Entwicklung des Areals Hertzallee Nord (Quelle: yellow z urbanism architecture)
Bild: yellow z urbanism architecture

Entwicklungsplan für die Hertzallee vorgestellt - Rund um den Bahnhof Zoo entsteht ein neues Viertel

Im Westen tut sich was: Rund um die Gedächtniskirche sieht fast nichts mehr so aus wie vor zehn Jahren. Neben dem Bahnhof Zoo, wo einst ein 175 Meter hohes Riesenrad geplant war, soll sich nun ebenfalls einiges tun. Auch ein Hochhaus ist geplant. Von Oliver Noffke

Würde man jemanden bitten, die Gegend rund um die Gedächtniskirche zu beschreiben, der dort zehn Jahre lang nicht war, er würde wohl antworten: Passanten hetzen an Schaufenstern voller Ramsch vorbei, vom Bikinihaus blättert die Farbe, am Zoopalast herrscht gähnende Leere an den Kassen, der lange Schatten des Schimmelpfeng-Hauses hält die Abendsonne vom Breitscheidplatz ab.

Die Person würde die City West heute nicht wieder erkennen, denn die Gegend hat eine Metamorphose hinter sich gebracht: Nirgendwo hat sich die Berliner Innenstadt so rasant und eindrucksvoll entwickelt. Diese Zeit des Neubaus und der Renovierungen soll aber noch lange nicht abgeschlossen sein.

Am Dienstagabend lud die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen zur ersten sogenannten Standortkonferenz zur Entwicklung eines Gebiets, das Hertzallee Nord getauft wurde. Ein nahezu quadratisches Areal zwischen Fasanenstraße, Landwehrkanal, S-Bahndamm und eben der Hertzallee. Hier war einmal ein 175 Meter hohes Riesenrad geplant. Der erste Spatenstich durch Klaus Wowereit (SPD) blieb allerdings die einzige Baumaßnahme an dem Projekt. Seitdem wurde hier vor allem viel Zirkus veranstaltet. Jetzt soll das Areal richtig entwickelt werden.

Die Brache an der Hertzallee (Quelle: Imago/ Schöning)
Brache am Bahnhof Zoo.Bild: Imago/ Schöning

2023 müssen die ersten Gebäude fertig sein

Für zwei Gebäude der Technischen Universität am Nordwestzipfel des Geländes gibt es bereits konkrete Pläne. Die Studenten der Fakultät Mathematik sollen hier eine neue Heimat erhalten. Zudem habe die TU Fördergelder für ein neues Forschungszentrum erhalten, sagte Martin Schwacke, der für das Gebäudemanagement der Uni zuständig ist. "2017 wurde der Realisierungswettbewerb prämiert, beide Gebäude werden jetzt mit Nachdruck vorangetrieben." Bis 2023 müssen die Fördergelder verbaut werden. Im Oktober sollen die Planungen endgültig abgeschlossen sein. Geplanter Baubeginn ist 2019.

"Die TU gibt sozusagen das Schrittmaß vor und deswegen sollten jetzt alle mitziehen", sagte die zuständige Bausenatorin Katrin Lompscher. Die Linken-Politikern attestierte: "Dieses Areal hat eine außergewöhnliche stadtpolitische Bedeutung, die muss ich niemandem erklären." Womit sie wiederum erklärte, warum der Senat den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte nicht die alleinige Verantwortung bei der Entwicklung überlässt.

Keine Kopie von München-Schwabing

Neben dem Senat, der auch als Bauherr bei den Universitätsgebäuden auftritt, ist vor allem die Projektentwicklungsfirma Reiß & Co aus München beteiligt. Ein langweiliges, nicht innovatives Viertel wie es etwa in München-Schwabing entstanden sei, wolle er nicht schaffen, betonte Firmenchef Oliver Reiß am Dienstagabend. "Monotone Strukturen, egal in welcher Form, nur reines Wohnen, nur reines Büro, das wird auf Dauer nicht funktionieren", so Reiß. "Ein Gästehaus für die TU oder die UdK, studentisches Wohnen, ob da nun der ein oder andere Club oder eine Kita kommt, das Areal ist ja groß genug, um da viel unterzubringen." Als alleiniger Entwickler könne seine Firma da ja außerdem viel steuern.

