Berliner Feuerwehrleute stehen am 26.03.2018 vor einer mit brennendem Holz gefüllten Tonne am Roten Rathaus. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: Abendschau | 16.04.2018 | Iris Marx | Bild: dpa/Paul Zinken

Nach wochenlangen Protesten am Roten Rathaus - Kürzere Arbeitszeiten und mehr Kollegen für Berlins Feuerwehr

44-Stunden-Woche und mehr Personal - Innensenator Geisel hat angekündigt, die Bedingungen bei der Berliner Feuerwehr zu verbessern. Deren Sprecher sieht darin ein gutes Zeichen. Doch die "Berlin brennt"-Demonstranten sind noch nicht überzeugt.

Der wochenlange Protest von Berliner Feuerwehrleuten vor dem Roten Rathaus hat zu ersten Ergebnissen geführt: Innensenator Andreas Geisel (SPD) stellte am Montag nach einem Treffen mit Vertretern der Feuerwehr und Gewerkschaften zahlreiche Verbesserungen in Aussicht.

Die Arbeitszeit der Feuerwehrleute werde von 48 Stunden auf 44 Stunden verringert, erläuterte Geisel. Statt Doppelschichten soll es nach seinen Worten nur noch Zwölf-Stunden-Dienste geben. Diese Änderung trete zum 1. Mai in Kraft, die Umsetzung könne aber bis September dauern.

Gewerkschaft spricht von 1.300 fehlenden Einsatzkräften

Geisel kündigte zudem an, die Überstunden der Feuerwehrleute komplett auszuzahlen, statt wie im Gesetz vorgesehen nur zu 80 Prozent - insgesamt geht es um fünf Millionen Euro. Auch 94 neue Fahrzeuge sollen aus dem Haushalt finanziert werden. Zugleich räumte Geisel ein, dass die Personalsituation bei der Feuerwehr schwierig sei. Dadurch entstünden eine höhere Arbeitsbelastung und ein hoher Krankenstand von derzeit 22 Prozent. 350 zusätzliche Stellen sind im laufenden Landeshaushalt vorgesehen - die Feuerwehr-Gewerkschaft spricht aber von 1.300 fehlenden Einsatzkräften.

Ein weiteres Thema der Beratungen waren nach Angaben des Innensenators die Feuerwehrzulagen, in diesem Punkt gebe es aber keinen Konsens. Wie der stellvertretende Landesbranddirektor Karsten Göwecke sagte, fordern die Feuerwehrleute eine Erhöhung der Zulagen, eine Anrechnung auf das spätere Ruhegehalt und eine Ausweitung auf Ausbilder und Leitstellenpersonal. Die Verhandlungen sollen bald beginnen. Und: Zuerst muss der Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) sein OK geben, deshalb werden die Gespräche vom Montag auch längst nicht der Schlusspunkt gewesen sein.

Kirstein: Feuerwehrberuf wird wieder attraktiver

Die Berliner Feuerwehr reagierte positiv auf Geisels Ankündigung, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein sagte am Abend im rbb, die Politik bemühe sich nun um die Feuerwehrleute - und das sei ein gutes Zeichen. Es sei richtig, die Wochenarbeitszeit von 48 auf 44 Stunden zu senken. Das mache den Beruf des Feuerwehrmannes wieder attraktiver, betonte Kirstein.

Erster Erfolg für Protestierende vor dem Roten Rathaus

Die Berliner FDP hat den Vorstoß Geisels kritisiert und als Hinhalte-Taktik bezeichnet. Die AfD bezeichnete das Krisengespräch zwar als Schritt in die richtige Richtung, doch sei es viel zu spät gekommen.

Für die Feuerwehrleute sind die Zusagen des Innensenators ein erster Erfolg - mehr aber auch nicht. Seit dem 26. März protestieren Kollegen rund um die Uhr vor dem Roten Rathaus gegen die aus ihrer Sicht untragbaren Arbeitsbedingungen. Mit der Mahnwache "Berlin brennt" wollen sie darauf aufmerksam machen, dass vor allem die Personalsituation nicht mehr tragbar sei.

Die Begeisterung der Männer an der brennenden Tonne vor dem Rathaus fiel am Montag schon spürbar kleiner aus, als die der Gesprächspartner von Andreas Geisel. "Ich vermute, bei der Reaktion unserer Regierung werden wir hier noch bis zum nächsten Frost stehen", sagte der Feuerwehrmann Paul Heinrich dem rbb.

