandenburg hat seine Eignungstests reformiert

Doch in der Hauptstadt wurde ihre Bewerbung wegen der dort geltenden Mindestgröße für Polizeibeamtinnen von 1,60 Metern abgelehnt, Knop durfte nicht zum Eignungstest antreten. Dagegen wurde in Brandenburg die Messlatte für die Körpergröße von Polizisten vor einem knappen Jahr ersatzlos gestrichen.

"Ein entscheidender Punkt für die Eignung ist nicht die Körpergröße, sondern die körperliche Eignung für den Polizeidienst", sagte der Sprecher des Brandenburger Innenministeriums, Ingo Decker. "Und die wird in den Sporttests ermittelt." Daher wurde die Körpergröße als Einstellungskriterium Anfang Mai 2017 aufgehoben. Auch die Sporttests wurden im vergangenen Jahr neu geregelt. Nun können die Bewerber unter vier Disziplinen auswählen, um ihre Eignung zu beweisen.

Über Knop hatte zunächst die "Berliner Morgenpost" berichtet.

"Gut, dass die Berliner noch nicht in der Neuzeit angekommen sind"

Wie viele andere Bundesländer sucht die Brandenburger Polizei händeringend Nachwuchs, daher wurde die Zahl der Polizeianwärter an der Fachhochschule in Oranienburg in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht. Vergangenes Jahr wurden mit 417 jungen Menschen so viele Anwärter aufgenommen wie nie zuvor.

Am Dienstag war Knop eine von 197 jungen Frauen und Männern, die zu Polizeianwärtern ernannt wurden. Außerdem begann für 24 Beamte des mittleren Dienstes der Aufstiegslehrgang in den gehobenen Polizeidienst.

Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) gratulierte Anwärterin Knop persönlich. "Die Zeit der langen Kerls ist vorbei. Wir haben ja in Brandenburg auch keine Vorderlader mehr", sagte er und gab Knop eine kurze Geschichtsstunde zur Armee unter Friedrich dem Großen - der  ja auch nicht besondes lang war. Während seiner Begrüßungsrede verband Schröter die Einstellung Knops mit einem Seitenhieb auf die Berliner Polizei: "Gut, dass die Berliner noch nicht in der Neuzeit angekommen sind, so haben wir eine gute zukünftige Polizistin für unseren Brandenburger Polizeidienst."

Sendung: Brandenburg Aktuell, 03.04.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Körpergröße macht noch keinen guten Polizisten. Ich hatte mal mit zwei zu tun, die waren zusammen an die vier Meter gross, aber leider auch kriminell (Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Meineid). Wünsche der Dame alles Gute.

  2. 6.

    Vielleicht sollte man im gesellschaftlichen Modernisierungswahn nicht alles bisher anders gehandhabte über Bord werfen. Warum musste eigentlich ein Polizist früher (heute noch im Ausland) nicht nur geistig, sondern auch körperlich "auf der Höhe sein"? Gibt es da vielleicht eine gewisse Gefährlichkeit und die ständige Gefahr einer körperlichen Auseinandersetzung?
    Ich denke, die Polizeiführung tat weder der jungen Dame noch ihren Kollegen einen Gefallen mit der "neuzeitlichen Entscheidung". Die Menschen die solche Entscheidungen treffen werden später sicher nicht mit der jungen Dame Streife fahren müssen.

  3. 5.

    Das mit den Sporttests finde ich aber auch schwer diskriminierend. Irgendwie. Gehört ebenfalls mal neu geregelt und schön reformiert, damit wir in der Neuzeit ankommen. Ich sehe schon vor mir, wie die bösen Buben Brandenburgs zittern werden, wenn die 1,50 Meter großen, 45 (oder 75?) Kilo schweren Fahnder ankommen.

    Apropos: Ich bin alt, männlich und übergewichtig, träume aber schon seit Teenagerzeiten davon, als Primaballerina über die Bühne der Staatsoper zu hüpfen. Wie kann ich mich da reinklagen? (Oder brauche ich dafür nur nach Brandenburg zu gehen?)

  4. 4.

    Polizisten sind keine Türsteher, die unter Alkoholeinfluss stehende Jugendliche durch ihre schiere Körpergröße und Masse so einschüchtern sollen, dass diese sich Unterwerfen.

    Bei der betreffenden Frau handelt es sich um eine angehende Polizeibeamtin im gehobenen Dienst, welche in Zukunft sowieso höchtwahrscheinlich nicht zu ihrem fiktionalen Einsatz gerufen wird.

    Darf ich fragen, wie groß Sie sind? Ich mache Sie gern mit Menschen bekannt die keine 1,70 groß sind und jeden Durchschnittstyp über 1,90 fertig machen. Ich mache Sie auch gern mit Menschen bekannt die über 1,90 groß sind und keine Chance gegen beliebige Durchschnittstypen haben. Was hat die Körpergröße dann noch mit der Einsatzfähigkeit zu tun?

    Anscheinend gibt es jedoch nicht genug Bewerber die sowohl eine ansehnliche Körpergröße als auch die geistigen Voraussetzungen erfüllen.
    Was ist ihnen lieber? Dass ein großer Polizeibeamter kommt, oder DASS ein Polizeibeamter kommt.

  5. 3.

    Ihr Komentar in allen Ehren, aber wenn Sie in einer gewalttätigen Situation oder anderweitigen Notlage es für nötig erachten die Polizei anzufordern um Ihnen aktuell geschehenes Unrecht zu beenden, wer wäre Ihnen dann lieber. Jemand mit dieser von Ihnen benannten militärgeschichtlich tradierten Körperstereotype oder 1,54 m Weiblichkeit.

  6. 2.

    Wow! Brandenburg ist moderner als Berlin. Irre. Man hat es evolutionär anmutend geschafft, von einer willkürlichen militärgeschichtlich tradierten Körperstereotype und damit einem Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und der freien Berufswahl, zu einer sportlichen Tauglichkeit zu kommen. Am Ende ging es schnell, was? Crazy. Und ich dachte, man müsste gut ausgebildet sein, das Grundgesetz, gerne auch das ein oder andere Soziale Gesetzbuch kennen etc., um bei der Polizei 'was zu werden.

    Oder ich irre mich und in Berlin sind einfach die Aktenberge so hoch, dass man diese erst ab einer Mindestkörpergröße überschauen kann...

  7. 1.

    Das die körperliche Eignungskriterien immer mehr aufgeweicht werden für den Polizeidienst finde ich nicht gut. Jeder Polizeibeamte sollte einen gewissen Mindeststandard, zumindest bei der Einstellung erfüllen, da das polizeiliche Gegenüber zumeist aus jungen fitten Männern besteht und gewisse körperliche Reserven bei Widerstandshandlungen benötigt werden.
    Die Polizei die es so schon nicht leicht hat wird so nur weiter an Respekt und Durchsetzungskraft verlieren! Ich denke auch viele langjährige Beamte wären dankbar über einen späteren Bürojob, diese werden aber schnell notgedrungen durch nicht vollzugsfähiges jüngeres Personal besetzt.

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