Symbolbild: Kinder spielen auf einem Spielplatz (Quelle: imago/blickwinkel)
Video: Abendschau | 12.04.2018 | Sylvia Wassermann | Bild: imago/blickwinkel

rbb-Recherchen - Dass in Berlin Kita-Plätze fehlen, liegt allein am Personalmangel

Etwa 3.000 Kinder kann Berlin momentan nicht mit einem Kitaplatz versorgen. Recherchen des rbb zeigen jetzt: Berlin könnte eigentlich sogar doppelt so viele bequem unterbringen, denn Räume gibt es genug. Allein das Personal fehlt.

Dass in Berlin Eltern für ihre Kinder keinen Kitaplatz finden, liegt aktuell ausschließlich am fehlenden Personal. Gäbe es genug Erzieherinnen und Erzieher, könnte Berlin nach rbb-Recherchen sogar doppelt so viele Kinder unterbringen, als zur Zeit auf einen Kitaplatz warten.

Eltern von rund 3.000 Kindern suchen nach Schätzungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Berlin zur Zeit nach einem Kitaplatz. Wenn genügend Erzieher da wären, könnte das Problem sofort gelöst werden: Nach Angaben der Bezirke könnten dann rund 6.000 Kitaplätze zusätzlich angeboten werden, weil die Infrastruktur - also Raum in Kitas - grundsätzlich zur Verfügung steht. Berlin hat also mehr "erlaubte", als tatsächliche eingerichtete Kita-Plätze.

Viele Erzieher brechen Ausbildung ab

Insgesamt fehlten in Berlin zu Jahresbeginn mehr als 1.000 Erzieher und Erzieherinnen, so der Paritätische Wohlfahrtsverband. Mit ihnen könnten 5.500 Kinder betreut werden. Nach Angaben des Verbandes brechen auch immer mehr Erzieher ihre Ausbildung ab und wechseln in verwandte, aber besser bezahlte Berufe.

Probleme Personal zu finden, haben vor allem Kitas in Brennpunktkiezen - aber auch andere Kitas klagen über entsprechende Schwierigkeiten.

Dieses Personalproblem gibt es in ganz Deutschland, in Berlin ist es allerdings in den vergangenen Jahren besonders groß geworden. Das liegt unter anderem daran, dass in der Hauptstadt Erzieherinnen und Erzieher schlechter bezahlt werden als beispielsweise in Brandenburg. Außerdem wächst in Berlin die Bevölkerung besonders stark, während gleichzeitig der Rechtsanspruch auf Betreuung ausgeweitet worden ist.

Das Ziel ist eine andere tarifliche Einstufung

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) würde grundsätzlich gern mehr Geld für Erzieherinnen und Erzieher zahlen. Weil der Tarif dieser Berufsgruppe in Berlin aber an der der Tarifgemeinschaft der Länder hängt, habe sie selbst nicht so viel Einfluss, erklärt sie. Sie wirbt dafür, dass bei den nächsten Tarifverhandlungen nächstes Jahr Erzieher besser gestellt werden, sagte Scheeres am Donnerstag. "Ich bin der Meinung, dass sich in diesem Berufsfeld in den letzten Jahren wahnsinnig viel verändert hat und dass es nicht mehr zu vertreten ist, wie Erzieherinnen und Erzieher derzeit bezahlt werden. Deswegen trete ich für eine Höhergruppierung, also wirklich eine andere tarifliche Einstufung der Erzieherinnen und Erzieher, an", so Scheeres.

Aber auch das bringt nicht sofort Entlastung. Die Senatorin setzt darauf, dass die Kitas mehr Auszubildende einstellen, die berufsbegleitend sich ausbilden lassen. Das hat den Vorteil, dass sie  zwei bis drei Tage die Woche in der Kita schon arbeiten und nur die andere Zeit in der Berufsschule sind. Das Modell wird allerdings auch nicht reichen, um die mindestens 500 Vollzeiterzieherstellen, die Berlin akut braucht, aufzufüllen. Das wiederum meint die FDP mit ihrem Vorschlag zu können: Kita-Leitungen sollen vom Großteil ihrer Verwaltungsaufgaben durch kaufmännische Mitarbeiter entlastet werden, sagt der jugendpolitische Sprecher der Liberalen, Paul Fresdorf.