"Wir haben einen Katalog mit mehreren Forderungen gehabt. Davon hätten viele ohne Probleme erstmal erfüllt werden können. Sprich: die Rahmenbedingungen. Was jetzt hier rübergekommen ist, ist nicht mal der Tropfen auf dem heißen Stein", sagte Heinrichs Kollege Kai Hahnenfeld.

Wirkliche Entlastung bedeuten die Versprechen erst einmal nicht

Dass die Wochenarbeitszeit von 48 auf 44 Stunden gesenkt werden soll, ist aus Sicht der überlasteten Feuerwehrleute erfreulich - aber die Arbeit in der wachsenden Metropole Berlin mit der steigenden Zahl von Notrufen wird deshalb nicht weniger. Um das auszugleichen, wären erneut hunderte Extra-Stellen notwendig, die sind aber auf die Schnelle nicht zu kriegen.

Die Zusatzkräfte auszubilden wird Jahre dauern, abgesehen von den fehlenden Ausbildern, Räumen und Fahrzeugen dafür. Kollegen aus anderen Bundesländern, die die Not sofort lindern könnten, haben kaum Anreize, nach Berlin zu wechseln - denn nirgendwo verdienen sie schlechter, obwohl sie in der Hauptstadt die meisten Einsätze haben. Auch die Frage, wie man die Vielzahl unangemessener Notrufe aus nichtigen Gründen reduzieren kann, ist noch nicht geklärt. Wirklich entlastet werden die Feuerwehrleute auf diese Weise also erst einmal nicht. Unter anderem aus diesen Gründen haben die "Berlin brennt"-Leute entschieden, ihre Mahnwache fortzusetzen - mindestens bis zum 23. April.

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    "und wieder mal" "und Sowieso " - meine Fresse... die heisse Luft produzieren Sie. Sie haben überhaupt nicht verdient, das sich auch nur ein Einziger mit einem politische Mandat oder in der Verwaltung, oder einer Behörde mit Ihnen auseinandersetzt. Was habe Sie denn so gewählt die letzten Jahre? Hm? Solche die von "Abbau der Bürokratie" und "Verschlankung der Behörden" und "Sparsamen Umgang mit dem Steuergeld" schwadronierten? Waren es die die Sie toll fanden? Ja, dann haben wir es schon vielleicht. Wegen Leuten wie Ihnen konnten die die Gesetze und Verordnungen machen. Und das hiess eben Stellenabbau, kein Geld für Technik, Überstunden. wegen Leuten wie Ihnen. Leuten wie Ihnen. Leuten wie Ihnen. Mit Ihren staatsverdrossenen Rundumschlägen. Sie sind kein Skeptiker. Sie sind einfach nur schlecht gelaunt. Destruktiv. Nöler. Kein Feuerwehrmann kriegt wegen Ihnen mehr Lohn. Kein Polizist wird wegen Ihnen zusätzlich eingestellt. Sie sind bloss der der immer schon alles wusste.

  2. 11.

    Und wieder ein Mal wird deutlich wie egal die Belange der Feuerwehrleute dem Senat sind. Wenn man dem Innensenator richtig zugehört hat konnte man die gleichen Frasen hören wie sie bereits gegenüber der Polizei geäußert wurden. Nichts als „heiße Luft“.
    Übrigens wurde vor einigen Jahren bei der Polizei der 12 Stunden Dienst abgeschafft mit der Begründung dass er ungesund und Familienunfreundlich ist. Das komische ist nur, dass die Behörde am Wochenende und Feiertagen den ungesunden Dienst gut heißt.
    Feuerwehrleute seid wachsam, nicht das man euch über den Tisch zieht und die dabei entstehende Wärme noch als Führungswärme verkauft.

  3. 10.

    Rechenbeispiel:
    Eine Wache hat 120 Feuerwehrleute.
    Im 24-Stunden-Dienst waren sie auf 3 Schichten aufgeteilt.
    Pro Schicht 40 Leute. Diese mussten täglich 24 Positionen besetzen.

    Jetzt 12-Stunden-Dienst mit 4 Schichten.
    Pro Schicht 30 Leute bei 24 zu besetzenden Positionen.

    Zu den 24 Positionen kommen noch Urlauber, Fortbildungen, Kranke, Elternzeit.


