Archiv: Unter dem Motto "Demonstration gegen Vorurteile und Ängste" protestieren Juden und Muslime am 09.09.2012 gemeinsam gegen das Beschneidungsverbot in Berlin (Quelle: imago/Seeliger)
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Solidaritätsaktion am Mittwochabend - Auch Potsdam trägt Kippa

Nach dem antisemitischen Angriff auf einen jungen Israeli und seinen Begleiter in Berlin wollen auch christliche und jüdische Gemeinden in Potsdam ein Zeichen der Solidarität setzen. Am Mittwoch planen sie ein Friedensgebet und einen Umzug durch die Innenstadt.

Unter dem Motto "Potsdam trägt Kippa" laden die evangelische Nagelkreuzgemeinde, die jüdische Gemeinde und die Synagogengemeinde am Mittwoch zu Friedensgebeten und einem feierlichen Umzug ein. Damit reiht sich Potsdam ein in die Solidaritätsaktionen in Berlin, Erfurt, Köln und Frankfurt am Main am Mittwoch.

Das Zeichen gegen Antisemitismus soll um 18 Uhr in der Seelenbinderstraße vor dem Gemeindehaus der jüdischen Gemeinde mit einem Friedensgebet starten, wie die Nagelkreuzgemeinde am Montag mitteilte. Auch die muslimische Gemeinde sei angefragt.

Feierlicher Umzug führt zum Brandenburger Tor

Anschließend wollen die Teilnehmer in einer Prozession durch die Innenstadt zum Brandenburger Tor ziehen. Der Umzug soll über die Seelenbinderstraße und Schloßstraße führen, in die Ebert-Straße münden und dort in die Brandenburger Straße einbiegen, um zum Brandenburger Tor zu gelangen. "Wir bitten alle Menschen guten Willens, mit uns gemeinsam zu zeigen, dass wir uneingeschränkt an der Seite unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger stehen", heißt es in dem Aufruf [garnisonkirche-potsdam.de]. Dabei werden die jüngsten antisemitischen Vorfälle und Übergriffe in Deutschland scharf verurteilt.

"Öffentlichen Raum weder islamistischen noch rechtsextremen Antisemiten überlassen"

Hintergrund der Solidaritätsaktion ist der gewalttätige Übergriff auf zwei Kippa tragende Männer am vergangenen Dienstag in Berlin-Prenzlauer Berg. Der 21-jährige Israeli und sein Freund waren am Dienstagabend in Berlin unterwegs und trugen dabei die traditionelle jüdische Kopfbedeckung Kippa. Auf der Straße wurden sie von drei arabisch sprechenden Männern antisemitisch beschimpft. Einer der Männer schlug mit einem Gürtel auf den 21-Jährigen ein und versuchte, ihn mit einer Flasche zu schlagen.

Der Angriff hatte empörte Reaktionen von Politikern und Vertretern verschiedener Institutionen ausgelöst. Gegen den mutmaßlichen Täter, einen 19-jährigen palästinensischen Syrer, wurde inzwischen Haftbefehl erlassen.

Nach dem Vorfall hatte bereits der Sprecher des Berliner Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus, Levi Salomon, dazu aufgerufen, verstärkt auf den Straßen Kippa zu tragen. Wir müssen diesen Kampf aufnehmen und in der Öffentlichkeit wieder sichtbar werden, sagte Salomon: "Wir dürfen den öffentlichen Raum weder islamistischen noch rechtsextremen Antisemiten überlassen."

Solidaritätsaktion auch in Berlin

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin organisiert am Mittwoch eine Solidaritätskundgebung unter dem Motto "Berlin trägt Kippa". Sie ruft alle Berliner dazu auf, bei der Veranstaltung um 18 Uhr vor dem Jüdischen Gemeindehaus in der Fasanenstraße in Charlottenburg eine Kippa zu tragen. Auf der Rednerliste stehen laut den Organisatoren Josef Schuster vom Zentralrat der Juden, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Gideon Joffe von der Jüdischen Gemeinde.

Sendungen: Brandenburg Aktuell und Abendschau, 25.04.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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22 Kommentare

  1. 22.

