Siegurd Heinze / parteilos (Quelle: Foto-Visionen Andrea Stern)
Video: Brandenburg aktuell | 16.04.2018 | Anke Blumenthal | Bild: Foto-Visionen Andrea Stern

Landratswahl | Oberspreewald-Lausitz - Heinze bleibt Landrat

Bei der Landratswahl in Oberspreewald-Lausitz hat sich der Favorit durchgesetzt: Amtsinhaber Siegurd Heinze hat mit deutlichem Vorsprung von mehr als 30 Prozentpunkten die Wahl gewonnen.

Der bisherige Landrat von Oberspreewald-Lausitz ist auch der neue: Der parteilose Siegurd Heinze wurde laut vorläufigem Endergebnis [externer Link] mit 56,3 Prozent (17.924 Stimmen) wiedergewählt. Am Montag teilte die Pressestelle der Kreisverwaltung mit, dass der Kreiswahlausschuss das Ergebnis bestätigt habe. Damit ist die Wiederwahl von Heinze perfekt.

Die Wahlbeteilung hatte bei 33,4 Prozent gelegen. Damit konnte Heinze beide Hürden im brandenburgischen Wahlgesetz nehmen: Es entfallen mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen auf ihn und das vorgeschriebene Quorum, wonach 15 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben müssen, wurde auch erfüllt. Schon bei seiner ersten Wahl im Jahr 2010 wurde Heinze im ersten Wahlgang gewählt. Der 56-Jährige ist parteilos und wurde von SPD, CDU und FDP unterstützt.

Auf Platz zwei landete Sven Schröder (AfD) mit 23,8 Prozent. Auf Matthias Mnich von der Partei Die Linke entfielen 19,9 Prozent.

Vor welchen Herausforderungen steht ein neuer Landrat?

Einige wirtschaftliche Leuchttürme hat Oberspreewald-Lausitz (OSL) – allen voran die BASF in Schwarzheide und die LEAG mit Sitz in Cottbus. Mittlerweile liegt die Arbeitslosenquote landkreisweit auch nur noch bei gut sieben Prozent und damit im Mittelfeld innerhalb Brandenburgs. Dennoch kämpft der Landkreis noch immer mit den Folgen des Strukturbruchs nach der Wende, mit dem die Kohleindustrie fast gänzlich aus der Lausitz verschwand.

Eine Perspektive und Lösung für den Landkreis könnte der Tourismus im wachsenden Lausitzer Seenland sein. Doch immer wieder gibt es bergbautechnische Rückschläge: Große Projekte können kaum umgesetzt werden, es fehlt an Wirtschaftskraft und an Fachkräften im Dienstleistungsgewerbe. Davon abgesehen: Vom Tourismus alleine könnte die Region kaum leben. 

Drängende Themen: Demografie, Fachpersonalmangel, Crystal Meth

Oberspreewald-Lausitz hat kein kreisspezifisches zentrales Problem wie etwa die sozialen Spannungen vor dem Hintergrund der Flüchtlingspolitik in Cottbus. Hier, wie in vielen anderen Landkreisen, muss man sich dafür in besonderer Form der demografischen Entwicklung widmen. In den kommenden 20 Jahren, so die Prognosen, wird die Einwohnerzahl in OSL von aktuell 112.000 auf 86.000 sinken. Die Bevölkerung wird älter, bereits jetzt suchen die Pflegeheime händeringend Fachpersonal.

Zudem ist der Ärztemangel deutlich spürbar. Kilometerweit müssen die Menschen zum Arztbesuch in die nächste Stadt fahren – zum Teil mit dem Bus, der zu selten fährt. Der Mangel an medizinischem Personal macht sich auch bei der Suchtabhängigkeit bemerkbar: Crystal Meth ist ein großes Problem, vor allem in Lauchhammer und Senftenberg. In Tschechien wird die Droge preiswert hergestellt. Besonders die Anschlussbetreuung von Süchtigen fehlt in OSL fast gänzlich. 90 Prozent der Betroffenen werden rückfällig.

Und natürlich: Auch in diesem Kreis gibt es noch immer viele internetfreie Räume.

das waren die kandidaten

Sendung: Brandenburg aktuell, 22.04.2018, 19:30 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Zitat Sven Schröder
    "Als zukünftiger Landrat in OSL gibt es für mich keine Denkverbote, nur das Ziel, den Landkreis im Zusammenspiel mit den Menschen vor Ort voran zu bringen."

    Interessante These. Bei der letzeten Landratswahl war Herr Schröder noch in Potsdam-Mittelmark angetreten und als Dritter in der ersten Wahlrunde ausgeschieden. Das hat insofern wenigstens gepasst, weil er auch In Borkheide in PM wohnt. Jetzt hat die AfD aus Personalmangel nur jemanden in einen fernen Landkreis geschickt, weil die Meinungsumfragen einfach zu verlockend sind. Das zeigt wie hohl die Slogans dieser Propagandisten sind. Sie haben nicht mal leute vor Ort die irgendwelche Probleme lösen könnten. Es müssen schon die immer gleichen Gesichter herhalten, um überhaupt Kandidaten stellen zu können. Schließlich ist Herr Schröder ja auch noch Landtagsabgeordneter. Ja für die etablierte Establishment-Partei AfD lebt es sich gut von Diäten ohne wirklich was produktives zu tun.

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