    Könnte das vielleicht der Grund sein warum viele Fahrzeuge nicht besetzt werden können und dadurch die Belastung der verbliebenen Fahrzeuge/Besatzungen massiv steigt?
    Könnte das der Grund sein warum Fahrzeuge immer länger bis zum Einsatzort brauchen?

    Zu dieser wirtschaftlichen Sicht kommt noch die Familienfreundlichkeit.

  4. 9.

    Und wieder zeigt sich die politische Unfähigkeit derer, die als gewählte Volksvertreter vorgeben, den Staat des Landes Berlin im Sinne des Grundgesetzes und der Verfassung von Berlin führen zu können. Milliarden für das BER-Projekt verschwenden und gleichzeitig die Bedingungen für die Dienstausübung der Berliner Feuerwehrleute aufs gröbste vernachlässigen. Bereits die gerechtfertigten Protestkundgebungen sind eine Schande für die Verantwortlichen des Senats von Berlin. Was für eine Planungsunfähigkeit wird hierdurch offenbar!

  5. 8.

    Schade das auch der RBB auf den Zug aufspringt und hier die Abschaffung der 12h Schicht feiert. Vielleicht sollte man mal mit den Feuerwehrleuten reden, ob die über das Ergebniss überhaupt erfreut sind.

  6. 7.

    Bewunderung an die Feuerwehr für euren Sieg für bessere Arbeitsbedingungen. Dieser Zusammenhalt für die eigenen Interessen wäre bei der Berliner Polizei leider nicht möglich.
    Jetzt seid wachsam und lasst euch nicht mit ein/zwei Globuli abspeisen. Denkt an die Verarsche der vergangenen 18 Jahre.

  7. 6.

    Wie hier schon geschrieben ist die Absenkung auf 44h ganz nett... Aber es ändert sich dadurch nichts an unseren schrecklichen Dienstplan außer dass wir nicht mehr ein bis zweimal im Monat ein Zusatzdienst machen müssen. Der Großteil der Kollegen will den 24h Dienst wieder haben, schon allein deshalb weil das gesamte Umfeld und die Familie darauf eingestellt ist. Doch die Gewerkschaften feiern den 12h Dienst als Errungenschaft womit sie auch das Vertrauen der Kollegen sich verspielt haben.
    Und diese lächerlichen 350 neue Stellen werden noch lächerlicher wenn man bedenkt dass das nicht 350 neue Kollegen im Einsatzdienst bedeuten sondern nur 350 für die komplette Berliner Feuerwehr mit all den Bürostellen usw.
    Irgendwelche Zusagen haben wir schon oft bekommen. Sage und schreibe 6 € Erhöhung der Feuerwehrzulage hat man uns gestern angeboten. Das ist ein klares Zeichen wieviel man uns und unsere Situation schätzt.

  8. 5.

    Ja, so habe ich das im Gespräch mit den protestierenden Feuerwehrmänern auch verstanden. Die 12-Stundenschichten sind familienfeindlich - mit nur wenigen freien Wochenenden im Jahr!
    @rbb 48 bzw. 44 Stundenwoche?! Was ist aus der gewerkschaftlichen Forderung 35 Stundenwoche geworden? War diesbezüglich nur die IG Metall erfolgreich?

  9. 4.

    Warum traut sich keiner aus der Feuerwehrführung mal tacheles zu reden. :(
    Rückrad ist erfolgreich abgeschaft worden.

  10. 3.

    Der erste Schritt ist gesetzt. Da werden weitere folgen müssen damit die Sicherheit der Stadt weiterhin durch eine funktionierende Feuerwehr und Rettung gewährleistet wird, zuerst auch eine Gehaltserhöhung.
    Und ein großes Lob für den Mut und die Überstunden der Mitarbeiter.

  11. 2.

    Das wirkt wie schnell Ruhe erzeugen und hoffen das es bald im Sand verläuft. Die sollen weiter an der Tonne stehen und den Finger in die Wunde stecken. Denn irgendwann muss der Senat mal reagieren und versprechen (Besoldung, Bildung, Sicherheit usw.) einlösen.

  12. 1.

    Das wird ja sehr nett verkauft als toller Erfolg, aber das Hauptproblem der meisten Kollegen ist ja die 12h Schicht. Man hätte ihnen also eher mit der Wiedereinführung der 24h Schicht einen Gefallen getan....

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