    Frauen tragt die Kippa ! Lasst euch beschneiden ! Das ist wahre Solidarität. Das ist die Emanzipation, für die wir seit Jahrzehnten hart gekämpft haben !!! ... ?
    Ach ja und dann noch überall ein Kreuz aufhängen und den so bösen frauenfeindlichen Spruch an der Hauswand durch das 10 Gebot ( "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh, noch alles , was sein ist.") ersetzen, damit alle wissen, was christliche Leitkultur ist.

  2. 21.

    ich finde das man die religion nicht nach aussen tragen darf! genau wie die burka, kopftuch usw. was hat das mit deutschkand zu tun? die leben hier und nehmen sich alles heraus weil wir keine politiker haben die mal eine konsequente entscheidung treffen. merkel sitzt alles aus und zieht sich in ihr schneckenhaus zurück, bis alles vorbei ist und ein anderer ihre drecksarbeit erledigt hat. diese frau schafft hier nur ärger und fördert den terror und die kriminalität, da sie alle ohne kontrolle reingelassen hat. wir müssen in deren land, egal welcher religion es angehört, auch ihre werte und gesetze achten. so etwas passiert nur hier und alle schauen zu. alles was mit verhüllung und vermummung zu tun hat, miss verboten werden. also was soll diese aktion? diese menschen haben nicht das recht ihre religion nach aussen zu demonstrieren, dann müssen sie sich auch nicht wundern wenn gewalt sie erwischt.

  3. 19.

    Wahrscheinlich wurde er hier hineingstellt, um ein lebendiges Anschauungsmaterial zu bieten, welches Vokabular so manches Zeitgenossen für dialogfähig halten.

    An Inhalten habe ich allerdings nichts gemerkt, dafür ein sinnloses verbales Rumtoben. Es wäre glatter Masochismus, so etwas nicht nur exemplarisch wie hier, sondern in größerer Zahl zu lesen.

  4. 18.

    "... große Klappe, nichts dahinter."

    Vollmundige Erklärungen höre ich immer nur aus dem Munde von AfD-Vertretern. Andere mögen ggf. inhaltlich zu viel in den Mund nehmen, doch der Mund ist mäßig weit geöffnet und das ist nach meiner Empfindung auch wunderbar so. Blitzableiter sind da allenfalls Parteitage und parteiliche Zusammenkünfte, wo sich in Rage geredet wird.

  5. 17.
    Antwort auf [XYZ] vom 24.04.2018 um 10:23

    Dieser Kommentar enthält meiner Meinung nach beleidigende Inhalte.

  6. 16.

    Mit größerem Attraktivitätscharakter setze ich größere Effektivität des Anliegens gleich, jedoch losgelöst von Aspekten wie Verteidigung und Wettbewerb.

  7. 15.
    Antwort auf [XYZ] vom 24.04.2018 um 10:23

    Sie könnten einem leid tun, wenn Sie und ihre Kameraden keine Gefahr für die Demokratie, und den Rechtsstaat darstellen würden.

  8. 14.

    Sie reden völligen Unsinn. Solchen verpeilten Moslems wie dem Gürtelprügler eine Anpassung an die hiesige Gesellschaft und unsere Werte (Grundgesetz) abzufordern, ist weder moslemfeindlich noch sonstwas.
    Demonstrieren in polizeilich abgeschotteten Schutzräumen bringt da nichts, der Staat muss eingreifen und solche Leute einfach raussetzen, da der die Pflicht hat, seine Bürger zu schützen und nicht die Kriminellen.
    Wenn Sie Leuten wie dem Gürtelprügler freie Fahrt einräumen wollen, sind Sie auch verpeilt. Passiert. ;)

  9. 13.
    Antwort auf [XYZ] vom 24.04.2018 um 10:23

    Wollen Sie eigentlich exakt den gleichen Text unter jedem Beitrag von uns schreiben? Das hier haben Sie doch woanders schon geschrieben. CTRL+C CTRL+V scheinen Sie jedenfalls sehr gut zu beherrschen.

  10. 12.

    "Nein, nur die Schnauze voll von politischen Phrasen und Oberflächlichkeiten. "
    Da stimme ich ihnen zu 100% zu.