Scheeres will Logopäden, Ergotherapeuten und Heilpädagogen einsetzen

Dass darüber tatsächlich 400 Vollzeiterzieherstellen wieder für Erziehertätigkeiten frei würden, sieht Senatorin Scheeres ganz und gar nicht. Eine wesentliche Aufgabe der Leiterinnen sei es, Qualitätsprozesse voranzutreiben, aber auch Personalentwicklung voranzutreiben. "Dafür braucht man eine pädagogische Ausbildung", sagt Scheeres.

Sie hält deshalb ihre Idee, nun auch Logopäden, Ergotherapeuten und Heilpädagogen in Kitas zu beschäftigen für viel nützlicher. Die Kitas nehmen diese Möglichkeit aus ihrer Sicht nun auch zunehmend wahr. Auch wenn das so ist: Das Loch von mindesten 500 Vollzeiterzieher stellen wird auch mit allen Vorschlägen zusammen in den nächsten Wochen und Monaten nicht zu stopfen sein.

Sendung: Inforadio, 12.04.2018, 06:00 Uhr

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Der Artikel blendet allerdings aus, dass vor kurzem die Quadratmeterzahl pro Kind so angepasst wurde, dass die Räumlichkeiten für mehr Kinder "passen" (sollen). Das bedeutet, dass jedem Kind jetzt weniger Platz zugewiesen wird. Vielleicht sollte RBB bei seiner Recherche auch mit den betroffenen Erzieherinnen und Erziehern sprechen und nicht nur die Zahlen der Sentatsverwaltung übernehmen.

  2. 8.

    Wo ist das so, dass ein Berufseinsteiger (egal ob quer oder nicht) beim selben Träger (also auch im selben Tarifvertrag) genauso viel verdient, wie jemand mit 20 Jahren Berufserfahrung?

    Dass wir alle mehr Geld verdienen, als wir bekommen, ist klar. Dahingehend ist eine Höhergruppierung, wie sie Scheeres (Senatorin für Bildung, Jugend und Familie) und Giffey (Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) gefordert haben, eine sinnvolle Maßnahme (wenn auch schwierig politisch durchzusetzen, weil der TV-L halt nicht nur von der GEW/Verdi. mit dem Land Berlin ausgehandelt wird, sondern auch mit etlichen weiteren Bundesländern.)

  3. 7.

    Richtig. In der Berechnung der erlaubten Betreuungsplätze ist die Größe der Gruppenräume ausschlaggebend. 3 m² (4,5 bei Neubau) muss pro Kind zur Verfügung stehen. Ich davon aus, dass jede Einrichtung mindestens zwei Sanitärräume mit mehreren Toiletten besitzt - Wenn nicht gar drei (1x für das Personal). Größere Einrichtungen haben in der Regel mehr Sanitärräume.

    Was bedeutet allerdings in Ihrem Kommentar "bessere Ausnutzung der Raumkapazitäten"? KiTas sind keine Büros, die man immer dichter mit Schreibtischen vollstellen kann und dann klappt das schon irgendwie. KiTas sollen in unserer Gesellschaft Bildungseinrichtungen sein und dafür wird ebenfalls Raum benötigt (Insbesondere Raum, der nicht mit Tischen und Stühlen vollgestellt ist). Dazu kommt, dass mehr Kinder pro Gruppe/Raum in der Regel mehr Arbeitsbelastung für Erzieher*innen bedeutet, wenn nicht auch das entsprechende Personal dazu kommt. Und DARUM geht es ja in diesem Artikel.

  4. 6.

    Ah, gut zu wissen, dass das Personalproblem also zumindest momentan größer zu sein scheint als das Platzproblem.
    Aber: Der Anteil der freien Plätze beträgt ja in jedem Bezirk nur ein paar Prozent. Man könnte also auch sagen: nur weil theoretisch in der Kita noch Platz wäre, heißt das nicht, dass es auch praktisch möglich oder sinnvoll wäre, die Räumlichkeiten maximal auszunutzen. Die Frage ist: Wie wird die Zahl der "erlaubten" Plätze einer Kita bestimmt? Geht das pauschal nach Fläche? Oder werden z.B. die Kapazität der sanitären Einrichtungen und der Küche berücksichtigt?