Viel Erfahrung mit der Einbindung von sozialen oder kulturellen Einrichtungen scheint seine Firma jedoch noch nicht zu haben. Objekte in München und Stuttgart, die als Referenzen vorgezeigt worden, beschränken sich auf Büro- und Handelsflächen sowie Eigentumswohnungen im hochpreisigen Segment.

Vertiefungsbereiche in der Hertzallee: Bereich Nord (rot), Bereich Süd (blau) und der Bereich Hardenbergplatz (lila) (Quelle: Bing/rbb24)
Bereiche rund um die Hertzallee, die entwickelt werden.Bild: Bing/rbb24

Wie hoch wird gebaut?

Schon im Siegerentwurf des ersten städtebaulichen Ideenwettbewerbs war auf dem Areal ein Hochhaus zu sehen. In der überarbeiteten Version des Berliner Architekturbüros Yellow Z ist es weiterhin vorhanden. Wie hoch hier gebaut werden darf, blieb stets offen.

Mehrfach betonte Lompscher, dass bereits bestehende Hochhausprojekte in das  Hochhaus-Leitbild eingefügt würden, das im nächsten Jahr veröffentlicht werden soll. Allerdings könne an der Hertzallee Nord nicht höher gebaut werden als die 119 Meter von Upper West und Zoofenster auf der anderen Bahnhofsseite, so ihre Einschränkung. Eine nähere Begründung dafür nennt Lompscher nicht. Es wird aber klar, dass es zu diesem Thema schon einige Debatten zwischen den Beteiligten gab.

"Es war in frühen Gesprächen schon immer klar, dass sich die Maximalhöhe an den Breitscheidplatzhochhäusern orientieren wird - 119 Meter minus X ", sagte Projektentwickler Reiß zu rbb|24. Selbstbewusst sagt er aber auch: "Wir haben ja nach wie vor noch eine Baugenehmigung für ein Riesenrad, das 175 Meter hat." Er sei allerdings auch nie davon ausgegangen, dass er alternativ ein ähnlich hohes Gebäude bauen könne.

Oliver Reiß und Katrin Lompscher bei der Vorstellung des Projekts Hertzallee (Quelle: Josefine Pohle)
Oliver Reiß und Katrin Lompscher bei der Vorstellung des Projekts. | Bild: Josefine Pohle

Pläne für 200-Meter-Hochhaus bleiben Vision

Dass die Visionen des Architekten Christoph Langhof für ein mehr als 200 Meter hohes Haus genau das bleiben werden, wurde bei Fragen zur Zukunft des Hardenbergplatzes deutlich. Reinhard Naumann (SPD), Bezirksbürgermeister für Charlottenburg-Wilmersdorf, sagte lediglich, dass der Vorschlag im Oktober 2014 "überfallartig und ohne Abstimmung" gemacht wurde. Lompscher wies darauf hin, dass das Grundstück der Stadt gehöre.

Welche weiteren Hochhäuser in der Gegend entwickelt werden könnten, werde das Leitbild im kommenden Jahr zeigen. Für die Umgestaltung des Platzes hat der Bezirk bereits neue Pläne vorgelegt, die der Senat jetzt überprüfen lasse.

Vor Baustart Grundstückstausch mit der BVG notwendig

Bevor es losgehen kann, muss auf dem Areal außerdem noch ein Grundstückstausch stattfinden. Denn nach den überarbeiteten Plänen soll der Betriebshof der BVG von seiner jetzigen Stelle an die Bahngleise verschoben werden. Dass zu dem Treffen kein Vertreter der Verkehrsbetriebe erschienen war, sei lange angekündigt gewesen, teilte ein BVG-Sprecher auf Nachfrage von rbb|24 mit. Der Sprecher bestätigte, dass es zum Grundstückstausch bereits Gespräche die mit allen Beteiligten gäbe. Diese würden "sehr konstruktiv" verlaufen.

