Auf einer Wiese im Berliner Lustgarten genießen Menschen die Sonne. (Quelle: imago/Ralph Peters)
Audio: Inforadio | 20.04.2018 | Jessica Wiener | Bild: imago/Ralph Peters

Künftig zehn Tage frei in Berlin? - Müller verspricht zusätzlichen Feiertag für Berlin

Berlin gehört bei den gesetzlichen Feiertagen zu den Schlusslichtern. Nun soll offenbar einer dazukommen: Während zuletzt norddeutsche Bundesländer den Reformationstag auswählten, möchte Berlins Regierungschef Müller lieber einen Tag mit politischer Bedeutung.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat den Berlinern einen zusätzlichen gesetzlichen Feiertag in Aussicht gestellt. "Die Frage ist nicht so sehr, ob wir einen solchen Feiertag bekommen, sondern eher welchen", sagte der SPD-Politiker in der Tageszeitung "Die Welt" vom Freitag.

Möglich wäre aus seiner Sicht etwa der 17. Juni, also der Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR, der 8. Mai als Tag der Befreiung von der Nazi-Diktatur oder der 27. Januar als Holocaust-Gedenktag. "Es muss ein Tag sein, der eine politische Relevanz in unserer Geschichte hat", so Müller.

Auch die Linke hat sich für einen zusätzlichen arbeitsfreien Feiertag in Berlin ausgesprochen. "Unsere Position ist, dass die Berlinerinnen und Berliner einen neuen Feiertag verdienen", sagte die Linke-Landesvorsitzende Katina Schubert am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Gegenüber anderen Bundesländern sei Berlin massiv im Hintertreffen. Als Datum für den neuen Feiertag, der auf jeden Fall ein weltlicher, kein kirchlicher Feiertag sein müsse, schlug Schubert den 8. Mai vor.

Berlin hat mit die wenigsten Feiertage

Berlin hat zur Zeit neun Feiertage auf das Jahr verteilt. Zusammen mit anderen Bundesländern ist die Hauptstadt damit Schlusslicht. Bayern hat mit bis zu 13 die meisten Feiertage. Brandenburg hat zwölf, hier zählen allerdings - anders als in den meisten anderen Bundesländern - auch Oster- und Pfingstsonntag dazu.

Die Debatte wurde zuletzt angestoßen durch das 500. Reformations-Jubiläum im letzten Jahr. In Gedenken an die Reformation der Kirche durch Martin Luther war im vergangenen Jahr in ganz Deutschland der 31. Oktober ein gesetzlicher Feiertag. Zuvor war das lediglich in den ostdeutschen Bundesländern - außer Berlin - der Fall. Nun haben Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen geplant und teilweise schon beschlossen, den Reformationstag als einen weiteren gesetzlichen Feiertag einzuführen.

Industrie- und Handelskammer eher skeptisch

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin hat zurückhaltend auf die Ankündigung von Müller reagiert. "Wir müssen aber davon ausgehen, dass sie das Wirtschaftswachstum tendenziell abschwächen werden", sagte IHK-Geschäftsführerin Marion Haß der Deutschen Presseagentur. 

Allerdings wären nach Einschätzung von Haß die einzelnen Wirtschaftszweige sehr unterschiedlich betroffen: "So könnten Unternehmen des Tourismus und Gastgewerbes profitieren, der Konsum im Einzelhandel würde partiell zeitlich verschoben, und in anderen Dienstleistungsbereichen könnte es zu Wertschöpfungseinbußen kommen."

FDP gegen neuen Feiertag

Die FDP-Fraktion ist gegen einen weiteren Feiertag. "Berlin mag zwar bei den Feiertagen Schlusslicht in Deutschland sein. Das ist das Land aber auch bei den wichtigen wirtschaftlichen Kennzahlen, wie etwa bei der Arbeitslosenquote", sagte der FDP-Wirtschaftsexperte Florian Swyter. "Solange wir da nicht aufgeholt haben, brauchen wir auch bei den Feiertagen nicht nachziehen."