    Ihren zweiten Einwand teile ich allerdings nicht. Es ist nicht eigentlich die Aufgabe der jüdischen Gemeinde, Sympathieaktionen mit größerem Attraktivitätscharakter zu veranstalten, um sich zu verteidigen und sozusagen auch noch in einen Wettbewerb mit diesen reaktionären muslimischen Gruppen zu treten. Das käme ja einer Legimitation dieser verbohrten und schlecht, bzw. garnicht erzogenen arabischen "Einwanderer-Kids" gleich!

  11. 10.

    Der ISlam gehört nun einmal zu Deutschland und genießt Religionsfreiheit.
    Alle anderen haben sich mit dieser Situation abzufinden.

  12. 9.

    Ich bin Atheist, aber nicht ohne Glauben an Familie und Freunde. Ich habe jüdische Freunde und bin sehr gerne in Israel. Ich trage Kippa, ganz unaufdringlich werde ich sie tragen. Übrigens, treten Sie rbb doch mal in Kontakt mit Palästinensern und andreren Arabern 'in' Israel. Es gibt doch Korrespondenten dort?

  13. 8.

    Und Ihre Problemlösungsvorschläge sehen wie aus? Lassen Sie mich raten: antimuslimisch rassistisch?

    Nein, ein so öffentlicher Aufruf ist deswegen wichtig, weil er die Problematik, mitunter täglichen Anfeindungen ausgesetzt zu sein, aber gesellschaftlich wenig unterstützt zu werden, in den Fokus rückt. Ohne Thematisierung gibt es keine Solidariserung. Es muss daran gearbeitet werden, Ungleichwertigkeitsideologien wie hier Antisemitismus entgegenzutreten. Das Aufzeigen und Bewusstmachen der Betroffenenperspektiven ist ein Bildungsauftrag der Gesamtgesellschaft, ein weiterer, den negativen, menschenverachtenden Narrativen positive, eine vielfältige Gesellschaft ausdrücklich begrüßende Einstellungen und Handlungsmöglichkeiten gegenüberzustellen.

    Für den Bildungsauftrag an alle Bevölkerungsschichten ist das verabredete Kippatragen zwar eher symbolisch, ja, und doch eine wichtige gesellschaftliche Anerkennung gerade der bedrohten Lebenslagen vieler Jüd*innen.

  14. 7.

    Wieder eine Hypeaktion, wo jeder, so er will, billig dabei sein kann...Danach bleibt alles so, wie bisher! Solange jüdische Einrichtungen unter Polizeischutz stehen müssen, ist das nicht normal!!
    Wenn's hart auf hart kommt und man Position beziehen kann/müsste, wenn es wirklich gefährlich sein kann (im ÖPNV, im Kiez...). Da kommt's drauf an, wenn Bürger bedroht, beschimpft, geschlagen werden... Und das Schlimme ist, ich weiß nicht, ob ich "den A**** in der Hose habe", da direkt einzugreifen ... :-(
    Aber zumindest ein Smartphone hat wohl jeder dabei...

  15. 6.

    diese Solidaritätsaktionen sind ja gut gemeint, bewirken werden sie nichts, schon gar nicht bei den Aggressoren, die werden diese Aktionen nicht einmal mitbekommen. Lediglich die Mitläufer solcher Aktionen werden sich erhaben fühlen.
    Abschreckende Maßnahmen wie in in den Herkunftsländern stehen aber nicht zur Diskussion, also wird sich nichts ändern , somit also nur eine politische Feigenblattaktion , inkl. der nichtssagenden polit. Empörung , einfach ein polit. Ritual .
    International wird man Deutschland als konfliktscheu u. hasenfüßig wahrnehmen , große Klappe, nichts dahinter. Bestätigt durch den Empfang von Macron in USA u. das protestantisch Magere für Merkel, 2 Tage später. Deutschland = Dieselbetrug mit Milliardenklagen und Auffangbecken für Glücksritter aller Länder....

  16. 5.

    Nein, nur die Schnauze voll von politischen Phrasen und Oberflächlichkeiten. Im Übrigen, wundere ich mich über die Ideenlosigkeit der betreffenden Leitung der jüdischen Gemeinde, keine anderen Sympathieaktionen mit größerem Attraktivitätscharakter veranstalten zu können.

  17. 4.

    Statt Probleme zu lösen, trägt man jetzt 1 x in einem Schutzraum mit Polizei außenherum Kippa,
    auch wenn man den Galuben nicht teilt. Soll das Beliebigkeit aussagen?

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