Ebenso würden derzeit Expertenmeinungen zu einem mehrstöckigen Busbahnhof eingeholt. Es müsse zum Beispiel geklärt werden, welche Voraussetzungen zum Wenden notwendig seien oder wie die Lade-Infrastruktur für E-Busse aufgebaut sein müsse. Dazu sei man regelmäßig mit dem Senat im Gespräch. Das Funktionieren des Busverkehrs müsse sichergestellt werden, so der Sprecher, "bei allem Verständnis für die Bebauungswünsche von Senat und Bezirk".

Dennoch sei man bei der Planung erstens sehr weit und habe zweitens "kooperationsfähige Akteure", sagte Lompscher. "So dass wir hier in der Hertzallee Nord in der glücklichen Position sind, dass wir vermutlich ziemlich schnell sein können. Über Hertzallee Süd reden wir ein anderes Mal. Aber ich wage jetzt schon mal die These: Da geht’s nicht so schnell."

Beitrag von Oliver Noffke

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsere Netiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

12 Kommentare

  1. 12.

    Frau Lompscher sagt: "Dieses Areal hat eine außergewöhnliche stadtpolitische Bedeutung, die muss ich niemandem erklären." A-ha. Dann sollte uns FRau Lompscher mal erklären, warum sie dieses ach so wichtige Areal der Stand mit soviel Langeweile in Traufhöhe bebaut. Warum hier nicht mit Mut und Elan endlich schicke Hochhäuser >150m gebaut werden. Häuser, die Berlin genügend Wohnfläche (Studenten), genügend Bürofläche und genügend Raum für die TU geben würde. Berlin verkommt zur Langeweile mit diesen überall gleich aussehenden Flachbauten. Da will niemand hin, da ist kein Potential, wo man leben will.

  2. 11.

    Lompscher und Lüscher sind eine Unmöglichkeit für die Hauptsstadt! Wann werden die endlich mal durch FACHPERSONAL ohne Ideologien, Höhenphobien und ohne Ostalgien ersetzt? Es wird doch endlich Zeit. Man muss nur nach Frankfurt/Main schauen, um zu wissen, wie man heut baut. Wir sind schließlich nicht mehr im Jahr 1989: http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurter-wohnungsmarkt-vier-neue-hochhaeuser-fuer-die-innenstadt-15232990.html

  3. 10.

    Erschreckend, wenn man die Einfältigkeit von Frau Lompscher und Frau Lüscher ansieht. Sie verschandeln Berlin! Auch hier soll eine Art Europacity MK2 entstehen. Genauso langweilig, genauso öde-flach und jedes Gebäude gleich. Warum baut man hier nicht endlich Hochhauscluster mit außergewöhnlichem Design? Warum gibt man Berlin nicht endlich mal den Ausdruck einer im Hier und Jetzt angekommener Stadt mit Hinguckerqualität? Man muss nur nach Warschau schauen. Gegenüber dieser Stadt sieht Berlin aus, als wäre es in den 90ger Jahren stehen geblieben. Auch die Zeit zwischen der Planung und Baubeginn dauert in Berlin eine Ewigkeit. In Berlin sind am Alexanderplatz seit 25 Jahren Hochhausbauten geplant. Bis heute ist alles verhindert worden. DDR Trsitesse herrscht. In Frankfurt/M. hingegen baut man derweil an 20 Wolkenkratzern und plant schon weitere. FFM sieht jetzt schon aus, wie die wahre Hauptsstadt der Bundesrepublik. Lompscher und Lüscher - eine wirkliche Schande im Bauwesen Berlins!

  4. 9.

    Ich bin total geschockt ob der provinziellen Pläne. Das gesamte Areal könnte durch einen 200 Meter Turm deutlich an Wert gewinnen. Der Senat behindert Investoren Hochhaus-Pläne zugunsten banaler Flachbauten. Wann werden Lompscher und Lüscher endlich von Hof gejagt ???

  5. 8.

    Die Pläne sind doch ein schlechter Scherz, oder? Das ist doch ein Witz. Berlins Wirtschaft braucht richtige Hochhäuser! Hoffentlich wird diese Frau + Anhang bald abgewählt.

  6. 7.