Die Berliner AfD zeigte sich von Müllers Vorschlägen für einen möglichen Feiertag enttäuscht. Der Antrag der AfD, den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag in Berlin zu etablieren, sei kürzlich im Kulturausschuss abgelehnt worden, erklärte Ausschussmitglied Martin Trefzer laut einer Mitteilung. Seine Fraktion halte grundsätzlich auch den 18. März als Tag der Märzrevolution oder den 23. Mai als Tag des Grundgesetzes für geeigneter als andere Tage.

Über einen weiteren Feiertag in Berlin müsste das Abgeordnetenhaus entscheiden.

Kirchen begrüßen Vorschlag

Die Kirchen begrüßen die Diskussion über einen neuen Feiertag. "Auch wenn wir uns weitere kirchliche Feste als gesetzliche Feiertage wünschen, kann ich mir insbesondere den 9. November als gesetzlichen Gedenk- und Feiertag vorstellen, gerade für Berlin", sagte etwa der Generalvikar des katholischen Erzbistums Berlin, Pater Manfred Kollig.Der 9. November gilt als Schicksalstag der deutschen Geschichte: 1918 markiert er den Beginn der ersten deutschen Republik, 1938 den Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung und 1989 den Fall der Berliner Mauer.

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sprach sich für den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag in Berlin aus. Dieser habe nicht nur eine kirchliche, sondern auch eine wichtige gesamtgesellschaftliche Relevanz.

Sendung: radioBerlin, 20.04.2018, 16.00 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsere Netiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

34 Kommentare

  1. 34.

    wieder typisch für Berlin und typisch FDP. Berlin mag Schlusslicht sein. Dafür ist aber nicht der Berliner Bevölkerung verantwortlich sondern die Berliner Regierung. Mir scheint dass Herrn Müller jeder Tag recht ist, Hauptsache er ist nicht mehr in diesem Jahr!

  2. 33.

    Wieso so ein hin und her?

    Berlin ist Protestantisch geprägt, da ist es schon mega peinlich, dass nach Weihnachten der höchste Feiertag der Evangelischen Kirche nicht als Feiertag angesehen wird. Deshalb ganz klar 31. Oktober als Feiertag uns zwar ab diesem Jahr dauerhaft. Den 9. November sollte Herr Müller dann als Gedenkfeiertag gleich mit anheften. Warum? Was war doch gleich 1989?

    Daher nicht nur 10 Feiertage braucht Berlin sondern 11 (zwei Tage später fangen die Narren an 5. Jahreszeit).

  3. 32.

    ganz klar 9. November!. Das ist in Berlin ein Feiertag.
    Ich brauche keinen Holocausttag in Berlin (warum dann nur in Berlin, wenn dann bitte schön in Ganz Deutschland), der 17. Juni ist wieder so ein "für das halbe Volk-Feiertag" und die Befreiung von Nazideutschland, naja am ehesten noch, aber eigentlich passt das auch eher auf ganz Deutschland.
    9.11. ist mein Tag, da für mich auch nicht der 3.10. der Feiertag ist, sondern der 9.11.
    Da hat 28 Jahre Leid dieser Stadt ein Ende gehabt!
    Was ich mir aber auch wünsche, der Tag sollte, "wandern". Wenn er auf ein Wochenende (Sa/So) fällt, dann sollte der folgende Montag frei sein. Ansonsten sind wir doch wieder benachteiligt. In Bayern feiern sie jedes Jahr Fronleichnahm und das ist immer am Donnerstag. Buß- und Bettag in Sachsen (?) ist immer ein Mittwoch. Außerdem könnte man auch 2 neue Feiertage vergeben. Warum hat Berlin nur 9 während Bayern BW 13 haben? Das ist ungerecht. Da könnte man auch mal 2 Tage "aufholen".

  4. 31.

    Ich finde es schade, wenn man eine einfache Diskussion um einen Feiertag dazu nutzt um zu hetzen.
    35% Christen, schön. Es gibt andere Gruppen, die deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommen. Ca. 13% AFD-Wähler oder 10-15% Homosexuelle. Alles gut. Ich werde weder gegen die einen noch gegen die anderen wettern. Und auch nicht gegen Christen. Respekt fängt halt vorher an. Denk mal darüber nach Besserwisser.