    Also vielleicht taugt das bessere Ausnutzen der Raumkapazitäten als Übergangslösung für den Fall, dass man es schafft mehr Erzieher aufzutreiben. Aber spätestens mittelfristig müssen dann sicher auch neue Kitas gebaut werden, denn die Kapazitätsgrenze ist ja absehbar und so ganz von heute auf morgen sind auch "Schnellbau-Kitas" nicht fertig.

  5. 5.

    Ich bin seit 20 Jahren Erzieherin, und finde es sehr gut, das dieses Thema endlich großflächig in den Medien ist. Schade ist nur, das ÜBER uns, und NICHT MIT UNS GEREDET wird!!!! Warum ich nicht mehr gerne Erzieherin bin führe ich hier gerne auf: - es ist ein "Sackgassenberuf": es gibt kaum Aufstiegschancen, Vorerfahrung werden wenig/garnicht anerkannt, es gibt keinen "Meister"; - es gibt täglich einen riesigen Berg an Papierkram: Beobachtungen Sprachlerntagebücher, Dokumentationen, Lerngeschichten, Sprachstandserhebungen, Bildungsprogramm, Evaluationen extern/intern .... zu bewältigen: die eigentliche Arbeit mit dem Kind, die Beziehungsarbeit, das Spiel mit dem Kind nimmt im Tagesablauf nur einen ganz geringen Teil ein: die Kinder spielen und ich beaufsichtige sie, das macht auf Dauer unzufrieden; die ungenügende Bezahlung: ein Quereinsteiger bekommt (nach der Anerkennung) genauso viel wie jemand mit 20 Jahren Erfahrung KINDER ERZIEHEN UND BETREUEN KANN EBEN HEUTE JEDE(R)!?...

  6. 4.

    @ Rita, Sie haben den Nagel auf dem Kopf getroffen. Solange sich nichts grundlegend an der Ausbildung und den Vorraussetzungen ändert, wird sich das Problem sogar noch verschärfen.
    Denn Mangel an Nachwuchs haben viele Branchen. Und die mit den schlechtesten Bedingungen werden als letztes bedient.
    So einfach ist das.

  7. 3.

    Wer hat denn das überhaupt so beschlossen bzw genehmigt, dass es in so einem gefragten und wichtigen Beruf keine Ausbildungsvergütung gibt? Das ist doch kein just for fun Studium sondern ein gesellschaftlich anerkannter Beruf. Kein Wunder, dass der Beruf für junge Leute kaum in Frage kommt. Die wollen bald auf eigenen Füßen stehen und Geld verdienen. Statt dessen müssen sie sich anders durchschlagen oder gar verschulden für die Ausbildung und verdienen im Anschluss auch noch schlecht.

  8. 2.

    Der Erziehermangel liegt nicht nur an der geringen Bezahlung des Berufes, sondern an den Ausbildungsbedingungen.
    Warum kann nach Abschluss der 10.Klasse einer Gesamtschule nicht de rBeruf der Erzieherin erlernt werden. Nein man muss erst eine 2 jährige Ausbildung zum Sozialassistenten machen und dann eine 3 jährigen zum Erzieher. Und für diese ganze Zeit gibt es keine Vergütung. Also 5 Jahre nach Abschluss der 10 Klasse lernen,ohne Vergütung. Das ist unantraktiv für Junge Leute und schwupps gib es auch zu wenig Erzieher. Da sollte man was ändern.

  9. 1.

    Das kann ich absolut bestätigen. Diese Info habe ich von meiner Kita in meinem Kiez vor einem halben Jahr bereits bekommen. Vor 5/6 Jahren fehlten die Plätze, jetzt sind es Erzieher. Kitas freier Träger haben es noch schwerer Erzieher zu finden, da die Bezahlung schlechter ist als in Kitas kommunaler Einrichtungen.

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