    Stimme ich Ihnen voll zu. Besonders an diesem Platz wäre moderne und eindrucksvolle Hochhausarchitektur genau richtig.

  7. 6.

    Schon wieder kein schicker Wolkenkratzer. Auch die Architektur scheint eher wieder langweilig zu sein. Die üblichen berliner Traufhöheschuhkästen anstatt mutige moderne Architektur zum hingucken. Schickt Frau Lompscher endlich mal nach London oder auch Frankfurt z.B. Da kann man sehen, wie man attraktive Städte kreiert.

  8. 5.

    Hi Steffen. Da ich aus eigener Erfahrung zu Westberliner Zeit Berichten kann, nur soviel, die Bahnhofsmission war in erster Linie für Reisende gedacht, fristete ein Dornröschendasein und hat sich erst nach der Wende zu einen Sammelpunkt für Obdachlose entwickelt. Der Bahnhof Zoo hat erst mit dem Film Christiane F. traurige Berühmtheit erhalten ( Stricherscene ). Bei beiden war ich persöhnlich involviert. Im Film habe ich nur die falsche Rolle zugeschrieben bekommen, als Freier“ Rolf“( Liebhaber von Detlef). Die Jebensstr. war lange Zeit mein Arbeitsplatz als Prostituierter und der Bahnhof wurde regelmäßig von der Zivilpolizei heimgesucht. Somit besser kontrolliert als es heute den Anschein hat. Den Schmutz, so wie Sie ihn beschreiben gab es nicht. All das ist erst nach der Wende passiert.

  9. 4.

    Hi Lothar, eher im Gegenteil. Die Bahnhofsmission ist ja wichtig, aber sie reicht eben bei weitem nicht aus, um dort die Bedürftigen angemessen zu versorgen, weder sanitär noch sonst wie. Das wäre aber Aufgabe der Stadt Berlin.
    Und dass es mit der Wiedervereinigung schlimmer geworden wäre, ist wohl eher Verdrängung als Wirklichkeit. Sorry, aber die Zustände um den Bahnhof Zoo waren schon immer unzumutbar und der Gestank des Bahnhofs berühmt berüchtigt. Jetzt sammeln sich freilich zusätzlich noch Obdachlose aus Osteuropa dort, was das Ganze nochmals verschlimmert.

  10. 3.

    So wie Sie hier kommentieren, müßte sofort die Bahnhofsmission raus aus dem Bahnhof Zoo. Diese zieht all diese gestrandeten Personen magisch an. Der Supermarkt Ullrich dafür Sorge tragen, das vor seinen Eingangstüren sich nicht die Trinkergemeinschaften treffen und all ihren Unrat dort abladen und in den Ecken ihre Notdurft hinterlassen. Das wäre nämlich die vernünftigste Lösung für den geschassten Bahnhof. Komisch, vor der Wiedervereinigung gab es das Problem nicht so explizit.

  11. 2.

    Na dann mal viel Freude, für die neuen Bewohner des Hochhauses an der Jebensstraße/Hertzallee! Das ist wohl die verdreckteste, uneinladenste und (Entschuldigung) vollgepissteste Ecke in ganz Berlin und ich habe nicht die Hoffnung, dass sich durch die neue Bebauung daran etwas ändern wird. Das liegt nicht an dem Areal selbst sondern natürlich am benachbarten Bahnhof Zoo, der schon seit jeher ein Treffpunkt diverser Gestalten ist, denen man im Dunkeln lieber nicht begegnen möchte. Es ist die gesamte Jebensstraße entlang verdreckt, es stinkt oft bestialisch, es ist düster und abweisend. Wer möchte sich denn für viel Geld auch noch freiwillig diese Nachbarschaft antun?

  12. 1.

    Hallo rbb-Team,
    interessant wäre natürlich zu erfahren, was mit den vielen Bussen passiert, deren Wendeschleife an der Hertzallee derzeit ist. Immerhin die wohl bedeutendste Endhaltestelle Berlins, mit Pausenraum/Kantine für die Fahrer etc.!

    Danke für Ergänzungen

Das könnte Sie auch interessieren