Archivbild: Das Haus der Statistik am Alexanderplatz. (Quelle: imago/Meissner)
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Video: rbb Aktuell | 16.04.2018 | Florian Eckardt | Bild: imago/Meissner

Gebäudekomplex am Alexanderplatz - Haus der Statistik wird sechs Jahre lang aufgemotzt

Seit etwa zehn Jahren verfällt das ehemalige Haus der Statistik am Alexanderplatz. Nun tut sich was: Die Innenräume wurden von Schutt und Müll befreit. Bis Ende des Jahres sollen die Pläne stehen, wie das Gebäude bis 2024 wieder in Ordnung gebracht werden kann.

Durch das Haus der Statistik pfeift der Wind. Die Fensterscheiben sind entweder ausgebaut oder zerschlagen. Die Innenwände sind mit Löchern übersät, die Kabelschächte leer. Seit zehn Jahren steht der zwölfstöckige Gebäudekomplex leer. Jahrelang hatte die Politik auf einen Abriss und einen lukrativen Verkauf des Filet-Grundstücks am Alexanderplatz spekuliert.

Doch seit diesem Jahr arbeitet die landeseigene Berliner Immobilienmanagement-Gesellschaft (BIM) im Auftrag der rot-rot-grünen Koalition daran, die Ruine zu sanieren: Die Vorplanungen und ein Wettbewerb zur Neugestaltung der Fassade sollen bis Jahresende abgeschlossen sein, sagte BIM-Geschäftsführer Sven Lemiss dem rbb. Aus dem Haus der Statistik solle ein neues Eingangstor zur Karl-Marx-Allee werden. In einem ersten Schritt wurden die Innenräume des Komplexes von Unrat und Sperrmüll befreit.

Kopfbau soll Kreativen neue Räume geben

Als Hauptnutzer soll das Bezirksamt Mitte in das renovierte Gebäude ziehen. Die Verwaltung werde aber nur einen Teil der Fläche belegen, sagte Lemiss. "Wir werden soziale Nutzung haben, wir werden Kultur hier haben, wir werden sicherlich Sonderformen Wohnen haben." Lemiss ergänzte aber auch: "Das braucht sein Zeit." Für Vorplanungen, die Vergabe der Bauaufträge bis hin zur entgültigen Fertigstellung plant der BIM-Chef sechs Jahre ein. Im Mai 2024 soll die Schlüsselübergabe stattfinden.

Geplant ist, 20 Prozent der Fläche kreativen Projekten zur Verfügung zu stellen. Diese sollen an prominenter Stelle im Kopfbau des Gebäudes am Alexanderplatz untergebracht werden. Der Verein "Initiative Haus der Statistik" erarbeitet derzeit Konzepte für die Nutzung dieser Flächen.

2017 im Haus der Statistik

Sanierungen im Wert von fast drei Milliarden Euro notwendig

Das ehemalige Haus der Statistik, das ab 1970 der Sitz der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik der DDR war, ist allerdings nur eines von etwa 1.500 Gebäuden in Landesbesitz, die dringend saniert werden müssen. Die BIM schätzt, dass dafür Kosten von insgesamt 2,9 Milliarden Euro anfallen werden. Allein für die Instandsetzung der rund 360 Berliner Polizeigebäude sei etwa eine Milliarde Euro notwendig.

Allerdings herrscht ein Sanierungsstau. Zwar sei nach dem Ende der Sparpolitik genügend Geld da, sagte Finanzstaatssekretärin Margarethe Sudhoff dem rbb-Inforadio. Es sei allerdings ein Problem die Mittel nun auch zu verbauen. "Mehr als 70 Millionen können Sie bei der Polizei im laufenden Betrieb nicht verbauen, ohne den Betrieb nicht ganz wesentlich zu beeinträchtigen." Derzeit stünden allein Sofortmaßnahmen im Gegenwert von 85 Millionen Euro an, sagte Sudhoff. Es würden in diesem Jahr allerdings nur Baumaßnahmen im Wert von 30 Millionen umgesetzt.

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Ich finde das Vorgehen gut. Und bin gespannt darauf, welcher Nutzermix sich letztlich darin einfinden wird. Hab ne Idee dazu. Um den Bezug zur DDR stärke zu betonen (für Touristen), könnte das Marx-Engels-Denkmal bzw. das Forum vor dieses Gebäude ziehen.

  2. 6.

    Warum muss man diesen ultrahäßlichen Bau für diese utopische Summe aufmotzen. Zumal noch nicht mal die genaue Nutzung geklärt ist geklärt ist. Keine Privatperson würde erst ein Haus bauen und dann mal ein Nutzungskonzept erstellen.
    Abreißen und moderne, attraktive Großstadtarchitektur wäre hier toll. Aber Berlin kann ja nur Provinz......

  3. 5.

    "Wir werden soziale Nutzung haben, wir werden Kultur hier haben, wir werden sicherlich Sonderformen Wohnen haben."
    So ein Quark. Wenn da die Verwaltung einzieht, ist das vorbei. Die kann allerdings überall sitzen, die brauchen doch keine 1A- Lage im Zentrum. Dort würde ein internationaler Büromix hinpassen, aber Berlin möchte lieber wieder zu 100% provinziell sein. Lächerliches Konzept.

  4. 4.

    Ein Foto dokumentiert, hier wohnten Menschen. Demnach: Stadtgeförderte Künstler verdrängen Bedürftige.

  5. 3.

    Das mit dem Abriss ist wohl billiger, ja. Man kann doch vielleicht ein Universitätsgebäude für Forschung und Lehre daraus machen. Bringt Berlins Wirtschaft ja auch langfristig was. Nur bitte nicht BWL. Danke. Kann man als Land den Bund enteignen? Weil 50 Millionen Kaufpreis für eine verwahloste Ruine ist ja wohl ein Witz. Oder Zwangsverwalten? Der Bund macht ja nichts.

  6. 1.

    Abreißen diesen hässlich Bau und durch modernes, vertikal ausgerichteten Bau ersetzen. DDR hat Berlin genug. Da bedarf es keines Erhalts um jeden Preis!

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