  5. 30.

    Der Reformationstag wäre doch perfekt. Warum muss Berlin ein eigenes Süppchen kochen und noch einen anderen Tag kreieren.
    Sicher nicht ganz uneigennützig mein Wunsch als in Brandenburg wohnend und in Berlin arbeitend. Aber da bin ich ja wohl nicht alleine.

  6. 29.

    Wie wäre es mit dem 8. März, Frauentag? Die Herren dürfen sich zu Himmelfahrt (be)feiern und frei machen ... das wollen wir Frauen auch!!! Und ... es ist dann wirklich ein fröhlicher Tag .... meine Kolleginnen sind auch dafür.

    Frauenpower!!

  7. 28.

    Wie wäre es mit dem 28.10., dem Tag der Ersterwähnung unserer Stadt. Da dürften sich dann weder Ossis noch Wessis, noch Konfessionslose zurückgesetzt fühlen.

  8. 27.

    Berlin soll sich an die anderen Bundesländer anpassen und keine Feiertage definieren, die in keinem anderen Bundesland Feiertage sind. Das bringt Vorteile, wenn Ehepartner in verschiedenen Bundesländern arbeiten. Wenn Ehepartner unterschiedliche Feiertage haben, können sie nichts gemeinsam unternehmen. Auch für unser Studienabsolvententreffen würde es Vorteile Bringen, wenn der 31. Oktober auch in Berlin Feiertag wäre. Denn die Berliner haben an diesem Tag immer Probleme zu kommen. Das gilt auch für Verwandtschaftstreffen.
    Die kirchlichen Feiertage sind in der Mehrzahl und nur 3 Feiertage weltlich. Das kann man gern ändern, aber bitte bundeseinheitlich. Begründung im 1. Absatz.
    Den Tag des Mauerfalls muß man nicht zum Feiertag machen. Denn diese Mauer hat mich absolut nicht gestört. Aber sehr viele neue Mauern wurden seitdem gebaut, die den Blick aus dem Zugfenster auf Ortschaften verhindern und das Bahnreisen beeinträchtigen. deshalb wäre dieser Tag ein Hohn für Bahnreisende.

  9. 26.

    Mit ein wenig mehr Phantasie hätte Herr Müller mit Oster- und Pfingstsonntag gleich zwei neue Feiertage vorschlagen können, damit wäre Berlin dann auch fast gleichauf mit Brandenburg. Zumindest was die Feiertage betrifft :-).
    @Nico #22 der Buß- und Bettag ist in BB kein Feiertag.

  10. 25.

    Zum wirklichen Feiern braucht man Geld, was die staatlich verordnete Armut nicht bereit stellt.

  11. 24.

    "Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sprach sich für den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag in Berlin aus. Dieser habe nicht nur eine kirchliche, sondern auch eine wichtige gesamtgesellschaftliche Relevanz."

    Was man von der evangelischen Amtskirche, in der gerade mal noch 20 Prozent der Berliner Mitglied sind, nur noch bedingt sagen kann. Aber die insgesamt ca. 35 Prozent Christen in Berlin brauchen jetzt ganz dringend einen weiteren arbeitsfreien Tag.

    Kleiner Vorschlag wie damals bei dem (an einer Volksabstimmung gescheiterten) Versuch, Religion zum ordentlichen Schulfach zu machen: Wem sein Glaube so wichtig ist, der wird dafür auch gern jede Woche etwas länger die Schulbank drücken oder für die spirituelle Besinnung freudig einen Urlaubstag opfern - es wird ja sicher im Himmelreich vergolten.

  12. 23.

    Solange Berlin immer noch mit Abstand der größte Empfänger vom Länderfinanzausgleich ist, die Wirtschaftskraft schwach ist, hohe Arbeitslosigkeit, Bildung mäßig usw. usw braucht man darüber nicht nachdenken. Ein weiterer Vorschlag, der die Stadt wiedermal nicht voranbringt.

  13. 22.

    Wie noch mehr frei für Leute die die DDR gar nicht erlebt haben?
    Wie wäre es folgenden zwei:
    Reformationstag als auch Buß- und Bettag, weil wir in Berlin sind genauso evangelisch wie die Brandenburger.

  14. 21.

    Ein Hoch auf unseren Regierenden, Herrn ... äh, wie heißt der nochmal? Egal. In den letzten paar Jährchen war zwar nicht allzu viel von ihm zu hören oder zu sehen, aber jetzt nimmt er sich - mit seiner in der Verfassung festgeschriebenen Richtlinienkompetenz - endlich eines der ganz wichtigen Themen der Berliner an: Endlich nicht mehr soviel schuften (die Berliner sind ja als arbeitswütig verschrien), endlich mehr feiern!

  15. 20.

    Stimmt, einige sind erschossen worden. Von den gannannten Tagen aber wohl dennoch der, an dem die wenigsten Menschen starben. Aber mein Hauptargument für den 17. Juni ist der sonnige Monat Juni. Und ausnahmsweise mal kein Tag, der mit den Nazis zu tun hat.

  16. 19.

    Wenn das realisiert werden sollte, bitte keinen traurigen Tag mehr als Feiertag.

  17. 18.

    Feiern war schon immer ein beliebtes Mitte, die Bevölkerung von anderen Problemen abzulenken und - wem es noch nicht aufgefallen ist - Alkohol (leider außer dem Bier) ist von jeglicher Verteuerung bisher weitestgehend verschont geblieben. Im alten Rom schon war "Brot und Spiele" ein gängiges Mittel, das Volk bei Laune zu halten und dessen Gedanken auf Banalitäten zu lenken.
    Nichts anderes ist die Ankündigung eines weiteren Feiertages durch Berlins Regierungschef Müller. Diesen Tag dann auch noch "Geschichtsträchtig" zu definieren ist der Absicht Krönung. Huldigt mir Volk, auch wenn ich sonst nicht viel zustande bringe... Das letzte Wort haben dabei aber immer noch die Herrschaften aus der Wirtschaft und die werden dem Herrn Müller schon vor rechnen, was so ein Feiertag - Geschichte hin oder her - kostet. Und ehe man es sich versieht ist der Plan auch schon vom Tisch...

  18. 17.

    Anmerkung: Herr Müller hat sich mehrfach zum Thema Antisemitismus gemeldet

    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2018/04/antisemitischer-angriff-prenzlauer-berg-berlin.html

    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2018/01/berlin-brandenburg-holocaust-gedenktag.html

    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2017/09/berlin-will-gegen-antiisraelische-boykottbewegung-bds-vorgehen.html

  19. 16.

    Autsch! Ein Aufstand, der blutig niedergeschlagen wurde und mehrere Menschenleben kostete, ist nicht wirklich ein Grund "fröhlich" zu feiern.

  20. 15.

    Der 9. November ist der Tag der Deutschen, kein anderer Tag ist mit unserem Schicksal so verbunden wie dieser Tag, im Guten wie im Schlechten. Und deswegen sollte man auch diesen Unsinn 3. Oktober beenden ... Müller ist wie ein trotziges Kind, dass mit seinen Vorschlägen provozieren will ... Im Übrigen: Hat sich Müller schon zu den erneuten sozialen Mißständen und Antisemitismus in der Stadt geäußert? Nein? Aber zu Feiertagen hat er offenbar eine Meinung!

Das könnte Sie auch interessieren

Der Sportverein "Projekt Habula" aus Velten (Quelle: rbb/Brandenburg aktuell)
rbb/Brandenburg aktuell

"Projekt Habula" aus Velten - Neonazis getarnt als Drachenboot-Verein

Der Sportverein "Projekt Habula" aus Velten wirkt auf den ersten Blick wie viele andere. Doch beim genaueren Hinsehen zeigt sich eine rechtsextreme Gesinnung. Die soll hier unauffällig unter die Bevölkerung gebracht werden, sagt der Verfassungsschutz. Von Peter Huth